Wie spielte die CS beim Galenica-Börsengang?

Grosse Investoren erhielten null Aktien der begehrten Apotheker-Firma – CS war Leadmanager – Pleiten, Chaos, Zero Information.

Der Schweizer Fondsmanager mit Sitz in der Karibik stand letzten Freitag um 2 Uhr auf. Wie gebannt schaute er auf seinen Bildschirm, wartete auf die Zuteilung der Galenica Santé-Aktien.

Er wartete und wartete. Nichts kam. Keine Information. Keine Zuteilung. „Wir waren im Blindflug“, sagt der Fondsmanager, dessen Finanzfirma über 5 Milliarden Vermögen verwaltet.

Kurz vor 11 Uhr Schweizer Zeit erhielt er dann die Information. Sie war ein Schock. Von der neuen Galenica Santé, die mit einem Sprung von 39 auf 43 Franken an die Börse kam, erhielt er:

Null.

Keine einzige Galenica-Aktie gab es für seinen Fonds, obwohl er eine Million davon gezeichnet hatte. Bei der ZKB und der Vontobel, die beide als sogenannte „Bookrunner“ mit dabei waren.

Verantwortlich für die Allokation der Titel, also die Zuteilung auf die Kunden, war die Credit Suisse. Zusammen mit der UBS und der amerikanischen Citigroup war sie „Global Coordinator & Bookrunner“.

Normalerweise wissen die Kunden, die Aktien einer neu an die Börse kommenden Firma gezeichnet haben, vor dem Handelsstart um 9 Uhr, wieviele Titel sie erhalten.

Das Prozedere ist einfach. Wenn die neuen Titel begehrt sind, dann wird gekürzt, und zwar bei allen gleich. Proportional im Verhältnis zur Zeichnung.

Eine fünffache Überzeichnung würde bedeuten, dass ein Kunde mit 1’000 gewünschten Aktien am Ende 200 zugeteilt erhalten würde.

Wenn er mehr will, dann muss er sich rasch an der Börse damit eindecken.

Genau das aber konnte der Schweizer Vermögensverwalter in der Karibik letzten Freitag nicht tun. „Wir wussten ja gar nicht, wie viele Aktien wir von der CS erhalten würden“, sagt er.

Er habe versucht, die CS-Leute ans Telefon zu kriegen. Unmöglich. „Die Leitung war tot.“

Die CS hat einen direkten Draht zur Galenica. Ihr Chefjurist Romeo Cerutti sitzt seit 2015 und damit rechtzeitig für den Börsengang im VR der alten Galenica (neu Vifor Pharma).

Ein Sprecher der Bank sagte, rund um den Börsengang der Galenica Santé sei alles normal verlaufen.

„Die drei mit der IPO-Koordination beauftragten globalen Banken haben Galenica/Vifor nach internationalen Best Practise Standards beraten“, meinte er gestern.

„Dazu gehört auch die Umsetzung des Zuteilungsverfahrens.“

Die Überzeichnung sei ein Zeichen des Erfolgs. „Nach ausgiebigen Investoren-Roadshows überstieg die Nachfrage für die Partizipation am IPO das Angebot um ein Vielfaches.“

Entsprechend sei es zu Kürzungen bei der Allokation auf die Kunden gekommen.

„Bei der endgültigen Zuteilung wurden 50 Prozent der Aktien bei Investoren in der Schweiz und 50 Prozent bei internationalen Investoren platziert“, sagte der CS-Sprecher.

Der Karibik-Finanzmann sieht das anders. Ohne direkt einen Link zur Aktualität zu machen, erinnert er an früher, als die CS führend bei den Börsengängen von Technologie-Firmen gewesen sei.

Damals war ein gewisser Frank Quattrone eine grosse Nummer bei der Schweizer Grossbank. Quattrone soll in besonders guten Jahren über 100 Millionen Dollar eingestrichen haben.

Quattrone habe nach „Friends & Family“ zugeteilt, meint der Gesprächspartner. Seine „Freunde“, die er mit den begehrten Aktien versorgt habe, hätten sich erkenntlich zeigen müssen.

Sie hätten dem CS-Star Kickbacks geleistet, entweder in Aktien der IPO-Firma oder dann in Cash.

Quattrone verliess die CS im 2003, nachdem ein Strafverfahren gegen ihn angelaufen war. Zuvor hatte er per Mail seine Kollegen aufgerufen, sie sollten wieder einmal ihre Mail-Fächer „aufräumen“.

2004 wurde Quattrone zu 18 Monate Haft verurteilt – nicht wegen seiner Zuteilungs-Politik, sondern wegen Behinderung von Ermittlungen. Er rekurrierte und gewann. 2006 wurde seine Strafe gestrichen.

Danach kehrte er zurück ins Big Business. Letztes Jahr wurde der Ex-CS-Banker gefeiert, weil seine neue Firma den 26 Milliarden-Verkauf von LinkedIn an Microsoft begleitete.

