Wie liquid ist Wonderboy Jan Schoch?

Flynt, das Digital-Baby des Leonteq-Chefs, verliert operative Köpfe – Im Streit gegangen – Jetzt steht Schoch vor Scherbenhaufen.

Jan Schoch ist ein Serial-Unternehmer. Der Leonteq-Gründer hat neben der Struki-Bude sein Herz für Digital-Vermögensverwaltung entdeckt.

Doch „Flynt“, wie er seine Digital-Bank für Reiche nennt, will nicht fliegen. Die beiden operativen Macher des Projekts sind im November von Bord gegangen.

Im Streit mit Schoch, wie ein Insider sagt. Die beiden Flynt-Köpfe seien von einem Tag auf den anderen verschwunden und seither von ihren Aufgaben freigestellt.

Jan Schoch wollte sich auf Anfrage nicht zu den Abgängen äussern und verwies über seine Sprecherin an Flynt, die in Zug zuhause ist.

Dort meinte ein Sprecherin gestern: „Die Herren haben massgeblich zum Aufbau von Flynt beigetragen. Im Herbst haben sie sich entschieden neuen Herausforderungen nachzugehen.“

Courant normal, will das Schoch-Babyunternehmen Flynt signalisieren.

„Für die Abgänge in der Geschäftsleitung ist die Nachfolge geregelt. Die Vorbereitungen für den Start laufen auf Hochtouren, weitere Informationen sind im Laufe des Februars geplant.“

Das Problem ist der Hype, der um Flynt gemacht worden ist. In den Medien war schon weit im Voraus von der ersten digitalen Bank für Superreiche die Rede.

Der Start wurde auf Herbst 2016 verkündet. Doch statt loszulegen, verkrachten sich Initiant Jan Schoch und seine wichtigsten Leute.

Schoch sei „Hauptaktionär“ von Flynt, sagt die Sprecherin. Er habe keine operative Rolle.

Die beiden abgesprungenen operativen Aushängeschilder von Flynt liessen Anrufe diese Woche unbeantwortet.

Der Eine, der als CEO von Flynt fungierte, wird als „Computer-Genie“ bezeichnet, der sich aber nicht leicht führen lasse.

Es scheint, dass mit dem IT-Crack und Schoch zwei Alphas aufeinanderprallten. Einer musste weg. Schoch war es nicht.

Der zweite entscheidende Mann für den operativen Start von Flynt agierte als stellvertretender CEO und galt als Spiritus rector von Flynt. Er sei der Kreative im Verbund gewesen, der das Projekt fachlich geprägt habe.

Vom Typ her sei er weniger robust als die beiden Big bosses. Er wurde möglicherweise vom Fight der Zwei überrollt.

Ob der Start im Februar gelingt, ist offen. Der Weggang des CEOs und seines Stellvertreters hat Unruhe ausgelöst.

Es könnten weitere Stützen Flynt verlassen, meint der Insider. Viele der paar Dutzend Mitarbeiter seien ihren Ex-Chefs persönlich eng verbunden.

Für Schoch stellt sich die Frage, wie viel eigenes Geld er in sein Flynt-Baby investieren will. Mit seiner Hauptfirma Leonteq kämpft er gegen einen weiteren Absturz bei Kunden und an der Börse.

Ein Grossteil von Schochs Privatvermögen ist in Leonteq-Aktien blockiert. Der CEO der Struki-Firma hat sich verpflichtet, die nächsten Jahre keine weiteren Aktien zu verkaufen.

Durch den Kurzszerfall der Leonteq ist Schochs Privatvermögen massiv geschrumpft – zumindest auf dem Papier.

Ebenfalls hat der Appenzeller in seiner Heimat diversifiziert. Dort stellte er Mehrfamilienhäuser in die Landschaft und kaufte einen Gastronomietempel.

Die Verzettelung wurde offensichtlich, als Schoch sein Flynt-Projekt ankündigte. Im Juli war von „Vermögens-Opportunitäten“ für Unternehmer und Superreiche die Rede.

Damals hiess es, Schoch habe bereits eine Bankenlizenz für Flynt erhalten. Das Kapital würde eine Million betragen.

Für eine Banklizenz der Finma braucht es deutlich mehr eigenes Geld. In der Regel sind 20 Millionen das Minimum.

Laut der Quelle liege eine solche Lizenz der Finanzaufsicht in Bern nach wie vor nicht vor. Ein Entscheid der Finma, ob Schochs Flynt eine Bankenlizenz erhalten würde, sei für Januar geplant. Andernorts heisst es, die Lizenz liege nun vor.

