UBS storniert alle Inserate bei Finanz+Wirtschaft

Wirtschaftsblatt kritisiert seit Jahren dünne Kapitaldecke des Too Big To Fail-Multis – CEO Ermotti zu Sprecher: „Mach was“.

Einst boykottierte SVP-Tycoon Walter Frey alle Medien der Tages-Anzeiger-Gruppe. Das Tagi-Magi hatte eine kritische Autostory gebracht.

Das war vor 30 Jahren. Tempi passati? Nicht für die UBS. Der Bankenkoloss stornierte Anfang dieses Jahres alle reservierten Werbeflächen in der Finanz und Wirtschaft.

Der Chef der F+W nahm gestern keine Stellung. Die UBS offiziell auch nicht. Aus der Bank war zu vernehmen, dass es keinen Boykott gebe.

Vielmehr sei die F+W zu teuer, zudem würden Erfahrungen zeigen, dass die Aufmerksamkeit bezüglich den eigenen Inseraten im Wirtschafts- und Finanzblatt, das zur Tages-Anzeiger-Gruppe Tamedia gehört, zu den schlechtesten zähle.

Dass die UBS wegen kritischer Artikel und auf Befehl von UBS-CEO Sergio Ermotti die Inserate im Print storniert habe, wie in der Medienbranche zu hören ist, gehöre ins „Reich der Verschwörungstheorien“.

Man sei weiter mit der F+W im Geschäft, nämlich mit Sponsoring von Anlässen. Zudem würde man zusammen mit anderen Banken auch online bei der F+W Werbung schalten.

Die Finanzzeitung fährt seit Jahren einen kritischen Kurs, was die Sicherheit der beiden grossen Banken in der Schweiz angeht. Ihre journalistischen Aushängeschilder erhielten dafür Pressepreise.

UBS-Chef Ermotti hatte sich wiederholt enerviert gezeigt über diese Berichterstattung.

An einem Podium der F+W im Sommer 2015 liess er seiner Wut freien Lauf. Die Schweiz mache viel mehr als alle anderen Länder, was die Vorgaben für genügend Kapital bei den Banken-Multis betreffe.

Der emotionale Ausbruch des Bankenchefs kollidierte schon damals mit der Realität.

Die Schweiz hatte zwar tatsächlich eine schärfere Regulierung ein paar Jahre zuvor beschlossen. Doch in der Zwischenzeit hatte das Ausland, vor allem England und auch die USA, aufgeholt.

Nun war der „Swiss Finish“ nicht mehr herausragend, sondern Durchschnitt.

Eine Bundes-Expertenkommission empfahl auf Grund dieser Entwicklung nicht wie von den Grossbanken erhofft eine Erleichterung bei der Inland-Regulierung, sondern eine Verschärfung.

Die Zeitung F+W thematisierte das wiederholt. Das liess sich UBS-Kapitän Ermotti nicht gefallen.

Kurz nach der Sommer 2015-Veranstaltung stoppte die UBS ein erstes Mal die Inserate für die F+W. Plötzlich blieben die sonst immer eintreffenden Buchungen aus.

Erst 2016 entspannte sich die Lage. Die Grossbank begann, ab und zu wieder Anzeigen in der Zeitung zu schalten.

Nicht für lange.

Am 7. Januar dieses Jahres publizierte Sergio Ermotti in der NZZ ein Essay. Der UBS-CEO lobte damals die Tatsache, dass die europäischen Regulierer das ganze Bild berücksichtigen wollten.

Vier Tage später konterte der Chefredaktor der F+W. Unter dem Titel „Europa ist kein Vorbild“ plädierte Mark Dittli – einmal mehr – für eine scharfe Kapitalunterlegung für die CS und die UBS.

„Die Vertreter von Nationalbank, Finma, Wissenschaft und Politik, die sich für höhere Eigenmittelanforderungen einsetzen, wollen weder den Schweizer Banken noch der Volkswirtschaft schaden“, meinte Dittli.

„Aber sie wollen möglichst verhindern, dass Bund und Nationalbank jemals wieder eine Grossbank retten müssen.

„Es ist nicht fair, wenn Ermotti ihnen ‚Unwissenheit oder Gleichgültigkeit gegenüber der Bedeutung der Banken für unsere Wirtschaftskraft‘ vorwirft.“

Der Journalist, der sich das Thema Kapitalausstattung der Schweizer Grossbanken wie kein Zweiter im Land auf die Fahnen geschrieben hat und darin als Experte gilt, kommt in seinem Kommentar zu einem eindeutigen Schluss.

„Die Schweiz ist gut gefahren mit der Strategie, in (Too Big To Fail)-Regulierungsfragen global zur Spitzengruppe zu zählen. Es gibt keinen Grund, davon abzuweichen.“

Da riss der Faden. UBS-Chef Ermotti griff noch am gleichen Tag – es war ein Mittwoch – zum Hörer. Seinem Kommunikationschef diktierte er ins Stammheft: Tu endlich was.

