McKinsey, Sparen, Greco

Zurich-CEO hat in seinen 1,5 Jahren Kosten reduziert – Doch Erträge sinken – Polen, Slowakei, Spanien: Offshoring ist Trumpf.

Super-Mario ist sein Übername. Super ist bei Zurich-Chef Mario Greco vor allem eines: sein eiserner Sparwille.

Der führt zu zweistelligem Gewinnwachstum, wie die grösste Schweizer Versicherungsgesellschaft heute meldet. Allerdings auch nur unter Ausklammerung eines Riesenabschreibers in England.

Berücksichtigt man diesen, so ist die Zurich „flat“. Gewinn der Gruppe von Januar bis Juni im letzten Jahr: 2’163 Millionen Dollar; Gewinn in der ersten Hälfte dieses Jahres: 2’167 Millionen.

Veränderung: 0 Prozent.

Greco kann sagen, dass er aufräumen muss, was er geerbt hat. Er übernahm bei der Zurich das operative Steuer im März 2016. Als alter McKinsey-Manager weiss er, was er selbst rasch beeinflussen kann.

Die Kosten. Das sagte er in einem Interview im letzten Herbst in der NZZ selbst. „Wir werden kaum noch neue Jobs schaffen“, meinte Greco damals. Grund sei auch die Digitalisierung.

Doch was macht Greco ausser Sparen sonst? Da müsste der Zurich-CEO Antworten liefern und einen Weg nach vorn aufzeigen. Denn Sparen allein kann es nicht sein.

Die Fragezeichen mehren sich, dass Greco fast nur spart und zu wenig für die Zukunft macht. Ein starkes Indiz liefern die heutigen Ertragszahlen für das Halbjahr 1 von 2017.

Sie zeigen, dass die Einnahmen in den beiden grossen Berichen Sachversicherung und Lebensversicherungen sanken.

Im Sach- und Unfallgeschäft beträgt der Rückgang 3 Prozent. Da nahm die Zurich noch genau 18 Milliarden Dollar ein.

Im Lebensversicherungs-Business ging es ebenfalls bergab, und zwar ebenfalls um 3 Prozent. Die Einnahmen beliefen sich bis Mitte Jahr auf gut 14 Milliarden Dollar.

Einzig bei Farmers, der US-Tochter der Zurich, zeigte die Topline, wie der Umsatz genannt wird, nach oben. Aber nur marginal.

Farmers legte beim Ertrag um 1 Prozent zu. Nur: Bei Farmers handelt es sich um die mit Abstand kleinste Division. Knapp 1,5 Milliarden betrugen die Einnahmen.

Unter Greco sinken also sowohl die Aufwände als auch die Einnahmen. Der Italiener, der als Heilsbringer gefeiert wurde, hat damit wenig Nachhaltiges geliefert.

Die Börse zeigt sich euphorisch. Unter Greco steigt die Zurich-Aktie stetig nach oben. Sie kratzt an der 300-Franken-Grenze. Zuvor war sie 100 Franken tiefer.

Die Aktionäre jubeln. Die Zeche zahlt der Zurich-Mitarbeiter. Er wird ausgelagert, landet in der vorzeitigen Pensionierung, muss nach Polen, in die Slowakei oder nach Barcelona.

Dort betreibt die Zurich ihre Service-Centers. Diese werden weiter ausgebaut, es käme zu noch mehr Verlagerungen, vermutet ein Insider.

Laut einem Sprecher der Zurich blieben die Zentren klein, „weniger als zwei Prozent der 54’000 Zurich-Mitarbeitenden“ seien dort beschäftigt.

Ein schneller Ausbau sei zudem nicht geplant. „Es trifft nicht zu, dass Zurich in der jüngsten Vergangenheit die Verlagerung von Arbeitsplätzen in shared service centers forciert hat.“

Neben Offshoring bewegt der Personalabbau in den Stammlanden. In Deutschland rechnen Zurich-Gesprächspartner mit weiter gehenden Abbaumassnahmen als bisher kommuniziert.

Die Rede ist von 500 Stellen, die „über den bisherigen Plan“ hinaus abgebaut werden müssten, sagt einer. Greco würde bis Ende August das „Sparziel“ offenlegen, das dem Plan zugrunde liege.

