Vontobels Werbung mit Monster-Affe bewegt

Auftritt und Anspruch: Schimpanse mit fletschenden Zähnen und nette Familienbank aus Zwingli-Stadt liegen Galaxien auseinander.

Zeno Staub und Herbert Scheidt sind zwei graumelierte Zürcher Private Banker, die für Zuverlässigkeit, Seriosität und Langfristigkeit stehen.

Nun haben die beiden Kapitäne der Bank Vontobel eine Werbekampagne losgetreten, die so ziemlich das Gegenteil all dessen ausstrahlt.

Unter dem neuen Logo der Vontobel-Bank fletscht ein Schimpanse seine Zähne, von der Homepage des Wall Street Journals über die NZZ bis hin zur Leuchtreklame am Flughafen Zürich.

„Defend your idea“, verteidige Deine Idee. Und: „Own your success“, der Erfolg gehört dann ganz allein Dir.

So der Slogan. Mit dem Schimpansen.

Der ist nicht einfach lieblich und nett, wie er durchaus sein könnte. In Kinderbüchern gehört die Affenart zur guten Spezie, die niemandem Angst einjagt.

Nein, die Vontobel-Architekten wollten einen grimmigen, einen gefährlichen, einen aggressiven Affen als Sinnbild für ihre neue Positionierung. Wir greifen an, wir beissen zu.

Der Vontobel-Schimpanse als King Kong der heutigen Bankenwelt. Ein Affe, der die Welt in Angst und Panik versetzt.

Was überlegten sich die adretten Vontobel-Herren Scheidt und Staub? Was ist in sie gefahren, mit einem Monster-Affen ihre Bank zu bewerben?

Vontobel-Pressechef Peter Dietlmaier verteidigt die Idee. Nicht zuletzt, weil das Bild Emotionen auslöse.

„In der Tat haben wir Feedback zum Sujet mit dem Schimpansen erhalten, das aber ganz überwiegend positiv ausfiel“, beginnt Dietlmaier seine ausführliche Stellungnahme von gestern Abend.

Es habe allein im Vontobel-Intranet „26 positive Rückmeldungen“ gegeben, während „nur zwei Kollegen das Sujet eher kritisch“ beurteilt hätten.

„Das Feedback von den Kunden aus dem In-und Ausland aus allen Geschäftsbereichen, Wealth Management, Asset Management und Financial Products, ist auch sehr positiv und bestätigend“, meint der Vontobel-Mann.

Alles sei wohl überlegt und kalkuliert.

„Vontobel hat zusammen mit der Agentur mit Blick auf die Bildsprache einen anderen als den ganz traditionellen Weg eingeschlagen. Auch mit der Kampagne wird unterstrichen, dass Vontobel seinen eigenen Weg geht.

“So steht das Sujet für das bekannte Vontobel „quand même“ sowie die Kompetenz „Spezialist“ und zollt jenen Tribut, die eine klare Haltung vertreten, für ihre Überzeugungen einstehen und Schwierigkeiten ausräumen, um das Beste für Kunden zu erreichen.“

Zum Schluss wird Dietlmaier wissenschaftlich. „Im Übrigen zeigt die Forschung, dass Affen mit ihrer Intelligenz zu den Tieren gehören, die zuerst im Sinne einer Problemlösung überlegen und dann auf verschiedene Art und Weise versuchen, ihr Ziel zu erreichen.“

Der Affe als Leitbild für eine Bank, die als oberstes Ziel den Vermögenserhalt für ihre reiche Kundschaft hat und die dieses Versprechen mit Hilfe ihrer überdurchschnittlichen Stärke im Anlage- und Börsengeschäft einlösen will.

Ausgerechnet. Es gibt unter Börsianern das Bild mit dem Affen, der Pfeile auf eine Wand mit Aktientiteln schiesst. Die Idee dahinter: Jeder Affe schlägt beim Stockpicking die Profis.

Der Affe steht somit in der Börsenwelt nicht für besondere Cleverness und Intelligenz, sondern er entlarvt die Aktien-Analysen der teuren Bankhäuser als nutzloses Marketing-Geschwätz.

