ZKB spediert Chef-Ökonom fristlos aus Büro

Tasso Frangulidis kehrt nach Ferien nicht zurück – Staatsbank mit Sitten wie bei Grossen – interner No-Name-Nachfolger.

Anastassios Frangulidis, für alle nur „Tasso“, ist weg. Vor Wochen hat der bekannte Chefökonom der ZKB gekündigt, weil er zu Pictet geht.

Neu ist, wie Tasso nach 17 Jahren ZKB verabschiedet wird. Nämlich mit einem Tritt in den Rücken.

Tasso kehrte nach seinen Ferien nicht mehr an seinen Platz zurück. Sein Platz blieb leer. Dann folgte die interne Mitteilung. Tasso sei per sofort freigestellt. Eine Sprecherin der Bank bestätigt das.

Nachfolger wird ein Interner, der abgesehen von wenigen Auftritten in Fachmedien nach aussen nie gross in Erscheinung getreten war; ganz im Unterschied zu Tasso, der ein bekanntes Gesicht ist.

Sitten wie bei den Grossen halten somit Einzug bei den Staatsbanken. Das passt. Seit der Finanzkrise haben mehrere Teams von UBS und CS zur ZKB gewechselt.

Das Klima hat sich durch die Zuzüge verändert. Aus einer kollegialen, leicht angestaubten, aber umgänglichen Familien-Bank wurde die ZKB zu einer Catch-as-catch-can-Bude.

Tasso hatte das am eigenen Leib erfahren. Ihm wurde ein neuer Mann vorgesetzt, der den Trend hin zu Grossbanken-Manieren verkörpert.

Es handelt sich um Christoph Schenk, der bei der ZKB vor 2 Jahren als neuer Chief Investment Office angefangen hatte, nachdem er bei den Grossbanken ausgeschieden war und ein Plätzchen suchte.

Mit dem Chief Investment Office begab sich die ZKB auf den Pfad von UBS und CS. Dort hatte der neumodische Begriff längst Niederschlag gefunden.

Schenk machte sich sofort ans Werk. Und liess seine Muskeln spielen.

Als erstes baute er den ihm unterstellten Ökonomen- und Analysten-Shop um. Degradiert wurde dabei auch gleich jener Mann, der nach aussen die grösste Wirkung entfaltet hatte: Tasso Frangulidis.

Der griechischstämmige Schweizer verlor seine Stellung als Vizechef und Stellvertreter des Chief Investment Officers. Er war nun nur noch einfacher „Chef-Ökonom“.

Die Folgen sind bekannt. Tasso zog die Konsequenzen und heuerte bei der Konkurrenz an.

Der Abschied durch die Hintertür, den die ZKB ihrem langjährigen Spitzenmann „schenkt“, gibt im Personal zu reden.

Seit einer Woche ist Tasso das Gesprächsthema in den Gängen der grössten Kantonalbank des Landes.

Warum wird ein verdienter Mann fristlos auf die Strasse gesetzt? Warum erlaubt ihm die Bank nach vielen Jahren und grossem Verdienst keinen würdigen Abgang?

Die ZKB wird kontrolliert von einer „Stifti“-Gang. Ehemalige Lehrlinge des Instituts haben die operative Führung gekapert und schützen sich gegenseitig.

Chef Martin Scholl kennt nichts anderes als die Staatsbank. Um seine Macht abzusichern, kürte er als Stellvertreter und Vizechef der Bank Christoph Weber.

Auch Weber kennt kaum viel mehr als die ZKB. Wie Scholl machte er bei der ZKB die Lehre.

Nach gescheiterten Versuchen bei privatwirtschaftlichen Finanzplayern kehrte Weber im 2008 zurück in den Schoss von Mutter ZKB.

Er erhielt die Führung des neu gebildeten Private Bankings, das unter Weber rasch grosse Schlagzeilen wie Chaos und Verluste in Österreich schrieb.

Wirklich auf Touren kam die Vermögensverwaltung für die Reichen nicht. Sie liegt nicht in der DNA der Kantonalbank und hat es entsprechend schwer.

Weber ist trotzdem nicht gefährdet. Vom Typ her verkörpert er die neue ZKB: mit einem Sportschlitten, lauten Auftritten und markanten Anzügen.

Das pure Gegenteil von Chefökonom Tasso Frangulidis. Der wirkte bescheiden, auf die Sache fokussiert, nicht für sich denkend, sondern für die Bank.

Tasso ist weg, Weber bleibt.

Willkommen bei New ZKB.

