Worin die populäre Geldschöpfungskritik irrt

Eine Kritik ist im Aufwind. Was vor ein paar Jahren noch als Phantasterei verrückter Verschwörungstheoretiker abgetan wurde, beschäftigte jüngst sogar die Deutsche Bundesbank. Gemeint ist die Idee des Vollgeldes und der damit zusammenhängenden Abrechnung mit unserem modernen Geldsystem.

Obschon als neuartige und revolutionäre Reformidee verkauft – und zu diesem Zweck mittels allerlei hochtrabender Begriffe wie „Monetative“ oder „Positive“ oder gar „Sovereign Money“ geschmückt –, sind diese Gedanken ein alter Zopf. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich die „Currency School“, gewissermassen die Vorläufer der Vollgeld-Befürworter, eine intensiv geführte Debatte mit der „Banking School“ geliefert.

Ganz allgemein ist die Kritik am Geldsystem mit der Finanzkrise 2008 neu entfacht worden. Um Banken, Staaten und die Wirtschaft vor einem finanziellen Kollaps zu bewahren, haben die führenden Zentralbanken der westlichen Welt eine noch nie da gewesene Geldschwemme initiiert und so ihre Bilanzen massivst ausgeweitet. Wie diese Gruppe von Kritikern jedoch stets betont, handelt es sich dabei nur um einen eigentlich kleinen Teil der Gesamtgeldmenge. Der viel grössere Anteil der Geldmenge, ungefähr 90 Prozent, wird durch die Geschäftsbanken geschaffen. Ein erst kürzlich veröffentlichter Artikel in der deutschen Zeitung „Die Welt“ fasst den Gedankengang populärer Geldsystemkritiker wie folgt zusammen:

Allerdings betreiben gar nicht die Notenbanken die Hauptgeldschöpfung in einer Ökonomie, sondern die Banken, und zwar, indem sie Kredite vergeben und dafür nur eine kleine Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Eine zweite Forderung bezieht sich daher darauf, die Banken daran zu hindern, nach Gusto Geld zu schöpfen, sondern diese stärker an die Leine der Notenbanken zu legen.

In den Augen der modernen Geldsystemkritiker sind es also die Geschäftsbanken, welche die Geldmenge durch ihre Kreditvergabe nach Belieben aufblähen. Zumal eine jede Geschäftsbank an einem Kreditgeschäft verdient, hat diese ein inhärentes Interesse daran, möglichst viele Kredite zu vergeben. Daher ist es nur eine logische Konsequenz, dass die Kreditvergabe – und damit die Geldmenge – immer weiter ansteigen muss, so die Auffassung der Kritiker.

So ist es auch die Meinung der Kritiker, dass die bestehende Theorie zur Geldschöpfung in heutigen Ökonomielehrbüchern den Prozess der Geldschöpfung völlig falsch erklärt:

Die Multiplikatortheorie geht fälschlicherweise von den Notenbanken als ursprüngliche Geldschöpfungs-Instanz aus. Tatsächlich benötigt das Bankensystem weder Notenbankgeld noch Einlagen, um Kredite zu vergeben. Der tatsächliche Kreislauf ist daher gerade umgekehrt, als ihn die Lehrbücher in der Regel beschreiben: Die Kreditvergabe der Banken ist der ursprüngliche Akt der Geldschöpfung. (Finanz und Wirtschaft)

Bestärkt durch die vermeintlichen Fakten ist für viele dieser Geldsystemkritiker klar, was Ben Dyson, einer der führenden Ökonomen und Köpfe der Positive-Money-Bewegung, und seine Arbeitskollegen in ihrer Arbeit CREATING A SOVEREIGN MONETARY SYSTEM schreiben:

Wenn die Banken entscheiden, wie stark sie die Wirtschaft mit ihren Krediten befördern wollen und an welche Bereiche sie diese vergeben, sind sie faktisch auch jene, die entscheiden, wie stark die Geldmenge ausgeweitet werden und wie das neu geschaffene Geld ausgegeben werden soll.

Wie diese Sovereign-Money-Befürworter nicht müde werden zu betonen, sind es die Geschäftsbanken, welche längst das Zepter in der Wirtschaft übernommen haben. Die Geschäftsbanken haben sich in gewisser Weise verselbstständigt und sind so der Kontrolle der Zentralbank weitgehend entflohen, ohne dass die Zentralbank auch nur das Geringste dagegen tun kann. Die Banken nutzen diese Situation genüsslich aus, streichen massenhaft Gewinne ein und treiben es bis zum Exzess, der letzten Endes in die Krise führt, wie Dyson und seine Kollegen schreiben:

Diese Vollmacht der eigenständigen Geldschöpfung von Geschäftsbanken wird als einer der Hauptursachen sowohl für die Grosse Depression in den 1930er Jahren als auch für die Finanzkrise von 2007 hervorgehoben.

In Anbetracht der Tatsachen ist man geneigt, den Verfechtern der Monetative und der Positive-Money-Bewegung zuzustimmen. Wie einem eine realistische Ökonomik nahelegt, muss eine exzessiv anwachsende Geldmenge nach einer Boomphase zwangsläufig zu einer Krise führen. Denn die enorme Kreditgeldausweitung verzerrt natürlich die Wirtschaftsstrukturen, wofür die Geschäftsbanken nicht aus der Verantwortung zu nehmen sind.

Auffallend ist jedoch, dass sich die Kritiker aus den Reihen der Monetative und der Positive-Money-Bewegung stets bloss auf die Geschäftsbanken einschiessen. Das Handeln der Zentralbanken, so scheint es jedenfalls, wenn man deren Kritik studiert, wird kaum für problematisch erachtet. Viel eher ist das Gegenteil der Fall, soll doch den Zentralbanken durch die Etablierung eines Vollgeldsystems die alleinige Vollmacht über die Geldproduktion zugestanden werden.

Dass die Zentralbank bei den genannten Geldsystemkritikern fein raus zu sein scheint, stimmt misstrauisch und lässt einen bei diesen Systemkritikern vielleicht doch eine versteckte politische Agenda erahnen. Eine ähnliche Ahnung hat auch der Journalist des weiter oben bereits zitierten Welt-Artikels, wenn er feststellt:

Auf einen anderen Vorwurf geht die Studie nicht ein, nämlich den, dass auch die Notenbanken mit ihrer Geldvergabe an die Geschäftsbanken beschränkt werden sollten. (Die Welt)

Wer sich in seiner Analyse unseres heutigen Geldsystems der Geldschöpfung durch die Zentralbank verschliesst, riskiert unweigerlich das Gesamtbild zu übersehen. Denn anders als Vollgeld-Befürworter aller Art beteuern, spielt die Geldschöpfung der Zentralbank eben nicht keine Rolle, sondern eigentlich sogar die entscheidende.

Der beinahe in Vergessenheit geratene deutsche Ökonom Heinrich Rittershausen ist einer der wenigen Volkswirte, der diese massgebliche Rolle der Zentralbanken erkannt hatte. In seinen Werken „Die Zentralnotenbank oder Bankpolitik“ untersucht er – sichtlich bemüht um eine neutrale und nüchterne Herangehensweise – auf insgesamt über 900 Seiten das Wesen der Zentralbank und der Geschäftsbanken. Kurz aber treffend schreibt er in einem Satz:

Eine Vergrösserung der Kreditschöpfung der Bank ohne Rückgriff auf die Zentralbank ist nicht möglich.

Warum kommt Rittershausen zu diesem konträren Schluss und hält die Zentralbank für den Grundstein einer jeden Geldschöpfung? Für ihn ist es unerlässlich, die Geldmenge in ihren einzelnen Abstufungen zu verstehen. So gliedert sich die Geldmenge in verschiedene Geldaggregate auf. Man spricht von der Basisgeldmenge, kurz M0 genannt, sowie den Geldmengen M1, M2 und M3. Es sind diese letzteren drei Geldmengenaggregate, welche auch elektronisches Buchgeld umfassen und die 90 Prozent der von Geschäftsbanken geschöpften Gesamtgeldmenge ausmachen.

