Die Aktienblase am Beispiel „Amazon“

Jeff Bezos, CEO von Amazon, schlug vor einigen Tagen in der M&A-Szene Wellen. Er kauft (vorbehalten der üblichen Auflagen) die US Finefood-Kette Whole Food. Ein intelligenter Schachzug, denn der ganz grosse M&A-Hype, typischerweise kurz vor dem Platzen der Börsenblase, ist noch nicht da. In ein paar Monaten hätte er wohl wesentlich mehr bieten müssen.

Welche Zahlen stecken dahinter? Whole Foods macht 500 Millionen Dollar Profit bei 15 Milliarden Umsatz und ist mit nur 14 Milliarden bewertet, ein P/E von lächerlichen 28 (in der Schweiz wären es wohl doppelt so viel, wenn man sich die Bewertungen von Nestlé oder Lindt&Sprüngli mit ihrem bescheidenen Wachstum anschaut). Dieses Preis-Gewinn-Verhältnis ist nahezu super günstig verglichen mit Amazons 475 Milliarden Dollar Börsenwert bei 136 Milliarden Umsatz und „nur“ 2,4 Milliarden Profit. Unter dem Strich ergibt das ein stolzes P/E-Ratio von … 198.

Mit anderen Worten: Mit dem Deal sinkt das P/E von Amazon von 198 auf 163. Oder: Wenn Sie jetzt die 1’000 Dollar für die Amazon-Aktie hinlegen, braucht Amazon nur noch 163 Jahre, um die 1’000 Dollar zu erwirtschaften.

Handeln die aktuellen Aktienkäufer dumm? Die Historie zeigt: Nein, vorausgesetzt, ihr Zeithorizont ist kurz und der Ausstieg gut definiert. In der aktuellen Phase, in der Fundamentals kaum mehr zählen (wie bei der SNB oder den meisten Robo Advisers), können locker noch 10 oder 20 Prozent selbst bei langweiligen Aktien drin liegen. Wenn dann aber aus welchem Grund auch immer alle die Party verlassen wollen, sinkt der Gesamtmarkt historisch um 20 bis 40 Prozent.

Ein Einbruch um 50 Prozent bei Amazon ergibt ein P/E von 80. Ob das dann genügt, um neue Käufer zu finden?

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentsdetails, siehe Longterm-Investor.)

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13 Kommentare zu “Die Aktienblase am Beispiel „Amazon“

  1. Im Artikel steht: „Mit anderen Worten: Mit dem Deal sinkt das P/E von Amazon von 198 auf 163. Oder: Wenn Sie jetzt die 1’000 Dollar für die Amazon-Aktie hinlegen, braucht Amazon nur noch 163 Jahre, um die 1’000 Dollar zu erwirtschaften.“

    Das ist natürlich völliger Unsinn. Denn das impliziert ja, dass Amazon seinen Gewinn von den 2.4 Mrd. + 500mn von Whole Foods im 2016 nie steigern wird – dann würde es tatsächlich 163 Jahre dauern. Aber Amazon ist so hoch bewertet, da man davon ausgeht, dass der Gewinn gewaltig wachsen wird. In genauen Zahlen sind das: von 2.9 Mrd. im 2016 auf 3.3 Mrd. im 2017, auf 5.5 Mrd. im 2018, auf 9.1 Mrd. im 2019, auf 13.6 Mrd. im 2020, auf 18.7 Mrd. im 2021 und auf 23.7 Mrd im 2022.

    Schaut man sich das 2022er P/E an, dann liegt das gerade noch bei 23x. Klar sind diese Zukunftsaussagen mit grosses Unsicherheit belastet, aber davon geht man heute aus. Börsenkurse richten sich nach den Erwartungen für die Zukunft. That’s the name of the game.

  2. zwei Dinge werden hier Zuwenig beleuchtet:

    – die Geldentwertung
    diese führt zu direkt zu höheren Kursen (ganz allgemein im Anlagemarkt)

    – Amazon ist ein NWO Monopolist und ist für deren Agenda essenziell
    sprich sie wurden massiv subventioniert (wie auch Facebook, Google etc.) und werden langfristig aus Sicht der wenig grossen Eigentümer auch erfolgreich sein.

  3. Vor 20 Jahren wurde ein P/E-Ratio von 5-10 als normal, eines von 20 oder mehr als spekulativ bezeichnet. So gesehen ist die Erwartung sehr hoch, dass Umsatz und Gewinn in den nächsten paar Jahren massiv zunehmen, damit sich das P/E-Ratio einpendeln kann. Wird wohl nicht stattfinden. Stattdessen wird sich wohl ein Hunde-Szenario entwickeln, wie es bei Kunstwerken zu beobachten ist: Man hofft, in der Zukunft einen Dummen zu finden, der das gekaufte Werk (bzw. mein Aktienpaket) zu einem höheren Preis abnimmt als ich ihn bezahlt habe. Der Letzte ist der Dumme und streicht sich sein Investment ans Bein. Wenn Plattformbetreiber ohne nennenswerte Assets in der Bilanz einen Börsenwert von 475 Mia. USD haben, werden sich nach dem Platzen der Blase einige an die Stirn fassen und sich fragen, wieso die eben niedergeschrieenen Skeptiker doch recht hatten.

