Pierin Vincenz im Strudel wegen brisanter Zahlung

Langjähriger Businesspartner überwies Ex-Raiffeisen-CEO fast 3 Millionen – offiziell für Haus – heikler Zeitpunkt – „Verklage Sie“.

Pierin Vincenz gilt als letzter Schweizer Topbanker: bodenständig, solid, vertrauenswürdig. Nach seiner Raiffeisen-Ära ist er nun sogar Favorit fürs Präsidium der Lobby Bankiervereinigung.

Doch nun gerät Vincenz in den Strudel einer undurchsichtigen Transaktion. Diese wirft heikle Fragen bezüglich Interessenkonflikten und der sauberen Geschäftsführung in Vincenz‘ Reich auf.

Es geht um eine Überweisung vom 3. Juli 2015 von Beat Stocker an Pierin Vincenz auf dessen privates Konto bei der Raiffeisen Lugano. Betrag: 2,9 Millionen Franken.

Beat Stocker und Pierin Vincenz sind schon jahrelang eng verbunden. Seit 1999 arbeiten sie Hand in Hand bei der Aduno, eine 25-Prozent-Tochter der Raiffeisen für Karten und Kredite.

Stocker machte als CEO die Aduno zur 3. Kraft im Karten- und Zahlungsbusiness, Vincenz ermöglichte dessen Deals als Präsident. Bezahlt zu Grossteilen vom Raiffeisen-Genossenschafter.

Die Überweisung von letztem Sommer von Stocker zu seinem Partner Vincenz wurde begründet mit einem Darlehen. Dieses gab Stocker Vincenz für ein Haus im Tessin.

So die offizielle Variante.

Stutzig macht die Art des Geschäfts und der Zeitpunkt der Transaktion. Vincenz hätte bei seiner Raiffeisen eine Hypothek aufnehmen können, und das erst noch zu Mitarbeiter-Konditionen.

Oder er hätte als solventer Geschäftsmann bei einer anderen Bank anklopfen können.

Steckt demnach etwas Anderes dahinter?

Brisant wird die Geschichte wegen ihres Zeitpunkts. Die Überweisung der fast 3 Millionen von Intimus Stocker zu Freund Vincenz geschah 2 Wochen, nachdem im Raiffeisen-Konzern wichtige Weichen gestellt wurden.

Dabei spielten Stocker und Vincenz eine entscheidende Rolle.

Es geht um die Firma Investnet. Diese wurde von zwei Unternehmern gegründet mit dem Ziel, sich an KMUs zu beteiligen und so die mittelständische Firmenlandschaft zu fördern.

Parallel dazu startete auch die Raiffeisen eine KMU-Initiative. Im 2011 stieg sie bei einem Verein namens kmuNext ein. Dieser wurde in der Folge in die Stiftung KMU Next umgewandelt.

Beim Umbau spielte Beat Stocker, Vincenz‘ Mann bei Aduno, der dort zig Deals eingefädelt hatte, eine zentrale Rolle.

„Als Projektleiter für die Vorbereitung und die Seedphase der Stiftung wurde von Raiffeisen Schweiz Beat Stocker eingesetzt“, hielt der Verein in seinem Geschäftsbericht 2012 fest.

Wenige Monate später folgte der Schulterschluss von Raiffeisen mit der Investnet, also der grossen Bank und dem Startup von Privatunternehmern, die sich beide die KMU-Förderung auf die Fahnen geschrieben hatten.

Für diesen Zweck hatte die Raiffeisen eine eigene Tochter gegründet, die KMU Capital. Der Link zwischen der ursprünglich aus der Raiffeisen Leasing hervorgegangenen Aktiengesellschaft und der erwähnten, fast gleichnamigen Stiftung ist evident.

Damit ist auch klar, dass Vincenz-Mann Beat Stocker direkt in den Aufbau der Raiffeisen-KMU-Initiative involviert war.

Im April 2012 wurde die Kooperation offengelegt.

