Biederer Scholl stiehlt Ermotti & Thiam die Show

Seilbahn über See katapultiert ZKB-CEO ins Medienlicht – Lustige Alpenspots der UBS gehen unter – CS-Federer im Abseits.

Martin Scholl hat einen Coup gelandet. Das Seilbahn-Projekt seiner ZKB über den Zürichsee zum baldigen Jubiläum elektrisiert die Zeitungen.

„Hochfliegende Seilbahn-Pläne in Zürich“, titelt die NZZ. Nicht irgendwo hinten, sondern auf der Frontseite.

Es folgt ein Kommentar des zukünftigen Chefredaktors von Schwesterblatt NZZ am Sonntag. Der findet die Idee „Ein Projekt, das Zürich guttut“.

Schliesslich bringt das Weltblatt, in dem die Zürcher Banker wie in keinem anderen hoffen stattzufinden, eine Doppelseite zum Projekt für 2020. „Der Plan der Zürcher Kantonalbank kommt mehrheitlich gut an“, steht da.

Superlative, und immer in einem Zug verbunden mit der ZKB.

Bessere Werbung ist kaum vorstellbar. Weiter im Takt im zweiten grossen Zürcher Medium. „Das Projekt ist gut für die Seele“, steht oben beim Tages-Anzeiger als Anriss auf Seite 1.

Einmal umblättern, schon folgt links der Kommentar. Unter „Eine Seilbahn fürs Gemüt“ beginnt der Tagi-Schreiber: „Die Zürcher Kantonalbank will für die Zürcher eine Seilbahn über den See bauen – so, wie es bereits 1939 und 1959 eine gegeben hat.“

Seilbahn, Frontseite, ZKB: Der Dreiklang sitzt. Scholl, der drahtige Wenigsprecher mit kernigem Humor, ist wohl selbst überrascht.

Denn andere, viel grössere, teurere und auf der Weltbühne tanzende Kollegen aus der Branche strampeln sich mit riesigen Werbebudgets ab, um ähnliche Resonanz zu erzeugen.

Meist vergeblich. Sergio Ermotti kann zwar in einem Interview die Six zur Schnecke machen, was dann zu maximaler Verunsicherung beim Gemeinschaftsunternehmen führt.

Doch mit ihrer millionenteuren Kampagne von NZZ bis Financial Times und rund um den Globus bleibt die UBS im Netten und Ungefähren hängen.

Die Idee zündet nicht.

Das hat seinen Grund. „Can I truly make a difference?“, fragt eine mittelalterliche, elegante UBS-Kundin. Das Motto steht gleichsam für die UBS und ihre Kampagne.

Da nützt all das Geld und riesige Budget nichts. Die Spots und Anzeigen der Grossbank von der Bahnhofstrasse flutschen an einem vorbei, ohne dass viel hängenbleibt.

Oder die CS am Paradeplatz. Sie setzt auf Köpfe. Allen voran Roger Federer. Der steht als Kartonfigur in Originalgrösse vor Filialen oder quasi-live in einer Videoinstallation am Flughafen.

Ein „Brand Ambassador“ nennt die CS ihren höchst bezahlten Werbestar.

Doch der Imagetransfer vom Über-Sportler zur Nummer 2 des Bankenplatzes will nicht gelingen.

Alle zollen grössten Respekt für den Ausnahmekönner. Gleiches von der CS zu behaupten, so weit geht derzeit kaum einer.

Die Schweiz freut und leidet mit Federer in Wimbledon. Dass aber Federer auch mit der CS zu tun hat, ist kaum ein Thema.

Wieso hat die ZKB geschafft, was CS und UBS nicht gelingen will? Ganz einfach: Die Zürcher Staatsbank macht etwas Sinnvolles, etwas Einleuchtendes, etwas für alle.

Sie hat sich überlegt, für wen sie da ist; nämlich für die Menschen in Zürich. Denen macht sie eine Freude und versprüht gleichzeitig Aufbruchstimmung.

Scholl, der Nüchterne, schlägt Ermotti, den Polterer, und Thiam, den Weltgewandten. Mit einem Wurf, der gross und teuer ist, aber nicht grossspurig daherkommt.

Die UBS hatte in ihrem Jubiläumsjahr der Schweizer Bevölkerung Wandertickets geschenkt. Das kam auch gut an und half der tief gefallenen Bank bei der Rückeroberung von Goodwill.

