UBS-Informatik: Kopflos

Grossbank verliert 3 oberste IT- und Infrastruktur-Chefs – neuer Bigboss Axel Lehmann ist home alone – noch mehr Offshoring?

Die UBS-Informatik erlebte ihren Gau vor 3 Jahren. Michele Trogni, eine unzimperliche Engländerin ohne viel Sachverstand, hatte das Herz der Bank zerlegt.

Auf Kostenschlächterin Trogni folgte Social-Media-Hype Oliver Bussmann. Der Deutsche mit der eloquenten Schnauze zelebrierte sich und die Bank: Wir schaffen das.

Seit gestern ist Bussmann weg. Wohin, weiss niemand. Ein Zweiter im grossen Corporate Center, wo die UBS am meisten Personal beschäftigt und Stabilität bräuchte, zieht Leine.

Es ist Peter Stipp, langjähriger Chef der Gebäude, Büros und Arbeitsplätze. Die Mutationen wurden gestern intern bekanntgemacht und dann nach aussen getragen.

Der dritte Mann blieb geheim. Es handelt sich um Frank LaQuinta, der Herr der globalen UBS-Software. LaQuinta ging vor Wochenfrist von Bord.

Die drei gewichtigen Abgänge werfen Fragen auf. Sie haben alle mit Axel Lehmann zu tun.

Lehmann kam auf Jahresanfang ans Ruder des weltweiten Corporate Centers. Bei der Zurich Versicherung, wo Lehmann die Risiken verantwortete, war er gerade noch vor dem Explodieren solcher Risiken gegangen.

Lehmanns Wechsel war eigentümlich. Er sass jahrelang im Verwaltungsrat der UBS und wechselte dann von dort direkt in die operative Oberleitung der Bank.

Das kann man machen, wie der Fall der Deutschen Bank zeigt. Dort übernahm John Cryan als VR-Mitglied den CEO-Job.

Doch bei der Deutschen geht es um akute Notoperationen, und Cryan ist der neue Chef. Bei Lehmanns internen Job-Hopping von der Aufsicht in die Exekutive ist davon nicht die Rede.

Warum also gehen drei Fahnenträger der Informatik respektive der Infrastruktur, wenige Wochen, nachdem Lehmann die Verantwortung übernommen hat?

Die drei gewichtigen Personalien hätten nichts mit der Strategie der Informatik und des Backoffices mit den rund 20’000 Mitarbeitern zu tun, heisst es aus UBS-Kreisen.

Jeder Fall sei individuell. LaQuinta habe persönlich gekündigt, Bussmann sei intern nicht überall gut angekommen, und Stipp sei nun halt auch weg – das könne ein neuer Chef ja so bestimmen.

Mitarbeiter der Schweizer Informatik und des Backoffices befürchten Anderes. Sie sehen die Gefahr, dass die UBS ihren eingeschlagenen Weg des massiven Outsourcings und Offshorings beschleunigt.

Von Indien über Krakau bis Nashville Tennessee hat die UBS grosse Service-Centers aufgebaut, von wo aus sie günstig die ganze Produktion für die jeweiligen Regionen erbringen möchte.

Dabei verfolgt sie aggressive Businesspläne. Nashville soll innert weniger Jahre von 0 auf 1’000 Mitarbeiter hochgefahren werden.

Gleichzeitig lagert die Grossbank immer mehr Aufgaben aus. Vor 3 Jahren hat sie den weltweiten Einkauf einem Intimus übergeben.

Dabei spielte auch Peter Stipp, der nun von Bord geht, eine Rolle. Er war in die Planung des Deals involviert.

Ob die grosse Offshoring- und Outsourcing-Rechnung aufgeht, ist offen. Die Abläufe werden tendenziell komplexer, die Qualitätsansprüche im Ausland sind oft andere als in der Schweizer Heimat.

Möglicherweise stimmten die tatsächlichen mit den budgetierten Zahlen nicht mehr überein und hat Axel Lehmann deshalb die Reissleine bei Bussmann und Stipp gezogen.

Eine andere Variante wäre, dass Lehmann sich von Schwergewichten nicht beim Führen stören lassen möchte. Dann wäre Lehmann einer, der Ja-Sager um sich schart.

So oder so wiegen die Abgänge für die UBS schwer. Die Informatik bildet das Rückgrat jeder Bank.

Innert drei Jahren zwei Mal eine Vakanz beim obersten IT-Chef wirft die Bank zurück; vor allem, weil ein neuer Mann oder eine neue Frau erst noch gefunden werden muss.

Bis es soweit ist, steigt Axel Lehmann selbst in die Hosen. Von Informatik versteht er nicht ganz so viel wie ein ausgewiesener Profi.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Peter Stipp weg?
    Soll einer sagen, bei UBS gibt es keine guten News!
    Habe selten einen so egozentrischen und kaltblütigen Menschen getroffen.

