Waren bei Leonteq Insider am Werk?

Das Volumen sprang am letzten Freitag Nachmittag massiv hoch – Am Montag kollabierte Kurs – Fall für Finma?

Der Leonteq-Crash ist gigantisch. Von knapp 150 Franken auf 35 seit Januar – minus 75 Prozent. Drei Viertel des Firmenwerts: Ausradiert.

Wer war im Bild? Wer agierte?

Am letzten Freitag schrillten die Alarmlampen. Börsianer verkauften massenhaft Leonteq-Aktien. 132’000 Aktien mit dem Kürzel LEON gingen über den Tisch.

Dies bei Kursen um die 51 Franken. In den Tagen zuvor lagen die Volumina zwischen 20’000 und 50’000 Stück pro Tag, der Kurs pendelte zwischen 53 und 54 Franken.

Im ganzen 2016 liegt der Schnitt bei 69’000 Aktien pro Tag.

Am Montag früh kam die Hiobsbotschaft. Der voraussichtliche Gewinn würde geviertelt, runter auf noch 17 Millionen, teilte die Struki-Bank mit.

Die Gründe überzeugten nicht: Rund um Trump-Wahl und andere Polit-Ereignisse wie das Italien-Referendum hätten sich die Kunden mit Deals zurückgehalten, die Umsätze seien dünner als erwartet gewesen.

Das schien an den Haaren herbeigezogen. Der Gewinncrash kommt ja im Vergleich zum Vorjahr zum Ausdruck. Und im Vorjahr gab es weder Trump noch Italien.

Am Montag, dem Horrortag der Leonteq, schossen die Volumen durch die Decke. 770’000 LEON-Aktien wechselten den Besitzer.

Am meisten lief über die immer gleichen Banken. Morgan Stanley, Baader Bank, UBS, Main First Bank, Berenberg und noch ein paar andere.

Der Kurs krachte zusammen. Von 51 auf gut 36 Franken. Mehr als 25 Prozent im Minus. Ein Blutbad.

Gestern war Leonteq weiter im Fokus. Rund 300’000 Aktien wurden an der Schweizer Börse gehandelt. Immer noch ein Vielfaches des Normalzustands.

Der Kurscrash und das Hochschnellen der Umsätze im Vorfeld der Gewinnwarnung geben zu reden. Cash.ch schrieb gestern, die Vorkommnisse gehörten untersucht.

Insidervergehen werden scharf geahndet. Die Six als Börsenbetreiberin hat eine „Spezialpolizei“ bei sich im Haus. Diese kann unabhängig von der Geschäftsleitung die Daten den Behörden melden.

Die Finma könnte danach eine Untersuchung eröffnen. Sie hat das in den letzten Jahren bereits einmal gegen die Leonteq getan und büsste die Bank diesen Frühling wegen Marktmanipulation.

Jüngst ging die Behörde gegen den bekannten Sanierer und Vielfach-VR Hans Ziegler vor. Diesem wird mehrfaches Insidervergehen vorgeworfen.

Bei der Leonteq stellt sich die Frage, wer wann was gewusst hat und wer wie mit diesem börsenrelevanten Wissen umgegangen ist.

Vor 5 Wochen, Mitte November, hatte die Leonteq an ihrem Investorentag noch das Blaue vom Himmel erzählt. Dividende gebe es, die Kosten habe man im Griff, die Kunden stünden Schlange.

Auch da gab es hohe Volumen.

Was passierte vom Investorentag vor Monatsfrist bis letzten Freitag? Wer wusste vom bevorstehenden Absturz?

„Leonteq hat die Öffentlichkeit informiert, sobald das Management in etwa die Spannweite der Abweichung zwischen den Jahreszahlen 2015 und den zu erwartenden Zahlen kannte“, sagte gestern Abend eine Sprecherin der Bank.

Das Management um Gründer Jan Schoch soll also sofort reagiert haben, als klar war, was schief lief.

Das würde heissen, dass Schoch VR-Präsident Pierin Vincenz irgendwann letzte Woche informiert hat und die beiden Leonteq-Spitzenleute dann die Kommunikation für Montag früh organisiert hätten.

Wann genau wussten Schoch, Vincenz und die übrigen obersten Verantwortlichen vom Ausmass des Absturzes?

Und was unternahmen sie dann?

Die Volumen vom Freitag Nachmittag werfen diese Fragen auf.

Die Antworten stehen aus.

Kommentare

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  1. Ob Leontech oder sämtliche verwaltete Vermögenswerte bei Banken, es geht nur ums wesentliche: Kunden mit Produkten abspitzen und an diesen Anlagen 2 % bis 3 % verdienen, damit die oberen quersubventioniert werden.

  2. jedes mal wenn man von dieser firma liest geht es um bschiss und betrug.
    irgendwie zieht da jeder jeden über den tisch. aber es scheint langsam kommt eines nach dem andern ans licht…
    …vielleicht sollte da die finma und vielleicht auch die steuerbehörden wirklich mal etwas zeit aufwenden und da mal auf die suche gehen.
    was wir nämlich auch noch nicht gelesen haben ist, wie die eigenen mitarbeiter beschissen werden, da hört man nur regelmässig, dass die fluktuation seit jahren extrem hoch ist. würde mich mal wunder nehmen welche gesetze und vorschriften da alle geflissentlich missachtet werden.
    und steuertechnisch hat man auch noch nie was gelesen. kann mir kaum vorstellen dass das alles mit rechten dingen zu und her geht.

