Anlagenotstand bei sicheren Anlagen – und wie ihn die Banken ausnutzen

Die Raiffeisenbank bewirbt mit einem Faltprospekt einen Obligationenfonds von BlackRock. Sie lockt mit 1.66% Couponsrendite und Gesamtkosten von 0.15%.

Im Monatsbericht des Fonds, Valor 2269768,1 sieht man, dass die effektive Verzinsung nur 0.32% beträgt. Davon werden noch die erwähnten 0.15% TER Gesamtkosten des Fonds abgezogen, die Depotgebühr der Bank und die Kaufgebühr für den Fonds.

Zudem muss der Kunde den hohen Ertrag als Einkommen versteuern und hat als Krönung: keinen Kapitalschutz.

Wenn ich so etwas einem Kunden verkaufen würde (ich verkaufe allerdings keine Produkte), würde man mich als Betrüger, Gauner oder, weil es sich hier um die Raiffeisenbank handelt, Bauernfänger bezeichnen.

Leider ist die Raiffeisenbank nicht die einzige Bank, die mit solchen und ähnlichen Anlagefonds den Anlagenotstand ausnutzt.

Aktuell informiert die Basellandschaftliche Kantonalbank(BLKB) ihre Kunden, dass diese in den neuen Anlagefonds „Next Generation“ ein- respektive umsteigen sollen, weil dort „alles besser ist“.

Mist bleibt Mist, aber wenn die Kunden aus den Swisscanto-Fonds aussteigen und dann in die hauseigenen Fonds der BLKB gehen, muss diese die hohen Gebühren nicht mehr mit der Swisscanto-Besitzerin ZKB teilen.

Ein weiteres Beispiel: Die UBS hat einer neuen Kundin, die ihr Geld „konservativ“ anlegen wollte, eine Vermögensverwaltung mit 1.44% Jahresgebühr verkauft.

„Wissen Sie, das ist so konservativ, wie auch eine Pensionskasse ihr Geld anlegen muss“, erklärte der Berater.

Konservativ ist anscheinend ein sehr dehnbarer Begriff. 25% Aktienanteil, 15% Hedge Funds und Immobilien und 60% in Obligationen. Mit 3% Rendite könne die Kundin schon rechnen.

Ob die UBS mit dem 60% Obligationenanteil überhaupt die Vermögensverwaltungsgebühr von 1.44% decken kann, wenn BlackRock für Franken-Obligationen 0.32% anbietet und Raiffeisen für ihren Euro-Obligationenfonds 0.7% Rendite in Aussicht stellt?

Anlagefonds und Vermögensverwaltungen – so einfach ist es, Geld zu verdienen.

Für die Banken.

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15 Kommentare zu “Anlagenotstand bei sicheren Anlagen – und wie ihn die Banken ausnutzen

  1. Alain Lauber ist ein ehemaliger Raiffeisenangestellter. Seit seinem Austritt „schiesst“ er gegen die Banken resp. die Raiffeisenbank. Mit Kritik und Verwürfen gegen andere ist man noch lange nicht ein guter, neutraler Anlageberater! Herr Lauber schreib zu viel Negatives über andere und zu viel Positives über sich.

  2. Bin schon sehr erstaunt über Ihre Aussagen. Sie waren ja selbst einmal ein Banker, welcher diese Produkte verkaufen durfte (und dabei waren Sie sehr erfolgreich!!!). Wie wollen Sie das Ihren ehemaligen Kunden erklären?

    • Der Unterschied liegt eben beim „musste“ und „durfte“ 🙂
      Ein Banker, welcher seine Produkte verkaufen muss, wird auch subjektiv alles verkaufen, was Gewinn bringt. Es gibt eben auch solche, welche solche Produkte verkaufen dürfen und diese sollten (dürften?) auch explizit auf die enthaltenen Kosten hinweisen. Wenn sich Obligationenfonds bis dato mehr oder wenige positiv entwickelt haben, ist das noch lange keine Garantie für die wohl (eher unsichere) Zukunft.

  3. Ein Berater, der seinen „leistungsabhängigen Lohn“ von einem empfängt, der Produkte herstellt, welche der Berater verkaufen muss, ist ein simpler V e r k ä u f e r , und nichts mehr. Und wenn diese Produkte durch Heerscharen von Oekonomen und Juristen getürckt wurden und niemand da ist, der denen auf die Finger haut, dann ist für alle ausser den Betroffenen Himmel auf Erden. Es ist an der Zeit, dass sich die KundInnen unabhängig informieren, selbstsicher auftreten und dem Verkäufer ins Wort fallen genau so, wie sie einem Autoverkäufer ins Wort fallen, der gelogene Zahlen, zB Abgaswerte, als Vorteil verkaufen will.
    Betrug und Beschiss, Taugenichtse, Tagediebe und ihrer Eltern Schmach (Gottfried Keller). Wer heute langfristige -0.5%-Oblis kauft, begeht krasse Fehlinvestitionen. Dass die PK aufgrund von BVV2 so investieren müssen, ist ein Skandal, kein Politiker steht auf. Die Finanzlobby ist unsäglich. Aber hier schweife ich ab: Der grösste Raubzug der Geschichte wurde hier schon manchmal thematisiert.
    Frage: Wie denn Geld „anlegen“? Direktanlage in Aktien mit möglichst gesicherter Dividende, Quote je nach Risikofähigkeit und -toleranz, Rest auf Konto oder in Papierform in Safe. Und auf Erholung oder Zusammenbruch des Finanz- und Schuldgeldsystems warten.

