The Camp – Realityshow bei der CS Schweiz

Riesenaufwand mit Logo und Spektakel für 3 Tage Management-Seminar – an Alfred-Escher-Stätte – Startschuss zum Glück?

Heute bis Mittwoch kommen rund 150 Front-Manager und geschätzte 50 hohe Stäbler der CS Schweiz zusammen. Es ist der Startschuss des neuen Private Bankings Schweiz.

Chef Serge Fehr scheut keine Kosten. THE CAMP lautet das Seminar, es hat ein eigenes Logo im Stil eines Hollywood-Blockbusters – oder eines „Dschungelcamps“ im deutschen Privat-TV.

Was das CS-Camp soll, steht in der Begleitzeile. „Team Head Excellence Camp, Private & Wealth Management Clients“, lautet sie.

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Von Boss Fehr über die 8 Regionenleiter und die gut 40 Marktgebietschefs bis hinunter zu den Teamleitern trifft sich das gesamte Kader des Private Bankings der Schweiz – des wichtigsten Markts der geplagten Grossbank.

Fehr, der bei der CS Genf seine Sporen abverdient hat, wagt damit etwas Neues. Er nimmt nicht nur den engeren Führungszirkel bis Stufe Marktgebiet an die Brust, sondern ruft alle Teamchefs zu sich.

Eine Art Rütlirapport – statt am Vierwaldstättersee am heimischen Zürichsee, dort, wo CS-Urvater Alfred Escher einst mit seiner Familie gelandet war.

Escher zügelte von der rechten Stadtseite übers Bellevue in die Enge am linken Ufer. Er tat dies nicht auf dem Landweg über die Seebrücke, sondern nahm das Schiff.

Auf seinen Spuren wandelt nun Serge Fehr, ein Romand, der bereits den Escher-Award für das beste Team seiner Truppe aus der Taufe gehoben hatte.

Nach über 150 Jahren landet die CS also praktisch wieder dort, wo sie einst losgelegt hatte unter ihrem legendären Escher, der auch bei den grossen Gotthard-Feiern hochgelobt werden dürfte.

Escher hatte die Schweizerische Kreditanstalt gegründet, als Bank der Zürcher Wirtschaft und Unternehmerschicht, die sich abhob von den rasch boomenden Landbanken wie jener im Thurgau und in Winterthur, der späteren Bankgesellschaft.

Eschers SKA wuchs dank Krediten für Grossprojekte. Folgerichtig schien deshalb der Ausflug ins globale Investment Banking, um noch mehr Firmen Zugang zum Kapital zu verschaffen.

Was zu Eschers Zeiten noch kein Schimpfwort war, wurde für die CS zur Tragödie. Die Bonus-Manie der Investment Banker zerstörte die Kultur der Bank.

Nun also kommt ein bislang Unbekannter namens Fehr und führt das CS-Schiff in den alten Hafen. Er beschwört die Urzeiten unter Escher, wählt als Ort seines Grossspektakels die historische Stätte des CS-Gründers.

Wie bewusst Serge Fehr die Escher-Karte spielt, ist schwer zu beurteilen. Augenfällig ist sein Fokus auf die historische SKA-Figur ein Jahr vor dem geplanten Börsengang der CS Schweiz so oder so.

Der Versuch eines Kickstarts kommt jedenfalls nicht zu früh. Die CS Schweiz hat im ersten Quartal Magerkost verabreicht.

Von Januar bis März nahmen die neu an Land gezogenen Assets von Kunden lediglich um 700 Millionen Franken zu. Für die grosse CS mit ihrem stolzen Marktanteil im Private Banking Schweiz war das eine herbe Enttäuschung.

Das Rinnsal von Neugeld hat seine Ursache im Zustand der Gruppe. Die CS machte als Konzern zum zweiten Mal in Serie Verluste.

Die Schweizer Kunden, die traditionell viel mehr Cash horten als beispielsweise vermögende Amerikaner, machten sich Sorgen um die Sicherheit ihres Geldes.