Schoch habe gegen den Willen der Flynt-Chefs, die nun auf und davon sind, unbedingt an der Idee einer Lizenz festgehalten. Warum dem Finanz-Unternehmer dies derart wichtig gewesen sein soll, ist nicht klar.

Klar ist hingegen, dass eine umfassende Bankenlizenz die Kosten massiv in die Höhe treibt. Auch deshalb sind 10 Millionen, wenn eben nicht sogar 20 Millionen, das Minimumkapital für eine neue Bank.

Nun gehen Gerüchte um, wonach Schoch nicht mehr locker das nötige Geld für Flynt aufwerfen wolle.

Bei 40 Angestellten mit einem Jahres-Durchschnittslohn inklusive Sozialleistungen von 200’000 Franken kommt man auf 8 Millionen Personalkosten.

Hinzu kommen IT, Marketing, Miete und weiteres. 10 Millionen laufende Kosten pro Jahr sind rasch erreicht.

Mit der Lizenz steigen die Kosten wegen den vielen Auflagen. Die Regulierung durch die Finma geht ins Geld.

All diese Ausgaben sind seit letztem Jahr am Laufen. Hinzu kommt nun die Kapitalfrage.

Schoch habe Mühe, die Finanzierung mit dem für die Finma-Lizenz benötigten Kapital zusammen zu bringen, sagt die Quelle.

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33 Kommentare zu “Wie liquid ist Wonderboy Jan Schoch?

  1. Jan Schoch sollte sich entweder auf seine Rolle als CEO Leonteq, Gründer Flynt, Wirt im Bären zu Gonten oder Immobilienpromotor konzentrieren.
    Es ist klar, dass ein Startup ein intensives persönliches Involvement des Hauptaktionärs braucht. Als „Fintech-Experte“ sollte Schoch wissen, dass hier eine Rolle als reiner Kapitalgeber nicht funktioniert.

    • Ich empfehle den Bären. Dort stimmt zumindest die Qualität. Der Rest: Naja.

  2. An Flynt haben doch bereits ganz viele Leute gut verdient:
    1) Die Mitarbeiter werden sehr gut bezahlt (und erst noch in Cash!), Externe ebenfalls (für Banklizenz), Vermieter konnte Räume losschlagen etc.
    Ob die Rechnung für den Inhaber aufgehen wird ist eine andere Sache…

  3. Zunächst einmal sind Streitigkeiten nichts Unmenschliches. Und die hochdynamische Situation in einem Startup kann durchwegs Reibungsfläche geben. CIOs / CTOs sind dabei nicht ganz einfach zu handhaben, weil sie aufgrund ihrer gesonderten Stellung ursprünglich sehr schnell sehr viel Macht aufbauen und grosse Anforderungen stellen können. Es kommt dann auf ihren Charakter an, ob sie mit dieser Situation umgehen können, oder ob sie diese ausnutzen. Ich habe beides schon erlebt; im letzteren Falle musste wir dann jeweils leider eine Trennung vollziehen, um das Unternehmen und die Gesamtheit der Anspruchsgruppen zu schützen…

    Banklizenz: Ich lese hier mal primär Mutmassungen darüber, was Flynt sein wird. In Abhängigkeit dessen wird es dann eine vollwertige Banklizenz benötigen, oder auch nicht… Nach meinem Kenntnisstande wird Flynt eine Serviceplattform sein, aber nicht im Transaktionsgeschäft mitmischen. Damit wäre die Diskussion über eine vollwertige Lizenz hinfällig. Im Übrigen würde das ja auch Sinn machen, wenn man die anderen Engagements von Schoch anschaut. Warum sollte er denn Doppelspurigkeiten schaffen? Er baut ja an seinem Ökosystem, das zu nutzen viele Synergievorteile bringen würde…

    Milchbüchlein-Rechnung: Keine Ahnung, wo die Information über die 40 Mitarbeiter herkommt. Es dürfte aber so sein, dass der Aufbau (inklusive allfälliger Kapitaleinzahlungen) in Etappen erfolgt und jeweils von klaren Milestones abhängt. Der hergestellte Zusammenhang mit der Kapitalisierung ist dabei also sekundär. Wesentlich ist das Generieren von ausreichend freiem Cash Flow, um die laufenden Kosten schnellstmöglich mindestens zu decken… Ich traue Herrn Schoch zu, einen soliden Canvas schreiben und die Implementation intelligent etappieren zu können. Dem Autoren traue ich dies weniger zu…

    Mutmassung über mangelhafte Liquidität: Vielleicht stimmt’s, vielleicht auch nicht. Es könnte aber auch sein, dass einer der geschassten Mitarbeiter „nachtritt“ und solche Geschichten verbreitet. Gleichenteils könnte es auch sein, dass Herr Schoch sein Risiko diversifiziert und zusätzliche Investoren sucht. Dies macht insbesondere dann Sinn, wenn a) der angelegte Plan sehr substantielle Einlagen erfordern würde, und/oder b) der zusätzliche Investor sonstige wesentliche Vorteile einbringen würde (z.B. Netzwerk, Knowhow, …). Das wäre dann kein Zeichen mangelhafter Liquidität, sondern intelligenten Geschäftens.

