Notenstein verpulverte 60 Millionen mit Avaloq

Massive Kostenüberschreitung für neues Informatik-System bei Kleinbank – Basis für Integration in Mutter Raiffeisen.

Die Zukunft der Notenstein La Roche hängt an einem seidenen Faden. Wenn die neue Führung nach dem gestrigen Machtwechsel nicht liefert, verschwindet die Bank im Reich der Raiffeisen.

Die Weichen dafür sind mit einem neuen Avaloq bei der Notenstein gestellt. Mutter Raiffeisen folgt mit einem eigenen Avoloq Ende Jahr.

Was sich die Führungscrews rund um diese Informatik-Umstellungen leisten, erstaunt Insider. Vor allem bei der Notenstein sind die Kosten für die Operation Avaloq offenbar völlig aus dem Ruder gelaufen.

Die Notenstein soll am Ende gegen 60 Millionen für den Wechsel vom alten System namens SunGard auf Avaloq ausgegeben haben.

Das wäre fast das Doppelte dessen, was laut einem Ex-Notenstein-Mitarbeiter ursprünglich budgetiert worden sei.

Aber noch etwas Anderes erstaunt.

Nachdem die Notenstein im Februar 2015 angekündigt hatte, die Basler Privatbank La Roche zu übernehmen, setzten sich die Spezialisten der La Roche für deren eigenes System ein.

Es handelte sich um ein Avaloq, das die Basler im 2005 eingeführt hatten und das offenbar reibungslos funktionierte.

Der Vorschlag der La Roche-Leute zuhanden der Notenstein-Spitze unter CEO Adrian Künzi lautete, dass Käuferin Notenstein auf das Avaloq der erworbenen La Roche setzen solle.

Die Daten der Kunden würden dann von der Notenstein auf das Avaloq der La Roche übertragen. Die Kosten für dieses Projekt wären überschaubar gewesen: 15 bis 20 Millionen.

Notenstein-Chef Künzi und sein IT-Leiter Christoph Schwalm wollten vom Vorhaben nichts wissen. Sie betonten, dass der Weg für die Informatik der gleiche sei wie für den Rest der La Roche, nämlich:

Von Basel nach St. Gallen, von der kleinen La Roche zur „grossen“ Notenstein. Integration als Unterwerfung.

So kam es, dass die La Roche-Kunden und deren Vermögen vom real existierenden Avaloq auf das in die Jahre gekommende SunGard der Notenstein wechselten.

Kaum dort angekommen, war alles wieder anders. Nun ächzte die Notenstein unter hohen Kosten. CEO Künzi musste auf Befehl aus der Zentrale von Mutter Raiffeisen sanieren.

McKinsey flog ein, die Berater erstellten unter dem Projektnamen „Papillon“ ihren Plan. Der hiess: Notenstein wird zum Front-Privatebanking, das Backoffice übernimmt Mutter Raiffeisen.

Und für die IT sollte die Notenstein nun das gleiche System einführen, wie es bei der der Raiffeisen schon entschieden und bereits in Umsetzung war: Avaloq.

Der McKinsey-Plan wurde ab 2016 umgesetzt. Nun ging es also in die umgekehrte Richtung. Die Kunden der La Roche, die soeben von Avaloq auf SunGard gewechselt hatten, wurden ein zweites Mal verschoben.

Zurück auf Avaloq.

Die Übung verlief offenbar nicht ohne Schwierigkeiten. Der für die Umstellung ursprünglich geplante Termin von Ende Juni dieses Jahres verstrich ohne Ergebnis.

Erst ein Quartal später, nämlich per Ende September, war die Führung der Notenstein La Roche bereit. Die Daten wurden vom alten SunGard auf das neue Avaloq migriert, wie das in der IT-Sprache heisst.

Die Kosten von 60 Millionen für die ganze Operation Avaloq wollte die Notenstein respektive die Raiffeisen gestern nicht bestätigen.

Einzig dass der Führungswechsel aus anderen Gründen erfolgt sei. Man könne „versichern, dass das Ausscheiden von Adrian Künzi nichts mit der soeben erfolgreich durchgeführten IT-Migration auf Avaloq zu tun“ habe, meinte eine Raiffeisen-Sprecherin.

