Von Aspirin über Mindestlohn-Brasilianer zu Karibik-Jacht

Sepp Blatter darf wie Dagobert Duck jeden morgen in seinen Millionen schwimmen, er hat ja schliesslich etwas geleistet dafür. Er musste alle 4 Jahre eine Weltmeisterschaft eröffnen, hat sich einige Fussballspiele ansehen müssen und musste sich vor allem wiederwählen lassen. So etwas ist anstrengend und sehr kostspielig, das verdient einen grosszügigen Bonus.

Was wir wollen, ist, an dem Fall einmal unsere Wirtschaft durchdenken. Also: Sepp Blatter lässt sich von seinem Generaldirektor einen Bonus von 15 Millionen auszahlen. Kurz vor Weihnachten, alles rechtens, sozusagen ein Gentlemen Agreement.

Erste Frage: Woher kommt das Geld? Es liegt in der FIFA-Kasse. Wie kommt es dahin? Vor 2 Jahren war die WM in Brasilien, die Fernsehübertragungsrechte wurden teuer verkauft. Fernsehanstalten wie die SRG oder das brasilianische Tele Globo bekommen das Geld von grossen Firmen, die landesweit geschaltete Werbespots bezahlen können.

Bayer mit seinem weltberühmten Aspirin lanciert die Kampagne „weniger Schmerz“. Allein in Brasilien erreicht man damit 120 Millionen potentielle Kunden während der Gruppenspiele der Selecao.

Diese Menschen erinnern sich nach dem Halbfinal an das Produkt. Zwischen dem Halbfinal und dem Final strömen 20 Millionen Brasilianer in die Apotheken und kaufen für umgerechnet 200 Millionen Franken Aspirin.

Es sind einfache Menschen, sie bezahlen 30 Real oder 10 Franken für die Schachtel, das sind 5% eines monatlichen Mindestlohnes in Brasilien.

Der einfache Brasilianer überlebt bis zum Final und muss sich Gedanken machen, wie er die 5% einsparen kann. Bei diesem Final sieht er Sepp Blatter in der Pause ein Telefongespräch führen und weiss nicht, dass dabei ein Teil seiner Einsparungsbemühungen ausgegeben wird.

Blatter bestellt sich eine mittelgrosse Jacht in Antibes. Er will, ja muss sich endlich erholsamen Urlaub gönnen – nach all den Strapazen, die er durch den Fussball erleiden musste.

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6 Kommentare zu “Von Aspirin über Mindestlohn-Brasilianer zu Karibik-Jacht

  1. Schlau werde ich nicht aus diesem Artikel.

    Wenn sich jemand Aspirin kauft, obwohl er es nicht braucht, heisst dies, dass diese Person nicht mit Geld umgehen kann. Aber besser in Aspirin investiert als in Cachaça (Schnaps).

  2. Ist das Ihr erster Artikel nach beendeter Hospitanz bei 20 Minuten? Selten habe ich einen so schlechten journalistischen Stil zu Gesicht bekommen…

  3. Man kann ja über den Inhalt und die Qualität dieses Artikels geteilter Meinung sein. Warum aber Sepp Blatter seine „Karibik-Jacht“ in Antibes bestellt, hat sich mir bisher nicht erschlossen…

  4. Mit diesem, zwar wunderschön sarkastisch geschriebenen Artikel habe ich Mühe. Klar hat Blatter grobe Fehler gemacht und viel Geld eingeheimst. Aber er hat aus einem Hobbyverein eine Top-Vorzeige-Werbeplattform für Firmen geschaffen. Er ist lediglich ein Marketingdienstleister. Die Abzocke und der moralische Zeigefinger richtung armes Volk von Ihnen in diesem Artikel sind falsch adressiert. Diesen Zeigefinger müssen Sie an die Konzerne richten. Mit allen erdenklichen und penetranten Werbetricks wird der einfachen Bevölkerung das Geld aus der Tasche gezogen, sonst funktioniert die globale Wachstumsstory ja nicht. Die Konzerne, Anleger und damit auch Pensionskassen und wir selber sind dafür verantwortlich. Die FIFA ist eine Plattform, mittlerweile sehr attraktiv (fragt sich wie lange), aber die Wurzel dieses Übels liegt in den Konzernen und den astronomischen Renditeerwartungen der Marktteilnehmer.

    • Da bin ich einverstanden mit ihnen. Nur eben funktioniert die FIFA heute auch wie ein solcher Konzern. Und das wird dem Sepp Blatter immer als Verdienst angerechnet. So deuten sie das ja auch an.

    • @TS: ja, ist es denn kein Verdienst? Ich sag’s mal so: wäre es besser, die FIFA wäre noch immer der Feld-, Wald- und Wiesenverein mit 4 ehrenamtlichen Angestellten?
      Als global tätiges Unternehmen hat die FIFA heute x-hundert Angestellte, die alle ihren Familien ein Auskommen ermöglichen. Zusätzlich zahlen diese alle Steuern (teilweise nicht zu knapp). Dazu kommen die Aufträge an die lokalen Hotels, Betriebe und Unternehmungen, die wiederum steuerzahlende Angestelle beschäftigen.
      Sorry, aber mich dünkt das sozialer, fairer und nachhaltiger, als wenn Apple seine Milliardengewinne in Irland zu einem Steuersatz von fast 0% versteuert, oder wenn der FWW-Verein gar kein Steuersubstrat generiert.
      Es ist immer dieselbe Leier: in der Schweiz, befürchte ich, ist der Neidkomplex so ausgeprägt, dass ein typischer Anleger mit seinem Index-Investmentfonds lieber 8% p.a. verdient mit 1% TER als 28% mit 3% TER und 20% Performance-fee over benchmark. Und das nicht etwa, weil er nicht rechnen kann. Sondern weil der gierige Fondsmanager des 28%-performers gefälligst keine 7% von seinem Profit haben darf!