Der gehorchte. Die Inserate, die bereits fix bei der F+W gebucht waren, wurden gestoppt.

Seither ist die UBS nicht mehr präsent in der Finanzzeitung.

Kommentare

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  1. Bei aller Kritik gegenüber den Banken, ist das eine reine Spekulation. UBS ist lange nicht der einzige Werbeauftraggeber, der die Investitionen von Print auf Digital shiftet. Eine Verschwörungstheorie aufzustellen und die Schuld auf eine böse Grossbank zu schieben anstatt sich mit sinkender Bedeutung der Printmedien und Leserschwund auseinanderzusetzend, ist armselig und manipulativ. Der Artikel wäre interessant und aussagekräftig nur dann, wenn die Fakten wie die Zahlen gezeigt wären und zwar nicht nur zur Entwicklung der UBS Spendings in der FuW über die Jahre, sondern aller Webeauftraggeber der FuW. Dann könnte man sehen, ob die UBS der böse Wolf alleine ist oder der FuW einfach die Werbekunden davonlaufen und man den prominenten Schuldigen sucht…

  2. Die ganze Misere des Schweizer Finanzjournalismus: die meisten lassen sich kaufen. Die, die sich nicht kaufen lassen, haben ein finanzielles Problem oder werden verklagt.
    Der Leser entscheidet sich aber klar, was er will. Man betrachte sich nur mal die Leserzahlen von Insideparadeplatz und einer bestimmten Plattform, die die Neubesetzung einer Filialleitung als Wechsel im Topmanagement bezeichnet…

  3. Gut so, in keinem Land auf der Welt werden die eigenen Firmen so geplagt wie in der Schweiz. Darum freuen sich viele, dass wir tausende von Bankarbeitsplätzen nach Uebersee verloren haben. Schlimm was unsere linken Journis anstellen.

    • Ja, Gaby, ganz schlimm, wie übrigens Deine Celluitis und Deine eitrige Akne, wobei letztere wahrscheinlich von Deiner langen abendlichen Verweildauer am SVP-Stammtisch herrührt. Vielleicht solltest Du mal die Perspektive wechseln.

  4. Ein klarer Fall. Der UBS gingen die Argumente aus, die sie in dieser Frage gar nie hatte. Ich erwarte vom Volkswirtschaftsprofessor an der Spitze des UBS-Verwaltungsrats nicht mehr und nicht weniger als die Rückkehr zu gesitteten Verhältnissen gegenüber einer respektierten Finanzzeitung. Als Alternative gibt’s nur einen professoralen Beitrag von Axel Weber, in dem er die einhellige Meinung der versammelten, akademischen Elite zur vorliegenden Frage als falsch darstellt. Die dritte Handlungsvariante ist feige: Schweigen.

  5. Am 2. Mai 2007 erlangte die UBS-Aktie seinen höchsten Aktienkurs von CHF 65.45 aller Zeiten. Jetzt dümpelt sich dieses gefallene Engelchen auch nach bald 10 Jahren in niedrigen Phären herum bei einem momentanen Börsenkurs von CHF 15.87.

    Der simple Ratschlag eines ex Aktionärs: Erst wenn der Börsenkurs wieder zumindest den Level vom 2. Mai 2007 erreicht hat, darf Chef Ermotti erhöhten Hauptes seine Weisheiten kundtun. Bis auf weiteres gilt also der demütige Bussgang auch bei unliebsamen, kritischen Medien.

    • KORREKTUR meiner Angaben:
      Höchster all time – Kurs der UBS-Aktie an der NYSE bei US$ 65.45 am 2. Mai 2007.

      Höchster Kurs der UBS – Aktie am SWX bei genau CHF80.- am 1. Juni 2007.

      Schlussfolgerung bleibt jedoch gleich.

  6. In Anbetracht dessen, dass der ganze Shop aufgrund penibelster Inkompetenzen bis zu gesetzesbrechenden Verfehlungen unlängst durch Staat/Gesellschaft aus dem selbst verursachten Dreck gezogen werden musste, erstaunt einmal mehr, mit welcher Ignoranz, Impertinenz und Arroganz solche Protagonisten unterwegs sind. Auch dem Mister zu viel Gel im Haar stünde – wie seinen gleichermassen stratosphärisch abgehobenen Kollegen links und rechts – ein bisschen Demut und Bescheidenheit gut an.

  7. Die „Anpreisungen“ der UBS in der Presse lese ich schon lange nicht mehr, sie sind das Geld nicht wert, und die UBS ist, wie auch die CS, leider schon seit einiger Zeit zur „Struki-Bude“ mutiert, Die Grosskopfeten am Paradeplatz, einmal mehr sei das erwähnt, interessieren sich nur für ihr eigenes Portemonnaie, es sind die MA an der Front in den Filialen und dem Back Office die das Institut am funktionieren halten.