Wie der Name schon sagt, ist die Basisgeldmenge die Grundlage allen weiteren Geldes. Mit Basisgeldmenge sind alle existierenden Bargeldnoten, die Zentralbanknoten sowie alle Sichteinlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank gemeint. Jede Geschäftsbank eines Landes verfügt bei der jeweiligen Zentralbank über einKonto, so wie beinahe jeder Bürger bei einer Geschäftsbank ein Sichtguthabenkonto besitzt.

Wichtig: Das Basisgeld M0 unterscheidet sich von den anderen Geldmengen (M1, M2, M3). Steven Horwitz, ein US-amerikanischer Ökonom, beschreibt die Eigenart der Basisgeldmenge so:

Die Basisgeldmenge, welche der Gesamtmenge an Bankreserven (die Summe aller Bargeldbestände plus die Menge an Sichtguthaben von Banken bei der Zentralbank) entspricht, ist vollends unter der Kontrolle der Zentralbank. Niemand anders kann Bargeld produzieren und niemand anders kann zusätzliches Banksichtguthaben bei der Zentralbank schaffen als die Zentralbank selbst.

An dieser Stelle sind wir an einem kritischen Punkt unserer Analyse angelangt. Weil die Basisgeldmenge als Bedingung aller anderen Geldmengenarten fungiert, kommt dieser die entscheidende Funktion zu, für die Liquidität einer Geschäftsbank von grösster Relevanz zu sein. Unmittelbar ersichtlich wird diese Wichtigkeit, wenn man sich vor Augen führt, was passiert, wenn ein Kunde bei einer Geschäftsbank sein Geld abhebt. Die Privatbank hat den Kunden in Bargeld, sprich Basisgeld, auszubezahlen. Für die Banken ist es somit überlebenswichtig, dass sie immer über genügend Basisgeld (wir erinnern uns: Bargeld und Sichtguthaben bei der Zentralbank) verfügen. Mit den Worten Rittershausens muss gesagt sein:

Das volle Verständnis der Eigenart der Bankenliquidität ist aber nur möglich, wenn man auch den Gesichtspunkt der Schärfe der Konkurrenz unter den Banken heranzieht. […]

„Konkurrenz“ innerhalb der Banken heisst also: Ein bitterer Kampf um Liquidität wird täglich von Bank zu Bank geführt; jeder einfrierende oder dubiose Kredit führt der Konkurrenz zusätzliche flüssige Mittel zu, wenn diese es fertig bringt, den gleichen Fehler zu vermeiden oder diesen doch prozentual geringer zu halten als jene.

Wenn nicht durch die Zentralbank darin unterstützt, können die Geschäftsbanken eben nicht beliebig Geld aus dem Nichts schöpfen. Die Geschäftsbanken sehen sich Marktkräften ausgesetzt, welche eine Bank dazu zwingt, stets auf ihre Liquidität in Form von Basisgeld acht geben zu müssen. Denn Banken haben nicht nur unmittelbare Abflüsse an liquiden Mitteln, wenn Kunden bei der Bank Bargeld beziehen. Genauso kann eine Geschäftsbank aufgrund des sogenannt täglichen Clearing, des Verrechnens von gegenseitigen Forderungen untereinander, Abflüsse von liquidem Basisgeld haben. In der Tat ist dieser zweite Mechanismus wohl der ausschlaggebendere. Als Verrechnungsstelle amtet meistens die Zentralbank. Diese überschauen den Prozess und stellen diesen sogleich auch sicher.

Folgendes Beispiel soll der Veranschaulichung dienen. Bank A vergibt einen Kredit an einen Kunden C und besitzt auf ihrer Aktivseite somit eine Forderung aus diesem Kreditgeschäft gegenüber dem Kunden C. Schafft Bank A dieses Buchgeld über den vergebenen Kredit, wird dieser Kunde C dieses Buchgeld wohl nicht auf seinem Konto bei der Bank A belassen, sondern es stattdessen in irgendeiner Weise ausgeben (andernfalls hätte er wohl keinen Kredit aufgenommen).

Das über den Kredit geschaffene Buchgeld gelangt somit in die Hände einer anderen Person, sagen wir D, welche dieses Buchgeld ihrem Konto bei Bank B gutschreibt. Bank B hat somit Buchgeld erhalten. In ihrer Bilanz ist diese Summe jedoch als Verpflichtung gegenüber der Person D verbucht.

Zu diesem Zeitpunkt ist Bank B aufgrund dieser Einzahlung von Buchgeld durch Person D illiquider geworden. Natürlich möchte Bank B diesen Zustand grösserer Illiquidität so schnell wie möglich mindern. Und das geschieht über die Verrechnungsstelle, die Zentralbank, am Ende eines jeden Tages. Bank B wird von Bank A Basisgeld in Höhe des von Bank A vergebenen Kredits einfordern.

Die als Verrechnungsstelle amtende Zentralbank wird somit das Sichtguthabenkonto von Bank A bei ihr um den von Bank B geforderten Betrag belasten und das Basisgeld dem Sichtguthabenkonto der Bank B bei der Zentralbank gutschreiben.

Natürlich finden tagtäglich tausende von den verschiedensten Geschäftsbanken getätigte Kreditgeschäfte statt, wovon sich viele beim Verrechnungsvorgang gegenseitig aufheben. Sind tagsüber total 1’000 Geldeinheiten von Bank A zu Bank B verschoben worden und von Bank B insgesamt 800 Geldeinheiten zu Bank A, ist Bank A verpflichtet, die restlichen 200 Geldeinheiten via Basisgeld an Bank B zu übertragen. Es ist dieser Verrechnungsmechanismus, der dafür sorgt, dass die Banken nicht einfach beliebig Kredite und damit Buchgeld schaffen können. Wie Rittershausen wiederum richtig feststellt, haben Banken bei der Kreditvergabe stets die eigene Liquidität im Auge zu behalten:

Dabei muss die Behauptung der sog. Modernen Kredittheorie zurückgewiesen werden, dass die Banken, wenn sie eine Barreserve von 10% halten, die anderen 90% der hereingenommenen Gelder langfristig oder ohne Liquiditätsvorsorge ausleihen. Eine Bank, die das täte, würde ihre Existenz in Gefahr bringen. Richtig dürfte sein, dass sie eine Liquiditätsvorsorge von mehr als 2/3 ausüben.

Ausschlaggebend ist also die Basisgeldmenge, welche einer Bank als vorhandene Liquidität zur Verfügung steht. Obschon Bank A aus dem Kreditgeschäft mit Kunde C eine Forderung diesem gegenüber besitzt, wird sie ihre Verpflichtung gegenüber Bank B nicht damit glattstellen können, da Bank B stets darauf beharren kann – und wohl auch wird –, in Basisgeld bezahlt zu werden. Für Bank B wäre es zudem ein Zusatzaufwand, wenn sie diesen Forderungstitel gegenüber Kunde C erhalten würde. Sie hätte erneut die Kreditwürdigkeit von Kunde C eigenhändig zu prüfen.

In Anbetracht dieser Überlegungen sollte klar geworden sein, dass Geschäftsbanken in ihrer Fähigkeit, Geld zu schöpfen, sehr wohl an die Zentralbank gebunden sind. Ohne genügend Basisgeld zu haben, läuft eine Geschäftsbank bei beliebiger Geldschöpfung schnell Gefahr, durch den Druck von anderen Geschäftsbanken in die Zahlungsunfähigkeit getrieben zu werden.

