Die Tücken des Kinder-Bankings

Ihr Kind erhält Taschengeld? Es hat ein Sparschwein? Es soll lernen, richtig mit Geld umzugehen? Dann gehören Sie – wie in der ganzen Presse seit einigen Tagen zu lesen ist – zu den 90% der Eltern in der Schweiz, für die „Erziehung in Sachen Geld, Werbung, Konsum“ ein wichtiges Erziehungsziel ist.

Aber wissen wir Eltern auch, wie wir unseren Sprösslingen diese Fähigkeiten in kindgerecht aufbereiteten Häppchen vermitteln können?

Wissen Sie etwa, ab welchem Alter Kinder verstehen, was „Sparen“ bedeutet und was damit alles einher geht? Was sind die wichtigsten Basisfähigkeiten, die es dafür braucht und wie vermittelt man sie den Kindern? Haben Sie sich Gedanken zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den „Erziehungsalltag rund ums Geld“ gemacht?

Geldscheine und Münzen sind eigentlich nur die Pommes, die das – viel wichtigere – Ketchup transportieren: das notwendige Basiswissen rund um Geld, Wünsche, Konsum und Werte.

Vor gut 16 Jahren fing ich an, mich mit diesem Thema zu befassen. Mehrere junge Erwachsene hatten mich kontaktiert: Sie hatten in kürzester Zeit 5’000 bis 15’000 Franken Schulden angehäuft; alle hatten eine gute Ausbildung und einen guten Job; sie hatten keine anderen nennenswerten Probleme; alle kamen aus „normalen“ Familien; alle hatten in der Kindheit Taschengeld und eine Spardose erhalten.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Ihre Eltern hatten es verpasst, ihnen wichtige Grundlagen rund um einen bewussten Umgang mit Geld beizubringen.

Mit Taschengeld und einem Sparsäuli lernen Kinder – vereinfacht ausgedrückt – nur, wie sie am Kiosk ein Schoggistängeli kaufen können und dass man Geld an einem „speziellen Ort“ aufbewahrt, bevor man es ausgibt.

Taschengeld und eine Spardose sind ein sehr guter Start. Gleichzeitig und lange bevor sie mit elektronischen Bezahlarten, Debit oder gar Kreditkarten in Berührung kommen, sollten Eltern aber anfangen, ihren Kindern auch weitere Dinge zu vermitteln.

Zum Beispiel: Sparziele zu setzen, über seine Wünsche nachzudenken, sein (Taschen-)Geld einzuteilen, sich für etwas zu entscheiden, zu warten und zu verzichten, Prioritäten zu setzen, zu teilen und Rücklagen zu bilden. All das sind einige der zentralen Fähigkeiten rund um einen gesunden Umgang mit Geld.

Wie Kinder all das lernen können? Sie verstehen diese Dinge, wenn sie ihnen kindgerecht und mit hohem Realitätsbezug vermittelt werden.

Etwa: Sie besprechen beim Abendessen mit Ihrem Partner, wie Sie die nächsten Monate für den neuen TV, das neue Auto, das neue Sofa oder auf die Ferien sparen. Im Gespräch diskutieren Sie, dass Sie dafür regelmässig Geld zur Seite legen und solange auf neue Kleider, das neue Tablet und Restaurantbesuche verzichten.

Wenn Sie dann noch erwähnen, dass Sie für verschiedene Anschaffungen (Wünsche) verschiedene Spartöpfe haben und Ihr Kind eine Spardose mit mehreren Abteilen oder verschiedene Spargefässe besitzt, kann es dieses Verhalten imitieren.

Es lernt, sein Geld einzuteilen, versteht eher, dass es warten und auf einige Dinge verzichten muss, bis es sich das heissersehnte lila Einhorn kaufen kann – denn Mama und Papa machen das auch so.

Für Kinder sind Eltern allwissende Superhelden, deren Verhalten sie kopieren, wo es nur geht. Hätten die Eltern der zu Beginn das Artikels erwähnten jungen Erwachsenen regelmässig solch reale „Geld-Fälle“ aus dem Familienalltag in Anwesenheit der Kinder besprochen, wären diese besser auf das Erwachsenenleben vorbereitet gewesen.

