Flynt-Crash wird zum Risiko für Sonnyboy Schoch

Falsche Behauptungen: Finma-Lizenz immer noch nicht da – Million für E&Y, PWC – Chef Schoch verbrennt viel eigenen Cash.

Jan Schoch strahlt. Auf Fotos. In Realität ist das Leben für den einstigen Shootingstar gerade zäh. Seine Leonteq, eine Struki-Firma, muss sich neu erfinden.

Sein zweites Baby, die Flynt Digital-Privatbank, hat sich noch nicht einmal gefunden. Flynt sollte längst online sein. Der Start wurde wieder und wieder verschoben.

Nun soll im Februar der Bigbang erfolgen. Wie das gehen soll, ist von aussen nicht klar.

Denn Flynt hat immer noch keine Bankenlizenz. Dies entgegen den Beteuerungen von Schochs Statthalterin bei Flynt Anfang Jahr, als Kritik am Projekt aufkam.

Damals wurde bekannt, dass die beiden operativen Spitzenleute des Vorhabens, das Private Banking für Ultrareiche neu erfinden will, von Bord gegangen waren.

Wohl zur Beruhigung sagte die Flynt-Präsidentin, die Lizenz liege inzwischen vor.

Die Lizenz für den Bankbetrieb erhielt zentrale Bedeutung, weil es zuvor schon im Sommer geheissen hatte, die Finma habe grünes Licht gegeben.

Das war schlicht erfunden.

Nun sollte die Flynt Bank auf der Liste der Finma namens „Bewilligte „Banken und Effektenhändler“ erscheinen. Diese wird tagesaktuell geführt.

Will heissen: Wenn die Finma eine Lizenz erteilt, dann erscheint der Name des beglückten Instituts sofort auf der Excel-Liste auf der Onlineseite der Bankenaufsicht.

Die aktuelle Liste stammt vom 19. Januar, also von gestern. Wer auf dieser nach dem Namen „Flynt“ sucht, erhält null Treffer.

Es wird eng. Februar steht vor der Tür. Auf der Internetseite „flynt.io“ steht in etwas psychodelischem Design „More Information – Feb. 17“. Ob mit 17 das Jahr oder der Tag gemeint ist, ist nicht klar.

Dafür klingt der Slogan gut. „Exploring Wealth as Opportunity.“ Und: „Achieving Your Life’s Worth.“

Zwar kryptisch. Aber schmissig.

Und teuer. Sehr teuer.

Schoch und seine Mitinvestoren haben bisher Millionen für Flynt aufgeworfen – mit dem Risiko, dass das Vorhaben, das noch immer nicht auf die Startbahn gerollt ist, gar nie abheben wird.

Allein für die Revisoren und Beratungsfirmen habe Schoch einen kleinen Millionenbetrag aufgeworfen, sagt eine Quelle.

So sei zu hören, dass die Beraterin E&Y bisher für ihre Leistungen rund um die Einreichung des Lizenzgesuchs gegen 700’000 Franken erhalten haben soll.

Weitere kommen hinzu. So habe die PwC, eine Konkurrentin von E&Y, der Flynt bei der Einreichung des Banklizens-Gesuchs ebenfalls geholfen.

Als Prüferin, ob alles richtig sei. Auch die PwC gilt als teuer. Hinzu kommen Rechtsberater, in der Regel auch nicht günstig – vor allem nicht, wenn sie sich um Banken als Kunden kümmern.

Schoch hat somit eine hohe Cash-Verbrennung. Umgekehrt sinkt sein Vermögen im Tagestakt.

Dies hat mit seiner Leonteq zu tun. An der Finanzfirma, die an der Börse von über 200 auf unter 40 Franken gefallen war, hält Schon weiterhin über 6 Prozent.

Das Paket ist wertmässig nur noch ein Schatten von früher. Schoch würde es damit kaum mehr in die 300er Reichsten „Bilanz“ schaffen, wie ihm das in den letzten Jahren locker gelungen war.

Von Schoch heisst es auf dem Finanzplatz, dass er gerne Risiken nehme, auch was seine eigenen Finanzen angehe.

So habe er sein Leonteq-Aktienpaket genutzt, um dieses gegen Kredite bei den Banken zu hinterlegen. Mit dem Fremdkapital konnte er anderweitig agieren, in Immobilien und Gastrobetriebe.