Dass die heutige Gesamtgeldmenge (M0 bis M3) derart stark anwachsen konnte, ist letzten Endes auf die Zentralbanken zurückzuführen, welche die astronomisch hohen Geldmengenaggregate (M1 bis M3) erst durch von ihr geschaffenem Basisgeld (M0) ermöglicht. Steven Horwitz bringt es abermals auf den Punkt:

Also, wie wird neues Geld überhaupt je geschaffen und netto vervielfacht? Durch das Schöpfen neuer Basisgelder. Nur eine Einheit kann in einem Papiergeldsystem mit einer Zentralbank netto Geld schöpfen: die Zentralbank selber. Führt eine Zentralbank Offenmarkt-Transaktionen durch, fügt sie dem System neues Basisgeld zu, welche den Multiplikatorprozess und somit eine Geldvermehrung in Gang setzt. Die Zentralbank und nur die Zentralbank kann das.

Horwitz als auch Rittershausen könnte man entgegenhalten, dass insbesondere zwei Aspekte ihren Beobachtungen zuwiderlaufen. So gibt es einen Interbankenmarkt, wo sich Banken gegenseitig kurzfristige Kredite verleihen können, um unter anderem die täglich anfallenden Nettobasisgeldabflüsse zu kompensieren. Über diesen Interbankenmarkt, so der Einwand, können die Geschäftsbanken an Basisgeld gelangen, um die von ihnen geschaffenen Kredite zu decken.

Natürlich existiert der Interbankenmarkt, doch schwächt dieser den oben beschriebenen Konkurrenzkampf um flüssige Mittel keineswegs ab. Denn die am Interbankenmarkt vergebenen Kredite haben meistens stets sehr kurzfristige Laufzeiten (Übernachtkredite oder ein paar Tage mehr). Zudem ist offensichtlich, dass wenn eine Bank einen Kredit und somit Basisgeld an eine andere Bank verleiht, sie sich im Moment der Kreditvergabe selber illiquider macht. Am Interbankenmarkt vergibt eine Geschäftsbank bloss einen Kredit an eine andere Geschäftsbank, wenn sie hierfür eine Überschussliquidität hat. Durch den Interbankenmarkt ausgestellte Kredite können die Gesamtliquidität des gesamten Geldsystems nicht verändern.

Der zweite Einwand ist da schon stichhaltiger. Ein gewichtiger Grund, weshalb dieser Mechanismus des Verrechnungsprozesses heute praktisch irrelevant geworden ist, sind die gewaltigen Überschussreserven der Geschäftsbanken. Gemeint ist der Umstand, wonach Geschäftsbanken heute Übermengen an Basisgeld in Form von Sichtguthaben bei der Zentralbank besitzen. Aufgrund dieser Überschussreserven sind die Geschäftsbanken allzeit in der Lage, Nettobasisgeldabflüsse zu kompensieren – und sind deshalb befähigt, die Geldmenge über Kreditgewährung aufzublähen.

Auch wenn diese Analyse bis zu diesem Punkt stimmt, ziehen jene, die einen solchen Einwand anbringen, die falsche Schlussfolgerung. Denn der Grund, dass die Geschäftsbanken überhaupt derart grosse Überschussreserven haben, sind die Zentralbanken. Im Zuge der Finanzkrise haben die Zentralbanken ihre jeweiligen Geschäftsbanken regelrecht mit Überschussreserven geflutet. Hätten sich die Zentralbanken nicht dazu bereit erklärt, den Banken allerlei (Un-)Wertpapiere abzukaufen, wären wir heute nicht an diesem Punkt, wo Banken gewaltige Überschussreserven haben und aufgrund dieser nicht länger einem Kampf um Liquidität in Form von Basisgeld unterstehen.

Warum der Folgeeinwand unsinnig ist, wonach die Geschäftsbanken die alleinige Schuld für die Finanzkrise träfe und sie nur deshalb durch die Zentralbank hätten gerettet werden müssen, um den Totalkollaps unseres Wirtschaftssystems zu vermeiden, soll in einer Folgeanalyse gezeigt werden. Ebenfalls wird sich diese Analyse daran wagen, eine mögliche Begründung für das Missverständnis zu finden, wonach die populäre Geldsystemkritik immer nur die Geschäftsbanken als alleiniges Grundübel berücksichtigt.

Blog: http://embracingparadoxes.wixsite.com/pascalhuegli

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41 Kommentare zu “Worin die populäre Geldschöpfungskritik irrt

  1. Also aus Eurem Hin und Her der Argumente lese ich, dass es besser ist, vom Gefühl her die Grundsatzfrage zu beantworten: „Ist es in Ordnung, dass private Banken, selber Geld herstellen dürfen, um das zu kaufen, wofür wir zuerst sparen müssen?“ (zB Immobilien) Die Antwort ist NEIN deshalb ein volles JA für die Vollgeld-Initiative.

    • Dummes Zeug Herr Schenkel

      Wenn wir mit Geld etwas kaufen, so ist das ein Aktivum von uns. Wenn die Banken Geld herstellen, so sind das Passiven der Bank.

      Die Vollgeld-Idee ist ein Hirngespinnst

      Hören Sie jetzt endlich auf mit Ihrem Quatsch!

      Marc Meyer

  2. Den grössten Teil der Geldschöpfung (resp. der Geldschaffung) machen Banken heute via Derivative, welche, wie wir ja wissen, oft fragwürdigen Wertes sind worauf die Zentralbanken keinen Einflus haben, aber am Ende dann doch von ihnen ‚monetisiert‘ wird um den Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Die Geldschöpfung via traditionelle Kreditvergabe ist dabei ein kleiner Teil. Wartet mal, bis die Banken merken, dass man das auch mit Blockchains machen kann…

  3. Leider nur theoretisch richtig, dieser Artikel. Grundlegend der Satz: „Wenn nicht durch die Zentralbank darin unterstützt, können die Geschäftsbanken eben nicht beliebig Geld aus dem Nichts schöpfen.“
    Das Problem dabei ist nur, dass Banken mit ihrem „Geld aus dem Nichts“ u.a. auch Wertschriften und Gold (nebst Immobilien) kaufen können. Diese Wertschriften/Gold können sie wiederum an die Nationalbank verkaufen, um dafür „Basisgeld“ zu erhalten. Und aufgrund dieses Basisgeldes können sie wiederum 20x mehr „Geld aus dem Nichts“ herstellen.
    Je komplexer das Geldsystem und ihre Regeln ist, desto mehr Schlupflöcher gibt es für Banken, genau das zu tun wovon man sie abhalten will. Genau deshalb braucht es das Vollgeld-System.

    Zusätzlich ein weiteres Problem: Wenn man sich in der Realität umschaut (in diesen Kreisen hier eine Seltenheit, scheint mir), merkt man dass in unserer Realwirtschaft dringend Geld benötigt wird, für das dringend benötigte Wirtschaftswachstum. Es wird keines vergeben, trotz Minuszinsen und Leitzins von Null. Wie kann man da noch behaupten, die Nationalbank hätte die Geldproduktion im Griff?
    Etwas weniger Fachidiotie und etwas mehr Realitätssinn würde den Diskussionen auf IP gut tun.