  8. Wer glaubt, dass die Schweizer Wirtschaftspresse frei sei, irrt gewaltig. Die Verantwortlichen Medien-Topmanager nahmen seit jeher Einfluss auf die Journalisten, wenn diese zu kritisch berichteten oder hinterfragten. Dies gilt besonders für den Handelszeitungs-Verlag, gell Herr Büchi?

  9. Na, man muss halt immer die NZZ lesen, um Millionär zu werden und nicht die mit Inseraten-Boykott und auch sonstig von den erlauchten Institutionen verfolgten Medien. Die haben nicht das notwendige Gespür dafür, die Leute auf den richtigen Pfad des wahren Reichtums zu führen. Ist der wahre Reichtum vielleicht nicht der Pfad in die Armut? Und ist eine Kuschel-Behörde wie die FINMA nicht das, was wir Eidgenossen brauchen, da unsere Banker für ihre Kunden die wahren Heiligen sind, ganz anders als die bösen und grauseligen Buben in New York und London?

  10. Für alle, die nichts mit der Grossbank zu tun haben wollen, ein weiteres Argument, die FuW zu lesen: das einzige total UBS-freie Wirtschaftsblatt der Schweiz!

  11. Mit dem eingesparten Werbe(Storno-)geld wird nun überlegt Kunden und Passanten auf Ostern 2018 versilberte *) Schlüsselanhänger zu schenken?

    Das Logo dazu ist noch in der Kreativ-Phase:
    Entweder: Schlafender Löwe oder ein Hase!

    *) ab 20 Mio. gibt’s vergoldet.

  12. Vielleicht sollte sich die F&W darauf konzentrieren Leser zu gewinnen, statt sich bei Ihnen, Herr Hässig, auszuheulen.

    Das Blatt verschwindet ja gerade in der Bedeutungslosigkeit. Da wundert es nicht, dass man dort keine Anzeigen mehr schalten will.

    Qualität gewinnt Leser. Und wenn man nur als Sprachrohr frustrierter ehemaliger Regulierer oder Akademiker dient, dann bekommt man die nicht hin.

  13. Tu was und der Kommunikationschef kündigt die Inserate. Die Fantasie des Kommunikationschefs geht wirklich nicht sehr weit. Wie peinlich. Man muss zwingend den Dialog mit den Journalisten suchen, wenn man eine Lösung finden will. Was sind das bloss für Kommunikationsleute, die bei der UBS arbeiten. Zusätzlich bezahlen sie eine teure PR Agentur, ein Überbleibsel aus Grübels Zeiten, aber was leistet die eigentlich? Die hätten schon von Beginn an Lösungen vorschlagen sollen aber offenbar findet sie nicht den richtigen Weg. Ermotti, darüber würde ich mal nachdenken und zügig handeln.

    • Sie sollten bei IP als Dichter beginnen. Ihre Aussagen sind auch nicht mehr als Geschichtli, die einer regen Fantasie entsprungen sind oder waren sie bei dem Gespräch mit Herrn Ermotti dabei?

    • Brunner, da wehrt sich wohl jemand der Betroffenen. Natürlich sind das Geschichtlis für Sie aber unterschätzen Sie nie diejenigen, die Sie nicht 100% einordnen können. Die UBS macht einen schlechten Kommunikationsjob aber den Chefs ist das solange egal, wie sie nicht in den Beiträgen erwähnt werden. Passiert das nämlich, wird der Ruf des Chefs mit in den Abgrund gerissen, was für sein Ansehen nicht förderlich ist. Die externe PR Agentur der UBS tut nichts erkennbares aber fakturieren überdurchschnittlich hohe Rechnungen. Einige habe ich sogar selber gesehen und ich habe offengesagt nicht schlecht gestaunt, wieviel die Bank für wenig bis nichts bezahlt. Beziehungen sind im Spiel, wer sich etwas auskennt.

    • Die Eigenwahrnehmung dieses “You & Us”- Bankinstitutes hat sich leider nach diesem Supergau nicht verbessert. Mehr Demut im täglichen Auftritt wäre bestimmt schon mal Teil der Lösung.

    • Also das ist ein wichtiger Kommentar. War mir vorher nicht klar, dass da mit der UBS etwas war.

    • Wirklich: finews taugt sowas von nichts! Liebedienerische „Artikeli“, sabbernd vor Gehorsam und anderem … Finanzportal…? My ass!

      Das eigentliche Thema ist aber, wie dünnhäutig die Vorstandsetagen geworden sind. Das beeinträchtigt klares Denken. Und wenn der CEO nur schwache Leute um sich duldet kommt es zu solchen „his master’s voice“-Aktionen.

  14. Wahrscheinlich liess sich keiner auf eine korrupte Weise bei F & W zahlen, Korruption wäre begrüssenswert, damit sich die oberen bei der UBS weiterhin die Tasche füllen können, das kennen wir auch beim Bund, Leute die ich kenne, sehr gut vernetzt, erhalten vom Bundeshaus Drohbriefe, wohlverstanden Briefe mit dem Logo vom Bundeshaus, wahrscheinlich in der Wandelhalle aufgesetzt.