Für die Vontobel-Spitze kein Grund, auf den Affen für ihr neues Image zu verzichten. Ebensowenig wie auf die Schönheits-Chirurgin auf der neuen Vontobel-Onlineseite.

Da ist für Banker Erhellendes zu lesen. Auf die Frage des Vontobel-Journalisten „Kommen auch Männer zu Ihnen?“ sagt die Schönheitsfrau:

„Gott sei Dank! (lacht) Aber noch viel zu wenige. Nur 10% meiner Patienten sind Männer. Die Tendenz ist jedoch steigend. Ich finde, Männer dürfen sich auch etwas anstrengen in Bezug auf ihr Aussehen. Es reicht nicht, ein grosses Portemonnaie zu haben und erfolgreich zu sein.“

Monster-Affe und Beauty-Queen: Willkommen bei Ihrer neuen Züri-Familienbank.

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35 Kommentare zu “Vontobels Werbung mit Monster-Affe bewegt

  1. Katastrophale schlechte lächerlich Marketing Image! Wer sind die Affen? Die Kunden? Die Angestellte?
    Das Motto dieser Werbung Kampagne: je schlechter desto teurer!
    Schade für die traditionsreiche Unternehmung.

  2. Schade, dass man sich so übern Tisch ziehn lässt, mit Pink als Coral, Schwarz als Karbon, oder noch langweiliger Graphit, und obendrein noch furchterregende Primaten.
    Scheint ein Ebenbild jener Affen zu sein, die sich dort zu oberst im Käfig den Bullshit als trendy verkaufen lassen. Das neue Label kostete 8stellig und wohl drei Rappen Dividende.
    Zum Wohl, Dir Aktionär, der Kurs kann ja nun ewig gen Norden gehn 😉

  3. Ich weiss, warum man bei Vontobel einen zähnefletschenden Affen als Sujet gewählt hat.

    Weil man mit Affenzahn gegen die Wand fährt.

  4. 26 positive zu 2 negativen internen Rückmeldungen!? Chapeau. Welch ein Erfolg. Bei ungefähr 1400 Mitarbeitern.

    Übrigens, lieber Herr Dietlmaier. Chimpansen sind zwar keine dummen Tiere. Korrekt. Aber ist Ihnen auch bekannt, dass sie sich gegenseitig entlausen und ihre eigenen Ausscheidungen fressen?

  5. Sorry, liebe Vontobel, aber so ein Auftritt ist einfach nur peinlich. Taten sprechen mehr als Worte (und eine agressive Bildsprache). Wer Performance und Mehrwert liefert, muss nicht mit derart reisserischer Werbung à la Medienmarkt auf sich aufmerksam machen – zumal das anvisierte neue Image in keinster Weise mit der Realität korrespondiert.

  6. Also ich möchte keine Testosteron-gesteuerten, zähnefletschenden Bankaffen zum Berater für mein Vermögen. Dafür habe ich zu hart gearbeitet. Da ist mir ein Risiko-affiner, unaufgeregter, dafür kompetenter Partner für Vermögensfragen lieber.

  7. Ich freue mich auf die Schlagzeile, dass VT crasht. Das wären mal gute News hier. Arrgante Typen bei VT. Von zuoberst bis hin zu den Mobbern in den Backoffices.

    • Kann ich grösstenteils bestätigen. Da der Konkurrenzkampf von oben gefördert wird statt auf Kommunikation und Zusammenarbeit zu setzen, sterben die ’normalen‘ Mitarbeiter im Backoffice aus und übrig bleiben, faule, selbstgefällige Typen die lieber ins Fitnessstudio gehen oder Zeitung lesen statt sich um die Arbeit zu kümmern oder Anfragen zu beantworten.

  8. Affentheater, echt …
    Sanierungsvorschlag:
    – zurück zum blauen vontobel-Quadrat, auch nichtssagend aber
    immerhin sympathisch und bekannt
    – die beiden „top-Shots“ sollen Abscheidt nehmen und sich aus dem
    Staub machen… und ihren Werber gleich mitschleifen !