  4. Die Vollgeldinitiative zielt nicht allein auf die Geschäftsbanken ab, sondern auf das gesamte Geldsystem. Das betrifft die SNB genauso wie den Staat bzw. den Bürger. Man sieht das beispielsweise daran, dass nicht ein 100% Reserve System eingeführt wird, sondern ein Vollgeldsystem. In einem 100% Reserve System wäre eine ungesunde Kreditgeldmengenausweitung weiterhin möglich, sofern die SNB mitspielen würde (was sie wahrscheinlich auch täte). Beim Vollgeldsystem kann man nicht mehr von einer Kreditgeldmengenausweitung sprechen, sondern nur noch von einer Geldmengenausweitung. Sobald diese Geldmengenausweitung den Produktivitätszuwachs übertrifft, wird sich dies unmittelbar in einer Geldentwertung (Inflation) niederschlagen. Das heisst auch die SNB wird an die kürzere Leine genommen. Sofern die Seigniorage direkt an den Bürger ausbezahlt wird, schützt ein solches System den arbeitenden Bürger vor den Dummheiten der SNB (weil die Bürgerdividende bei den allermeisten höher wäre, als die Entwertung auf dem gesparten Geldvermögen). Falls die Seignorage an den Staat ginge, würde das natürlich Begehrlichkeiten des Staates wecken, dennoch sollten zumindest in der Theorie die Steuern entsprechend sinken (Die Initative lässt die Verteilungsfrage der Seignorage bewusst offen). Eine solche Systemänderung betrifft nicht nur die Geschäftsbanken, sondern auch die Zentralbank und den Bürger bzw. den Staat. Die Kritik im Artikel schiesst also etwas am Ziel vorbei.

    http://www.vollgeld-initiative.ch/fa/img/Vertiefung_deutsch/Joseph_Huber_-_Synopse_100Prozent-Reserve_vs_Vollgeld_dt.PDF

    • Sehr geehrter Herr Stadelmann

      Besten Dank für Ihre Replik. Gerne möchte ich Sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sich der Artikel in erster Linie auf die Bewegung des Sovereign Money oder auch Positive Money bezieht. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass sogar innerhalb des „Vollgeldspektrums“ die Meinungen auseinander gehen und über die eigentliche Intention des Vollgeldes debattiert wird. Der Einfachheit halber habe ich ihr den deutschen Begriff „Vollgeld“ verwendet, um die Begriff des Sovereign und Positive Money unter einenem Terminus zusammenzufassen – was wohl nicht ganz präzise ist.

      Die Kritik im Artikel bezieht sich also in erster Linie auf jene „Vollgeld“-Pamphlete und -arbeiten, die ich bislang gelesen habe und auch auf jene „Vollgeld“-Meinungen, mit denen ich bisher konfrontiert gewesen bin. Diese beziehen sich nicht nur auf die Initiative in der Schweiz. In meinen Diskussionen mit den „Vollgeldler“ haben sich diese fast ausschliesslich immer auf die Geschäftsbanken eingeschossen.

      Den Punkten, die Sie oben erwähnen, werde ich in einem zukünftigen Artikel eine kurze Analyse widmen. Gewissermassen kann ich vieles davon nachvollziehen, nur scheint es mir, dass dabei oft vergessen geht, dass wir Menschen uns in der Theorie ein wunderbar funktionierendes System ausdenken können, welches dann leider in der Praxis ganz andere Wendungen nimmt. Die Geschichte liefert hierfür zahlreiche Beispiele. Doch mehr lesen Sie dann in meinem Artikel in ein paar Monaten. Ich werde Sie sich wieder darauf aufmerksam machen.

      Freundlichst,
      Pascal Hügli

    • Sehr geehrter Herr Hügli,

      Danke für Ihre Replik. Ich bin gespannt auf Ihre nächste Analyse.

      Als wacher Geist haben Sie bestimmt schon selbst gemerkt, dass mit den heute geltenden volkswirtschaftlichen Theorien etwas nicht stimmen kann. Insofern scheint es mir nur richtig, wenn man ein in der Praxis nicht funktionierendes Geldsystem-Theoriegebäude durch ein neues ersetzt. Insbesondere dann, wenn es keine ernst zu nehmenden Argumente gegen das Neue gibt.

      Kennen Sie die „Briefe eines Bankdirektors an seinen Sohn“ aus dem Jahre 1921? Es ist ein bisschen wie „Sofies Welt“, aber für die Geldtheorie. Kein akademischer Höhenflug, aber gerade deswegen so richtig gut.

      Beste Grüsse
      M. Stadelmann

  5. Bei allem Respekt, der grosse Wechsel in der Geldschöpfungspolitik ist die nun über 10 Jahre fortgeführte Politik des „Quantitative Easing“. BoJ, FED, ECB und als letzte auch die SNB haben mit dem Direktkauf von zuerst Staatsanleihen dann aber auch Aktien die traditionellen Geldschüpfungsmechanismen total über den Haufen geworfen.

    Die Urschuld der Finanzkrise ist sicher im gierigen, risikoreichen Verhalten der Geschäftsbanken im Zusammenhang mit Derivativen und Bilanz-Leverage zu finden.Seit 2008 haben die Zentralbanken jedoch den Schwarzen Peter in der Hand.

    Das Endresultat ist ungewiss, gewisse Aengste in diesem Zusammenhang sind jedoch angebracht.

    • Sehr geehrter Herr Werni Wolf

      Besten Dank für Ihren Kommentar. Gerne möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es mir in keiner Weise darum geht, irgendjemandem oder irgendeiner Instanz den Schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben. Ich glaube, dass der Erkenntnis wenig Genüge getan ist, wenn wir versuchen, die Schuld bloss auf einer Seite zu suchen. Gerne verweise ich Sie an dieser Stelle auf folgenden Artikel, der das historische Wachsen unseres „Geldsystems“ mit Staaten, Geschäftsbanken und Zentralbanken etwas zu umschreiben versucht.

      http://embracingparadoxes.wixsite.com/pascalhuegli/single-post/2017/06/29/Worin-die-moderne-Geldsch%C3%B6pfungskritik-irrt—Teil-2

      Besten Dank für Ihre Kenntnisnahme.

      Freundlichst,
      Pascal Hügli

    • Geschätzter Herr Hügli,
      Sicher ist die Schuld nicht bei einem Alleinschuldigen zu suchen.

      Wichtig ist aber den desolaten und riskanten Gesamtzustand des internationale Geldsystems zu analysieren und wenn möglich, wie beim Schachspiel, die nächsten Züge zu antizipieren.

      Ein nationaler Ansatz ist dabei zum Vornhinein ungenügend. Mit dem Ausser-Bilanzverbuchung von Derivativrisiken im Banken-und Fast-Bankensystem (Offshore Operatoren wie z.B. Hedge Funds) und dem Auftauchen von Cryptocurrencies haben wir heute eine Dimension erreicht, die sich einer konventionellen Kontrolle entzieht.
      Sogar die BIS als Oberbankenaufsicht ist am Limit.

      Wird das Ganze sich selbst (dem Markt) überlassen ist ein Totalchaos nicht auszuschliessen. Vorzuschlagen wäre eine Form eines neuen Bretton Woods, mit dem Ziel das System zu sanieren.

  6. Sehr geehrter Herr Hügli

    Ihr Hauptargument gegenüber der Vollgeld-Initiative ist also, dass es verfehlt sei, nur die Geschäftsbanken für die enorme Ausweitung der Geldmenge verantwortlich zu machen, sondern dass die Zentralbanken ihre Geldmengenaggregate ebenfalls stark ausgeweitet hätten und so die Geldexpansion der Geschäftsbanken erst möglich gemacht hätten.

    Die Zentralbanken seien also ebenfalls keineswegs über alle Zweifel erhaben.

    Habe ich sie so richtig verstanden?

    M.E. steht Ihre Argumentation aber auf schwachen Beinen:

    Erstens:
    Die Vollgeld-Initiative hat viel grössere Angriffsflächen, als die von Ihnen hier vorgetragene: Die Vollgeld-Initiative ist nichtig, weil sie innerhalb des Initiativtextes Vollgeld einmal als Aktivum und dann wieder als Passivum der SNB bezeichnet.

