Ex-Fifa-Boss wird Risiko für Sparhafen-Bank

Urs Linsi über 50 Mal in Ermittlungsbericht erwähnt – wusste von dubiosen Sommermärchen-Millionen – CS-Connection.

Urs Linsi wird 58 Mal im Anwaltsbericht des Deutschen Fussball-Bunds vom Freitag erwähnt. Für Linsi, Ex-Fifa-Chef und heute als Präsident der Zürcher Sparhafen-Bank Gewährsträger, wird’s eng.

Linsi spielt eine zentrale Rolle bei einer 10-Millionen-Zahlung der Deutschen nach Katar. Es könnten nachträgliche Bestechungsgelder für die Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland sein.

Im Frühling 2005 wollten die Deutschen die 10 Millionen Franken respektive 6,7 Millionen Euro zunächst auf ein Konto von Adidas-Zampano Robert Louis-Dreyfus bei Paribas Zürich überweisen.

„Mit einem Fax vom 25. April 2005 nannte Urs Linsi dann Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger (Anm.: deutsche Auftraggeber) das Konto der FIFA bei der UBS in Zürich.

„Die Zahlung an die FIFA erfolgte dementsprechend letztlich am 26. April 2005 auch nicht direkt an Robert Louis-Dreyfus, sondern auf das von Urs Linsi angegebene Konto der FIFA bei der UBS in Zürich.“

Dann ging’s ruck-zuck.

„Die FIFA leitete diesen Betrag noch am Tage des Zahlungseingangs auf das aus dem Schreiben vom 19. April 2005 bekannte Konto von Robert LouisDreyfus bei der BNP Paribas Zürich weiter.“

Husch-husch wurde noch der „Verwendungszweck“ geändert. „Dieser bezog sich bei der FIFA nicht mehr auf die FIFA-Eröffnungsgala, sondern schlicht auf die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006.“

Linsi, ein Ex-CS-Kadermann, der ab 1999 für die Fifa die Finanzen managte und dann von 2002 bis 2007 der Generalsekretär des Weltfussball-Verbands war, ist damit ins Visier der Schweiz geraten.

Die Bundesanwaltschaft, die im ganzen Fifa-Komplex neben der amerikanischen Justiz die Leitung hat, erlaubte Linsi nicht, Fragen der deutschen Ermittler rund um die WM 2006 zu beantworten.

„(…) frühere oder aktuelle FIFA-Funktionsträger wie Urs Linsi (…) haben wir mit Rücksicht auf die Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main nicht befragen können“, steht im Bericht.

Bei der Bank Sparhafen gingen rund um den grossen Fifa-Korruptionsfall, der letzten Frühling mit einer Massenverhaftung von Fussball-Topshots im Baur au Lac begann, Gerüchte um.

Die Frage stand im Raum, ob Linsi als Banker oder Vermittler Finanzgeschäfte für Fifa-Funktionäre tätigte, die unter Korruptionsverdacht geraten waren.

Linsis enge Beziehungen zur CS wurden thematisiert. Linsi war bis Ende der 1990er Jahre selbst dort. Als Fifa-Topshot kaufte er der CS zudem 2003 bestes Land für den neuen Fifa-Hauptsitz-Tempel ab.

Linsi holte einen Ex-CS-Direktor zu sich in den Verwaltungsrat der Sparhafen-Bank. Martin Vollenwyder, der lange die Finanzen der Stadt Zürich leitete, nahm dankend an.

Zu Vollenwyder hatte der Sparhafen schon lange einen guten Draht. 2004 konnte die Sparhafen-Genossenschaft von der Stadt für heute attraktive 14 Millionen eine Vorzeigeimmobilie erwerben.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die CS ebenfalls in die Ermittlungen der USA und damit auch der Schweiz rund um die Fifa-Korruptionsvorwürfe involviert ist.

Das erstaunt insofern, als die CS nicht die Hausbank der Fifa ist. Diese Rolle kommt der UBS zu, die aber bisher kaum Schlagzeilen rund um den Fall Fifa geliefert hat.

Die CS reagiert hingegen scharf auf Vergleiche mit der Fifa. Sie schreckt selbst vor Klagen nicht zurück, wenn man sie in die Nähe des Fussballverbands stellt.

Urs Linsi, der Mann, der mit Leasing gross geworden war und später beim Weltfussball bei der dubiosen Zahlung rund um die WM 2006 Support leistete, wird zum Risiko für den Sparhafen.

Die Frage ist, ob die Finanzaufsicht aktiv wird. Bisher wollte sie sich nicht dazu äussern.