Man könnte einwenden, dass Wandergutscheine und Seilbahnen klassische PR sind, während Federer & Co. für Werbung stehen. Mittel und Ziele seien verschieden, ein Vergleich stünde schief.

Doch am Ende geht es immer ums Gleiche. Wie erzeuge ich Aufmerksamkeit und schaffe ein positives Image.

Die UBS hat es kürzlich mit lustigen Video-Spots für 2 Wochen Fronarbeit in den Schweizer Alpen ebenfalls prominent in die Medien geschafft.

Aber nicht dort, wo die UBS-Chefs gerne hinkämen. Statt NZZ sprangen Blick und 20 Minuten auf den Zug auf.

Vielleicht half auch anderes. Wenig später erschienen jedenfalls grosse UBS-Banner-Werbungen auf Blick Online.

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20 Kommentare zu “Biederer Scholl stiehlt Ermotti & Thiam die Show

  1. Scholl lässt all seine Kritiker Lügen Strafen, die ihn als U-Boot bezeichnen. Jetzt geht er mal richtig oben Raus und erst noch mit einer grossartigen Idee.

  2. Was die meisten der sich hier Luft verschafenden Damen und Herren zu vergessen scheinen, ist die Tatsache dass das Projekt Seilbahn SELBSTTRAGEND ausgelegt ist. Die Kosten sind Berechnungen zufolge nach Ablauf von 5 Jahren wieder eingespielt. Es wäre doch schön wenn der eine oder andere sich das Projekt zuerst mal ansehen würde, bevor er sich gleich auslässt. Und von Sicht verschandeln oder dergleichen, die Masten der Bahn werden filigran werden, und eine Höhe von 77m haben. Dadurch sind sie z.B. um einiges kleiner als der Prime Tower. Aber eben, die Herrschaften vom Züriberg müssen aus Prinzip erst mal motzen.

    • Ja, wir verschafen uns hier Luft, die Herren und Damen vom Züriberg und vor allem Züristadt. Wir wären – vorausgesetzt gute Sicht auf den See –
      gezwungen, uns dieses Schochdenkmal anzusehen, während alle, die mit Kind und Kegel anreisen – wahrscheinlich mit ZKB-Gutschein – einmal übern See schwebten und danach wieder in ihre unverbauten Landschaften zurückführen. Unter der Woche würde diese Grosse-Kinder-Spielzeug wahrscheinlich stillstehen und bei Föhn sowieso. – DER FURZ FÄHRT NIE UND NIMMER ÜBERN SEE!!! Ende der Durchsage.

  3. Diese Idee ist uralt und dadurch nicht besser. Typisch ZKB Staatsbetrieb. Hat scheinbar zu viel Geld. Kein Wunder bei diesen hohen Gebühren. Lebt unter dem Schutzschirm des Staates ein gemütliches Leben halt wie in einer Behindertenwerkstatt. Ist wie in der Kirche, grossspurige Projekte initiieren, aber die laufenden Kosten können die Bürger über Steuern und Gebühren zahlen.

    • Sie haben wohl nicht richtig recherchiert, sonst würden Sie nicht solchen Blödsinn schreiben. Das Projekt „Seilbahn“ ist selbstragend aufgebaut, lediglich für die Planungsphase wurde Geld inversitert. Also lassen Sie die Kirche bitte im Dorf.

    • Die ZKB hat im Vergleich zu UBS, CS, Raiffeisen, PostFinance, CLER, Migros Bank usw. die mit Abstand tiefsten Gebühren. Wenn man keine Argumente hat, dann denkt man sich einfach etwas aus, nicht wahr Herr Schmid? Wo bezahlen Sie sonst CHF 12.- p.a. für ein Privatkonto?

  4. Ich würde es vorziehen, wenn sich die ZKB durch niedrigere Gebühren und vielleicht es bitzeli mehr Zins als die Konkurrenz erkenntlich zeigen würde als mit diesem Funpark mit Seilbahnzubringer. Der Scholl gibt hier den Kim-Jong Un, der liebt ja auch Seilbahnen und Funparks. – Aber ich müsste mich schon schwer in den Zürcher Stimmbürgern täuschen, wenn sie diesen Quatsch nicht spätestens an der Urne beerdigen.