  4. Wer so etwas kauft, ist aber schon auch selber schuld.

    Aber im Prinzip haben Sie recht, bei zuvielen Banken wird dem Kunden etwas angedreht (normalerweise noch das Produkt das am meisten Provision abwirft) und nachher lacht sich das Team dann dumm und dämlich, wie man ihn über den Tisch gezogen hat. Alles schon erlebt (bei einer Grossbank).

  5. Inkompetenz:

    Bitte machen Sie nur Aussagen die Stimmen:

    „Zudem muss der Kunde den hohen Ertrag als Einkommen versteuern und hat als Krönung: keinen Kapitalschutz.“ Diese Aussage ist falsch! Es wird unterschieden in Kapitalauszahlung und in Zinsauszahlung und natürlich ich nur die Zinszahlung Einkommenspflichtig.

    Weiter:
    „Wenn ich so etwas einem Kunden verkaufen würde (ich verkaufe allerdings keine Produkte), würde man mich als Betrüger, Gauner oder, weil es sich hier um die Raiffeisenbank handelt, Bauernfänger bezeichnen.“ Diesen Satz habe Sie sicher schon vor 3 Jahren geschrieben. Dank den Kursgewinnen (da die Zinsen gesunken sind) hat bzw. hätte man hier eine schöne Rendite erzielt. Ein Gauner sind sie, wenn Sie in der Beratung das Produkt NICHT für den passenden Kunden einsetzen. Geht nähmlich ein Kunde von weiter sinkenden Zinsen aus, könnte das Produkt stimmem….

    Ich sehe als Profi in Ihrem Bericht zu viele Fehler, zu wenig Know-How und weiter ist er sehr einseitig ausgerichtet.

    Eigentlich ist der Fonds – beim richtigen Kunden – das Geld wert, leider ist Ihr Artikel das bei weitem nicht!

    • Profi? Ihre Antworten sind typisch für einen Bankler, der seine Machenschaften in Schutz nehmen muss!

      Ich bestätige jedoch gerne Ihre Aussage, dass nur der Couponsertrag versteuert werden muss.

      Alles andere von Ihnen gesagte sind Mutmassungen und ich hoffe, dass ich einigen Anlegern die Augen öffnen konnte.

      Und wenn nicht, habe ich mein Ziel dieses Beitrages NICHT erreicht.

  6. Es gilt immer noch der Alte Spruch:
    A brocker is called brocker because he’s brocker than his clients.

  7. Jä grüezi, grüezi; und was empfehlen Sie für ein konservatives CHF-Portfolio (Ausgangspunkt: 100% Cash). Märssi denn, gell, und denn na en schöne; und en Gruess dehei.

  8. Das Ausnutzen von Informationsasymmetrien wie der oben beschriebenen gehört in Zeiten von Internetbanking glücklicherweise zunehmend der Vergangenheit an.

    Außerdem ist in diesem Zusammenhang stets kritische Prüfung der Angebote Pflicht.

    Wer das nicht zu leisten vermag, ist selbst schuld.

    Ansonsten ist inzwischen allgemein bekannt, daß Banken regelmäßig das empfehlen, was ihnen hohe Provisionen und Gebühren verspricht.

    Lesen Sie einmal unter diesem Gesichtspunkt die (historischen) Kapitalmarktempfehlungen von diversen Banken. Nirgends finden Sie dort Empfehlungen, in sichere und kostengünstige Anlagen umzuschichten. In der Regel wird stets empfohlen zur optimalen Nutzung der sich bietenden Ertragschancen differenziert in teilweise komplexen ( = provisionspflichtigen) Vehikeln investiert zu sein.

    • Die Ausführungen von MF mögen – zumindest teilweise – plausibel sein; wie eine Bank (oder eben auch Cookie Monster) derzeit und wohl auch noch länger „sichere und kostengünstige“ Anlagelösungen, notabene mit einer positiven Nettorendite, herbeizaubern will, bleibt mir einfachem Gemüt schlicht schleierhaft!

    • Habe ich wohl was geringfügiges verwechselt Herr Lauber.
      Selbstverständlich – wie erwähnt – kann ich Ihre Ausführungen mehrheitlich nachvollziehen; wollte eigentlich nur von Cookie Monster wissen, wie derzeit sichere und kostengünstige Anlagen (möglicherweise sogar in CHF) mit garantierter Nettorendite überhaupt möglich sind 🙂