    Diese Initiative ist also gar nicht umsetzbar. Die Unterschriften wurden erschlichen mit falschen Angaben. Zudem widerspricht die Initiative dem Grundsatz der Einheit der Materie gemäss Bundesverfassung und ist schon allein deshalb für ungültig zu erklären.

    Ich hoffe, Bundesrat und Parlament sehen das noch ein und ziehen die Notbremse, bevor die Initiative zur Abstimmung gelangt.

    Zweitens:
    In meinem Beitrag: „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“, Inside Paradeplatz September 2013 zeigte ich erstmals, dass es keinen Geldmultiplikator gibt und bewies das mit Buchungssätzen.

    In den Nachträgen dazu forderte ich Herrn Jean Studer und Bundesrätin Evelyne Widmer Schlumpf auf, dafür besorgt zu sein, dass die SNB ihre Irrlehre vom Geldmultiplikator von ihrer Home Page und der Ausbildungsplatform „Iconomix“ streiche, da die Multiplikatortheorie eine Blamage für die Zentralbanken sei.

    Die SNB reagierte und nahm ihre Irrlehre klammheimlich von ihrer Home Page. Die Bank of England distanzierte sich ein halbes Jahr später auch von der Multiplikatortheorie und die Deutsche Bundesbank vor einigen Monaten auch. Auch die Vollgeld-Initiative wollen jetzt auf dieser neuen Erkenntnis mitreiten und tun so – wie alle anderen auch – als hätten sie das selber herausgefunden.

    Wie auch immer: Geld ist eine Schuld der Zentralbank und es kann somit keinen Geldmultiplikator geben.

    Sie, Herr Hügli, beziehen sich nun auf diverse Autoren, welche behaupten, es gäbe einen Geldmultiplikator. Ausgangpunkt sei immer die Zentralbank.

    Nein. Es kann keinen Geldmultiplikator geben, weil Geld eben kein Aktivkredit der Zentralbank ist, sondern ein Passivkredit. Die Konklusion daraus ist, dass die Banken Geld schaffen können ohne Zentralbank.

    Sobald eine Bank einen Kredit gewährt, schreibt sie dem Kreditnehmer Geld auf dessen Konto gut. Die Zentralbank kommt nur ins Spiel, wenn

    a) Die Mindestreserve-Vorschrift eingehalten werden muss
    b) Ein Bankkunde eine Zahlung mit Banknoten tätigen will.
    c) Ein Bankkunde mit seinem Geld eine Zahlung auf ein Konto bei einer anderen Bank ausführen will (über Clearing der SNB)
    d) Wenn die Zentralbank aus eigenen Stücken Wertschriften und Devisen nachfragt, um die entsprechenden Märkte zu beeinflussen.

    Gewährt aber beispielsweise eine Bank einem Kunden einen Kredit von 1 Million aufgrund von guten Sicherheiten, und dieser Kunde will damit eine Zahlung an seinen Architekten tätigen, der sein Konto auf derselben Bank hat, so benötigt das kein Zentralbankgeld.

    Erst wenn er etwas mit Bargeld bezahlen will, benötigt er Zentralbankgeld. Oder er benötigt Zentralbankgeld, wenn der Architekt sein Konto bei einer anderen Bank hat.

    In diesem Fall benötig die Bank ein Guthaben bei der Zentralbank, das dann auf die andere Bank übertragen wird und diese überträgt es an den Kunden, der das Geld erhalten soll.

    Aus obiger Erkenntnis folgt, dass nicht die SNB für den Anstieg der Geldmenge 1 – 3 verantwortlich gemacht werden kann. Die Geldmengenaggregate sind gestiegen, weil u.a. viele Ausländer ihr Geld in Schweizerfranken bei Banken in den Geldmengenaggregaten 1 – 3 parkieren. Auch die starke Wirtschaftstätigkeit hat zur Zunahme der Geldmengen 1 – 3 geführt.

    Dass die Notenbankgeldmenge so stark gewachsen ist, ist eine Folge der Fehlspekulationen der Herren Hildebrand und Jordan aus dem Jahre 2010 und dem krampfhaften Versuch seither, diese enorme Verlustposition irgendwie zu drehen, was nie gelingen wird.

    Drittens:
    In ihrem Text befinden sich zudem etwelche Ungereimtheiten:

    Ihr folgender Satz ergibt keinen Sinn:

    „Zu diesem Zeitpunkt ist Bank B aufgrund dieser Einzahlung von Buchgeld durch Person D illiquider geworden.“

    Warum soll Bank B illiquider sein, wenn die Zentralbank ihr ein Guthaben von Bank A überträgt? Beide Seiten der Bilanz werden miteinander verändert.

    Auch Ihr folgender Satz macht keinen Sinn:

    „Zudem ist offensichtlich, dass wenn eine Bank einen Kredit und somit Basisgeld an eine andere Bank verleiht, sie sich im Moment der Kreditvergabe selber illiquider macht.“

    Wenn eine Bank sogenanntes „Basisgeld“ besitzt, so besitzt sie ein Guthaben bei der Zentralbank. Sie leiht also der Zentralbank Kapital. Dieses Kapital leiht sie also an die Zentralbank aus und kann es somit nicht gleichzeitig an eine andere Bank verleihen. Sie kann dasselbe Kapital nicht gleichzeitig an die Zentralbank und an eine andere Bank ausleihen.

    Falls sie das Kapital von der Zentralbank abzieht (wovon Herr Jordan behauptet, das ginge gar nicht), und an eine andere Bank überträgt, verringert sich auch ihre Passivseite entsprechend. Das wäre dann eine Bilanzverkürzung und der Liquiditätsgrad bliebe praktisch unverändert. Man kann also nicht sagen, dass das die Bank illiquider macht.

    Freundliche Grüsse

    Marc Meyer

    • Besten Dank, Herr Dr. Meyer, für Ihren ausführlichen Bericht hier.

      Darf ich noch eine Frage stellen, bzw. eine Anmerkung machen:

      1. Von welchem Multiplikator sprechen Sie? Meines Wissens gibt es deren zwei: Den Notenbankmulitplikator (im Verhältnis Notenbank/Geschäftsbanken) und den Kreditmultiplikator (im Verhältnis Geschäftsbanken/Publikum, bzw. Unternehmen).

      2. Ich meine immer noch, dass Sie Schulden mit Vermögen verwechseln. Möglicherweise bin ich diesbezüglich ignorant ?

      Vielleicht können Sie mir da noch etwas Nachhilfeunterricht erteilen. Besten Dank.

      Freundliche Grüsse
      F.H.

    • @F.H

      Danke

      Es geht hier um den Geldmengenmultiplikator.

      Wenn HerrJordan behauptet, die SNB könne Liquidität aus dem Nichts schaffen und damit alles bezahlen, so interpretiert er Notenbankgeld als Vermögen der ZB. Das ist falsch.

      Die SNB verwechselt Vermögen und Schulden- nicht ich.

      Die Bank of England hat nun meine Argumentation übernommen.

      Freundliche Grüsse

      Marc Meyer

    • Sehr geehrter Herr Meyer

      Vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme.

      Der von mir geschriebene Artikel ist nicht spezifisch gegen die Vollgeld-Initiative geschrieben. Vielmehr bezieht er sich auf etliche Gespräche, Vorträge und Papers, die eben von diesem Thema des «Sovereign» oder auch «Positive» Money handeln. In diesem Sinne sind die von mir beschriebene Punkte nicht wirklich als Argument gegen irgendetwas zu lesen, sondern als Versuch, die gegenwärtigen Prozesse innerhalb unseres «Geldsystems» besser zu verstehen. Die Schlussfolgerung aus dieser Analyse ist natürlich noch einmal eine andere Sache.