Die inländische Einlagenversicherung deckt 100’000 Franken pro Kunde ab – ein Bruchteil der Einlagen von schön reichen Schweizern.

Zur Verunsicherung kam der Ärger. Die CS hatte in den Jahren von Ex-CEO Brady Dougan durch ständig neue Bonusprogramme und eine auf die lange Bank geschobene Abkehr vom Casino-Banking viel Vertrauenskapital im Heimmarkt verspielt.

Als unter Dougan-Nachfolger Tidjane Thiam zwar fast alles anders wurde, aber ohne ersichtliches Ziel, wurden aus Gewinnen hohe Verluste. Es war der Moment, als viele CS-Kunden sich nach einer Alternative umsahen.

In der Schweiz kam noch der Effekt von CS Invest hinzu. Gemeint ist ein neues System der Vermögensverwaltung mit All-in-Gebühren à la Telekomanbietern.

Während sich CS Invest für gewisse Kunden mit Interesse an aktivem Investieren bezahlt machen kann, passt es für andere nicht mehr. Auch sie prüfen dann den Wegzug zur Konkurrenz.

Es ist dieser Mix aus negativen Nachrichten von der CS-Brücke, individuellem Frust über die Bonus-Kultur und nicht mehr passendem Produkteangebot, der für die CS Schweiz zum Problem geworden ist.

Serge Fehr stemmt sich nun mit Kraft gegen den Trend. „THE CAMP“ am Zürichsee soll zum Startschuss ins neue Glück werden – mit Training für seine 150 wichtigen Front-Offiziere.

Kommentare

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  1. Die inländische Einlagenversicherung ist zusätzlich zu den zitierten 100’000 Franken pro Kunde insgesamt bei CHF 6 Mrd gekappt, dies würde für ein Institut wie CS niemals ausreichen

  2. Böse Zungen behaupten, die CS komme halt einfach nicht von der Stelle. Und nun zelebriert sie dies auch noch.

  3. Serge Fehr ist endlich wieder einmal ein Chef, der viele wichtige Eigenschaften vereint:
    – Kundenorientierung
    – Leadership
    – Intelligenz
    – Emotionalität

    Für diesen Typen gehen wir die Extrameile und bringen die CS in der Schweiz wieder auf Platz 1.

    Wenn Hässig dabei gewesen wäre, hätte selbst er den neuen Geist der CS Schweiz gespürt.

  4. hört doch endlich mal mit dem basching auf.. toller anlass
    tolle leute
    toller spirit
    lasst den hässig hässig sein..

  5. Hatte ein strukturiertes Vorstellungsgespräch bei der CS miterleben dürfen. So ein Wahnsinn habe ich noch nie erlebt. Wieso braucht die CS überhaupt noch fähige Leute? Das HR hat keine Menschenkenntnisse, braucht sie auch nicht. Ich selber bin nach Jahren eigentlich immer noch geschockt und enttäuscht wieweit es mit uns allen (der Gesellschaft) schon gekommen ist. CS ist für mich seither gestorben.

    Nach zwei Wochen hat der Computer ausgespuckt das ich zuwenig geeignet bin. Nach all den guten (Kompliment) Berichten der letzen Monate über die CS hier kann ich nur sagen, der Computer hatte Recht. Andere Meinungen sind unerwünscht. Für was braucht es überhaupt noch Weiterbildung und in 10 Jahren Angestellte (= Menschen) in der CS?

    • Sie haben noch nie ein strukturiertes Vorstellungsgespräch erlebt? Lassen Sie mich raten, auf Jobsuche sind Sie, weil Ihr früherer Arbeitgeber keine Ahnung und Menschenkenntnis hatte? Ihr wirres Geschreibsel zeigt, dass die Selektion bei der CS in Ihrem Fall goldrichtig lag.