  9. Da man bei Vontobel Kritiker gern vor die Tür setzt, weil Ja-Sager viel bequemer sind, wundert es mich nicht, dass nur wenige gegen das Bild Stellung bezogen haben.

    Was die Schönheit betrifft, gibt es genug Herren, die zu viel Wert auf ihr braungebranntes Äusseres legen und zu wenig auf guten Kundenservice.

  10. Traditionelle Privatbank will ihr Image ein wenig auffrischen, auffällige Werbung, modernes Brand Design, aggressive Bilder, raus aus dem langweiligen Privatbank-Image. Man will die Marke Vontobel verändern. Das sind absolute Basics aus der Marketing-Lehre..

    Ist das schon zu viel für den Schweizer? Warum?

    Man will auffallen und Aufsehen erregen. Wie der Artikel zeigt… es funktioniert !

    • Die Korrelation zwischen dem Erfolg einer Werbekampagne und der daraus resultierenden Berichterstattung auf IP scheint mir doch etwas verwegen.

  11. Wenn jemand zu uns kommt und uns erzählt,
    auf dem Mond wachsen Erdbeeren,
    beginnen wir sofort, ihn davon zu überzeugen,
    daß dies doch nicht möglich sei, anstatt uns zu fragen,
    warum ihm solch Absonderliches einfiele,
    unsere Aufmerksamkeit zu erlangen.

    Sigmund Freud
    * 6. Mai 1856 † 23. September 1939

  12. Lange nichts tun…und dann gleich so kräftig. Ueberkompensation at its finest.

    Das Sujet, gar nicht so schlecht. Die Musenalp-Sprüche dahinter eher peinlich, nichtssagend, generisch. Wo um alles in der Welt ist der USP unserer Banken & Versicherungen geblieben?

    Heisse Luft, durchschaubar und ohne Brennwert…die Kunden wollen mehr! Mutige Unternehmensführer mit Weitblick sind gefragt-sind diese die stilleren Schaffer, welche dann auch nicht den Affen bemühen müssen?

  13. Mir gefällt die Bildsprache, vor allem die Kombination aus „industriell-kühler“ Farbwahl und dem Sujet aus der Natur, dazu die klare weisse Schrift. Finde es erfrischend für und von Vontobel. In einer Welt, wo Standardisierung und Anpassung immer mehr zu substituierbaren Angeboten führt, scheint dieser Weg erfolgsversprechend. Hoffen wir, dass es mehr als nur Marketing-Blabla ist.

  14. „Dä isch vom Aff bisse!“ Was macht Vontobel nur? Retro trip in die späten 60er und aufwärmen von den brutalen Italowestern „ZWEI VOM AFFEN GEBISSEN“ oder eher in die 80er auf die Filmkomödie, „Gib den Affen Zucker“, mit Adriano Celentano und Ornella Muti. Wobei mir die Darsteller im letzteren besser gefallen – der Standard für Vontobel ist gesetzt … es bleibt spannend!

  15. Mit der Schimpansen-Nummer karrikiert sich die Vontobel-Spitze vortrefflich. Auf der einen Seite der CEO aka ‚Lame Duck Staub‘, welcher mit der in besagtem Inserat insinuierten Virilität so gar nicht mitzuhalten vermag, sondern vielmehr als Zauderer am Gängelband von VRP Scheidt hängt. Auf der anderen Seite ziehen die Aktien-Analysten von Vontobel die Häme der Kollegen auf sich – auch weil Schimpansen offenbar tatsächlich eine deutlich bessere Trefferquote beim Stock Picking ausweisen.