      Zu «Erstens»:
      Wie bereits erwähnt, geht es mir nicht im Speziellen um die Vollgeldinitiative. Mit dieser habe ich mich natürlich auch schon beschäftigt. Wenn der Ansatz auch verständlich ist, so bin ich mir alles andere als sicher, ob er funktionieren würde, geschweige das neuorganisierte «System» (die Begriffe neuorganisiertes System sagen es bereits) so viel besser wäre. Ihren Punkt bezüglich des Initiativetextes der Vollgeld einmal als Aktivum und dann wieder als Passivum der SNB bezeichnet, verstehe ich nicht ganz. Im Grunde würde es ja auf ein Zeichengeld hinauslaufen, das auf keinerlei Schuld basieren würde, was eben doch ein Aktivum wäre…

      Zu «Zweitens»:
      «Wie auch immer: Geld ist eine Schuld der Zentralbank und es kann somit keinen Geldmultiplikator geben.»
      «Sie, Herr Hügli, beziehen sich nun auf diverse Autoren, welche behaupten, es gäbe einen Geldmultiplikator. Ausgangpunkt sei immer die Zentralbank.»
      «Nein. Es kann keinen Geldmultiplikator geben, weil Geld eben kein Aktivkredit der Zentralbank ist, sondern ein Passivkredit. Die Konklusion daraus ist, dass die Banken Geld schaffen können ohne Zentralbank.»

      Folgenden obigen Aussagen würde ich beipflichten und doch verstehe ich ihr Argument nicht ganz. Soweit ich die Dinge verstanden habe, ist die Formel, die klassische Formel des Geldmultiplikators, wie sie in den Lehrbüchern beschrieben ist, nicht richtig. Das hat damit zu tun, dass die Idee der Banken als pure Intermediäre so nicht mehr stimmt. Was ich aufgrund meines bisherigen Wissenstandes allerdings schlussfolgern würde, ist, dass der Grund dafür eben darin liegt, dass die Zentralbanken und Staaten mit ihrer impliziten Rettungsphilosophie den Geschäftsbanken gegenüber, diese «Theorie» erst obsolet gemacht haben. Deswegen würde ich hier die Zentralbanken (und Staaten) als Ausgangspunkt sehen.

      «Gewährt aber beispielsweise eine Bank einem Kunden einen Kredit von 1 Million aufgrund von guten Sicherheiten, und dieser Kunde will damit eine Zahlung an seinen Architekten tätigen, der sein Konto auf derselben Bank hat, so benötigt das kein Zentralbankgeld.»
      «Erst wenn er etwas mit Bargeld bezahlen will, benötigt er Zentralbankgeld. Oder er benötigt Zentralbankgeld, wenn der Architekt sein Konto bei einer anderen Bank hat»
      Auch diesen obigen Ausführungen würde ich voll und ganz zustimmen.
      «Aus obiger Erkenntnis folgt, dass nicht die SNB für den Anstieg der Geldmenge 1 – 3 verantwortlich gemacht werden kann. Die Geldmengenaggregate sind gestiegen, weil u.a. viele Ausländer ihr Geld in Schweizerfranken bei Banken in den Geldmengenaggregaten 1 – 3 parkieren. Auch die starke Wirtschaftstätigkeit hat zur Zunahme der Geldmengen 1 – 3 geführt.»

      Auf ihre obigen Aussage könnte man allerdings erwidern, dass die Banken durch ihre Kredite und die stärkere Wirtschaftstätigkeit, die heute oft mit Kreditausweitung einhergeht, die Zentralbank gewissermassen dazu drängen, die Geldmenge auszweiten, weil es eben im Endeffekt für die Geldmengenausweitung durch Geschäftsbanken auch eine Ausweitung von Zentralbankgeld benötigt. Die Zentralbank könnte – zumindest in der Theorie – diese Zentralbankgeldmenge nicht erweitern, worauf die Geschäftsbanken dann schnell ins Straucheln kämen. Wie ich beschrieben habe, geht es nicht darum, Geschäftsbanken in Schutz zunehmen und den Schwarzen Peter auf die Notenbanken abzuschieben. Im heutigen «Geldsystem» bedingen sich diese beiden Akteure eben. Letzten Endes ist es der Staat, der kein Interesse daran hat, dass dieses historisch so gewachsene «System» von Zentralbanken und Geschäftsbanken, die eben stark miteinander verflochten sind, in die Brüche geht. Alles was ich eigentlich sagen möchte, ist das es falsch ist, das Augenmerk nur auf die Geschäftsbanken zu legen, wie das heute gerne getan wird.

      Zu «Drittens»:
      „Zu diesem Zeitpunkt ist Bank B aufgrund dieser Einzahlung von Buchgeld durch Person D illiquider geworden.“

      Bank B ist in der Tat illiquider geworden, denn Sie muss eben darauf hoffen, dass die Zentralbank über das Clearing ihr das Zentralbankgeld von Bank A zuführt. Im Moment aber, wo Bank B das Zentralbankgeld noch nicht hat, ist sie tatsächlich illiquider. Man kann argumentieren, dass sie es «de facto» nicht ist, weil sie ohnehin an das Zentralbankgeld gelangen wird, dass ihr über das Clearing-System von Bank A zukommt. Hier aber zeigt sicher gerade, was ich zu sagen versuche: Das Zentralbankgeld ist wohl die entscheidende Einheit.

      «Wenn eine Bank sogenanntes „Basisgeld“ besitzt, so besitzt sie ein Guthaben bei der Zentralbank. Sie leiht also der Zentralbank Kapital. Dieses Kapital leiht sie also an die Zentralbank aus und kann es somit nicht gleichzeitig an eine andere Bank verleihen. Sie kann dasselbe Kapital nicht gleichzeitig an die Zentralbank und an eine andere Bank ausleihen.»

      Dass eine Bank gleichzeitig Basisgeld an die Zentralbank sowie an eine Geschäftsbank verleiht, davon ist in meiner Analyse nicht die Rede. Das dies natürlich nicht geht, ist mir klar.

    • @Pascal Hügli

      Die Vollgeld-Initiative will, dass Geld an die Bürgerinnen und Bürger verschenkt wird. Also interpretierten Sie Geld als Aktivum der SNB. Dann behaupten die Initianten auch, heutige Banknoten seien bereits Vollgeld. Banknoten sind aber ein Passivum der SNB. Sehen Sie die Verwechslung?

      Das ist zurzeit der wichtigste Punkt.

      Dass es keinen Geldmultiplikator geben kann, habe ich im Beitrag „Die SNB und das Märchen von der Geldschöpfung“ auf IP 2013 September, mit den Nachträgen I – X, ausführlich mit Buchungssätzen bewiesen.

      Die Bank of England und die deutsche Bundesbank haben das nun übernommen. Die haben uns nicht absichtlich jahrzehntelang falsche Theorien geliefert, sondern die verstehen nicht, wie Geldschöpfung funktioniert. Das erkennt man u.a. auch daran, dass ihre Schlussfolgerungen auch heute noch falsch sind (eine Zentralbank könne nicht Konkurs gehen usw.)

      freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  7. Danke für diesen Beitrag. Zwar etwas langatmig, aber in der Sache vollkommen schlüssig. Die Hoffnung, dass sich diese Erkenntnisse auch in der breiten Masse durchsetzt, stirbt bekanntlich zuletzt.

    • Lieber Supermario

      Besten Dank für Ihren Kommentar. Der Text ist in der Tat etwas länger. Nur glaube ich halt, dass ein solches Thema in der Abhandlung die nötige Länge benötigt. Auch in bin nach wie vor dabei mich zu verbessern im Schreiben, aber auch im Denken. Gerne komme ich immer weitere, lerne Neues, damit ich Altes revidieren kann. Ein endloser Weg auf der Suche nach Erkenntnis.