Auch das könne nicht bestätigt werden, meint der Sprecher des Versicherers. Zudem sei man zuversichtlich, was das Wachstum in den kommenden Monaten angehe.

Bestätigen könne er, dass Neu-Initiativen noch nicht rund liefen. Dies ausgerechnet bei der von Greco im NZZ-Interview angekündigten Digitalisierungsoffensive.

Da will das Unternehmen mit einer Software namens „Guidewire“ punkten; was bislang bestenfalls halbpatzig funktionierte.

Im Frühling ist das Programm in der deutschen Zurich-Tochter eingeführt worden. Es läuft laut einer Quelle „in weiten Teilen nicht“.

„Das führt nicht nur dazu, dass die Vertriebe höchst unzufrieden sind und teilweise die neuen Produkte kaum verkaufen, sondern auch, dass Makler diese Produkte wohl erst ab 2018 verkaufen können“, führt die Quelle aus.

Ein Beispiel, das erklärt, warum die Zurich-Einnahmen im Geschäft sinken. Greco kompensiert das mit noch mehr sparen.

McKinsey, Sparen, Greco.

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17 Kommentare zu “McKinsey, Sparen, Greco

  1. Doch was macht Greco ausser Sparen sonst? Er forciert die Verlagerung der Arbeitsplätze in die shared service centers. In Polen ist man schwer am ausbauen. Man musste mittlerweile zum bereits existierenden riesigen Service-Center noch reichlich (…) Büroraum dazu mieten. In Krakau sollen die Mitarbeitenden bereits im Lift von den anderen Firmen abgeworben werden und umgekehrt. Es herrscht Goldgräberstimmung. Obwohl die Löhne den break even schon erreicht haben. Krakau und sparen? Wohl schon länger nicht mehr. Im Service-Center in Bukarest sind die Löhne fast 10x tiefer als in Krakau.

    Der Jahre lange und nie endende Personalabbau im Standort Zürich ist das Einte. Während 2014 das erste ganz grosse Spar- und Personalabbau Programm lief, liess sich der eh schon komplett überbezahlte Verwaltungsrat Tom de Swaan seine riesige Vergütungen nochmals um 1/3 erhöhen. Was sich der Verwaltungsrat in der Zurich Insurance bezüglich Lohn, Vergütungen, Abzocken und Kosten auf die Zurich insurance überwälzen erlaubt, ist gigantisch. Selbst die Steueroptimierungen in eigener Sache muss die Zurich Insurance bezahlen. McKinsey und gewisse Aktionäre sind ein riesiges und unlösbares Problem für unsere an und für sich tolle Unternehmung.

    Sachversicherung und Lebensversicherungen. Dem Bericht von Rolf um 9:05 kann ich nur sagen; ich erzähle schon lange nicht mehr wo ich arbeite und ich bin nicht der Einzige. Die Reaktionen dazu sind immer die Einte oder die Andere. Mit so einem Image selbst in der Heimatstadt Zürich kann man wohl niemandem zu einer Zurich Insurance Versicherung überreden.

    Im Frühling ist das Programm in der deutschen Zurich-Tochter eingeführt worden. Es läuft laut einer Quelle „in weiten Teilen nicht“. Es hat bei der Zurich Insurance bereits Tradition in Deutschland Programme laufen zu lassen, die man nicht bis kaum testete. Fiasko vorprogrammiert. Die deutschen Mitarbeitenden gurkt das noch an. Die englischen Mitarbeitenden z. B. haben schon lange aufgegeben. Sie schicken einfach das nach Zürich, was sie aus Zürich bekommen; Schrott.

  2. Kosten sparen ist als primitiver Ausweg aus fehlender Kreativität. Mag sein dass wir viel heisse Luft produzieren. Solang Bonis gezahlt werden, die an Kostenersparnis gekoppelt werden, sind wir auf dem Holzweg. Das Ziel einer Firma ist die Bedürfnisbefriedigung der Kunden. Und das darf was kosten. Wer nur spart, hat primär sich selbst und nicht den Kunden im Fokus. Lächerlich, wie die Finanzwirte schreien wenn Milliarden Gewinn gemacht werden oder etwas vom Fett gezehrt wird (eigenkapital). Aber wer kein Fett hat, sieht irgendwie ungesund aus.