„Im Rahmen ihrer Langfriststrategie, die Dienstleistungs-Palette für KMU-Unternehmer zu erweitern, hat die Raiffeisen Gruppe beschlossen, die KMU Capital AG mit wesentlichen finanziellen Mitteln auszustatten“, meldete die Investnet in einer Mitteilung an ihre „Geschätzte Geschäftspartnerinnen, Geschätzte Geschäftspartner“.

„Insbesondere soll bei Unternehmens-Nachfolgen durch Eigenmittel-Finanzierungen der Übergang auf einen Nachfolger gesichert und begleitet werden“, begründeten die Investnet-Partner ihren Entscheid.

Der Setup sah vor, dass die Raiffeisen das Kapital für den neuen KMU-Player der Schweiz beisteuern würde, während von der Investnet das Management und das Knowhow kamen.

Wichtig war die folgende Passage im Communiqué der Investnet-Gründer. Dort hiess es: „Die Partner „Andreas Etter und Peter Wüst und die KMU Capital AG gehen eine gegenseitige Beteiligung mit Aktientausch ein.“

Die Investnet-Macher würden also an Bord bleiben. Aber nur eine Zeitlang. Wie seither aus dem Raiffeisen-Geschäftsbericht hervorgeht, haben sie das Recht auf einen Exit ab 2020.

Letztes Jahr fand dann Eigenartiges statt.

Am 17. Juni 2015 wurde das Konstrukt Investnet und KMU Capital, die beide bis dahin als 60 Prozent-Töchter der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft aufgelistet waren, in eine neue Holding geführt.

Diese erhielt den Namen Investnet Holding AG, wurde mit einem Kapital von 10 Millionen ausgestattet, das zu 60 Prozent im Besitz der Raiffeisen Schweiz war.

Der Rest gehörte offiziell den beiden Investnet-Gründern, die auch im VR Platz nahmen. Das Präsidium übernahm Pierin Vincenz.

Neu war vor allem, dass die Holding jetzt 100 Prozent an den beiden Töchtern besass.

Auffällig ist nun die zeitliche Koinzidenz. Kaum stand das neue Konstrukt, schon floss Geld. Und zwar von Stocker zu Vincenz.

Stocker hat laut offiziellen Angaben nichts mit der Investnet zu tun. Sicher ist, dass er beim Aufbau der ganzen KMU-Initiative entscheidend war.

Angesprochen auf diese Zusammenhänge, mit Beat Stocker als Raiffeisen-Mann für die KMU-Expansion unter seiner Ägide und der Zahlung auf sein Privatkonto in Lugano just zum Zeitpunkt, als das Konstrukt in neue Form gegossen wurde, reagierte Vincenz gestern aggressiv.

„Da gibt es null Zusammenhang“, schrieb Vincenz per SMS. „Diese Frage alleine ist ein Skandal.“

Dann drohte Vincenz.

„Herr Stocker hat mir ein privates Darlehen für einen Hauskauf gewährt. Das geht niemanden etwas an und ich werde alle juristischen Mittel einsetzen um herauszufinden wer das Bankgeheimnis in derart grober Weise verletzt. Jegliche Publikation wird auch juristische Konsequenzen haben.“

Beat Stocker liess Anfragen nach der Zahlung und der Art seines Engagements bei der Investnet unbeantwortet.

Ein Raiffeisen-Sprecher meinte zum Eingang der Zahlung auf das Raiffeisen-Konto von Vincenz: „Aus Gründen des Bankkundengeheimnisses können wir auf diese Frage keine Antwort geben.“

Auf die Frage, warum Vincenz als Präsident der neuen Investnet Holding immer noch eine wichtige Funktion im Raiffeisen-Reich einnimmt, obwohl er sich doch letzten Herbst mit grossen Feiern verabschiedet hatte, sagte der Sprecher:

„P. Vincenz verfügt über ein hervorragendes Netzwerk und Know how in der Schweizer Wirtschaftslandschaft. Die Einbindung solcher Personen ist für eine Vielzahl von Unternehmen von grossem Wert. So auch für die Investnet und KMU Capital, wo er von Raiffeisen unabhängig agiert.“

Kommentare

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  1. Interessanter Artikel, der zum Nachdenken erregt. Es ist auch beachtenswert die Meinungen hier zu lesen. Ich möchte noch kurz über das Webdesign sagen – sehr schön und bedienfreundlich. Toll!