    Aber ich versteh‘ schon: Undifferenziertes Draufhauen ist natürlich „lässiger“ als ausgewogenere Überlegungen. Da kann man auch mal den eigenen Unmut über die Unfaireness des Lebens zum Ausdruck bringen. Immerhin erdreistet sich da ein Schoch zu tun, was andere Menschen (inklusive der meisten Kommentatoren hier) sich nicht getrauen würden…

    • Inklusive vor allem dem Betreiber dieses Blogs hier, der doch so gerne auch als Wonderboy auf allen Parties (oder zumindest bei Hochzeiten von Freunden) dabei wäre….ich warte schon auf die üblichen Kommentare à la Pressestelle etc. Ja Leute ist schon schade, wenn mal ein Kommentar etwas Substanz oder eine andere Meinung hat. Das versaut euer undiffernziertes, dummes Stammtischgeschwätz

    • @Dagobert
      Mit den meisten Punkten einverstanden. Aber Jan Schoch muss sich auch Kritik gefallen lassen. Ich kenne den Ex-CEO (A.R.). Der versteht sein Geschäft. Aber ohne direkte und intensive Führung und Sparring aus dem VR ist so ein Vorhaben zur Erfolgslosigkeit verdammt und Ärger ist vorprogrammiert.
      Und die Führung eines Fintech-Startups in einem anspruchsvollen Umfeld kann man doch nicht an seine Sekretärin (J.S.) delegieren und glauben, dass das klappt.

  4. Am Samstag, 31.12.2016 erschien in der NZZ folgendes Kleininserat (S. 32):

    Schweizer Incubator Lab sucht Investoren und Mitarbeiter zur Gründung einer Digital Bank. Auskunft erteilt Rechtsanwalt Sowieso in Zollikon etc.

    Herzig, nicht?

    • Digital-Bank. Als ob Banking heute nicht schon digital wäre! Meine Voraussage ist auch digital: Viele Nullen und nur wenige Einsen.

    • Was bis heute über Flynt veröffentlicht wurde, hat nichts mit einer Digital-Bank zu tun. Statt Sudoku lass uns heute fröhliches Inserateinterpretieren spielen.
      Ganz nach dem Motto: „Irrtum sprach der Igel und stieg vom Kaktus“

    • Ich will in diesem Markt mitmischen Könnten Sie uns bitte den Namen verraten?

  5. Gemäss Art. 15 der Bankenverordnung beträgt das Mindestkapital einer Bank bei Neugründung 10 Millionen Franken. Es muss voll einbezahlt sein. Wenn ein Vermögensverwalter für Privatpersonen für diese keine eigenen Konten und Depots führt, braucht er keine Banklizenz.

    • Danke. Flynt hat sich auch vor knapp einem Jahr bei mir gemeldet.
      Gute Idee, v.a. alles zu den „Non-bankable Assets“. Aber es war mir völlig unklar, warum man dafür eine Banklizenz brauchen soll.
      Allein weil Flynt nicht die Feuerkraft für (Lombard)-Loans hat bzw. haben wird, wird aus meiner Sicht kein Kunde ein Depot zu Flynt transferieren. Egal ob man einen Lombard hat oder nicht, allein die Option, im Notfall schnell über einen Lombard zu Geld zu kommen ist extrem wertvoll.

  6. Es wurde langsam auch Zeit, dass die hippe Start-Up und Fintech Szene etwas den härteren Wind des wahren Geschäftslebens spürt und nicht laufend nach Subventionen und Erleichterungen aus Bern zur Erreichung der eigenen (monetären & narzisstischen) Ziele krächzt.

    Fakt ist: Nur der Markt entscheidet, ob eine Firma erfolgreich ist und überlebt. Einige etablieren sich, viele scheitern (und sollen auch scheitern statt subventioniert/geschützt werden durch Staat).

