Play It Again, Pierin: Jetzt mit Helvetia

Vincenz erobert mit Hypo-Hype-Moneypark die Romandie – Bei Raiffeisen statt Diversifikation Scherbenhaufen – Privatdeals.

Pierin Vincenz wird zum Wolf der Ostschweiz. Ob seine Hinterlassenschaft für die Helvetia-Mitarbeiter und -Aktionäre dereinst Gold oder Schrott sein wird, bleibt abzuwarten.

Sicher ist: Der Zampano der Ostschweiz ist wieder auf voller Jagd. Nach der Raiffeisen jetzt bei der Helvetia, wo er seit 2 Jahren Präsident ist.

Unter Vincenz‘ Führung investiert der Versicherer seinen vorigen Cash in Hype. Für über 100 Millionen kaufte die Helvetia vor kurzem 70 Prozent an MoneyPark, faktisch eine App für Hypo-Vergleiche.

Heute gibt die MoneyPark den Kauf einer Westschweizer Konkurrentin namens Defferrard & Lanz bekannt. Nach dem Schulterschluss zählt die MoneyPark 130 Leute.

Den Scheck schreiben die Helvetia-Aktionäre, mit dem Segen von Präsident Pierin Vincenz.

Seine Helvetia finanziert den Deal, man begrüsse „den Zusammenschluss“. Derweil frohlocken die MoneyPark-Gründer, dass sie nun noch mehr Standorte haben.

Vor lauter Millionen und Klicks greifen sie zum Superlativ. Einen „Meilenstein für den Schweizer Finanz- und Hypothekarmarkt“ nennen sie die Übernahme.

Für Vincenz-Auguren ist heute Déjà-vû. Der Mann aus den Bündner Bergen mit dem berühmten Vater – er war bei der Raiffeisen lange Präsident und wichtig in der Politik – klotzt.

Erneut. Immer. Überall.

Was er bei der Helvetia aufführt, erinnert an sein gutes Jahrzehnt bei der Raiffeisen. Dort krallte sich Vincenz alles, was im vor die Nase gehalten wurde.

Für Hunderte von Millionen erwarb Vincenz Beteiligungen: an der Struki-Firma Leonteq, an einem Sammelsurium von Finanz-Boutiquen, an IT-Lieferantin Avaloq, an einem KMU-Netzwerk.

Allein 500 Millionen warf Vincenz vor 5 Jahren für die alte Wegelin Privatbank auf. Insgesamt hat der Mann gegen eine Milliarde für den Kauf von Banken, Boutiquen und Firmenanteilen hingelegt.

Eine Milliarde. In Cash.

Nicht sein eigenes Bares. Sondern jenes der Genossenschafter. Von denen hat die Raiffeisen rund 2 Millionen.

Macht also pro Kopf 500 Franken. Soviel hat jeder Raiffeisen-Anteilshaber aufgeworfen, damit Vincenz auf seinen Wahnsinns-Kauftrip gehen konnte.

Was ist vom Imperium geblieben?

Nun, ein Scherbenhaufen.

Die Notenstein La Roche ist nach fünfeinhalb Jahren ein never ending Sanierungsfall. Die besten Leute strömen in Scharen davon, die Leitung spart, die Crew schrumpft.

Neue Kunden mit Vermögen landen kaum bei der Raiffeisentochter. Im Gegenteil, sie muss acht geben, dass ihr die Assets nicht davonströmen.

Ein Verkauf wird wahrscheinlicher. Aber wer ist bereit, den geforderten Preis zu zahlen?

Avaloq: Die 10 Prozent, welche Vincenz an der Informatikbude gekauft hat, mögen 100 Millionen Wert haben. Derzeit; auf dem Papier.

Ob die Raiffeisen mit dem Investment echten Gewinn machen wird, hängt davon ab, ob die Avaloq unter Führung einer angelsächsischen Private Equity-Firma ihre hohe Verschuldung los wird.

Dann Leoneq. Dort hat sich die Lage nach einem tiefen Fall von über 230 Franken Aktienpreis auf unter 30 Franken erholt. Vom Tief ist der Titel um 100 Prozent auf über 50 Franken hochgerast.

Damit ist die Raiffeisen mit ihrem 30-Prozent-Investment wieder in der Gewinnzone und kann vielleicht Sondererträge ausweisen.

Nur: Das ist Buchhaltungs-Zeugs. Strategisch ist die Grossbeteiligung ein Irrwitz.

Vincenz wollte aus der Spar- und Hypo-Bank Raiffeisen eine Grossbank machen, mit Investment Banking, Private Banking, Assetmanagement. Hinterlassen hat er stattdessen ein Sammelsurium an Problemfirmen und viele Feinde.

Ausbaden muss das Debakel sein Nachfolger Patrik Gisel. Der war stets im Seitenwagen als Co-Pilot von Vincenz mit von der Partie.

Das macht es für Gisel schwer, die Reissleine zu ziehen und die maroden oder unpassenden Investments abzustossen.