Möglicherweise lässt die Finma Linsi in Ruhe. Dieser scheint jedenfalls laut Insidern nicht in Bedrängnis.

Vielmehr schalte und walte er, ohne dass ihn jemand in der Sparhafen-Gruppe bremsen würde.

Das hängt mit den Besitzverhältnissen zusammen. Die Bank Sparhafen Zürich gehört zu einer Genossenschaft. Alles ist allen und niemandem.

Neben dem Bankenteil gibt es noch einen Immobilienast. Und bei den Immobilien spielen sich Linsi und Hans Egloff, ein SVP-Spitzenpolitiker und Hauseigentümer-Präsident, den Ball zu.

Über einen Sitz in Alpnach Obwalden, der an eine Briefkastenzentrale erinnert, fädeln die beiden Sparhafen-Strippenzieher Deals zusammen mit langjährigen Freunden und Zünftern ein.

Es scheint kaum Checks and Balances zu geben.

So ist Urs Linsi nicht nur Präsident des Bankenteils der Genossenschaft Sparhafen, sondern er sitzt gleichzeitig dem Verwaltungsrat des Immobilienteils vor.

Die Finma soll laut einem Insider einst aktiv geworden sein wegen gewissen Deals beim Sparhafen. Doch von Sanktionen wurde offiziell nichts bekannt.

Fast alle Kenner des Sparhafens sind weg. In den letzten 5 Jahren wurde praktisch die ganze 20-köpfige Mannschaft ausgewechselt.

CEOs kamen und gingen. Nicht weniger als 4 gab es innert kurzer Zeit. Der jüngste in der Reihe soll ein Kopfnicker sein.

Linsi wollte gegenüber der SonntagsZeitung, welche die prominente Rolle des Ex-Fifa-Topshots gestern ausleuchtete, keine Stellung nehmen.

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15 Kommentare zu “Ex-Fifa-Boss wird Risiko für Sparhafen-Bank

  1. „Die Zahlung an die FIFA erfolgte dementsprechend letztlich am 26. April 2005 auch nicht direkt an Robert Louis-Dreyfus, sondern auf das von Urs Linsi angegebene Konto der FIFA bei der UBS in Zürich.“

    Unglaublich! und derselbe Urs Linsi ist nun VRP einer Bank!

    @IP: Bitte dranbleiben.

  2. Es kommt nicht von ungefähr, dass Linsi bei der CS Karriere machte. Die dort verinnerlichte Kultur passte nahtlos zum Engagement bei der FIFA. Die bei seinem unrühmlichen Abgang herausgeholten 8 Millionen dürften bald aufgebraucht sein und es bleibt zu hoffen, dass er gegen ein anständiges Entgelt doch noch sein Schweigen bricht.

  3. Wäre doch für die FINMA ein gefundenes Bänkchen um wieder einmal etwas Zähne zu zeigen. Oder schreckt da die nationale Politik ab, mit Nationalrat H. Egloff dem VRP der Genossenschaft?

  4. Enrstaunt doch nicht. Linsi kam von der CS; offiziell kriminelle Organisation; zur FIFA. Er hat den Auftraggeber gewechselt und ist doch der gleiche geblieben. Mauscheln, verschieben, fragwürdige Geschäfte ist Teil der operationellen Strategie. Nun dürfen ihm Kunden und Aktionäre des Sparhafens noch das „Berufliche“ Gnadenbrot finanzieren!

  5. Ich kenne Urs Linsi ausschliesslich vom Sport her. Dass er Teil von so unfairen Praktiken wie bei der FIFA ist, darf nur eine Konsequenz haben: Disqualifikation für alle wichtigen Ämter, d.h. auch als Präsident der Kleinbank!

  6. Solche Hobbybänkchen verschwinden wegen den neuen Regulierungen sowieso.
    Schlimm für die Angestellten, wenn durch einen solchen dominanten und bekannten Verwaltungsratspräsidenten neben dem Joberhaltungsstress, das unangenehme Gefühl wächst, dass sie wegen dem zunehmend dubiosen Image des Arbeitsgebers später zusätzliche Schwierigkeiten bei der Stellensuche haben.

  7. Aha!

    Ich habe dazumal mit M. Rosen studiert. Dank U. Linsi wurde sie Complience-Chefin praktisch ohne Erfahrungen. Ich traf sie zufällig letztes Jahr. Nun soll Ihre Schwester neue Finanzchefin beim Sparhafen werden.

    Aha! mehr habe ich jeweils nicht gesagt.

    • @strahm

      Nein, absolutes Unverständnis und etwas Mitleid. Fragen Sie einen Karriereberater zu so einem Arbeitgeber!