Die Zuteilung bei Börsengängen ist ein heisses Eisen. Im Vorfeld des Galenica-IPOs zeichnete sich ab, dass die Investoren den Titel lieben würden. Entsprechend war absehbar, dass der Kurs hochschiesst.

Die Leadbanken müssen sicherstellen, dass alle Kunden, die ihr Interesse an der neuen Aktie anmelden, gleich behandelt werden. Sonst handeln sie sich den Vorwurf ein zu manipulieren.

Laut dem Karibik-Fondsmanager sei Fairness bei solchen Börsengängen nie ganz sichergestellt. „Doch was sich letzte Woche bei Galenica Santé abgespielt hat, schlägt alles bisher Dagewesene“, sagt er.

Null für ihn und seine Kunden, alles für die Freunde – so sein Fazit.

„Nun schalte ich die Finma ein“, kündet der Investor an.

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32 Kommentare zu “Wie spielte die CS beim Galenica-Börsengang?

  1. Auch die Kleinen, aber auch die alten Aktionäre denen man ja die Vifor Vermögensanteile weggenommen hat ohne sie speziell zu entschädigen guckten in den Mond. Eine sehr, sehr unfaire und unsportliche IPO Show. Mindestens hätte Galenica den bisherigen Aktionären ein Vorkaufsrecht einräumen können um erst dann die andern zu bedienen. Heute die Unterlagen für die Galenica GV erhalten, ein Blick auf die Ver- gütung des VR und andern erklärt eigentlich alles.

  2. Wenn eine CS mit einem „himmeltraurigen“ Ergebnis sich noch solche „Scherze“ leisten kann, dann muss man sich schon fragen, wo denn diese Sache noch hinführt…. aber das ja eine Welt für sich… und die Androhung der FINMA wird ja keinen dieser „Banksitzer“ jucken… aber versuchen kann man es ja;-)

    • Die FINMA führt dann eine aufwändige Untersuchung durch und veröffentlicht einen ausführlichen Bericht. Dessen Inhalt kommt schlussendlich aber von der CS und wäscht diese weiss. Alles schon gehabt.

    • Jesse und Barth arbeiten Sie beide bei der Credit Suisse? Privat Banking oder Investmentbanking? Sie sind beide zwei Versager und Marionetten des Systems. Nun zum HF Manager wie können Sie Ihn frustriert nehnen. Er verdient das X fache von Ihnen.

    • Die Finma wird es untersuchen und feststellen das „Vetterliwirtschaft“ betrieben wurde! Die CS wird Ihre Mentalität nie ändern, aber früher oder später stürzt diese Bank ins bodenlose. Ade thiam, ade Investmentbanking Credit Suisse.

  3. Mich würde interessiere, was Mark Libor und seine Sesselfurzer zu diesem Thema für eine Haltung haben? Oder haben sie am Ende auch noch ein paar Shares auf Nummernkonti zugewiesen bekommen?

  4. CS = Catastrophe Superlative

    Wir brauchen gar nicht andere Länder zu bashen. Die CS blamiert die Schweiz auf ein ähnliches Niveau.

  5. Also bitte, dass die Zuteilungen bei Neuemissionen bestenfalls fraglich sind, schlimmstenfalls korrupt sollte doch jeder wissen. Wenn jemand in einem Steuerparadis 5 Mrd verwaltet, dann erst recht! Ueberzeichnen und die Titel in die eigene Tasche stecken war im Bankgewerbe Jahrzente lang gang und gebe, das Management schaute weg oder bediente sich auch…man erinnere sich an die Goldenen Zeiten der Japan Warrants! Nur ein transparenter Auktionsprozess wuerde Missbrauch absc haffen, aber daran hat niemand Interesse. Waere auch ein Problem fuer Lieferanten von Luxuskarossen, Uhren etc
    Heinz Geyer, Temple Associates London

  6. In der Branche sind die Zuteilungen der CS bekannt, insbesondere auch bei Neuemmissionen bei Obligationen. Da bedient die CS den Graumarkt, anstatt ihrer Kunden. Ich ging bei der CS fast immer leer aus, bei Obli-Neuemissionen. In den drei Fällen, in denen ich eine Zuteilung erhielt, waren dann zwei Nieten darunter. Jetzt bin ich bei Vontobel, dort krieg ich IMMER Zuteilung.

  7. Mich würde interessieren, wie die Zuteilung erfolgte: Um welchen Faktor wurde überzeichnet, bzw. in welchem Verhältnis wurden die Zuteilungen gekürzt.

  8. Ich wundere mich, dass eine IPO-Zuteilung der Aktien Galenica nicht ordnungsgemäss abgelaufen sein sollte. Die prozentuale Ueberzeichnung war ja bekannt und demzufolge kann jeder Investor seine ihm zustehenden Aktien, notfalls mit Zuhilfenahme eines Zählrahmens, selber errechnen.
    Nicht desto trotz erwarte ich auch in diesem Gremium eine Mitteilung der CS-Pressestelle zum genauen Ablauf. Lieber ein offizielles Wort mehr, dafür weniger Reputationsschaden.