Mit dem Leonteq-Sturz sinkt auch die Sicherheit, welche das hinterlegte Aktienpaket für die Banken darstellt. Je nach Entwicklung wollen sie dann neue Sicherheiten.

Schoch hat somit trotz seinem Reichtum auf dem Papier wie jeder Unternehmer das Risiko, dass er plötzlich zu wenig flüssig ist. Er braucht dann neue Geldgeber, oder er muss verkaufen.

Oder auf etwas verzichten.

Auf Flynt?

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23 Kommentare zu “Flynt-Crash wird zum Risiko für Sonnyboy Schoch

  1. Herr Hässig scheint in Jan Schoch sein persönliches Feindbild gefunden zu haben. Das Problem ist nicht Jan Schoch in seinen verschiedenen Aktivitäten. Bei Leonteq sind es vor allem die Schaumschläger und Bluffer im mittleren und höheren Management, welche die aktuelle Situation zu verantworten haben. Eine der wichtigsten Abteilungen in diesem Unternehmen, die IT, wird von einem Mann geführt der kaum Rücksicht nimmt auf seine Leute. In anderen Abteilungen ist es nicht besser. Diese kleinen Selbstdarsteller, die sich das Vertrauen von Jan Schoch erschlichen haben und mit viel Rauch- und Nebel-Granaten ihre eigene Beschränktheit kaschieren sind das grosse Problem. Natürlich kann man Jan Schoch vorwerfen, er müsste wieder mehr diesen Leuten auf die Finger schauen. Wenn man Händeringend nach Fachkräften sucht und diese aus irgendwelchen Subkontinenten holt, mit Titeln ausgestattet, die das Papier nicht wert sind, wird es spätestens dann schwierig, wenn diese in der Überzahl sind. Aber Jan Schoch wird in diesem Artikel zu Unrecht diskreditiert und das ist beschämend. Ich würde mich freuen wenn das Umfeld der Geschäftsleitung und deren direkten Vasallen eventuell einmal beleuchtet würden. Dort wird Herr Hässig sicher fündig und er würde die echten Feindbilder finden.

    • Ihr Beitrag beschreibt ja gerade das Problem. Jan Schoch hat sein eigenes Haus (Leonteq) nicht mehr im Griff.
      Diversifkation in Fintechs, Restaurants, Immobilien – gute Sache, aber nur wenn das Kerngeschäft läuft. Und das tut es eben gerade nicht.

  2. Hut ab! Hier wird eigenes Geld riskiert. Kein Fund-Raising. Eigenes Geld. Und wenn wir es in der Schweiz nicht auf die Reihe bekommen, eine Internet-Bank auf die Beine zu stellen, dann wird es Google, Facebook oder Apple sicherlich hinbekommen, in Zusammenarbeit mit HUAWEI, Samsung oder sonstwem. Dann mutiert die nächste Generation von Kunden (digital natives) von Tagträumern zu Erben und an der Bahnhofstrasse werden mit dem Zweihänder die Sessel geleert. Ich will mehr JS. Und eine FINMA, die den Finger rausnimmt.

    • Gratulation. Trifft den Nagel auf den Kopf!
      Es braucht mehr Visionäre in CH die sich etwas trauen – von den ewig gestrigen Nörglern haben wir hier weiss Gott genug.

  3. Hallo Herr Hässig

    Danke, dass Sie den Link aufgeführt haben zur Liste. Wenn Sie die Webseite da genau lesen, steht da:
    „Die FINMA führt Listen aller bewilligten Institute und Anlagefonds. Diese werden regelmässig aktualisiert. Es kann jedoch vorkommen, dass Beaufsichtigte die Bewilligung zur Geschäftstätigkeit erhalten haben, jedoch noch nicht auf der entsprechenden Liste aufgeführt sind, oder dass Beaufsichtigte noch als bewilligt aufgeführt sind, denen die Bewilligung zur Geschäftstätigkeit bereits entzogen worden ist.“

    Danke für Ihre Kenntnisnahme

    • Das wird es wohl sein. Flynt hat die Genehmigung, der Finma-Lehrling hat nur gepennt und die Liste nicht aktualisiert. Ist sicher am Montag bereinigt.
      Jetzt braucht es nur noch eine gute Erklärung für den Abgang von Nr 1 und 2 bei Flynt. Hatte vermutlich ausschliesslich familiäre Gründe, oder?
      Im Ernst: Jan Schoch sollte sich endlich entscheiden: CEO Leonteq oder Startup. Und dann Vollzeit. So funktioniert es ja offensichtlich an beiden Orten nicht.