  2. Wenn diese Geschichte wahr ist, haben Vincenz und sein Intimus Stocker den legitimen Sinn und Zweck des Bankgeheimnisses in krasser Weise verletzt. Punkt.

    • Wie vielen anderen in der Finanzbranche ist es den beiden Herren doch völlig egal was das Fussvolk über ihr „ehrenwertes“ Handeln denkt.

  3. „…wo er von Raiffeisen unabhängig agiert.“
    So, so. Wessen Kohle wird denn dort investiert? Ich verstehe auch nicht, wieso Herr Gisel diese unmögliche personelle Konstellation zugelassen hat.

  4. Eine Person, die offensichtlich cash zahlen oder sich die Mittel anderweitig beschaffen könnte, „leiht“ sich bei einem Freund, dem er in seiner früheren Funktion allerhand ermöglicht hat, knapp 3 Mio. angeblich für ein Ferienhaus. Dass hier der Verdacht aufkommen muss, es könnte sich gar nicht um einen Kredit sondern um eine „Entschädigung“ für frühere Gefallen handeln, liegt auf der Hand. Darauf angesprochen wird mit Klage gedroht, anstatt dem Journi zu erklären, weshalb es eben keine Story ist. Das macht die Sache natürlich erst recht verdächtig. Es gibt nun zwei Möglichkeiten: PV verhält sich im Umgang mit der Presse ausgesprochen dumm oder an der Geschichte ist wirklich etwas dran.

  5. 2,9 Millionen Darlehen an Vincenz, der doch eigentlich schon mehr als genug Geld hat? Das ist sicher erklärungsbedürftig. Gerade die Panama Papiere zeigen aktuell, zu welchem Zweck vermeintliche und wirkliche Darlehen missbraucht werden können. Oder „Darlehen“ im Umfeld der FIFA, steuersparende und andere. Ein Strafverfahren würde klären, ob die Millionenzahlung an Vincenz legal oder in irgend einer Form unsauber oder gar strafbar war. Es ist Herrn Hässlers Verdienst, dass er sich nicht scheut, auf erklärungsbedürftige Vorgänge hinzuweisen.

    • Ja klar, es soll gegen jeden der ein Darlehen erhält, zuerst mal ein Strafverfahren eröffnet werden – das macht Sinn.
      Zum Glück gibt es noch so clevere Ideen…

  6. @ P.Vincenz, lassen Sie mich hier wissen ob sie gegen LH klagen. Ich mache mit. Wir haben nämlich auch ein bisschen über LH Vergangenheit recherchiert!! Sehr spannend kann ich sagen..

  7. Beat Stocker war doch auch in den Anfangsphasen der Dynapartners/TCMG involviert, wenn ich mich recht erinnere. Das hat dann aber ein anderer Beat übernommen.

  8. Wieder ein Paradebeispiel von traurigen Ereignissen.
    Ein Plauderi schiebt dem „Journalisten“ einen Tip. Der Journi dichtet was drauf und findet es nötig diese Mär an die Oeffentlichkeit zu bringen. Hoffentlich werden Plauderi und Journi gesetzlich verfolgt.
    Hier noch ein paar Schlagzeilen vom 2.7.2015 für den Journi.
    Wäre gespannt was er damit zusammendichten kann:
    – Bereits eine Million Badegäste in der Stadt Zürich
    – Boko Haram verübt mehrere Massaker
    – Bankenombudsmann: Neue Regeln führen zu mehr Streit mit Kunden im Ausland
    – Frühes Out in Wimbledon: Der nächste Tiefpunkt für Nadal

    Dass die Zahlung mit einer dieser Schlagzeilen zusammenhängt ist genauso so glaubwürdig wie die Mär in diesem Artikel!