Die Zeit läuft gegen Gisel. Mit dem Verkauf des Assetmanagements unter dem Namen Vescore an die Vontobel hat er erst einen Schritt in einem langen und mühsamen Rückbauprogramm getätigt.

Baustellen bleiben Leonteq, Avaloq, ein riesiges IT-Umbauprojekt namens Rainbow. Und vor allem und immer wieder die Notenstein Privatbank.

Sie ist das grösste und wichtigste Asset in den Büchern der Raiffeisen. Sie verliert fast täglich an Wert. Sie weiss nicht, wie weiter.

Gisel hat von Vincenz die ganze Last übernommen. Selber schuld, kann man einwenden; hätte seinen Ex-Chef halt bremsen müssen, als dieser seinen Crazy Feldzug durchführte.

Trotzdem bleibt klar, wer der Vater des Schlamassels ist, das die 2 Millionen Raiffeisen-Genossenschafter mit ihren fröhlichen Versammlungen in den grossen Turnhallen viel kostet.

Pierin Vincenz.

Er machte, was er wollte. Auch mit seinen Privatinvestments, bei denen sich seine eigenen Interessen mit jenen der Raiffeisen – seiner Arbeitgeberin – vermischten und teils kreuzten.

Um 2005 herum beteiligte sich Vincenz an einer Firma namens Commtrain Card Solutions. Zwei Jahre später kaufte die Aduno, an welcher die Raiffeisen 25 Prozent hält, die Commtrain.

Nach dem Deal wurde bei der Commtrain Beat Stocker als starke Figur installiert. Stocker ist ein enger Weggefährte von Vincenz.

Vincenz hatte seine Beteiligung für sich behalten. Aus seinem Umfeld und jenem der Raiffeisen heisst es, der Raiffeisen-VR habe damals das private Engagement ihres CEOs für Ok befunden.

Einige Jahre später kaufte die Aduno, bei der die Raiffeisen finanziell und Vincenz als VR-Präsident strategisch das Sagen hatte, eine Firma namens EuroKaution.

Auch bei dieser Firma tauchten Fragen auf, ob sich Vincenz vorab beteiligte. Aus seinem Umfeld wurde das stets bestritten.

Nicht bestritten wird, was rund um das KMU-Netzwerk Investnet lief. Da trat Vincenz im Sommer 2015 mit dem Wunsch an die Raiffeisen heran, sich an Investnet zu beteiligen.

Drei Jahre zuvor hatte die Raiffeisen unter Führung von Pierin Vincenz der Investnet 100 Millionen für Investments in Schweizer KMUs bereitgestellt.

Vincenz organisierte das Geld, die operativen Investnet-Leute kauften damit Schweizer Firmen. Als schliesslich die 100 Millionen ausgegeben waren, wollte Vincenz einsteigen.

Während den drei Jahren sass Vincenz offiziell nicht am Steuer. Aus seiner Entourage heisst es, er sei vorab nicht beteiligt gewesen.

Fakt ist: Die Raiffeisen wirft auf Wunsch ihres CEOs Vincenz 100 Millionen auf, und der kann sich später mit eigenem Geld am Venture beteiligen.

Inzwischen ist Vincenz Präsident der Investnet und hält einen Drittel der 40 Prozent, welche nicht der Raiffeisen gehören.

Das alles ist für Vincenz Tempi passati. Nun will er mit seinem neuen Unternehmen Helvetia das grosse Rad drehen.

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21 Kommentare zu “Play It Again, Pierin: Jetzt mit Helvetia

  1. Der stagnierende Aktienkurs bestätigt den negativen Vincenz-Effekt. Ich sah es kommen, als der gute Geist der Helvetia VRP E. Walser leider plötzlich verstarb. Ein ebenso wichtiger guter Geist, CEO Stephan Loacker, wurde dann offenbar sofort hinausgeeckelt und verliess die Helvetia im Unfrieden.

  2. Fakt ist: Fast sämtliche Deals fädelt Vincenz immer so ein, dass er direkt oder indirekt massiv selber profitiert. Über Friends and Family oder eigene Vehikel. Die Risk und Compliance Leute, Finma etc schauen alle weg bei König Vincenz. Irgendwann wird er aber mal stolpern, wenn ihn jemand aus seinem engeren Netzwerk, der seine Deals belegen kann, offenlegt. Grosse Schande, dass die Finma auch beschämt wegschaut, weil die nämlich genau wissen, was Vincenz macht.. Aber er hat halt sehr gute Kontakte in Bern, stecken alle unter einer Decke in seinem verfilzten Netzwerk.
    Und mal ganz ehrlich: Vincenz hat mit 1 Mrd CHF fast nur Schrott zusammengekauft, da war kaum ein seriöser nachhaltiger Deal dabei. Der Schoch/ Leonteq Deal ist das schlimmste Ding gewesen..