    • Walti, was sollte Ihr wirres Geschreibsel nach dem Ausgang, und das schon anfangs Woche?
      Obwohl das jetzt schon ein wenig „off topic“ ist: Ich konnte in den letzten 3 Jahren an ein paar Selektionsverfahren, u.a. bei der CS teilnehmen und kann dem Vorstellungsgeplagten nur zustimmen. Alles super alles toll und dann hört man nichts mehr. „human resources“ ist nur noch Hohn und Spott. Die Firmen wissen nicht, was sie anrichten. Wer kann, der geht, wer nicht, hofft, dass er nicht gegangen wird. So wollen die wirklich etwas reissen? Gebt den Leuten auf ehrliche Art Sicherheit. Zeigt aufrichtige Wertschätzung. Lebt Eure Werte, die in immer neuen Broschüren verteilt werden und jetzt kommen wir zum „topic“: Was sollen solche elitären teuren Veranstaltungen, bei denen bestimmt 50% unfähige und sonst schon überbezahlte teilnehmen? Was ist das für ein Zeichen an die grosse Mehrheit der Mitarbeiter, die unter immer neuen Kurswechseln und Sparmassnahmen leiden?

    • @Walti Säss

      Was soll der Unsinn, den Sie das verzapfen? Bei der CS wird im Vorstellungsgespräch alles versprochen und danach nichts gehalten, weil man weiss, und jeder hofft es, dass man schon wieder weg ist, wenn es gilt, Zusagen und Versprechen einzuhalten. So läuft das dort. Es ist schade um die Zeit, mit denen zu reden weil es eh’nur leeres Stroh ist was dort gedroschen wird. Gugus halt.
      Dementspechend ist auch das Arbeitsklima dort, es gibt kein Vertrauen in dieser Firma.

  6. einmal mehr eine demonstration der überheblichkeit der oberen cs-gilde. wie Toni richtig feststellt, wird der laden in diesen tagen endlich mal laufen, ohne dass die sieben steuermänner dem ruderer zu verstehen geben, dass er sowieso nur ein würstchen ist und schuld am verlorenen rennen.
    wieso begeben sich diese super-mänätschrs nicht mal aus ihrer comfort-zone und zeigen den untergebenen, dass sie die vorgegaukelten skills auch drauf haben, indem sie sich in der steppe zimbabwes aussetzen lassen?
    ich bin sicher, die untergebenen würden bei bekanntgabe der 15%-überlebensquote den verschollenen in falscher schleimigkeit in nichts nachstehen und wahrhaftige trauer heucheln.

  7. Bravo Herr Hässig endlich schreiben Sie wieder über Johann Heinrich Alfred Escher (1819-1882) der Lichtgestalt von Zürich (ja gemeint ist hier wirklich nicht Ancilo Canepa sonder der grosse Alfred Escher) ohne den es keinen Paradeplatz und auch ihr kleines Magazin Inside PP nicht gäbe. Recherchieren Sie auch noch über die Bedeutung des Gotthardtunnels, durchqueren Sie ihn dannach guten Mutes und am Ende des Tunnels wird Ihnen ein Licht aufgehen

  8. Solche ‚Camps‘ zeigen immer schön, wie überflüssig die meisten Manager sind. In den drei Tagen wird der Betrieb laufen wie gehabt, eventuell besser, weil man nicht gestört wird, während sich die Herrschaften im Camp über die grosse Linie unterhalten.

    • Natürlich kommen die Milliarden Neugeld einfach von selber rein. Ob die Strategien von Fehr fruchten oder besser sind, kann ich doch auch nicht beurteilen. Aber immerhin scheint wenigstens ein bisschen Wille vorhanden zu sein, die missliche Situation ändern zu wollen. Gelästert wird ja eh; ob sie nun was Neues probieren oder wenig bis nichts ändern!

  9. Werden nun Formate aus dem Trash-TV in die Finanwelt übernommen? Bei der CS wäre man fast versucht zu sagen, dass das perfekt passt. Leider müssen die Indianer diesen Trash wieder ausbaden.