      Freundlichst,
      Pascal Hügli

  8. Herr Hügli, vielleicht hilft Ihnen dies weiter –> s. Link 1 unten:
    Zu Beginn etwas Theorie und lauter „Referenzierungen“ für den typischen, post modernen akademischen Ökonomen-/Volkswirtschaftstheoretiker. Bei Punkt 3. in der Studie (ab Seite 21), ein Praxisbeispiel aus der Bankenpraxis zum nachvollziehen…! So was kann ich Ihnen bestens empfehlen gleich zu tun, bei Ihren weiteren, zukünftigen Recherchen zum genannten Thema!
    Z.B.: Welche Buchungssätze kennen die Schweizer Geschäftsbanken (…NB?) und nach welcher (…seit über 150 Jahren immer wieder durchgedroschenen) „Geldschöpfungstheorie“ wird in der Praxis bei den Banken wirklich gearbeitet „geschöpft“ und, wer trägt schlussendlich die Konsequenzen, wenn man sich monetär „verschöpft“ hat? Wie „hell erleuchtet“ ist zu diesem Thema unsere „Elite“ (Politiker) und was sagen hier die auf dem Imperialismus basierenden Rechtswissenschaftler dazu? Und vielleicht später einmal; „Geld regiert die Welt – aber, wer regiert das Geld“….!? Hätten sich diese Fragen u.a. Marx, Engels, Keynes, Schumperter, Smith etc. etc. grundsätzlich wirklich einmal gestellt…., wer weiss, vielleicht hätte man deren Werke auf 50 bis 100 Seiten reduzieren können…!? Nur, diese wurden ja bekanntlich immer wieder gut bezahlt für Ihre Werke oder erhielten eine hoch angesehene Reputation in Ämtern, Hochschulen und bei einschlägigen Medienschaffenden, wenn nicht noch gerade den Nobelpreis….

    1)
    https://geldraub.files.wordpress.com/2016/05/richard-werner-studie-koennen_einzelne_banken_geld_aus_dem_nichts_schoepfen.pdf

    Hier noch was gegen „Verschwörungskrämpfe“ im Allgemeinen:

    2)
    http://wissensfieber.de/die-3-theorien-der-kreditschoepfung/

  9. Pascal Hügli hat vollständig recht. Man kann es noch überspitzter sagen: Das Problem im heutigen Geldsystem ist nicht die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken, sondern die explosionsartige Geldvermehrung durch die Zentralbanken. Und ausgerechnet diesen Zentralbanken wollen die Vollgeldler die ganze Verantwortung für das Geldwesen übertragen. Im neuen Testament nannte das Matthäus „den Teufel durch Beelzebub austreiben.
    Das zeigen die Zahlen für die Schweiz seit Ausbruch der Finanzkrise. Ende 2007 betrug das Total Notenbankgeld 52,9 Mrd. Franken. Bei den Geschäftsbanken entstand dadurch „privates Geld“ von 232 Mrd. Franken. Der Multiplikator betrug 4,4. Ende 2016 betrug das Total des Notenbankgeldes 546.3 Mrd. Franken. Aus diesem entstanden nur 512 Mrd. Franken „privates Geld“, also sogar weniger als das Notenbankgeld. Der Multiplikator steht heute unter dem Wert 1.

    • Sehr geehrter Herr Geiger

      Nun ich würde hier entgegenhalten, dass das Problem auf beiden Seiten liegt und zwar daraus entstanden ist, dass wir heute eine Symbiose von Staat, Notenbanken und Geschäftsbanken haben, die so historisch gewachsen ist, ideengeschichtlich aber wenig mit dem Kapitalismus zu tun hat.

      Falls es Sie interessiert, habe ich hierzu noch weitere Analysen verfasst:

      Historisches Gedeihen unseres heutigen Geldsystems:

      http://embracingparadoxes.wixsite.com/pascalhuegli/single-post/2017/06/29/Worin-die-moderne-Geldsch%C3%B6pfungskritik-irrt—Teil-2

      Verblüffende ideengeschichtliche Entwicklung, die zeigt, dass unser heutiges Geldsystem seinen Wurzeln entsprechend eigentlich eine sozialistische Idee gewesen ist:

      http://embracingparadoxes.wixsite.com/pascalhuegli/single-post/2017/07/26/Worin-die-popul%C3%A4re-Geldsch%C3%B6pfungskritik-irrt-%E2%80%93-Teil-3

    • Fakt ist, dass die Geldmenge M3, einem kontinuierlichen Pfad folgt, und die Verhältnisse im Inside Money (M1, M2, M3) auch keine Sprungstellen aufweisen, d.h. das zirkulierende Geld keine instabilen Entwicklungen verfolgt. Dies ist eigentlich was Monetaristen als eine nachhaltige Geldpolitik ansehen, mit guten Gründen, denn ein starker Anstieg dieser Grössen sind ursächlich für Inflation. D.h. Preisstabilität ist gewährleistet, das Ziel der SNB wird damit erfüllt. Fakt ist auch, dass die Notenbankgeldmengen-Entwicklung einen Strukturbruch erfahren hat, (1) durch das Versagen des Interbanken-Marktes während der Finanzkrise 2008, und (2) durch die Interventionen der SNB zur Stabilisierung des CHF. Betrachtet man jetzt die Zielkonflikte der SNB, hätte eine Nichtintervention der SNB zu einem Kurseinbruch des CHF geführt, der sich (a) negativ auf die realwirtschaftliche Entwicklung der CH, (b) und möglicherweise zu einer Deflation geführt hätte. Die SNB hat beides verhindert.
      Die SNB hat im diesen Sinne eigentlich Inside Money, welches durch hinterlegte Wertschriften bei Geschäftsbanken durch Outside Money, Geld der SNB bzw. ihrem Wertschriftenportfeuille ersetzt.

  10. Grüezi Herr Hügli
    Was genau möchten Sie uns mit Ihrem Beitrag mitteilen? Dass das Geldsystem so bleiben soll wie es ist?

    Sie wenden die typische systemmediale Taktik an, wie man es seit Jahrhunderten kennt: teile und herrsche! Indem man Keile zwischen die Menschen treibt, die eine Systemveränderung wollen. Es ist unwesentlich, ob der grössere Anteil von Systemkorruption bei den Geschäftsbanken oder den Notenbanken liegt. Ihr Beitrag eignet sich wunderbar um den Schwarzen Peter zw. den Geschäfts- und den Notenbanken hin und her zu schieben, was uns in der Lösung der Problematik keinen Deut weiterbringt!

    Das System als solches ist jedoch krank, und alle mitbeteiligten haben ihren Anteil daran: Notenbanken, Geschäftsbanken, Wirtschaft, Politik, Gesetzgebung. Auch wir „Normalos“ sind genauso mitschuldig, weil wir es einfach zulassen und mit uns machen lassen! Wir bereiten unseren eigenen Schafott vor.

    Die Giralgeldschöpfung aus dem Nichts kann nun mal besser über Kreditvergabe durch Geschäftsbanken bewerkstelligt werden, als durch die Notenbank. Die eigentliche Krux dabei ist – abgesehen davon dass Geldschöpfung aus dem Nichts sowieso krank und alles andere als nachhaltig ist – dass die zu entrichtenden Schuldzinsen und -Zinseszinsen – resultierend aus der Kreditvergabe – nicht ebenfalls aus dem Nichts geschöpft werden, wie der Kredit selbst. Genau dieses Geld fehlt schlussendlich im Umlauf und jeder Wirtschaftsteilnehmer muss ständig achtsam sein, dass sich das fehlende Geld nicht bei ihm niederlässt. Dieser Mechanismus führt automatisch zu unnötiger Konkurrenz, Ellenbogen-Mentalität, Geldknappheit, …Krieg, sodass die Schwächsten im System auf der Strecke bleiben müssen, da es gar nicht anders geht…

    • „Die eigentliche Krux dabei ist – abgesehen davon dass Geldschöpfung aus dem Nichts sowieso krank und alles andere als nachhaltig ist“.
      Sie haben dabei schlicht und einfach vergessen, dass JEGLICHE Gelschöpfung (ob nun von einer Zentralbank oder Geschäftsbank) „aus dem Nichts“ entsteht! Nur müssen die GB ihre Geldschöpfung zumindest mit MIndestreserven unterlegen, wie das von Herrn Hügli vollkommen richtig ausgeführt wird. Auch mit Ihren Erklärungsversuchen wird die Vollgeldidee (Geld soll dann ja sogar „schuldlos“ kreiert werden) keineswegs besser!