    • Es werden doch keine Fintech Firmen durch den Staat geschützt, so ein Schwachsinn! Absolut korrekt ist, dass der Markt entscheidet. Und im Unternehmertum gehört „Scheitern“ dazu. Die meisten, wohl auch hier, haben ihren Comfort, Ende Monat kommt der Lohncheque. Das ist einfach. Die spannenden Menschen sind eben nicht die Manager (zu Deutsch: Verwalter, schon fast Beamte), sondern eben Unternehmer. Zu solchen gehört auch Jan Schoch. Soll doch mal einer das nachmachen. Vielleicht hat er nicht immer alles richtig gemacht, doch wer macht das schon. Und wenn er scheitert, na und. Er hat etwas bewegt. Traurig in diesem Land ist, dass Neid herrscht. Das zeigt ja auch IP und vor allem die dummen Kommentare teilweise. Es ist ganz einfach: Winners never quit, and quitters never win. Und wem haben die Banken angst, von den Zuckerbergs, Bezos & Co. – das sind die mit Eier!

  7. Endlich einmal ein Story, welche die Verzettelung von Jan Schoch thematisiert. Entweder ist man CEO eines börsenkotierten Unternehmens und hat dort den Laden im Griff oder man tanzt auf mehreren Hochzeiten wie Jan Schoch. Wie kann man mit vollem Einsatz CEO bei Leonteq sein und gleichzeitig derart zahlreiche Projekte und Startups «nebenbei» verfolgen wie Jan Schoch es tut? Das ist nicht möglich! Hier ist ganz klar der VR von Leonteq gefordert, um einzugreifen und das Engagement von Schoch ausserhalb von Leonteq zu begrenzen.

    • Einverstanden, gerade diese Story zeigt exemplarisch die Gefahren von zu vielen Aktivitäten gleichzeitig.
      Nur ist leider der VRP von Leonteq auch völlig verzettelt. VRP bei Leonteq, Helvetia, Aduno usw. Der wirkt da nicht gerade als Vorbild.

  8. Wie fast immer ist IP unterhaltsamer, präziser und detailreicher als Finews. An dieser Stelle wieder mal ein Kompliment an Hr. Hässig für seine tolle Arbeit!
    Fakt ist: heute Morgen war Flynt Bank noch nicht in der Liste der bewilligten Institute der Finma verzeichnet.
    Mal sehen, ob und wann die live gehen oder ob Schoch vorher die Puste ausgeht.

  9. Es liegt in der DNA des Schweizers, dass zuerst mal alles negative ist, alles schlecht. Sollte Jan dann ploetzlich Erfolg mit Flynt haben, sind alle wieder neidisch. Es braucht Eier um etwas von 0 auf aufzubauen, und diese hat Jan. Auch als er 2007 Leonteq gruendete, brauchte es diese. Damals hatte er einen Top Job bei Goldman. Eier meine Damen und Herren, Eier

    • …den alle angestellten Risikolosgrossanspruchsbanker tatsächlich nicht haben. – Könnte ja eigenes Geld kosten/riskieren. Gehe mit Ihnen einig.

    • Was soll dieses Gelaber von wegen Eiern? Schoch kann mit seinem Geld machen, was er will, aber dann ist er der falsche CEO für Leonteq. Denn bei Leonteq ist es mehrheitlich nicht sein Geld, sondern das Geld der Aktionäre. Schoch hat noch nicht kapiert, dass Leonteq 2017 andere Anforderungen an einen CEO stellt als 2007, und er seine weiteren Engagements schon längst hätte reduzieren müssen.

    • Gab es nicht einmal bei einer Schweizer Großbank, einen kleinadligen Vermögensberater mit dem Namen „Graf vom Hoden“? Aus Insiderkreisen war zu hören, das er nicht selten steinreichen Witwen aus Züricher Mutli-Millionärs-Kreisen, seine glänzenden, kleinen „Bällchen“ in sogenannten „Nacht- und Nebelaktionen“ präsentierte?

    • Nun ja, eines hat er offenbar bei den Goldmännern gelernt, zocke nie mit eignem Geld, und falls doch, dann als Erster, wenn Du dir die villigsten Aktien selber zuteilen kannst. Anchliessend hole Dir reiche Idoten (Risiko-Dämpfer) an Bord, verkaufe denen Ende Deine ersten Aktien.
      Erinnert mich an den Dolder-Inhaber.. kaufe für Vermögenden Kunden 100 Mio. einer Anleihe (als Familiy-Office, oder uPSTrader), dabei die erste für Dich, danach 99 für den Kunden, und die letzte, von Dir, an ihn. Na, war dS nun best execution? Front runnig? Seit wann kennt man im Steuerdomizil einer Sitzgesellschaft, denn sowas? Den WB kennt eh kaum einer, also nicht mal die jeweilige Steuerbehörde.

  10. Flynt. Twint. Spint. Rint. … … – alles der gleiche Schrott. Quersubventioniert bis zum Erbrechen und ohne Zukunft. Vergleichbar mit der Entwicklung eines „Schweizer Betriebssystems“ 1985.