Zoll attackiert Staranwalt von Dolder-Schwarzenbach

Fahnder befragten Uli Kohli, Verteidiger des Milliardärs, als „Auskunftsperson“ – Tatbeteiligung „nicht gänzlich ausgeschlossen“.

Ulrich Kohli ist mehr als nur Anwalt. Sein Alter ego „James Douglas“ ist Krimi-Beststeller. Und in der Affäre um Milliardär und Dolder-Besitzer Urs Schwarzenbach rückt er selbst ins Rampenlicht.

Nicht nur günstig. Gegen Kohli hegten die Schweizer Zollbehörden ebenfalls Verdacht, gleich, wie sich ein solcher bei den Fahndern gegen Kohlis bekanntesten Kunden Schwarzenbach erhärtete.

Kohli bestätigte den Status als Auskunftsperson auf E-Mail-Anfrage. Aber erst auf zweifaches Nachfragen.

Zunächst meinte Kohli, dass gegen ihn respektive gegen Partner seiner Zürcher Kanzlei „keine Verfahren“ liefen.

Es folgte ein nochmaliger Vorstoss. Er sei „Teil des Verfahrens, welches der Zoll durchgeführt“ habe, lautete dieser.

Da gab dann Kohli erstmals Terrain preis. „Ich war Auskunftsperson“, antwortete der Wirtschaftsanwalt mit besten Beziehungen zu Zürcher Finanzgrössen.

Ein Sprecher der Zollverwaltung in Bern wollte „wegen des Amtsgeheimnisses“ nichts zu Personen und konkreten Strafverfahren sagen.

Dann führte er aber aus, was der Terminus „Auskunftsperson“ rechtlich genau bedeutet.

„Als Auskunftspersonen in einem Strafverfahren gelten unter anderem Personen, die selbst nicht beschuldigt sind, aber bei denen eine Tatbeteiligung nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann und die somit nicht als Zeuge in Frage kommen“, meinte der Zoll-Sprecher.

Und weiter: „Eine Auskunftsperson hat das Recht, die Aussage ohne Grundangabe zu verweigern, im Gegensatz zum Zeugen, der zur wahrheitsgetreuen Aussage verpflichtet ist.“

Kurz: Der „Zeuge“ ist im Moment der Befragung durch die Ermittler unbelastet und muss reden, bei der „Auskunftsperson“ könnte mehr zum Vorschein kommen und darf deshalb schweigen.

Um sich in einem möglichen späteren Strafverfahren nicht selbst zu belasten.

Worum es bei der Befragung Kohlis als Auskunftsperson in der Causa Schwarzenbach ging, bei der neben Zollverfahren auch 110 Millionen Steuerschulden auf dem Spiel stehen und damit auch die Zukunft des Nobel-Hotels Dolder auf dem Zürichberg, ist nicht bekannt.

Kohli verweist in seiner E-Mail-Antwort auf das „Anwaltsgeheimnis“, an das er gebunden sei. Deshalb könne er „nicht mehr sagen“.

Dass er für sich sprechen könnte, da er ja selbst „Auskunftsperson“ war und nicht für seinen Auftraggeber Schwarzenbach als Verteidiger kämpfte, kümmert Kohli nicht.

Er behält sich bedeckt.

Fragen gibt es rund um die „Galerie Minerva AG“ in Zürich. Dort war Kohli Ende 1998, also vor bald 20 Jahren, als „Mitglied und Liquidator“ eingetreten.

Im 2001 hatte Anwalt Kohli die Minerva AG liquidiert. Danach tauchte eine neue Minerva im afrikanischen Liberia wieder auf.

Bei dieser sei auch Kohli registriert, meldete die SonntagsZeitung letzte Woche. Der Sitz der Minerva in Liberia sei an einer Adresse, wo viele Briefkastenfirmen domiziliert seien.

Kohli wehrt sich gegen den Eindruck, es handle sich um eine Firma zur Steuerumgehung.