  16. 😳Emotionen auslösen? Habe fertig! Systematische Verballhornung des Jahrzehnte langen Aufbau par excellence. Wie blöd muss man wohl sein, um solche Werbung durchzuwinken ? Passt zuR Kinder – Werbung der bunten Smarties. Sind die Werber am Ende angekommen, so wie eine Mehrheit der Banker?😳

  17. Ich finde die Werbung recht gelungen. Anders sein ist gut, anders sein hat Wiedererkennungswert, anders sein, ist die Basis des Erfolgs. Leider ist bei Vontobel bisher vor allem die Werbung anders. Vontobel ist nämlich eher der verschlafene alte Onkel, als die aufstrebende, überholende, dynamische Bank. Me-Too, statt Be-Different. Aber vielleicht bewirkt ja die Kampagne auch nach innen einen Wandel (und vor allem oben bei den Managern, denn jeder Kulturwandel muss da beginnen).

    • Kulturwandel bei bzw. ausgehend von Scheidt und Sleepy Zeno? Träum weiter! – Hauptsache die Frisur sitzt, gell Zeno.

  18. Ob die beiden «Spezialisten» (u.a. für gewinnbringende Münchner Swap-Strategien OHNE reguläre Terminabrechnungen) ebolagefährdet sind?

  19. Lukas Haessig, dieser SOB, weiss nichts gescheiteres, als jeden Tag auf ehrenwerte, erfolgreiche Bankmanager zu schiessen und dies mit der ihm eigenen Hirnlosigkeit. Vontobel wollte mit dem Affen dem Haessig den Spiegel vorhalten und ihm dabei indirekt die “Schoenheitsfrau” fuer seine aeusserliche Behandlung ans Herz legen. – Geistig ist bei Haessig eh nichts mehr zu machen!

    • Sie scheinen aber auch nicht wirklich ein geistiger Überflieger zu sein, mein Lieber. Ihr Votum ist doch eher primitiver Natur.

    • Hoppala, da scheint wohl einer der Beteiligten bei Vontobel etwas eingeschnappt. Für mich ein schönes Beispiel, dass die Banker IP eben doch regelmässig lesen, auch wenn sie sonst das Gegenteil behaupten. Wertvoll ist Ihr Kommentar dennoch nicht. Hässig macht das gut und durch ihn erfährt man weit mehr über die Bankenwelt, als in allen anderen Medien in der Schweiz. Früher war mal die „Finanz&Wirtschaft“ ein Must für die Finanzwelt. Dann kam der Coninx-Sohn, worauf die top Finanzjournalisten sofort geflüchtet sind. Die Zeitung gibts aber noch.

  20. Vontobel – ein Käfig voller aggressiver Affen – so könnte man das auch deuten. Da die Herren Scheidt und Staub wenig von Werbung verstehen war es vermutlich einfach für die Werber, ihnen dieses Sujet aufzuschwatzen. Den Kunden wirds egal sein, da nur die Performance zählt und wenn Affen das hinkriegen – good enough.

  21. Also, mir gefällt’s. Das Sujet strahlt hemmungslosen Realismus aus und positioniert Vontobel somit als „fassbaren“ Player in der Bankenszene. Eine Art Sparkasse Zürich UHNWI. Nur mit mehr Biss. Mehr „Direction“, denn Primaten haben ihre klar definierten Prinzipien. Ich denke, die Zielkundschaft wird so etwas sehen wollen mögen. Das Sujet schwimmt gut auf der „Planet of the Apes“ Welle, wo Affen ihre Supremacy über die Menschen erlangen. Man muss sich auch fragen, was denn die Alternativen wären – wieder ein Segelboot oder einen selig grinsenden „eine Privatbank brauche ich doch nur für Geldwäsche und/oder Steuerflucht/Optimierung“-Mittvierziger.

    • Genau! Weiterhin die komplett austauschbaren PB-Werbesujets von erfolgreichen Menschen verwenden, wie sie auf Ihren Booten oder vor ihrem Anwesen posieren, wäre Geld zum Fenster raus geschmissen. Da schaut schon gar keiner mehr hin und jeder denkt, so langweilig und furztrocken muss PB-Werbung wohl sein. Der Vontobel-Auftritt ist der Beste seit Langem, halt mit Biss!

    • Das Bild eines zähnefletschenden Schimpansen soll die Marke Vontobel als ‚fassbaren Player‘ positionieren? Ganz ehrlich: so einen Schmarren habe ich noch selten gelesen.