  4. Tja, die Kindergartenbörse von 1975 ist seit 2000 vorbei. Bewertungen sind nicht mehr das Mass aller Dinge und auch Grossinvestoren haben das inzwischen verstanden. Ich habe Amazon im Jan. 2015 gekauft, das P/E war damals schon exzentrisch hoch aber der Preis hat sich trotzdem fast verdreifacht. Hätte ich damals mit Scheuklappenwissen auf die Bewertung geachtet, wäre mir ein grosser Gewinner einfach davon geschwommen.

    PS: Hätten Sie im Nov/Dez 2016 etwas genauer hingeschaut und bemerkt, dass ein 35 Jähriger US Anleihen-Bullenmarkt zu Ende gegangen ist, dann wüssten Sie Heute, warum hoch bewertet Large Cap Stocks noch wesentlich höher fliegen können…

    • Auf einer ähnlichen, scheinbar rationalen argumentativen Basis stiegen bis Anfang des Jahres 2000 auch die TMT-Werte vergleichbar an.

      PS: Rendite ist irgendwann das, was man tatsächlich mitnimmt.

  5. Seit Jahren prophezeien sogenannte Anlagespezialisten den Absturz von Amazon.com weil sie die Bewertung und die Strategie der Firma nicht verstehen. Ein P/E ist eben nicht das Mass aller Dinge.

    • Dieses Mal ist alles anders:

      „So handeln die Titel von Avon Products, Baxter International, International Flavors & Fragrances, Johnson & Johnson, McDonald’s und Walt Disney zu KGV von über 55. Für den Spitzenreiter Polaroid sind Anleger gar bereit, das 93-fache des Jahresgewinns zu bezahlen. Dann setzt der Bärenmarkt ein…“

      https://www.fuw.ch/article/die-nifty-fifty-blase/

      „RCA

      Radio Corporation of America (RCA) was Wall Street’s darling high-flyer tech-stock of the 1920s. It made many investors and speculators millionaires. The RCA stock market symbol was known alike by bankers and barbers from New York to San Francisco. It had a virtual lock monopoly on „wireless“ communications for the masses. There was no serious competition in sight.

      In essence RCA was the leading-edge of the high-technology of the day. Undoubtedly, it enjoyed the same dominance in its field as Microsoft commands today in Operating Systems and related peripheral software.

      In the five years prior to the Great Crash of 1929, RCA stock soared from about $11 to its September 1929 high of $114 (adjusted for the 5 for 1 stock split in February of that fatal year). That’s an appreciation of 936% in only five years — equal to an annual compound return of a monumental 60%. Also unbelievingly incredible was the fact it never paid a cash dividend! Investors didn’t care, since the stock value increased almost daily. At its 1929 peak RCA boasted an astronomical price/earning ratio of 72:1.“

      http://www.gold-eagle.com/article/rca-1925-1929-and-microsoft-1993-1997

  6. Wenn man zukünftig von einem Absturz von 90% des Aktienkurses ausgeht, so wie dieser bereits schon einmal von 2000 bis 2003 stattgefunden hat, ist Amazon wieder konservativ bewertet.

    Und das sind nur die üblichen Wertveränderungen des Aktienmarktes, wie man sie von 2000 bis 2003 sowie 2007 bis 2009 bei sehr vielen Einzelwerten jeglicher Branchen und ab 2011 bis aktuell bei vielen Stahlherstellern, Rohstoffunternehmen, Kohlegruben und klassischen amerikanischen Einzelhändlern sehen konnte.

  7. Bei Amzon ist der Aktienkurs zuletzt schneller gestiegen, als das Unternehmen gewachsen ist: vor 2,5 Jahren noch US$ 300,00, heute US$ 1.000,00.

    Andererseits hat sich auf 10 Jahre der Umsatz verzehnfacht und der Gewinn – nach einer Durststrecke 2012 bis 2014 – verfünffacht:

    http://financials.morningstar.com/ratios/r.html?t=AMZN&region=USA&culture=en_US

    http://financials.morningstar.com/valuation/price-ratio.html?t=AMZN&region=usa&culture=en-US

    Wir sind bei einem KBV von 20…

    Wie sich zuletzt mit einem Absturz von US$ 700,00 auf US$ 500,00 von November 2015 bis Januar 2016 zeigte, sind sich die Investoren dessen bewußt.

    Mit Gründungsjahr 1994 ist Amazon kein junges Unternehmen mehr und die inzwischen erreichte Größe läßt ein weiteres schnelles Wachstum wie in der Vergangenheit gar mehr nicht zu.

    Historisch vergleichbar ist neben dem New-Economy-Boom, an dem Amazon auch bereits beteiligt war die Nifty-Fifty-Blase in den 60er Jahren, trotz viel höherer Zinsen damals:

    https://www.fuw.ch/article/die-nifty-fifty-blase/

    https://www.fuw.ch/article/wenn-die-hausse-zur-blase/