Verwirrung mit „Durchschnitts-Coupons“

Das Termingeld von Frau W. ist diese Woche abgelaufen, und sie hatte einen Termin auf ihrer Bank.

Der freundliche Kundenberater erklärte ihr, dass neue Termingelder praktisch nichts mehr bringen, und er zeigte ihr das Factsheet des Pictet Fonds CH0016426881.

Da staunte Frau W. und bekam glänzende Augen, als der Berater ihr eine Couponsrendite von 2,2% versprach und stolz sagte, dass diese Anlage ausgezeichnet zu ihr passe. Er würde ihr zudem empfehlen, auch Guthaben auf dem Sparkonto ihres Mannes in diesen Fonds zu legen.

Zum Glück konnte Frau W. ihr Glück nicht glauben und verlangte eine Zweitmeinung. Dabei erfuhr sie, dass die effektive Durchschnittsrendite von -0,23% massgebend sei und nicht der durchschnittliche Coupons.

Sie konnte kaum glauben, dass man ihr auf ihrer Hausbank so eine Geldanlage verkaufen wollte.

Wie lange geht das gut?

Seit Jahren werden Milliarden Liquidität von den Zentralbanken zur Verfügung gestellt und die Zinsen künstlich tief gehalten, damit Länder wie Griechenland günstigere Kredite aufnehmen und auslaufende Darlehen mit hohen Zinsen von früher mit tieferen Zinsen verlängern können.

Was ist der Erfolg dieser Geschichte?

Hypotheken sind so günstig wie nie zuvor – auch ich profitiere von dieser Tatsache. Ein weiterer Effekt ist der Höhenflug der Aktienbörse seit 2009.

An den Firmengewinnen alleine kann es nicht liegen. Meine Hauptsorge ist, dass dieser Anstieg vor allem aufgrund der tiefen Zinsen erfolgt und bis heute anhält.

Wenn dann noch die letzten Kleinanleger mangels attraktiver Sparkonti und tiefen Obligationenzinsen auf den Zug „Aktienbörse“ aufgesprungen sind, werden die Profis bereits wieder ausgestiegen sein.

Und dann?

Die Probleme in den Krisenländer sind selbst nach 7 Jahren nicht kleiner geworden. Die sogenannten Reformen belasten die Bevölkerung, die Kleinsparer mit dem Sparkonto und die Arbeitslosen.

Die Arbeitslosigkeit, vor allem bei den Jungen, in den südeuropäischen Ländern ist nach wie vor astronomisch hoch.

Leider verlieren nicht nur Aktionäre bei einem Börsencrash, sondern auch die Schuldenkrise ist damit nicht behoben.

Im Gegenteil. Das Geld ist vernichtet und hat keine Arbeitsplätze geschaffen.

Noch immer liegen Milliarden Franken in Obligationenfonds und zwangsläufig auch in den gemischten Portfoliofonds – und diese Anlagen werden immer noch aktiv von den Banken angeboten, mit fragwürdigen Renditeversprechen.

Als ich mit einem Redaktor einer grossen Konsumentenschutzzeitung sprach, meinte dieser: „Wenn wir in einem Bericht dem Anleger erklären, dass er mit Obligationen- und gemischten Fonds „von den Banken für blöd verkauft wird“ und dieser Anleger ihre Anteile verkaufen und auf das Konto legen, was denken Sie, Herr Lauber, was dann passiert? Wir überlegen uns, ob und wie wir das Thema bringen.“

Mein Tipp: Überprüfen Sie die Durchschnittsrendite Ihrer Anlagefonds und seien Sie hellhörig, wenn Ihnen ein „durchschnittlicher Coupons“ als Rendite offeriert wird.

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