Für Kinder, die solche Elterngespräche mitbekommen, ist es später als Erwachsene normal, dass man sich Sparziele setzt, seine Ausgaben plant, darauf spart, sein Geld einteilt und bis dahin auf andere Dinge verzichtet. Diese Kinder sind auch eher gewappnet, um Werbung oder den Verheissungen von Kleinkreditangeboten zu widerstehen.

Für all das haben Eltern viele Jahre Zeit – bevor die herzigen Kleinen zu Jugendlichen mutieren, die naturgemäss alles in Frage stellen, was Papa und Mama sagen.

Doch passiert das in Familien in der Schweiz? Wird über Lebenskosten inklusive dem Drumherum gesprochen? Oder sogar auf einem Blatt Papier ausgerechnet, wie lange es dauert, bis für die Ferien genug Geld gespart ist?

Erleben die Kinder im Familienalltag, dass die Eltern für verschiedene Dinge sparen, ihr Geld einteilen, Prioritäten setzen und auf einige ihrer Wünsche verzichten? Das muss jeder selbst beantworten.

Und auch dies: Wollen Eltern noch mehr digitale Dinge im Leben der Kinder sehen? „Digitales Lernen“ auch beim Geld?

Ich weiss es nicht. Smartphone, Tablet, das Sammeln von Daten und Games sind jetzt schon Grund für Reibereien in fast jeder Familie.

Was ich sicher weiss, ist, dass Kinder besser und nachhaltiger lernen, wenn möglichst viele ihrer Sinne dabei angesprochen werden. Das stärkt die Synapsenbildung und sorgt für nachhaltigeres Lernen.

Eine Einführung in die Welt der elektronischen Bezahlarten kann und sollte später immer noch folgen – aber zu Beginn sind andere Dinge wichtiger.

Ein Sparkässeli sollte durchsichtig sein. Die Kinder müssen sehen, was im Inneren passiert, dass Geld wachsen kann, dass es dauert, bis man einen gewissen Betrag angespart hat und dass Geld – einmal ausgegeben – weg ist.

Gerade jetzt, wo immer mehr Angebote für elektronisches Bezahlen vorangetrieben werden, Eltern beim Einkauf mit Karte bezahlen und Kinder nicht mehr sehen, wie das Geld die Hand von Papa und Mama verlässt, ist das wichtig. Wie sollen Kinder, die ja noch nicht abstrakt denken können, sonst „die endliche Natur“ von Geld verstehen?

Lernen, Geld einzuteilen. Wie oben erwähnt, ist es auch empfehlenswert, wenn Kinder mehr als ein Sparbehältnis haben (eine gute Bastelidee für einen verregneten Sonntag?), oder Sie schenken ihnen eines mit mehreren Fächern. Wie wäre es mit einer Unterteilung in kleine, mittlere und grosse Wünsche?

Für jedes Fach können Ziele gesetzt werden. So lernen Kinder, über ihre Wünsche und die Kosten nachzudenken und sind gezwungen, immer erst innezuhalten und zu überlegen, bevor sie ihr Geld einsetzen. Eltern, denen soziales Engagement wichtig ist, können eine vierte Kategorie einführen „Gute Tat“ oder „Teilen und Helfen“, in der statt Geld auch Zeit eingesetzt werden kann – denn nicht alles im Leben dreht sich ums Geld.

Und wenn die jungen Sparfüchse dann noch Bilder ihrer kleinen Wünsche und grossen Träume malen oder ausschneiden und in ihre Sparbehältnisse stecken oder im Zimmer aufhängen, macht Sparen plötzlich Spass, wird noch greifbarer, und es wird den Kindern leichter fallen, zu warten und bis ans Ziel auf andere Dinge zu verzichten.

Weitere Informationen auf www.kinder-cash.com.

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5 Kommentare zu “Die Tücken des Kinder-Bankings

  1. Grüezi@Herr Daniel Wehrli,

    Sie schreiben Zitat:
    „Wissen Sie etwa, ab welchem Alter Kinder verstehen, was „Sparen“ bedeutet und was damit alles einher geht?“
    Zitat Ende.