  4. Besten Dank! Die hier exerzierte schulmeisterliche Miesepetrigkeit ist ein Schmiss ins Gesicht aller „Sunnyboys“, die Risk-taker sind und die den Finanzplatz Schweiz nach vorne bringen (wollen). Dies im Vergleich zu jedem Standard-Bänkler, dessen einziges Risiko darin besteht, ein Jahr länger auf seine Beförderung zum VP zu warten. Die wahren Sunnboys sind die Loser von der Bahnhofstrasse die sich am Arbeitsplatz Gedanken machen, ob sie bei Pelikamo die richtigen Masse genommen haben. Von mir aus kann sich JS seine Wochenenden sonstwie um die Ohren hauen – immerhin macht er wohl etwas lustigeres als mit der Alten das Dschungelcamp zu schauen, um über andere zu lachen, die noch blöder sind als sie. Und genau hier liegt der Hase begraben. Kaum sind die Zeiten für einen „Sunnyboy“ ein wenig härter, fällt den meisten Aasgeier nichts besseres ein als voller Hähme, voller Schadenfreude auf jemanden einzutreten. Kein Wunder kommt der Tech-Branche in der Schweiz nicht zum fliegen – der vorherrschende Mindset wird durch viele Kommentatoren bestens unterstrichen. Schafft ihr doch einmal ein paar Arbeitsplätze – und eine Firma die nach wie vor Gewinn macht….. Aber wisst ihr, ich verstehe ja auch, dass es cooler ist, am Ende sagen zu können „Ich has jo immer gseit!“ – echt schweizerisch halt!

    • 100% bei Ihnen Pelikamo, die geistige Fettleibigkeit die man z.T. an der Bahnhofstrasse entwickelt hat , dazu die Neidkultur aus der Industrie sowie der Blog „IP“ – wenn man ihn zu oft liest wird man depressiv – und schon wird die heimische Finanzbranche für tot erklärt und Unternehmer die wenigstens mal was versuchen, noch ein paar Arbeitsplätze produzieren und v.a. mit der eigenen Kohle investiert sind als SunnyBoys bezeichnet. Man freut sich hier geradezu wenn Flynt oder Leonteq schief gehen würden.

      Kenne Schoch nicht – aber ich fänd’s geil wenn er all den Kritikern, Besserwissern und Sesselfurzer mit einem Erfolg das Maul stopfen würde.

      Die Besserwisser hier würden sich gescheiter mal fragen, was sie zu einer innovativeren Schweiz beitragen könnten. Liefere, nid lafere

  5. Es gibt verschiedene Aktionen, die einen Menschen von Beginn weg und indiskutabel disqualifizieren.

    Einer Beraterfirma soviel Stutz für fertige Dokumente, die in Schubladen auf die Refakturierung warten, in den Rachen zu stossen, ist eine dieser Aktionen.

    Beschämend.

    • Und was ist denn die Alternative? Willst du dich etwa selber revidieren? Die Papiere selber zusammenstellen? Meinst du etwa das akzeptiert die Finma?
      Das Problem sind weniger die Berater sondern die wuchernde Regulierung. Diese macht es unglaublich schwer eine Bank neu zu gründen. Wenn Schoch wirklich mit einer Mio durchgekommen ist verdient er einen Orden. Normalerweise sind allein die Drittkosten viel höher! Wir hatten schon vor Jahren bei einem ähnlichen Fall viel höhere Kosten und waren wirklich sparsam unterwegs.

    • @Oskar Tobler
      Falsch. Beschämend sind Leute wie Sie, die einfach einmal etwas in die Welt rausposaunen, wovon Sie offensichtlich keine Ahnung haben.
      Ein Gesuch zur Erteilung einer Banklizenz ist kein Dokument, das man/ Beratungsfirmen einfach so in der Schublade herumliegen hat. Ein bisschen gesunder Menschenverstand und Verständnis der Materie würden Sie zur absolut gegenteiligen Ansicht bringen.
      Aber beides fehlt ja offensichtlich. Aber das ist ja für Sie kein Problem und darum geht’s ja nicht: Hauptsache man kann einfach mal wieder draufhauen! Alle und alles schlechtmachen.
      Beschämend. Langweilig. Deprimierend.