„Galerie Minerva ist weder Strohfirma noch Steuerumgehungsvehikel“, sagte er letzte Woche per E-Mail. „Sie ist eine Domizilgesellschaft, wie es sie in der Schweiz auch gibt.“

Umso erstaunlicher ist, wie Kohli in einer der grössten Straf- und Ermittlungsaffären der Schweiz gegen eine einzelne Person in den letzten Wochen in die Offensive gegangen ist.

Sein langjähriger Freund und Mandant Urs Schwarzenbach kämpft mit dem Rücken zur Wand um sein Vermögen.

Gegen ihn wurde bereits eine Zoll-Nachrechnung über 10 Millionen rechtskräftig. Gegen dieses Verdikt, das Schwarzenbach respektive seine Anwälte – aber andere, nicht Kohli – bereits akzeptiert hatten, will Schwarzenbach nun erneut vorgehen.

Dann ein Strafverfahren des Zolls, bei dem die Behörde den Devisen- und Kunstinvestor mit 4 Millionen bestrafen will. Da steht vor dem Bezirksgericht Bülach ein Prozess an.

Sodann die dritte Front, bei der die Zürcher und die Berner Steuerbehörden zusammenspannen und das Material, welches der Zoll bei einer Razzia im Frühling 2013 im Devisenquartier von Schwarzenbach in seiner Zürcher Villa Falkenschloss beschlagnahmt hatte, ausspielen wollen.

Da geht es ums Ganze. Die Behörden haben Schwarzenbach pauschal zu Steuernachzahlungen von 110 Millionen Franken verpflichtet.

Um nicht plötzlich mit leeren Händen dazustehen, haben die Häscher bei Schwarzenbach einen sogenannten Arrestbefehl über mehr als 200 Millionen ausgesprochen.

Das heisst, sie blockieren alles Geld und alle sonstigen Werte bis zu dieser Höhe, auf die sie Zugriff haben.

Spektakulär haben die Ermittler letzte Woche 30 Bilder und sonstige Kunstwerke von Schwarzenbach in dessen Dolder-Hotel und seinen Schweizer Privatliegenschaften im Wert von 50 Millionen beschlagnahmt.

Schliesslich steht noch ein viertes Verfahren an. Bei diesem geht es wiederum um den Zoll. Es nennt sich „Verlagerungsverfahren“ und prüft, ob Schwarzenbach bewusst von Zoll-Erleichterungen für Kunstgalerien profitierte, obwohl er dazu nicht legitimiert gewesen wäre.

Weil er eben im Unterschied zu seiner Behauptung, ein Privatsammler zu sein, ein gewerbsmässiger Kunsthändler sein könnte.

Schwarzenbach wehrt sich gegen sämtliche Vorwürfe. Vermittlungsversuche hat er inzwischen abgebrochen.

Einen solchen hatte der bekannte Wirtschaftsanwalt Peter Nobel unternommen. Nobel riet Schwarzenbach, die Strafe von 4 Millionen des Zolls zu akzeptieren und damit auf Friedenskurs mit den Häschern einzuschwenken.

Nobel wollte sich nicht dazu äussern.

Schwarzenbach zieht das Kämpfen vor. In einem Blick-Interview von letzter Woche meinte er scherzhaft, aber bewusst, er würde den Behörden „einen grossen bösen Hund“ auf den Hals hetzen.

Schwarzenbach sagte im Interview zudem, er habe kaum mehr Liquidität, da alles beschlagnahmt sei. Er verwies darauf, dass er AHV beziehe.

Doch mindestens eine Geldquelle muss weiterhin üppig sprudeln. Kohli flog mit Schwarzenbach in dessen Privatjet nach Marrakesch, wo der Anwalt ein „Interview“ mit seinem Klienten führte, das Schlagzeilen schrieb.

Der Jet würde „von einer Schweizer Firma“ betrieben, sagte Kohli dazu. Schwarzenbach beschäftige zudem „allein“ in England 180 Leute.

Wie das geht, wenn man offiziell auf dem Trockenen sitzt, wie Schwarzenbach in seinem Blick-Interview weismachte, bleibt das Geheimnis des Milliardärs und dessen Rechtsberaters.