  3. Ich weiss nur das sich Vinzenc sein Gehalt verdoppelt hat
    bei de Situation.
    Also gibt es in dieser Richtung keine Skruppel über das Absahnen.
    Ich besitze Aktien von Leonteq.

  4. Man darf davon ausgehen, dass am Pseudo-Investorentag vom 16.11.2016 mit der angeblich gesicherten Dividende von CHF 1.75 eine Sicherheit verbreitet wurde, um bereits damals eine grosse Menge Aktien verkaufen zu können. Dass am 16.12.2016 Insider am Werke waren, ist so klar wie das Wasser in einem Schweizer Bergsee. Und zur Klärung dieser beiden Vorgänge dürfte ausserordentlich nützlich sein, endlich zu erfahren, wer vor mehreren Monaten ca. 10% der Leonteq-Aktien geshortet hat resp. hatte.

  5. Da waren keine Insider am Werk warum;
    Seit dem 13.06.16 verlief bzw. bildete der Aktienkurs bis 15.12.16 einen Keil aus. Es war völlig klar, dass sich hier Kräfte bündelten, die mit hohem Volumen begleitet bei Bekanntgabe dieser Gewinnwarnung zu derartigem Kurseinbruch führten.
    Am Rande sei noch erwähnt, das die Kurszielberechnung den aktuellen Aktienkurs nicht widerspiegelt. Dies liegt noch etwa CHF 3.80 tiefer.

    Da gibt es überhaupt nichts zu untersuchen!

    • Ach nicht schon wieder so ein Chartistenfuzzi, der meint alles zu wissen! Im Nachhinein immer so klug mit Eurem Brimborium. Schöne Festtage.

    • @Samichlaus

      „You have made my day!“

      Vergiss nicht, den Chart-Viktor in Deinem Samichlaus-Sack mitzunehmen!

  6. Das ganze Trauerspiel bei Leonteq wird immer schlimmer.
    Jetzt ist lückenlose Aufklärung gefragt! Jede einzelne Transaktion vom Freitag muss überprüft werden.
    Überhaupt stinkt die ganze Sache zum Himmel. Leonteq wusste doch schon seit Monaten, dass die Kosten explodiert sind. Aber erst noch einen Jubel-Investorentag durchführen und den Kurs boosten.
    Die SIX/Finma sollten endlich einmal ein Exempel statuieren.
    Und Jan Schoch / Pierin Vincenz müssen weg, da untragbar!

    • Auf dem CH-Finanzplatz gibt es noch ein paar weitere Figuren, die schon lange „untragbar“ bzw. „unerträglich“ sind, u.a. auch bei mindestens einer „Moralinstanz“ und deren VR.

      NB: Der Leonteq-Kurs war seit dem 01.01.2016 im Sinkflug. Die Insider haben also längst verkauft. Der Markt war also ziemlich „effizient“, wenn man die ‚MPT‘ bemüht ….

  7. Nicht nur das Insidervergehen gehört untersucht, sondern auch der Zeitpunkt der Gewinnwarnung. Die Kosten sind ja schon lange bekannt und können keine Überraschung sein und der riesige Umsatzeinbruch im 2H ist nicht erst seit gestern oder Mitte November klar. Leonteq hat die Ad-hoc Pflichten verletzt, dies steht zweifellos fest. Die Abweichung gegenüber dem letzten Jahr war schon so früh, so klar und bedeutend, so dass man mindestens beim Investorentag schon hätte warnen müssen.

    STEHT AUF UND MACHT EUREN JOB SIX!

  8. Das Ausmass des Absturzes hat sich natürlich seit dem 1. Januar 2016 bis zum Investorentag immer deutlicher abgezeichnet, nicht erst in den letzten 30 Tagen. Es gibt ja so etwas wie „Monatsvergleich zum Vorjahr“ und „Monats-“ bzw. „Quartalsabschlüsse“.

    Oder im Klartext: Vincenz und Schoch erzählen Märchen bzw. haben wohl schon lange verkauft.

  9. Am 21. und 22.09.2015, als die Volkswagen-Aktie wegen dem Abgasskandal abstürzte, war das Handelsvolumen auch ein Vielfaches im Vergleich zu normalen Tagen.

    • Mit dem Unterschied, dass hier das Volumen VOR der Bekanntmachung verdreifachte, nicht erst danach…..

    • Das Problem hier ist aber, dass das Volumen am Freitag riesig war, die Information aber erst am Montag veröffentlicht wurde. Deshalb die berechtigte Frage, wer gehandelt hat. Zum Glück sind die involvierten Parteien nicht in den USA, da könnte es jetzt nach 10b-5 Verfahren regnen bei sowas…

    • die Auftrag gebenden Banken können ermittelt werden. Nur sagt das herzlich wenig über die Identität der eigentlichen Investoren aus. Gemäss Bloomberg waren vor allem Morgan Stanley, BAADER BANK, UBS, MAIN FIRST BANK, BERENBERG, INSTINET involviert. Fraglich ob besagte Herren dort Konten/Wertschriften-Depi unterhalten…