  3. Wachstum ist ein altes Zürich Problem; ohne Investition geht das halt nicht. Hier könnten die erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen aber leider werden diese eher in die Frühpension geschickt als angehört….
    Fazit: Kosten um jeden Preis runter.

  4. Leider sind alle diese Heilsbringer Greco, Thiam & Co. ihr Geld nicht Wert. Das „Geld“ wird zu vorderst an der Front verdient. Es steckt eine Menge Arbeit dahinter den Kunden von der Firma, dem Produkt und Nutzen zu überzeugen und langfristig zu binden. Diese Heilsbringer wissen gar nicht, dass diese Frontleute Tag täglich hart arbeiten müssen und „echte“ Wertschöpfung bringen.

    Abbauen sollte man diese vielen teuren und unnützen Stabstellen, Geschäftsleituns-Entourage, Gebietsleiter, o.ä. die ausser schnorren und Power Point Folien produzieren mit immer den gleichen abgedroschenen Sprüchen wie „Königsweg“, „Vision2020“ usw. keinerlei Deckungsbeitrag an das Ergebnis bringen und nicht die Schaffer die täglich ihr bestes geben und gaben.

    Der Parasit ernährt sich nur so lange der Wirt was hergibt. Diese Verhältnisse in den Unternehmen ist ein echtes Geschwür das weg muss. Ansonsten Gute Nacht Finanzplatz Schweiz

    • MdP würde sagen…Reiseversicherung braucht kein Schwein da inkludiert in der Diamant-bestückt Platin Kreditkarte.
      Ihr seid nichts wenn Ihr keine Platin Karte habt. Muahahaha…

  5. Was, wenn Sparweltmeister Greco seinen ehemaligen Arbeitgeber Generali schlucken würde?! Das bedingte Kapital wäre vorhanden.

  6. This article is strange, as all financial services companies of this size in Switzerland have to cut costs, so nothing new here. So let us turn to the news.

    As the article was questioning the financial performance, which was presented today for the half-year results, I disagree. Have a look on some of the leading international media, e.g. Reuters who says:
    „Zurich Insurance Q2 profit beats forecasts“
    https://www.reuters.com/article/zurich-ins-group-results-idUSFWN1KV19W

  7. Wenn man hört wie die Zürich mit Ihren langjährigen Mitarbeiter umgeht, verliert man die Lust Zürich-Produkte zu empfehlen. Ich arbeite bei einem unabhängigen Broker und versuche es tunlichst zu vermeiden bei der Zürich Offerten zu bestellen. Das mache ich nur wenn der Kunde explizit danach fragt.

    Für mich ist die Zürich eine als Versicherung verkleidete Grossbank.

  8. Wozu soll ein Weg nach vorne aufgezeigt werden? Die Braut aufhübschen, abnehmen lassen und dann verschachern. Dafür braucht es keinen Weg nach vorne, den zeigt dann schon der neue Besitzer.

    • Der VR Präsident der das wollte hat unter Vorwand hingeschmissen, als er dieses Vorhaben nicht mehr durchbringen konnte. War vor dem McKinsey CEO. Kaufen oder verkaufen? Das Ziel kennt wohl nur McKinsey. Industrie 4.0, dieses komplett neue Spiel wird gerade gemischt. Vielleicht will man mit Robotics erst mal schauen, wo man damit bei Industrie 4.0 landet? Wie lange lässt sich die Volksgesellschaft diese wahnwitzige (und nichts bringende) Outsourcerei noch gefallen? Siehe den Bericht von Rolf am 10. August, 9:05.

  9. Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber! Und die schweizer Aktionäre und VRs holen regelmässig McKinsey!

    Kein Wunder ist der Finanzplatz Zürich am untergehen, und das wird noch 5-10 Jahren so bleiben.

    Bei genügend Konkurrenz übernimmt diese das Geschäft. Die untergehende Firma wird niemand vermissen.

  10. Zuwanderung, Immobilienblase, Hochpreisinsel, Frankenkurs und noch vieles weitere werden über die Zeit ein natürliches Ende finden.

    Was es an anderen Orten den Berg hinauf geht, geht es hierzulande künftig hinunter.

  11. Grosses Sparpotenzial noch unausgeschöpft: Greccos Total Compensation! – Die Lücke, die er hinterliesse, füllte ihn vollständig aus. Der König trägt keine Kleider.