Hohe Bussen verhageln der CS das 3. Quartal

Italo-Schwarzgeld, Neugeld-Schummeln in U.S., Subprime-Sünden: Altlasten schmälern Gewinn – Bank auf Finma-Risikoliste?

Gestern hat es die Credit Suisse geschafft. Erstmals seit dem Crash von Anfang Jahr überholte ihre Aktie in Franken und Rappen jene von Erzrivalin UBS: 13.51 Franken versus 13.49.

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Ist die CS über dem Berg? Der nächste Tiefschlag wartet um die Ecke. In zwei Wochen muss die Bank für ihr drittes Quartal hohe Rechtskosten ausweisen.

Soeben wurden 100 Millionen Euro Strafe wegen Schwarzgeldsünden in Italien bekannt. Kurz zuvor war es eine Busse von 90 Millionen Dollar wegen Neugeld-Tricks in den USA, die aufschreckte.

Bits and Pieces, könnte man einwenden. Doch es stehen auch ganz grosse „Tickets“ an.

Die Subprime-Bereinigung ist so eines, also die Gerichtsfälle rund um das Dealen mit Schrott-Hypotheken in Übersee bis zum Kollaps 2007. Sie könnten richtig teuer werden.

Deutsche Bank lässt grüssen.

Eine Quelle berichtet jedenfalls von Rechtskosten, die jene des 3. Quartals 2014 übersteigen. Damals bewegten sich diese im hohen dreistelligen Millionenbereich. Die CS hatte ausserterminlich nachlegen müssen.

Weitere Fälle stehen an. Die CS leuchtet auf bei Fifa und anderen Korruptionsfällen wie der brasilianischen Petrobras. Dort tauchen viele Schweizer Bankennamen auf.

Möglicherweise steht die CS sogar auf der Risikoliste der Aufsicht in Bern. Finma-Chef Mark Branson sagte in der letzten SonntagsZeitung, dass eine der beiden Finanzmultis im roten Bereich sei.

Recherchen lassen die Vermutung zu, dass es sich um die CS handelt. Die Bank selbst wollte nichts sagen, auch die UBS und die Finma hüllen sich in Schweigen.

Auf der Risikoliste stehen bekannte Namen. Die Julius Bär gehört offenbar dazu, sie steckt in vielen Fällen. Die beiden stark gebüssten Banken BSI und Falcon „schafften“ den Sprung in die Top-15 ebenfalls.

Die Strafen und Bussen rund um Rechtsfälle kommen für die Credit Suisse zur Unzeit. Die Grossbank ist bei vielen Beobachtern und Investoren derzeit „en vogue“.

Grund sind die guten Quartalsresultate der US-Banken der letzten Tage und ein neuer Hedgefund der Grossbank.

Dass dieser vom Ex-Chef des französischen Skandal-Bankers Jérôme Kerviel geleitet wird, kümmert offenbar niemanden. Jedenfalls empfehlen Schweizer Analysten die CS-Aktie zum Kauf.

US-Investoren haben sich längst eingedeckt. Grosse Hedgefunds und Investment-Gesellschaften, die bereit viel Geld auf die CS gesetzt hatten, erwarben in den letzten Monaten zusätzliche Aktien.

Hintergrund ist offenbar ein Comeback eines der umstrittensten Geschäftsbereiche an Wall Street: das Trading mit Fixed Income Instrumenten.

Goldman Sachs ist eine Macht in diesem Geschäft, bei dem es um die Emission und den Handel von Zinspapieren geht.

Der Bereich hat sich für Goldman Sachs und auch die meisten übrigen grossen Finanzhäuser der USA von Juli bis September als wahre Gewinnmaschine entpuppt.

Davon profitiert die CS mehr als die UBS, welche nach einem desaströsen Ausflug ins Reich des Fixed Income Tradings vor 10 Jahren Abschied vom eigenen Machtanspruch nehmen musste.

Die CS hingegen gehörte schon immer zu den ganz Grossen in diesem Geschäft, das von den Regulatoren seit der grossen Finanzkrise von 2008 besonders scharf geregelt wird.

