Massenabgang beim Berner Retailprimus Valiant

Grossteam in Kernregion per sofort weg – 9 Berater und 2 Assistenten sagen in corpore Ciao – Protest gegen 0815 statt Fokus.

Die Valiant will unter ihrem Führungsduo, CEO Markus Gygax und Präsident Jürg Bucher, zu einer zweiten Postfinance werden.

Für Bucher, der die Postfinance einst leitete, ein nahliegender Schritt. Für die Mannschaft weniger. Dort hat soeben knapp ein Dutzend gekündigt.

9 Vermögensberater und 2 Assistenten haben per Ende Juni den Bettel bei der Valiant hingeschmissen. Das hat ein Sprecher der Valiant bestätigt.

Es handelt sich um das gesamte Private-Banking-Team der Region Bern-Mittelland. Dort ist nun niemand mehr. Respektive ein Interner, der von Null auf eine neue Mannschaft aufbauen muss.

Was genau die 11 Valiant-Banker zur Massenkündigung in corpore bewogen hat, ist nicht bekannt. Bei der Valiant hiess es, man tappe diesbezüglich im Dunkeln.

Naheliegend ist, dass die Crew zusammen zur Konkurrenz wechselt oder dann mit einer eigenen Firma an den Start geht.

Auslöser könnte ein neuer Setup der Valiant-Bank sein, die von der Ostschweiz bis in die Romandie als „sympathische“ Alternative zu Gross-, Kantonalbank- und Raiffeisenbanken auftritt und das Lokale beackert.

Diese verlangt von ihren Vermögensberatern eine Ausweitung des Tätigkeitsgebiets.

„Wir wollen die klassische Vermögensberatung erweitern mit Kreditberatung, das passt zu unserem Kundenversprechen“, sagt Sprecher Marc Andrey.

Wir sehen den Vermögensberater als finanziellen Generalunternehmer mit Spezialkenntnissen in der Anlageberatung und im Hypothekargeschäft.“

Die klassische Vermögensberatung bleibe aber auch so „wichtig für Valiant“, betont der Sprecher.

Doch genau das ziehen Valiant-Kenner in Zweifel. Unter Ex-Postfinance-Chef Bucher werde aus der preisgekrönten Valiant eine Billigbank mit Billigangebot.

Im laufenden Jahr wurde die Valiant im Private-Banking-Ranking der Zeitschrift „Bilanz“ Gesamtsiegerin – für eine Berner Regionalbank eine Überraschung.

Doch die oberste Rennleitung am Hauptsitz am Berner Bundesplatz, vis-à-vis des imposanten Bundeshauses mit seinen Statuen und dem goldenen Schweizerkreuz, scheint sich darob nicht gross zu freuen.

Vielmehr pushen die Chefs das Roboter-Banking. Sie sehen ihre Zukunft in einer Bank mit immer weniger Direktkontakt und immer mehr Maschineneinsatz.

In einem Gespräch mit einem anderen Finanzblog meinte Valiant-CEO Gygax kürzlich, dass er lieber gar keine Schalterhallen mehr betreiben würde.

Das Ein- und Auszahlen von Geld kostet zu viel und kann auch am Bancomaten erledigt werden“, meinte der Valiant-Boss. „Vielleicht braucht es ab und zu etwas Unterstützung.“ Der Rest geht online.

Postfinance lässt grüssen. Doch dort zeigt die Reise derzeit bergab, wie der Tages-Anzeiger heute in einer grossen Story berichtet.

Nach Jahren ununterbrochenen Wachstums verlor die Staatsbank zuletzt Kundengelder. Und weil sie keine Kredite sprechen darf, gerät sie in einen Anlagenotstand. Sie kauft Obligationen mit Negativzinsen.

Trotzdem scheint die Postfinance das grosse Vorbild des Valiant-Gespanns Bucher-Gygax. Es lässt die prämierten Vermögensberater neu auch Kreditberatung durchführen – den Rest erledigen die Computer.

Weg vom klassischen Beratungsgeschäft, hin zu neuer Effizienz: Das Motto haben sich viele Schweizer Banken auf die Fahne geschrieben.

Prima vista leuchtet es ein. Der Aufwand fürs Personal ist der Hauptausgabeposten sämtlicher Banken. Alles, was mit Computer und Roboter erreicht werden kann, hilft kostenmässig.

Hilft es auch beim Ertrag? In Zeiten von Minuszinsen ist das Geldanlegen für die Finanzhäuser und ihre Kunden zur Herausforderung geworden.