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14 Kommentare zu “Zoll attackiert Staranwalt von Dolder-Schwarzenbach

  1. Trotzdem Danke Bern!
    Also wenn die Zolldirektion gegen so klare Fälle so hart und kompromisslos vorgehen wie für einen Päcklikunden der beispielsweise im Ausland ein falsches weil nicht zugelassenes Allergiemedikament kaufen wollte und dessen Packet geöffnet wurde, dann müssen sie gegen Herrn Schwarzenbach bezüglich Durchgriff, Abwicklung und Strafandrohung noch um Potenzen zulegen. Aber besser als nichts. Wäre die Oberzolldirektion im Zürcher Klüngel, wäre es nicht mal zur Anklage gekommen.

  2. Sorry irgendwo habe ich mit solchen Typen kein Verständnis mehr. Sie wollen ihren Beitrag gemäss dem Gesellschaftsveiteag nicht leisten, wo es nur geht Steuern vermeiden, die Annehmlichkeiten und Sicherheit der Schweiz aber konsumieren! Diese geistige Haltung zeigt eigentlich, dass sie auf die Gesellschaft und deren Regeln schei..en! Da muss ich ehrlich sein, ich habe kein Mitleid mit diesen Herren, wenn Sie mal hart angefasst werden, es wäre sogar noch eine härtere Gangart nötig und einfach mal Beugehaft anordnen bis der Rubel rollt (geht leider nicht)!

    • Nein. Herr Schwarzenbach hat in seinem Leben bisher sicher mehr Steuern bezahlt als 10000 Leute wie Sie zusammen.

    • @Jack Sparrow
      Sie haben nicht begriffen wie eine Zivilgesellschaft aufgebaut ist. Es geht nicht um die Summe oder das Total, wer hat mehr oder weniger! Aber wem sage ich das, da kann man genau so gut gegen eine Wand reden, da bleibt vermutlich mehr haften!

  3. Zollbehörden: sind das nicht diese Witzfiguren, die Pakete öffnen und dann diese „Leistung“ auch noch dem Bürger und Rechnung stellen?
    Hoffentlich wehrt sich Schwarzenbach mit allen Mitteln – wünsche ihm viel Glück dabei! Leider wird er bei der verfilzten und bodenlos korrupten Schweizer Partei-Justiz kaum recht erhalten…
    These: Hätte Schwarzenbach einige „Parteispenden“ vorgenommen, dann hätte er Containerweise Bilder verschiffen können…

  4. Schwarzenbach hat einen grossen Fehler gemacht: Er ist weiterhin in der Schweiz wohnen geblieben. Singapur, HongKong, Monaco – es gibt so viele schöne Orte in der Welt, wo es keine Sau interessiert, welche Bilder wo hängen.
    Das ganze Verfahren stinkt sowieso zum Himmel. Seit wann muss ich denn versteuern, was ich bei mir an die Wand hänge? Bringt das irgendeinen Zins? Irgendeinen Ertrag? Nein, es kostet nur. Warum soll man auf einen nicht-existierenden Ertrag Steuern bezahlen?

    • Als „Armer Kerl“ hat man offenbar noch nie etwas von der Vermögenssteuer gehört.

    • Singapur?! Das ganze Jahr feucht, heiss und dann immer dieser Smog wegen den Brandrodungen in Indonesien.

      Wegen der Anhäufung von mobilem (u.a. Bankkonti in CH und FL) und immobilem (Dolder Hotels, Küsnacht, St. Moritz, Pfannenstiel usw.) Vermögen in der Schweiz, war Herr Schwarzenbach hierzulande mehrfach angreifbar.

    • Und warum muss ich versteuern, was bei mir in der Garage steht? Bringt es einen Ertrag? Nein, es verliert nur an Wert und kostet nur. Na, ein Licht aufgegangen?

    • @Weissenbach
      Es handelt sich nicht um die Vermögenssteuern, sondern um die Mehrwehrtsteuer bei Einfuhr. Noch selten hat der Zoll Vermögenssteuersünder verfolgt. Aber als Unwissender lebt es sich schon recht gut.

  5. Zum Reichtum führen viele Wege,
    und die meisten von ihnen sind schmutzig.

    Peter Rosegger
    * 31. Juli 1843 † 26. Juni 1918