Kommentare

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  1. Schade, dass Tasso sich durch die Hintertüre verabschieden musste. Bei einer einigermassen kompetenten Führung bzw. kompetenten Personalabteilung wäre dies nicht geschehen …

    Es ist aber nicht so, dass früher die ZKB (zumindest in den letzten 20 Jahre) eine „kollegiale, leicht angestaubte, aber umgängliche Familien-Bank war“. Bei fachlich und vor allem persönlich schwachen Führungskräften sind Schikanierungen, manipulative Unterstellungen und Mobbing von „zu guten“ Mitarbeitern omnipräsent. Das war AUCH früher in einigen Abteilungen so.

    Um beim I zu bleiben: Erinnern wir uns an „Vorzeigeköpfe“ wie den studierten Historiker (ohne weitere formale Finance-Bildung) Marco Curti (Vorgänger von Christoph Schenk), der immer wieder durch oberflächliche Aussagen und durch bizarren Rekonstruktionen seines „Lebenslaufs“ aufgefallen ist. Tasso hatte bei Ihm keine Probleme … dafür viele andere …

    Erinnern wir uns auch an den Amoklauf im Juli 2004.

  2. „Seit der Finanzkrise haben mehrere Teams von UBS und CS zur ZKB gewechselt. Das Klima hat sich durch die Zuzüge verändert. „…

    Fazit: Solchen „Grossbank-Leuten“ sollte man gar keinen Job mehr geben, sonst verderben sie Stimmung und verbreiten Unmut in der Belegschaft…

  3. Erstaunlich, dass Schenk mit seinem dermassen schlechten Leistungausweis wieder irgendwo untergekommen ist. Performance schwach, Führung schwach und schwafelt die ganze Zeit nur von Risiken.

  4. No-name Chefs gibt es viele in der ZKB. Haupsache sie passen in das System. Alles Velofahrer, oben ducken und unten strampeln…

  5. naja, die „Old ZKB“ war auch nicht besser, nur anders. Dieser „Familiengeist“ hiess einfach, dass man in den richtigen Seilschaften sein musste, kam jemand neu in die Bank und wollte aufsteigen musste er sich entweder durchschleimen oder blieb hängen. Interner Wettbewerb gab es kaum. Modern war dies nicht, wenn man 30 Jahre stillschweigend abwarten muss, bis man eine vernünftige Position erreicht hat.

    • Mike, das ist auch in vielen anderen (Finanz-)Unternehmen nicht anders. Seilschaften und Schleimer sind vielerorts anzutreffen.

  6. Etwas polemisch, dieser Artikel. Fragulidis mag ein sympathischer und wohl auch kompetenter Repräsentant und Sprecher für volkswirtschaftliche Zusammenhänge gewesen sein. Für die Anlagekompetenz hat er aber keinen grossen Beitrag geleistet. Als Aussenstehender wunderte ich mich manchmal, wie rückständig man in den Kernprozessen der Anlagestrategie war, besonders angesichts der Grösse der Bank. Schenk ist natürlich ein ganz anderer Typ, und er ist sich gewohnt, seine Ellbogen einzusetzen. Man kann das bemängeln, aber die zuweilen herrschende Idylle in den KB – auch der Zürcher – hat ohnehin keine Überlebenschancen. Future Banking ist margenarm und die Konkurrenz nimmt zu. Wer hier nicht vorwärts macht, dem wird solange aus dem Töpfchen gefressen, bis es leer ist.

    • Tja, der Schenk macht ja wahnsinnig vorwärts. Äusserst schlechte Performance führt zu Umsatzstagnation bei den Mandaten und was Weber grossspurig als super Innovation in Finews anteasert ist in Tat und Wahrheit eine billige Kopie des UBS Advice. Well done!

  7. Es würde sich noch lohnen die Performance der Vermögensverwaltung anzuschauen. Die ZKB hat seit Ankunft von Schenk eine miserable Performance hingelegt. Mit 4 ETFs und einer Buy-and-hold Strategie hätten die Kunden praktisch in jeder Strategie eine 2% bessere Performance erzielt. Vor Kosten versteht sich!
    Schenk will Kopfnicker um sich scharren.
    Interessant auch dass das Asset Management einen Leiter Anlagestrategie sucht – also eine Parallelwelt aufbaut. Heisst auch, dass zukünftig Schenk als CIO der ZKB im Tele Züri sagt, dass er sinkende Aktienkurse erwartet und der CIO des Asset Management im SF positiv über Aktien äussert. Die Parallelwelt schaffte man vor ein paar Jahren ab, jetzt baut man sie wieder auf. Komisch wie sich die ZKB immer wieder selber das Bein stellt!

  8. Eine regelrechte Angst-Kultur wird im Staats-Institut seit Jahren zunehmend praktiziert.

    Dies geht alles einher zu Lasten von Effizienz, persönlicher Betreuung und Verantwortungs-Bewusstsein.

    ZKB : Zur Kenntnisnahme Basta.

    Oder seit Bezug des Neubau erfolgt der eigentliche Abbau. Schade.