  9. ich habe im emissionsbereich gearbeitet und für einen grosskunden ist es grundsätzlich kaum möglich, dass er eine 0er zuteilung erhält. wieso auch? da wird prozentual gekürzt. wundere mich sehr, wie das hier abgelaufen ist.

    • Kann es sein dass LH ein fiktiven Kontakt benutzt um evtl. ein künstliches Bashing zu produzieren? Man weiss ja wie gern er die CS hat. Kenne einige die gezeichnet haben und entsprechend eine gekürzte Allokation erhalten haben, selbst für ein paar hundert Aktien.
      Ein Schelm wer böses denkt…

    • – Peter’s Statement stützt die These, dass hier etwas falsch gelaufen sein muss (sprich wieder mal „jemand“ hinter den Kulissen aktiv gemischelt und gemauchelt hat).
      – Des Herrn CS Jesses‘ abenteuerliche Verschwörungstheorien können nicht so stehen gelassen werden… ich kann Ihnen versichern, dass auch CH Finanzinstitute mit einem Mehrfachen an verwalteten Assets als so ein HF in irgendwelchen Steueroasen KEINE (=0% !) Zuteilung erhalten haben. Nb: wie kann einer bloss auf die abstruse Idee kommen, dass fiktive Geschichten zwecks CS Bashing nötig wären. In der Realität liefern die CS und ihre sauberen Protagonisten solche Anlässe regelmässig und äusserst verlässlich (immerhin hier…) selbst. Dass LH solchem Stuss überhaupt einen Kommentarplatz einräumt, zeugt von Contenance und Klasse.

    • Viel Stumpfsinn hat IP schon publiziert. Schon erstaunlich wieviele Leser sich immer wieder in dasselbe Fahrwasser führen lassen und wie Lemminge bei jeder bashing Flickwerk-Story sich geradezu freuen ihren Unmut kundzutun. Sich natürlich absolut sicher sind dass hier wiedermal gemauschelt und beschissen wurde, da die Fakten ja klarer als Valserwasser sind dank der gnadenlosen und äusserst detaillierten Recherche von IP mittels „Info“ eines ominösen frustrierten Offshore Fund Manager. Fukt you just made my day 😉

    • Tja Jesses, erste Grundvoraussetzung wäre „Lesen“, zweite dann „Verstehen“ (zumindest versuchen), dritte „selbständig Denken und Urteilen“ können. Aber schön, wenn die einen oder anderen Ihnen nicht verständlichen Beiträge wenigstens den öden Alltag versüssen – frohe Eiersuche.

  10. Die Zuteilung war eine Zumutung. Unsere beide Grossbanken haben sich grosszügig selber bedient, während der Rest mehr oder weniger leer ausging. Und für diese Zuteilung haben sie den ganzen Donnerstag gebraucht und waren dann nicht in der Lage, es am Freitag morgen noch rechtzeitig zu kommunizieren. Super Job… sich selber Geschenke verteilen braucht schon extrem viel Know-how; zum Glück gab es bei dem IPO auch noch ein paar Fränkli Kommissionen zu verdienen….

  11. Mein Gott, was ist denn das für ein Portfolio Manager? Er und LH sind nicht richtig informiert. Dadurch, dass die Kunden von Galenica eine Vorzugsbehandlung bekamen (und diese wohl auch nutzten) war schon viel „Material“ weg. Wenn danach mit der Giesskanne im Verhältnis verfügbare Aktien/emittierte Aktien verteilt würde, gäbe es wohl Tausende von totalen Zwerg-Positionen, die wohl rasch liquidiert würden. Was soll man mit 1, 2 oder 5 Aktien Galenica machen (CHF 200)?

    • Was gab es denn fuer eine Vorzugsbehandlung fuer Galenica Aktionaere? Von einem Bezugsrecht ist mir nichts bekannt……

    • @Kat: richtig lesen: es gab eine Vorzugsbehandlung für KUNDEN (z.B. Apotheker).
      Ein Bezugsrecht für Aktionäre macht bei einem IPO nun wirklich keinen Sinn…Dieses Forum ist leider voller Halb- und Leerwissen.

  12. Best Practise find ich immer gut, vor allem wenn man nicht vorher klar definiert, wie das auszusehen hat. Also Wildwest!

    • Da es keine Gegendarstellung gab, scheint die Story zu stimmen! 🙂

  13. Könnte sein, dass welche die keine Aktien erhielten in den nächsten Monaten froh sein werden. Mancher Börsengang ging kurz danach richtig in die Hosen.

  14. Haha, ich lach mich schlapp! Da haben wieder einige Banker gnadenlos zugeschlagen. Ist so offensichtlich, aber selbstverständlich will auch hier niemand etwas bemerken.