Wer als Kunde nicht zu einer renommierten Privatbank mit Erfolgsausweis wie Pictet gehen kann, braucht gute Leute bei seinem Retailinstitut. Das würde heissen: mehr statt weniger Beratung.

Die Valiant-Chefs gehen in eine andere Richtung. Die Quittung erfolgt nun durch einen Massenabgang.

Kommentare

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  1. Es ist schön zu sehen, dass es auch im Bankwesen noch Ethik und Moral gibt!
    Wenn nur noch die Einnahmen eine Rolle spielen sollen und der Kunde auf eine Nummer reduziert werden soll, dann braucht es solche Kundenberater welche ein deutliches Zeichen setzen! (Darunter sind Familienväter, welche der Moral folgen, statt dem Geld!)

    Ich ziehe meinen Hut!!!

    • @Mike: Ob ein Wechsel der Berater von Valiant zu Julius Bär wirklich „der Moral folgen, statt dem Geld“ würde ich jetzt bezweifeln. Sinn macht eher die umgekehrte Reihenfolge Geld statt Moral. Mal schauen, wieviele Kunden denn zur Bär wollen.

    • @Mike
      …und daher haben diese Berater mit Ethik und Moral und der Rest des Teams bei Julius Bär angeheuert!

      Auf Deine Antwort bin ich schon gespannt.

  2. Wieder ein paar geldgeile Private Banker weniger! Die Valiant wirds verkraften. Eh fraglich wieviele Kunden folgen und wenn ja, bei JB bleiben werden!

  3. Valiant muss sich dringend positionieren und nicht allen Mist der Grossbanken kopieren. Aber eben die ganze Branche kopiert sich und steigt völlig auf diesen Roboterbanking-Mist um. Ein guter Cash-Angestellter, der seine Kunden persönlich kennt, ist längst nicht nur ein Bancomat auf 2 Beinen. Ich arbeite selber als Kundenberater im Bankbusiness. Langjährige Beziehungen sind extrem wichtig für Anschlussgeschäfte. Leider werden wir tagtäglich mit diversen sinnlosen Sales-Meetings, Sitzungen und Admini-Mist zugemüllt und können unsere Kunden nicht mehr betreuen. Ein „Fröntler“ wird derzeit gnadenlos verheizt, die meisten, vor allem junge Kube’s laufen den Banken nach 2 bis 3 Jahren davon. Auf der Strecke bleibt, wie immer, der Kunde. Und zum Kostensparen einen Tipp: Runter mit diesen absolut perversen Chefetagen-Entlöhnungen!

    • Ich glaube, dass Sie das „Robo-Advisory“ nicht begriffen haben. Es dient dem RM als Hilfe bei der professionellen Beratung, z.B. um dem Kunden aufzuzeigen, welche(r) Titel ein ungünstiges Risiko-Rendite-Profil im Portfolio aufweist (und ausgewechselt werden sollten) bzw. wo ggf. Anlageprofil-Verstösse erfolgten (Rebalancing, Klumpenrisiken etc.). Das erfolgt vollautomatisiert und mit Alerts und entsprechenden Anlagevorschlägen, die diese Engine aus dem Anlageumiversum regelmässig generiert. Da kommen Sie mit Excel und persönlichem Stock Picking nie an diese Professionalitätsstufe. Ich würde als Anlagekunde nie zu einem (überbezahlten) Steinzeit-Private-Banker, der mir irgend etwas aufschwatzt und eine Handgelenk * Pi – Portfolioanalyse durchführt. Der RM braucht es immer und mit Robo-Advise noch viel mehr, aber es erfolgt nach klaren Strukturen und systematisch. Win-Win!

    • @Bürki : Machen Sie Witze? Robo-Advisory ist das Dümmste, EVER! Jeder, der mal ein bisschen Kennzahlen rechnete, weiss wie anfällig diese in Bezug auf Länge des Zeitraums, Anzahl Kategorien, Berücksichtigte Währungen etc. ausfallen:
      – Ein ganzes Portfolio aufgrund von historischen Zahlen und etwas Prognose zu bauen ist Wahnwitz (1. Moment=central)
      – Das Portfolio auch noch zu automatisieren ist Wahnwitz^2 (2. Moment=variance)
      – Allen Kunden das gleiche Portfolio zu geben / nach der gleichen Maschine zu richten ist Wahnwitz^3 (3. Moment = skewnewss)
      – In der ganzen Finanzbranche Robo-Advisor einzuführen ist Wahnwitz^4 (4. Moment = kurtosis)