    • Jeden Tag labern, keine Ahnung haben, nix arbeiten?
      Wenn sie schon am googeln sind mal ausprobieren: was die io Toplevel Domain für startups bedeutet…
      Flynt sitzt in Zug, um keine Panik auszulösen.
      Soviel Recherche sollte auch für einen Plauderi drinliegen.

    • @Tux
      Das Domainkürzel .io bedeutet „in Ordnung“. Es wird neuerdings gerne von exquisiten, wichtigtuerischen startup’s verwendet. Alles klar?

  6. Meine Prognose: geht nie live.
    Jan Schoch wird wissen, dass bei einem solchen Vorhaben der Liquiditätsbedarf mit dem Going Live erst richtig explodiert. Und das wird er sich nicht leisten wollen bzw können.
    Gefreut haben sich die Mitarbeiter, Berater und die Finma – letztere kostet ja auch eine Stange Geld, obwohl hoheitliche Aufgabe.
    Aber schon ziemlich dreist die Behauptung man habe alle Genehmigugen ohne in der „Liste“ verzeichnet zu sein…

  7. Es ist ja genau das Problem in der Schweiz, dass für den Aufbau einer neuen digitalen Bank erst einmal Millionen für irgendwelche Berater, Wirtschaftsprüfer, Lizenzen ausgegeben werden müssen. Kein Wunder, dass der Finanzplatz solche Schwierigkeiten hat, wenn der Regulator die Eintrittshürden für Neulinge so hoch hängt.

    Vielleicht hat es einen Einfluss, dass die FINMA an der Spitze Leute mit reiner Grossbankkarriere hat. Vielleicht auch mal ein Thema für IP?

    • Genau! Der ganze Finanzplatz ist völlig überreguliert. Die Finma ist verseucht mit Grossbänklern, oft mit sehr problematischer Vergangenheit (Stichwort „Libor“). Und bringen tut die Regulierung dem Kunden gar nichts, weil jede Regel gleich wieder 5 neue Lücken eröffnet.
      Es ist JS hoch anzurechnen, dass er es wenigstens versucht. Ich hätte mir die Mühe mit der Banklizenz gar nicht gemacht. Da wird man nur abgezockt von den Beratern, Revisoren, Anwälten, Internen Spezialisten, Finma usw. Man kann viele schöne Geschäftsmodelle bauen ohne eine Lizenz und schläft entschieden ruhiger.

    • dazu braucht es keinen Artikel auf IP, Everett M. Rogers hat in seinen „competitive market forces“ ja wunderbar beschrieben wie etablierte Player ihren Markt schützen können, respektive welche „market forces“ es gibt. Dazu gehören natürlich Lobbying die dafür sorgen, dass (gesetzliche) entry barriers für neue Mitbewerber möglichst hoch liegen, so hält man sich lästige (bewegliche, innnovative, dynamische) Kleinfirmen vom Leibe. Wäre ja noch schöner, wenn irgend so ein „Uber“ oder „AirBnB“ lookalike plötzlich einer UBS signifikant Marktanteile abjagen würde……denkt wirklich jemand, dass so mächtige Institutionen einfach dabei zuschauen wie ein Startup die Finanzszene aufmischt ?

  8. Wo ist das Problem? Lasst den Schoch doch mit seiner Kohle machen, was er will. Und wenn Flynt zum Fliegen kommt, freuen wir uns, schliesslich dürften damit auch wieder Arbeitsplätze verbunden sein. Think about it.

    • wunderbares Posting – irgendwie kann sich IP im Moment nicht so sehr auf Avaloq einschiessen, es scheint, dass man sich im Moment Jan Schoch vornimmt.

      Wie viele Arbeitsplätze produziert eigentlich IP ?

    • Apropos Arbeitsplätze: Das Problem ist, dass bei aller Höhenfliegerei bei Leonteq scheinbar vergessen ging, dass ein Unternehmen auch eine soziale Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern hat. Diese wurde, wie zu hören ist, teilweise nur sehr marginal wahrgenommen. Da konnte es ohne weiteres vorkommen, dass ein über 50 Jähriger, der seine Arbeit tadellos gemacht hat, die Kündigung erhielt – einfach so, um es mal mit einem jüngeren zu probieren. Dazu fällt mir nur ein: Sheng Pfui.