    • Ihrer Aussage nach muss ich davon ausgehen, dass es Ihnen lediglich um einen Vergleich geht, der gelinde gesagt, mehr als hinkt. Die zürcher Stimmbürger wissen ganz genau was sie bekommen, daher wird das Projekt auch angenommen werden. Meine Stimme haben sie auf alle Fälle. Das aus der „grünen Ecke“ sofort Rufe laut werden, war leider zu befürchten, da von dieser Seite her noch nie etwas schlaues gekommen ist.

  5. Das ist eine sehr einseitige Betrachtung, wenn das Werbebudget einer globalen Bank, die rund sechs Mal grösser ist, mit einer lokalen Zürcher Bank verglichen wird.
    Zudem: Als die UBS 2012 ihr 150-jähriges Bestehen feierte, durfte die ganze Bevölkerung in der Schweiz in den UBS-Geschäftsstellen einen Gutschein beziehen, der ermöglichte, während des Sommers für nur 5 Franken eine Schifffahrt auf einem Schweizer See zu geniessen. Das geht bei Lukas Hässig vergessen. Letztes Jahr konnte ich als Kunde von UBS für nur 10 Franken mit der Seilbahn auf den Pilatus fahren. Ich zumindest fand das toll.
    Und noch was: Ich meinte, dass die UBS dafür sorgt, dass das Zürcher Polybähnli immer noch fahren darf – die ZKB scheint hier etwas abzukupfern. Wäre eigentlich fair, wenn der gute Lukas Hässig das auch erwähnen würde.

    • Sind alles Ihre persönlichen Probleme als immer noch UBS Kunde, der, warum auch immer, noch sowas wie Loyalität gegenüber dieser absurd asozialen Bude empfindet, Herr Heller.

  6. Der Roger ist werbetechnisch leider nicht so toll wie als Tennisspieler. Diverse Umfragen zeigen, dass der Schweizer glaubt Röggi werbe für Helvetia oder Axa. Dabei zahlt National. Der Mann lächelt von zu vielen Werbeplakaten, da wird viel bezahlt für wenig Wirkung.

    • Vom Prepaid-Abo zur Abzockerbank zur Protzuhr. Gibt es eigentlich etwas, wofür Roger NICHT wirbt???

  7. Seilbahn ueber den See? Ist man in Zuerich von allen guten Geisterns verlassen? Schlimmer koennte man die herrliche Aussicht auf See und ferne Berge nicht verschandeln!

    • A.J. Ist doch mittelalterlich oder? Und ich bezweifle dass es sie ist auf dem Foto

  8. Scholl würde die 60 Mio. CHF lieber auf die Seite legen, denn bei der ZKB werden in den kommenden Jahren 2 bis 4 Mrd. assets wieder in die Ursprungsländer zurückfliessen – die Bank wird im PB und in der Abteilung für Vermögensverwaltungsfirmen – EAM – Einbusen von Mio. 20 bis Mio. 40 wahrnehmen.

  9. Die einstige YOU & US – Bank UBS macht sich wahrlich lächerlich mit ihren aufgesetzten, naiven Kampagnen, die alle so gönnerhaft daherkommen. Kumpelei, die keine ist. Verlogenheit zelebriert. Fragt sich nur, was Roger Federer bei der Credit Suisse zu suchen hat. Er würde bestimmt besser zum Schweizer Wert „Rivella“ passen, als zu dieser gescheiterten Grossbank, die seit der Chiasso-Affaire alle Jahrzehnte wieder für Negativ-Ueberraschungen besorgt ist. Keine Kontinuität, bloss Brüche.

    „Brand Ambassador“ Roger wake up……..

    Da lobe ich mir die Hypothekarbank Lenzburg (ein Titel im SPI; Börsenkürzel HBLN), dessen fähiges Management unaufgeregt und beständig in die Zukunft investiert. Investierten kürzlich überlegt in die IT wie etwa einer vollautomatisierten Handelsplattform für in- und ausländische Wertschriften. Eine Symphatie-Bank, die keine „Can I truly make a difference“ – Worthülsen transportieren muss um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Bravo Hypo.

  10. …oder die Tatsache, dass UBS und Ringier eng verbunden sind (VR etc). Einer der vielen Skandale in der Schweizer Medienlandschaft („Qualitätspresse“). Hoffentlich geht Ringier bald pleite, so einen „Medienkonzern“ ist das allerletzte, was die Schweiz braucht!

  11. Abwarten. Wenn dann erstmal die sicherlich merkwürdigen Neigungen des Hauptwerbegesichts ans Tageslicht kommen, dann ist das Medieninteresse wieder dort…