  2. Das Problem, welches die IT und die andern operativen Bereiche der Grossbanken haben, ist, dass die Top Manager (Generaldirektoren & VR) von diesen Bereichen oft null Ahnung haben. Sie betrachten sich und die Frontleute (customer-facing) als die wahren „Banker“ und die operativen & IT Mitarbeiter (inkl. deren Chefs) als reine Kostenfaktoren. Quasi als ein „necessary evil“, das es zu eliminieren gilt. Zum Beispiel wurde Michele Trogni nicht Leiterin des IT Bereiches der UBS weil sie eine hervorragende IT Spezialistin mit Visionen und Umsetzungs- und Motivationsfähigkeiten war. Sie wurde 2007 bei der UBS in diese Stelle gebracht, weil sie dem Top Management versprach, die Kosten massiv zu reduzieren. Dass sie in diesem mehrjährigen Prozess (bevor man ihr dann endlich auf die Schliche kam und ihr kündigte) das IT Know-How der UBS (vor allem in der Schweiz) beinahe komplett zerstörte, schienen „die Oberen“ lange Jahre nicht zu realisieren. Fazit: Jeder Top Manager einer Bank sollte mehrere Jahre im operativen und IT Bereich verbracht haben. Nur so versteht er oder sie, dass ohne Operations und IT in einer Bank rein gar nichts läuft. Es ist wie beim Menschen: Es sind nicht die Augen, die Ohren und der Mund, die uns Menschen am Leben erhalten, sondern die Arbeitsmaschinen Herz, Leber und Nieren…..

    • Sollte. Oder es braucht wirklich einen technischen K.O., und eine Verschiebung in die Geschichtsbücher, damit man es richtig macht.

  3. Es ist wie überall in dieser Atbeitswelt heutzutage. Zu viele Steuermänner die sich die Hisentaschen mit Geld füllen und keine Ruderer oder wenige. Die Herren ganz oben meinen sie könnten alles, bis die Aktieninhaber das merken haben die sich schon eine goldene Nase verdient ubd bekommen noch einen goldenen Fallschirm‼️. Es ist zum Kotzen. Gibt aber such noch andere Branchen die so funktionieren neben den Banken, Versicherungen und such das Baugewerbe funktioniert nur nich so!!

  4. Das kann LH nicht passieren – als Einzelmaske kann man ihn LEIDER nicht aufräumen – obwohl es schon sehr lange nötig wäre! Tipp an LH – versmieten sie doch X einen Arbeitsplatz in ihren Räumlichkeiten dann können sie sich den aufwendigen Weg des Maulwurfes sparen!!

    • @Insider – Die Wahrheit muss Sie aber ganz schön Schmerzen. Wer der Wahrheit nicht in die Augen sieht ist entweder Blind oder ein Surrealist. Beides oder zumindest eines davon muss auf Sie zutreffen. Oder Sie scheinen schlichtweg keine Ahnung zu haben.

  5. Pingback: Anonymous
  6. Digitales Ausräumen ist ein Begriff aus der Patientenpflege, nicht der Informatik. Aber bei der UBS (CS) gibt es sehr viel digital auszuräumen, so oder so!

    • Sind ja auch beides angeschlagene, kurz vor dem ins Koma fallende, Patienten 🙂 !

  7. Nach Hyderabad, zum Heiterkeitsbad!

    In Indien gibt es eine hohe Fluktuation. Dort kann der Lohnanstieg massiv sein, wenn man den Arbeitgeber wechselt. Es wechseln auch C++ Programmierer zu Java. Die bringen natürlich kein Tiefen-Know-How mit, aber den Schweizern wird das trotzdem verrechnet.

    Bis man spezifische Plattformen des Kunden (wie JAP bei der CS) kennenlernt, dauert es Monate. Wenn die Leute wieder gehen, oder in der CH gegangen werden, ist dies ein Verlust.

    Aber, da jeder ersetzbar sein soll, ist dies wohl der Preis der Philosophie.

    Auch sind die Inder keine Angestellten der UBS oder CS. Sein „Zuhälter“, ob er nun Tata, Accenture oder wieauchimmer heisst, bekommt den Löwenanteil.

    Eben: Nach Hyderabad, zum Heiterkeitsbad!

    Der Riesenhub ist jedoch Bangalore. Ich gehe lieber nach Bang-a-lot.

    • Bei der Nr. 2 ist viel weniger die IT Kopflos als das darüberliegende Management, welches der IT Steine in den Weg legt und dringend benötigte System-Anpassungen schlichtweg nicht bewilligt. So sieht es aus!

  8. Bussmann ist kein Verlust. Primär ein Selbstdarsteller ohne Tiefgang. Mit Bitcoins und Blockchain wird er m.E. einen Schuh voll rausziehen. Dieses unregulierte Darknet Zeug wird es sehr schwer haben in der regulierten Businesswelt. Sein Linkedin Profil ist schon fast peinlich für jemanden auf seinem Senioritätslevel.
    Bleibt zu hoffen, dass endlich ein CIO nominiert wird, der die IT wirklich zu einem Mehrwert bringt, auch wenn teilw. Leistungen aus Kostengründen outsourced werden.

    • Ott, Süess, Arn wären doch alles gute interne Kandidaten. Vor allem dem menschlich & fachlich vobildlichen Süess sollte man mal eine echte C-Level Chance geben. Die anderen beiden wären vielleicht noch etwas erfahrener auf der Position.