Anfang Jahr hat die neue CS-Führung im Fixed Income massiv abgeholzt und Positionen mit grossen Verlusten verkauft.

Trotzdem rechnen Investoren offenbar damit, dass der Rückenwind an der Zinsfront auch die CS erfasst.

Fast scheint es, dass die CS nur dann profitiert, wenn im Trading die Musik spielt.

Kommentare

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  1. Der Finma-Chef heisst Mark Branson. Er ist beeindruckend fachkundig, weil beeindruckend erfahren in allem, was die Finanzwirtschaft zu pexieren beliebt, gehörte er doch vor gar nicht langer Zeit zum Inner Circle – zur innersten Clique – der UBS, und zwar just in jenen Jahren, als sich das Zürcher Institut ­anschickte, mit aggressiv-­dubiosem Geschäftsgebaren zur Weltbank aufzusteigen. Von 2006 bis 2008 führte der heutige Finma-Chef die UBS-Tochter in Japan, also ausgerechnet eine jener Banken, die den globalen Referenzzinssatz Libor über Jahre hinweg manipulierten.

    Mark Branson war ein Banker, wie andere Banker Banker waren, Banker sind. Sie bezogen, sie beziehen Millionengehälter plus Millionenboni: als Abgeltung der Verantwortung, die ­ihnen übertragen sei, wie sie gerne ­feierlich erklären. Mark Branson ­überstand all seine Verantwortung unbeschadet – verantwortungsfreie Verantwortung.

    Das ist womöglich die Antwort auf das Rätselraten des Wirtschaftsjournalisten Robert Mayer: Mark Branson ist Fleisch vom Fleische der Banken. Er weiss, was sich den Banken gegenüber gehört. Vor allem weiss er, was unerhört wäre: Verrat an den früheren Vertrauten und Freunden. An Komplizen?

    Ja, so ist die Bankenaufsicht der Schweiz beschaffen: geführt von ­einem Delegierten der Banken. Ganz im Geiste der Banken.

    Frank A. Meyer (in seiner Kolumne)

  2. Ja, ich glaube wir stehen in entscheidende Quartal, in welchen noch eine Trendwende stattfinden könnte. Da klar sein sollte, dass dieses Jahr keine relevante Crash passieren sollte (im Präsidentialjahr ist praktisch nie ein Crash passiert), könnte die smarter Banken umlenken auf lukrativen (Erträge) Geschäften, leider spricht man nur von Kosten, Bussen, teure Personal… aber nicht von mögliche neue Ertragsquelle. Somit, hätte CS doch noch Potenzial, aber sie brauchen Mut und gute Intuition. Ich verrate hier nichts. Deswegen diese „kleine“ Kurs spurt, aber „die Fakten“ müssen folgen…

    • Arme Inhaber? Hääääää? Wenn du die Kleinaktionäre meinst, dann ja. Wenn du hingegen die Grossaktionäre meinst dann selbser schuld!

    • @Benny Fuchs, die Grossaktionäre haben immer Sonderkonditionen. Nicht gewusst? Araber haben, Öl sei dank, immer Geld. Sie wissen nicht nur dass das Öl endlich ist und bereiten sich schon längst sehr erfolgreich auf die „nach Öl“ Zeit vor. Da werden noch einige Träumer die Augen reiben. Was ich meine ist, sie sind sehr intelligent und sehr lernfähig, in diesem Fall von den Warren Buffet’s und Co.

      Ein Mitglied eines Königshauses aus dieser Region wurde einmal so zitiert dass wenn sie rein Business mässig irgendwo einsteigen die Rendite zum Schluss 17, 5% p/A sein muss. Zitiert weil sie eigentlich nie Interviews geben und wenn, dann nicht explizite über Geld. 1/3 der Aktien der CS und ein 1/4 der Aktien der UBS sind in Arabischen Besitz. Als reines Business.