    Ihren Beitrag in Ehren. Haben unsere Kinder und Enkelkinder überhaupt die Wahl sich dem System zu entziehen? Verstehen die Eltern das System? In den letzten Jahrzehnten haben sich Banken/Finanzbranche zunehmend eigene Bereiche geschaffen, in denen keinerlei Werte entstehen. Es wird eine Produktivität nur vorgetäuscht und das ist sehr teuer! Die Bank als (Buchmacher) der Buchmacher gewinnt immer! Das hat Auswirkungen auf die Struktur unserer gesamten Gesellschaft.

    Denn es werden meist Nullsummenspiele durchgeführt, bei denen der Gewinn des einen der Verlust des anderen sein muss. Nur die Bank gewinnt immer, weil die im realen Wert kaum erfassbaren Papiere Provisionen erbringen, die sich zu enormen Beträgen aufaddieren können. Auf diese Weise werden die Endkunden, die normalen Sparer, die eine Geldanlage suchen, (nicht vorsätzlich) getäuscht, denn der Fehler liegt im System. Sie wissen bei den entsprechenden Produkten nicht, dass der ganze Wert ihrer Einlage nur aus der Hoffnung besteht, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein anderer Kunde noch mehr Geld für die im realen Wert undurchschaubare Anlage bezahlt. Würde man ihnen diese Wahrheit sagen, dann würde niemand kaufen.

    Schauen Sie sich die 2. und 3. Säule an und Vergleichen Sie das Preis/Leistungsverhältnis. Es wird vom Medien-Komplex und derzeitigen politischen Mehrheiten suggeriert, dass „Eigenverantwortung gepaart mit Sparsamkeit“ sich am Ende lohnt. Jeder sehnt sich nach Sicherheit. Es ist menschlich. Und genau damit werden Ängste geschürt und Familien manipuliert.

    Die letzten 10 Jahren zeigen, neben vielem anderen auf, welche Rolle unsere Politiker bei diesem Spiel, zu Lasten der von ihnen gewählten Bevölkerung spielen. Es zeigt klar auf, was unter Schuldgeldsystem-Neoliberalismus wirklich zu verstehen ist. Auch steuerlich wird das Schulden „Machen“ gefördert und privilegiert behandelt. Ja, unsere Kinder und Enkelkinder zu warnen und aufzuklären über dieses verfehlte System ist unsere aller Pflicht. Vielmehr müssen wir aber sicherstellen, dass die jüngeren Generationen dieses System autark kritisch hinterfragen. Dieser Prozess ist langsam im Gange, dadurch sind die Tage dieser Fehlkonstruktion gezählt – und wir alle können uns wichtigeren Dingen widmen wie: Kinder,- und Altersarmut, Umweltzerstörung, Erneuerbare Energie, Reale Innovationen, Demenz usw.

    Sie grüssend

  2. Den kräftigen Reibach macht man mit den Dummen. Insofern haben der Staat und die Wirtschaft kein Interesse an in Geldfragen aufgeklärten Bürgern.

  3. Einfach, ehrlich und klar geschrieben. Das verstehen auch Kinder. Nur für Eltern, die nicht verschuldet sind.
    Transformator: Kreativ und mutig….erinnert mich an 2008. Und gierig. Und Ethik halten ja die Grossbanken hoch….Neinnein, Kinder funktionieren anders.

  4. Sehr verstaubt.

    Was man den Kindern heute nicht beibringt: Digitalisierung ändert alles. Blockchain wird (noch) die Welt verändern. Ihr Kind wird mit 10 Jahren spätestens ein ICO lancieren, um sein Konsumwunsch zu finanzieren, denn ein Dummer findet sich immer.

    Bringen Sie dem Kind bei, kreativ und mutig zu sein, mit einem hohen ethischen Standard im Hinterkopf.

  5. *no comments ?*
    naja – offenbar nichts für Banker die nur daytrade – anlegen – und
    neue Spesenbelastungen kennen.
    Ich bin nicht von der Branche, nur ein einfacher Schweizer und fühle mich als ob ich einer andern Generation angehörte, wenn ich täglich IP
    konsumiere, das da nur so strotzt von Wort- und Satzfehlern, so dass 95% der Kommentatoren schon bei einer einfachen KV-Prüfung durch-fallen würden – macht schon nachdenklich; apropos mein Kommentar:
    nachdenken
    denkbar
    bar-sparen
    sparpflicht
    pflichtlesen
    lesenswert
    wertvoll
    vollkommen
    kommentarwürdig !