  10. So ein Seminar fördert den Team Spirit und die Mitarbeiter dann sind alle topfmotivirt und bringt Höxhtleisstungent.

    • @Thomas Burckhardt

      Wenn die so gute Leistungen bringen wie Du schreibst dann gute N-8

    • @Der Eidgenoss

      Die Ironie nicht verstanden, dafür ganz gross die Schreibleistung von Burckhardt kritisieren. Schon mal was von Legasthenie gehört?

      Sie könnten Bänkler oder $VPler oder was am Schlimmsten wäre, beides Zusammen sein. Hauptsache den Inhalt nicht verstehen, dafür grossartig auf des anderen Schwäche zeigen. Ist das Ihre Erfolgsmasche? Die Anderen wegen Nichtigkeiten in die Pfanne hauen, Hauptsache man hat was gesagt und sich eingeschleimt? Schwach, Herr Eidgenosse (muahhahahaha, denn die alten, wahren Eidgenossen waren unter sich noch Solidarisch, was man von Ihnen keineswegs sagen kann)

  11. Trauriger Anlass. Den Team-Heads wird gezeigt, wie sie ihren Kundenberatern noch mehr Druck machen sollen. Anhand von Excel-Sheets sollen nun wöchentlich Neugeld- und Produktverkäufe verfolgt werden. Wer es pro Woche nicht auf seine 25 proaktiven Verkaufsanrufe bringt oder es nicht schafft, seine prospects rechtzeitig durch die due dilligence zu drücken, mit dem wird ein ernstes Wort geredet. Team-Heads werden dazu ermutigt, das Nicht-Erreichen von realitätsfremden Planungszielen konsequent in Personalabbau umzusetzen. Management-Blödsinn pur. Von Leadership keine Spur mehr. Der Name Escher dürfte in diesem Zusammenhang gar nicht mehr erwähnt werden.

  12. Mein „Camp“ ist/war das warten auf den 01.06.2016. Dann sind endlich all meine Gelder auf einer sicheren Schweizer Bank. Von mir aus können jetzt die CS Bosse die Bank in den Ruin treiben….. have FUN !

    • Sehr gut, Herr Meier. Und Ihre sichere Schweizer Bank hat keine CS-Gegenparteirisiken, direkt oder indirekt, und ist völlig isoliert von allem Bösen auf die Welt, gällezi.

    • Welche sichere CH Bank? Dass Sie wissen, was eine solche ausmacht, dürfte anhand des unterirdischen Niveaus Ihres Abschlusssatzes zu bezweifeln sein.

    • René und @hansi. Ihnen ist vermutlich untergegangen, das gewisse Banken / Finanzinstitute Bundesgarantie oder Staatsgarantie haben/geniessen. (Postfinance bis 09/17) Viel spass beim Zocken !

  13. Reality Show? Kenne das aus meinen Zeiten auf dem Bocken. Ist eher eine Muppetshow. Selbstbeweihräucherung den ganzen Tag und einschwören wie in der Baghean Sekte für den nächsten Flop den sie produzieren wollen. Solange sie Private Banking Kunden als abzockfähige Dubbeli anschauen kommt das nicht gut. Bei der UBS ist es aber nicht viel anders. Es lebe die Muppetshow!

  14. Über den Namen lässt sich streiten, allerdings ist die Positionierung und die Verwendung von Eschers Namen ein kluger Zug. Es wirkt auch glaubwürdig was da angerissen wird – das könnte was werden – schon komisch – da versuchen sich zig andere zuerst und dann kommt einer aus dem Welschland und zeigt wie’s gehen könnte…

  15. Interessant wäre von diesem Anlass die Traktanden-Liste!
    und hoffentlich überbordet das Traktandum „Diverse“ nicht mit zu vielem Unbekanntem und Möchtegern-Anfragen.
    Bitte denkt an die Spar-Menus!