      Eine Schweizer Zeitung hat erst vor wenigen Jahren relativ übersichtlich und zusammenfassend die Bedingungen geschrieben, die Warren Buffet mit der Swiss Re für seinen Milliardeneinstieg bei der Swiss Re ausgehandelt hat. Wenn man das gelesen hat, wurde einem sofort klar, wieso Warren Buffet zur Legende wurde. Er konnte so oder so nicht verlieren und sein Reibach wäre so oder so gigantisch gewesen.

      Wir sollten langsam beginnen zu Fragen, wer diesen Wahnsinn bei den Banken und Versicherungen immer bezahlt. Die Grossaktionäre sind es in keinem Fall.

    • VERTRAUEN muss gelernt sein Rory.

      Otherwise learning the very hard way……the CS- Feed up Club meets again on this site.

    • Rory you’re definitly in the wrong club. I’m a devoted member in the CREDIT SUISSE FED UP – CLUB.

    • Rory, Baba und Bimbam.

      Habe so ziemlich mein Vermoegen verloren im CS Euroreal, einem offenen Immobilienfund. Dieser Fund mies aufgegleist und er musste schliesslich gar abgewickelt werden. Milliarden von Immobilien-Euros mussten europaweit veräussert werden…………Unglaublich, dass ein solches Produkt aufgeloest werden musste, wegen unzureichender juristischer Absicherung.

      Hiermit bestätige ich meine Mitgliedschaft im CS-FED UP-CLUB.

      Balsam auf unsere Seelen.

    • @Steppenwolf
      BIn jetzt so quasi armengenoessig wegen einer Schweizer Grossbank, die ich hier nicht nennen darf.

    • Lieber Kläffer
      Der CS Euroreal war ein super Immo-Fonds und auch super geführt. Nur hat der Staat wie üblich in D irgendwann die Spielregeln geändert. Einige gute Fonds mussten dann schliessen. Mit allen Rückzahlungen aus den Verkäufen werden die Anleger wahrscheinlich keinen Verlust erleiden. Seit 5 Jahren ist es halt totes Geld, wo Du einfach warten musst…
      All the best.
      Wahrscheinlich ist aber, dass Du Deine Anteile längst alle verkauft hast.
      Dein Gekläff belegt nur, dass Du nichts verstanden hast, als Du eingestiegen bist.

  3. Darum lässt man auch die Finger von solchen Geschäftsfeldern. Zu viele – auch mit Geld nicht steuerbare – bewegende Einzelteile. Da lob ich mir meine Langusten Pressfabrik bei Cebu. Hedging findet dort in der Form eines Maschendrahtzaunes, ein paar Hunden und eine regelmässige Zahlung an einen Beamten statt. Der Betrag den ich dort für Diskretion bezahle ist so klein, dass er statistisch nicht mal auf meinem 8K Bildschirm einen Pixel in meiner Ausgaben Statistik darstellt. Witzig, denn der Ertrag aus der Langusten Pressfabrik hingegen ist sehr sehr deutlich sichtbar. Einzige Gefahr dort sind westliche Touris, die sowas als „barbarisch“ bezeichnen würden und dann mit Hashtags und FB einem den Spass verderben.
    Diversifizieren. Wieso halten sich Banken nicht an das, was sie predigen? Oder seht Euch mal mein Spamgefängnis in Bangladesch an. Die Masse und Intensität an weltweitem Spam den wir von dort aus überall hin pumpen ist wahrlich ein sagenhafter Anblick. Das beste am ganzen: Die Insassen sind froh einen Job zu haben, die Regierung ist froh sie nicht mehr füttern zu müssen und schaut weg, und ich bin froh die Abfälle der Langusten Pressfabrik loszuwerden.

    Diversifizieren CS, dann klappt das auch mit dem 3. Quartal – selbst wenn Giovanni ungehindert sein Sparkässeli bringen durfte und auf der Steuererklärung angibt, dass nur Pasta drin war.

    Marcel Du Pont – Mehrfach wiederholter Multimilliardär, unabhängiger republikanischer Demokrat, Gewinner.

    PS: Danke fürs Lesen, aber Ihr seid nichts.
    PPS: https://www.facebook.com/marcel.dupont.9849

    • Der einzig brauchbare Text auf dieser Seite. Märsi Marsi!