    • Erst mal, danke Visionär für die klaren Worte. Manchmal muss man aber die Sachen aufs Extremste runterbrechen, damit keine Ausweichmanöver bei den Antworten gefahren werden. Leider kommt dann aber meistens gar nichts mehr zurück. Egal, wir versuchen es trotzdem.
      Wie soll der Benutzer einer Ware dem einzigen Erzeuger derselben Ware, mehr Waren zurückgeben können, als der Erzeuger dem Benutzer ausgeliehen hat?

    • @ Buddy
      Vielleicht indem der Benutzer die Ware selber erzeugt? Zum Glück haben wir ja nicht nur einen Erzeuger wie sie das fälschlicherweise behaupten. Der Geldschöpfungsmechanismus scheint da wirklich einigen Leuten Mühen zu bereiten.

    • Hahahah

      Was für ein Schmarren. Ok, ich hatte aber auch nichts anderes erwartet.
      Danke für die Bestätigung.

    • @Buddy
      Ihr Zitat: „Wie soll der Benutzer einer Ware dem einzigen Erzeuger derselben Ware, mehr Waren zurückgeben können, als der Erzeuger dem Benutzer ausgeliehen hat?“

      Ganz genau, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen!
      Die einzige Möglichkeit wie das geht, und wie es auch tagtäglich stattfindet, ist die, dass man die „Ware Geld“ einem anderen Wirtschaftsteilnehmer „wegnehmen“ muss, um es dem Kreditgeber zur Begleichung der Zinsschuld bezahlen zu können. Genau deshalb fehlt das entsprechende Geld im Umlauf. Wer es nicht schafft, den Betrag für die Zinsschuld einem anderen Wirtschaftsteilnehmer abzuknüpfen, geht selbst Konkurs. Da lacht die Bank, und die übrigen Wirtschaftsteilnehmer sind froh, dass es einen anderen erwischt hat!

      Daraus resultiert wiederum, dass unsere Wirtschaft ein „immerwährendes Wachstum“ erzeugen muss, damit dieses illegale Schneeballsystem nicht auffällt und zusammenbricht. Dies ist DER Grund, weshalb in Wirtschaftskreisen IMMER Wachstum angestrebt werden muss!

    • @Buddy
      Selber Schmarren. Geld ist keine „Ware“, sondern ein Produktionsfaktor! KV erstes Lehrjahr, nur so nebenbei.

    • Lieber Visionär

      Was ich mit dem Beitrag erreichen will. In erster Linie geht es mir darum, die Welt in ihrer Komplexität ein wenig besser zu verstehen. Natürlich ist unser heutiges „Geldsystem“, wenn man überhaupt von einem System sprechen kann, hoch komplex und daher kaum in seiner Gänze zu erfassen. So weit ich mit meinem begrenzten Wissen sagen kann, krankt unser heutiges „Geldsystem“ wirklich. Ob wir allerdings als Menschheit in der Lage sind, die Dinge zum Besseren zu wenden, indem wir ein „altes System“ durch ein neuorganisiertes System ersetzen, bin ich sehr skeptisch.
      In diesem Sinne geht es mir überhaupt nicht darum, den Schwarzen Peter irgendjemandem zuschieben zu wollen. Von dem, was ich bis jetzt von den sogenannten Vollgeldern gehört habe, war ich bislang eher enttäuscht. Es wird davon geredet, dass man das Geldsystem effektiv reformieren müsse. Die Reform ist dann aber häufig noch viel mehr System und Planung, was ich für den völlig falschen Weg halte.

    • Was mir persönlich schon längstens bekannt ist; Banken können nicht UNBEGRENZT Geld schöpfen (Mindestliquiditäts- oder -reservenhaltung) und es sind schlussendlich hauptsächlich die Notenbanken, welche die GESAMTE Geldmenge zu verantworten haben.
      Was mich eher interessieren würde, wäre die Frage, welche Konsequenzen es hätte, wenn beispielsweise die SNB die Mindestreservehaltungsquoten raufsetzen würde. Damit würde sie meiner bescheidenen Meinung nach bereits heute ähnlich steuern (können), wie das die Vollgeldler (ich gehöre immer noch nicht dazu) ja so liebend gern staatlich wollen.

    • Mir geht es in erster Linie darum, unsere komplexe Welt und unser komplexes „Geldsystem“ besser zu verstehen. In diesem Artikel habe ich meine Gedanken niederzuschreiben versucht, die mir vor allem im Zusammenhang mit Gesprächen mit Vollgeldler gekommen sind. Häufig hatte ich da denn Eindruck, bloss die Geschäftsbanken zu rügen. Warum ich glaube, dass gerade Vertreter des „positive“ oder „sovereign“ Money die Thematik zu wenig gut verstanden haben, zeigt sich für mich in der Schlussfolgerung, dass diese Gruppierungen, unser verfehltes Geldsystem noch „besser planen und organisieren wollen“, was ich für den falschen Weg halte.

  11. Die Idee des Vollgeldes würde erst seit der letzten Wirtschaftskrise populär, als die Zentralbanken der westlichen Welt den Zins als Preis für Geld und Maßstab für Risiko ausgeschaltet haben, um eine unbegrenzte Staatsfinanzierung durch die Notenbank betreiben zu können.

    Konnte man die Null- und Niedrigzinspolitik vielleicht bis zum Jahr 2012 noch als Auswirkung der Finanz- und Wirtschaftskrise vier Jahre zuvor begründen, ist es seit 5 Jahren so, daß der Westen monetär den Weg Japans eingeschlagen hat, um die die sonst untragbaren sozialen Lasten jetzt und in Zukunft weiter finanzierbar zu halten.

    Dabei sind die Geschäftsbanken heute nichts weiter als Gefangene dieses Systems mit gesetztlichen Beschränkungen hinsichtlich Geschäftstätigkeit und Bilanzsumme, Eigenkapitalvorschriften und umfassender Kontrolle.

    Eine Umkehr ist faktisch unmöglich, da den westlichen Volkswirtschaften die (Wirtschafts-)Kraft fehlt, alle Arten von Vermögenspreisverlusten zu verkraften, die eine höheres Zinsniveau zwangsläufig mit sich bringt (zudem waren die zinssenkungsbedingten Gewinne auf Vermögensgüter Teil des aktuellen, überlangen Aufschwungs).

    Insofern ist verständlich, daß mancher, der sich dieser Zusammenhänge bewußt ist, nicht mehr Teil des kranken Staats- und Geldwesens sein will.

  12. Scheint mir etwas abwegig, sich auf Heinrich Rittershausen zu beziehen. Schliesslich kannte dieser die Möglichkeiten des digitalen Giralgeldes (zwangsläufig) noch nicht.

    • Genau, wer ist die Gegenseite bei Bitcoin-Positionen in Bankbilanzen. Wo wäre die arbitrierend Gerichtsstelle bei Problemen?
      Was zu nicht in der Bilanz geführten Offshore-Derivativrisiken?
      Nationale Geldpolitik ist da überfordert. Vielleicht kann die BIS weiterhelfen.