  3. Die Flöhe hat ihm bestimmt Ivo Furrer ins Ohr gesetzt. Als Digitalisierungs-Papst kennt er sich ja (als einziger) aus, auch wenn’s bei seinem letzten Arbeitgeber nicht so geklappt hat…

    • Verstehe nicht, dass man solche Leute in die Unternehmensführung aufnimmt. Sind doch reine Söldner ohne Bezug zur Firma.

  4. Nun ja, wenn man bedenkt, dass in den GB ca. 80% vom Hypothekarmarkt über Broker geht, in den USA ca. 70% und in DE immerhin 50-60% aller Hypotheken über Broker verteilt werden, dann kann die Rechnung schon aufgehen.
    In der Schweiz sind die Banken einfach noch zu fest in ihrer Wohlfühloase versunken. Aktuell werden in der Schweiz nur ca. 1-2% der Hypotheken über Vergleichsdienste / Broker abgewickelt. Das Marktpotential ist gigantisch!
    Ich sehe solche Vergleichsdienste wie MoneyPark oder Comparis durchaus positiv. Die Banken sollen endlich aufwachen aus ihrem Winterschlaf!

  5. Wirklich, Herr Hässig? Schon wieder eine aufgewärmte Vincenz story? Die Geschichte hatten wir doch schon mehrmals gelesen hier. Ich finde sie aber deshalb nicht glaubwürdiger. Ein typischer Sommerlochfüller. Sind Sie schon in den Ferien, Herr Hässig? Nehmen Sie sich doch einmal ein paar Tage frei. Das wäre sicher besser als alte Geschichtchen immer wieder neu aufzurollen.

  6. Ich frage mich warum wir weiter Helvetia Produkte in den RF Banken vertreiben wenn die uns direkt im Hypo Markt angreifen!!!

    • Lieber falscher Freund

      Ich weiss nicht ob Sie es mitbekommen haben, aber auch die Raiffeisengruppe arbeitet sehr eng mit Brokern & Vergleichsdienste zusammen. Ohne diese Zusammenarbeit könnte die RB auch ihre Wachstumsstory im Hypo-Markt kaum fortsetzten!
      Willkommen in der kapitalistischen Welt!
      Die Banken sind auch ganz schwach im Vorsorgebereich, resp. mit normalen Säule 3a Konten mit Fonds lässt sich heute nicht mehr viel Geld verdienen. Wenn die Helvetia das Hypo-Geschäft nun mit Ihrem Vorsorgebereich verknüpft, kann man den Kunden direkt aus einer Hand beraten (indirekte Amo. via Vorsorgepolice, etc.).
      Macht schon Sinn was die Helvetia hier macht.

    • Macht aber nicht unbedingt Sinn für RAiffeisen einen partner zu haben der RF auf dem kernprodukt konkurrenziert

  7. Der Vielfrass aus Graubünden:
    muss wieder Raketen zünden!
    Von Pleiten der Vergangenheit,
    wird die Helvetia nicht gescheit.

    So lässt sie Vincenz gewähren;
    wer will sich denn beschweren?
    Der Mann ist doch stark vernetzt:
    Von einem Deal zum nächsten hetzt.

    Und immer schneller immer schneller:
    fallen die Preisgekrönten in den Keller!
    Denn dieser Typ schont dich nicht;
    Hauptsache sein Ego sticht.

    • Keine Frucht trägt dieses Jagen,
      Drohen, Fluchen, Hetzen, Plagen,
      doch verbraucht es immerhin
      etliches Adrenalin.

      Ganz fixiert auf seine Beute,
      leidet er, wie viele Leute,
      bald daran, dass er verlor
      Ruhe, Frieden und Humor.

      Tief im Sumpf wirds nochmals schlimmer:
      Pierin schwant, er bleibt hier immer.
      Arg muss unser Knabe leiden,
      es lässt sich leider nicht vermeiden.

      Fragen sind das Salz des Lebens
      und der Ursprung uns’res Strebens;
      Kinder fragen gar nicht dumm:
      wer, was, wie, wo, wann, warum?

    • Präambel
      Im Namen Gottes des Allmächtigen!
      Das Schweizervolk und die Kantone,
      in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
      im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken, im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben, im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen, gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, geben sich folgende Verfassung“

      „Ich frage mich, wo diese Werte geblieben sind, wenn ich ab-und zu- diese Kommentare lesen! Tja, ich bin für die Toleranz und Vielfalt auch bezüglich Tätigkeiten und Intelligenz, aber Respekt hingegen nicht!“

    • @Alfred Lips: Danke für die Verse aus dem neuen Globi-Buch „Globis Abenteuer bei den Raubrittern“.

  8. Der Mann ist einfach unverschämt gierig und ohne grosse Skrupel, wenn es darum geht, eigene finanzielle Interessen durchzusetzen. Muss wohl in den Genen liegen. Bin mal gespannt, wie lange es noch dauert, bis er über seine Vergangenheit stolpert. Auf die Schnauze fallen sie alle – die Frage ist nur, wer der Judas in seinem Umfeld sein wird.