    • Wieder ein Paradebeispiel eines selten dämlichen Kommentars eines sowohl intoleranten wie auch ignoranten freien Bürgers eines freien Landes.

    • @Traurig
      Intoleranter und ignoranter Schweizer Bürger, weil mein nicht jeden Tag diese Räuberpistolen für wahre Münze hält?
      Bitte mal das Buch „The boy that cried wolf“ lesen…..
      Inside Paradeplatz hat seit Jahren keine „real story“ aufgedeckt. Viel Lärm über die kleinsten Dinge, welche ein normaler Bürger eines freien Landes relativ wenig kümmern… Ausser traurige Neidgenossen wie Sie, welche alles für bare Münze nehmen und sich über die grosse „Ungerechtheit* in diesem freien Land aufreiben können.

    • @Neidgenosse: Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es selbst bei hochangesehenen NGOs wie dem SRK hochkorrupte Manager gibt. Man glaubt es nicht, ist aber so. Viele MA wissen es und halten aus Angst die Klappe, denn ganz oben wischt man alles Grusige unter den Teppich und setzt sich weiter den Heiligenschein auf. (Na ja, die Präsidentin und Ex-Bundeskanzlerin kann ja auch nicht beide Augen auf einen Tatort fixiren, da entgeht ihr wohl einiges…)

    • Erstaunlich (oder bedauernswert?), dass Sie offensichtlich nach wie vor Tag für Tag Zeit finden, eine Räuberpistole von Postille zu lesen, sich darüber aufregen und sogar noch (ziemlich sinnentleert) kommentieren was ja eigentlich, Zitat: „einen normalen Bürger eines freien Landes wenig kümmert…“ – ahaaa.

  9. Wenn man in Google die Bildersuche zu „Pierin Vincenz“ bemüht, kommen an Bildvorschlägen an erster Stelle „pierin vincenz töchter“ und an zweiter Stelle „pierin vincenz haus“.

  10. Eine Sauerei hier ist bloss, dass offenbar das Bankkundengeheimnis in gröbster Art und Weise verletzt wurde!
    Alles andere geht nun wirklich niemanden etwas an.

  11. Was jetzt, Vincenz hat nicht genug Kohle um sein „bescheidenes“ Häuschen im Tessin Cash zu bezahlen? Was hat er denn bloss mit den Millionen gemacht, die er während mehr als einer Dekade bei der Raiffeisen abgeschöpft hat? Verjubelt, verzockt, oder was?

  12. Die Selbstherrlichkeit dieser ungekrönten Geldtypen wird immer dreister. Die bei diesen Leuten umgebundene Krawatte hat folgende Auswirkungen: es schneidet die Luftzufuhr zum Hirn ab. Es ist einfach nur noch traurig, wie sich dieser Geldadel, unterstützt durch die korrumpierten bürgerlichen Spiessgesellen in der Politik, aufführt.

  13. Ach ja, Vincenz hat doch schon seit Jahren eine Liegenschaft im Tessin. Hätte man das nicht mitbekommen, wenn er ein neues Haus gebaut/gekauft hätte?

    • Korrelation ist sowieso der falsche Begriff.

      Kausalität wäre das treffendere Wort.

  14. irgendwie normal, hier in der schweiz. nie jemand schuld, legal, wenn auch „etwas“ heikel. unsere schönwettergesetze gelten auch für die finanzindustrie. nachgebessert wird erst bei druck aus den usa oder osce und auch dann nur halbherzig. das ganze hat hier tradition. bei uns alles unter den teppich kehren und immer auf die eu zeigen.
    irgendwie alles etwas fehlgeleitet. sich aufregen, wie bei kassensturzt und dann wieder abregen. das ist alles. schade.