      Spätestens dann werden Ihnen die Tail Risks nur so um die Ohren fliegen, weil alle zu Momentum-Lemmingen geworden sind und auf den gleichen Bandwaggon aufspringen. Wie kann man nur so viel in (von Menschen gebaute) Maschinen haben…… Viel Glück mit den Robos, ich stehe dann auf der Gegenseite und sammle günstig Aktien, wenn Sie und alle anderen Robos in der nächsten Krise die Aktienquote prozyklisch abbauen 😀

  4. Auch wenn es nun wieder eingen Foristen graust: es gibt nur noch das Bedingungslose Grundeinkommen. Die Digitalisierung rafft in sämtlichen Wirtschaftszweigen hunderttausende Arbeitsplätze dahin. Auf Nimmerwiedersehen. Wenn der Staat nicht endlich darüber nachzudenken beginnt, wie man die Roboter, Compis, Scanner etc besteuert, wird uns die Gesellschaft in den nächsten 10 Jahren um die Ohren fliegen. Warum zum Geier muss auf diesen Robotern etc keine Sozialabgaben bezahlt werden? Und jetzt bitte nicht das Argument „wegen den Kosten“. Die Wirtschaft spart bereits die Löhne der Menschen und erhöht die Gewinne welche an die Aktionäre ausbezahlt wird. Die Firmen werden ja nach der UST Reform 3 massivst von den Steuern entlastet. Also werden die Gewinne der Firmen explodieren, im gleichen Masststab wie das Elend der Arbeitslosen. Aber so wie es aussieht sind sämtliche Pokitiker in Bern (und anderswo) zu blöde um dies auch nur annähernd zu begreiffen. Ich denke, die wollen nicht. Bei dieser herrschenden Korruption bzw Lobbistenpolitik auch kein Wunder. Soviel zum Thema „Verroboterisierung“. Zur Valiant nur soviel: ich ha ja nume min Job gmacht….. Und by the way: ich meide sämtliche Bancomatkästen der Valiant Bank. Denn um an mein Geld zu kommen will ich keine Fr. 2.– Spesen berappen. Darum entweder an den Bank/Postschalter oder nur an den Kästen meiner Hausbank Geld beziehen. Und sind wir doch ehrlich: wer benötigt schon eine Vermögensberatung? Die Banken verramschen ihren Müll zu wucher Konditionen, wenn es schief läuft sind sie nicht schuld daran. Also mach ich halt die Anlageberatung selbst. Den die Bankanal- ysten pfeiffen das Lied welches ihnen das Management vorgibt. Die Bedürfnisse des Kunden werden eh schon seit langem mit Füssen getreten. Von mir aus können Banken wie die Valiant, CS, UBS, Baer, Vontobel und wie sie alle heissen pleite gehen. Deren Geschäftsbasis ist Lug und Betrug (Fifa, Schwarzgelder, Panama etc.) gedeckt durch eine unfähige Finma (Chef ist ein ex UBSler, kann man ja nix erwarten) unfähige rechtslastigen Politiker (wobei die Linken auch nicht besser sind) die ausser Steuersenkungen und „Znünirüüschli vum Parmelyn sim Wysse“ nichts auf die Reihe bringen. (Hat Köppel in seiner Schmähschrift Weltwoche ja lauthals verbreitet: besoffene $VP Politiker immNR und SR).

    Wer Schreibfehler findet kann sie behalten und ja, jetzt geht es mir bedeutend besser.

    • Da haben Sie leider weitestgehend Recht! Eine ungesunde Entwicklung bei den Banken, welche dereinst korrigiert werden muss! Die Migros Bsnk ksnn davon eine ganze Oper singen…!

  5. Zahlreiche Personalwechsel sind besonders im Private Banking schlecht fürs Geschäft. Bei der Valiant ging vor Monaten auch das Geschäftleitungsmitglied für diesen Bereich. Die Regionalbank, weiss strategisch nicht wohin, ist schlecht geführt und weder Fisch noch Vogel: Sie ist keine national tätige Bank, aber auch keine lokal tätige. Aus meiner Sicht ist es ein klarer Übernahmekandidat.

    Nachdem die Finma die Valiant rügte und der Aktienkurs in den Keller sauste, wäre eine klare Positionierung notwendiger denn je. Ob Finanzinsitute wie die ZKB (mit kleiner Beteiligung) Interesse an der schlingernden Regionalbank haben?

    • Gut formuliert.

      Oder: Der Preis für’s auf-Teufel-komm-raus-disruptive-Digitaliseren und die eigenen Angestellten in Frage stellen.

    • ZKB bringt es ja nicht mal fertig die Swisscanto zu integrieren. Wie soll sie dann fähig sein, die Valiant zu übernehmen? Mit Hilfe von McKinsey Slides etwa???