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19 Kommentare zu “Notenstein verpulverte 60 Millionen mit Avaloq

  1. Nichts Neues. Und die Grossverdiener sind einerseits Avaloq selbst (wieviel kostet die sogenannte ‚Zertifizierung‘ von Bank-MAs, die auf Avalog konfigurieren? CHF 15’000 ungefähr? Dann jährlich zu machen. Lächerlich.

    Dann die Millionen, die sich Beraterfirmen einstreichen für was? Das Runterplappern immer derselben Floskeln wie man ein solch umständliches System konfiguriert, am Pult des MAs hockt und zuschaut, für einige hundert CHF je Stunde.

    Es wird Zeit, dass dieses Geschäftsmodell zerschlagen wird. Das Problem ist: In der Regel sind die Führungsspitzen solcher Banken unfähig und mit Bonus-Plänen und Stuhlbein-Sägerei komplett verplant und die verantwortlichen IT und Projekt MAs delegieren für Millionen, um ihre unnützen Hintern zu schützen, sollte etwas abverrecken.

    Fazit: Die Bank beschafft System Branche ist das Sinnbild für komplett pervertierte Berufszweige und Sinnbild für Inkompetenz und Faulheit.

  2. Die Notenstein IT gehört in den Verantwortungsbereich von Raiffeisen. Notenstein wurde ausgehöhlt, Schwalm und Co entmachtet und dem Verantwortungsbereich des zusammengekauften Raiffeisen Allstars-Teams unter Olmesdal unterstellt. Die Notenstein Avaloq-Misere geht voll aufs Konto der IT-Chefs und not least mal wieder von Avaloq. Millionen in die Rachen externer Firmen. Egal. Die Raiffeisenbanken zahlen ja gerne für jedes Versagen. Merkt ja niemand.

    • Wenn das die Hauptprobe für die Avaloq-Einführung bei Raiffeisen gewesen sein soll, dann hat sich das Allstar-Team aber gründlich blamiert.

    • Olmesdahl, Dr. Loacker (beide ex-UBS) und Dr. Schleich (ex-CS. ex-JB)? Ein „All Star Team“?!

      Wieher! Selten so gelacht. Bzw. gewiehert.

      Und nun ab ins Wochende.

  3. Das Problem liegt anderswo:
    –> McKinsey macht eben keine „völlig neutrale“ Beratung, sondern berichtete was die Raiffeisenzentrale hören wollte
    –> fast alle Avaloq Projekte überschiessen die Kostenvorgaben massiv, jeder Neue glaubt „sein Projekt“ gehe dann besser – aber leider meist eben nicht wie Bespiel zeigt
    –> Zum Schluss warden die falschen „angekreidet“ (Künzi/Schwalm) die wohl nur mehr oder weniger ausführen mussten, was der Berater und die Zentrale ausgeheckt hatten….
    –>Operationelle Vorteile bringt Avaloq gebenüber Apsys keine, ausser mehr Kosten, mehr Komplexität.
    Bin sicher, das nächste Beispiel von solchen völlig überteuerten Projekten folgt bald

    • Sehr geehrte Herr (Sakko Blender)

      Bei Ihren IT-Kentnissen brauchen Sie sicherlich zusätzlich drei Assistentinnen um Avaloq bedienen zu können.

      Mit freundlichen Grüssen

    • @Sakko’s:
      Die ganze „Sakko“ Geschichte ist langsam nervig.
      Haben Sie was in der Hand? Dann sein Sie ein mutiger Mann (oder eine Frau) und melden die Infos bei Herrn Hässig. Wenn „Fleisch am Knochen“ ist, dann bringt er das sicher.
      Wenn nicht, dann verschonen Sie uns bitte mit solchem kindischen Scheiss.

  4. Ich habe noch von keinem Avaloq-Projekt gehört, dass im Budgetrahmen abgewickelt wurde.

    Notenstein 60 Millionen, HSBC 100 Millionen, Raiffeisen 500 Millionen für die Einführung einer angeblichen „Standardsoftware“. Die Consultants freuen sich, aber da stimmt doch etwas nicht.

  5. Eine andere grosse ehemalige Basler Daig-Bank hat ihr Avaloq durch undurchdachte „Anpassungen“ in einen Deadlock gefahren. Aufgrund dessen lassen die den einen oder anderen Release-Update aus, bzw. sind wahrscheinlich immer noch auf Version 3.XX. Manchmal ist es besser, alles abzubrechen, als auf einem maroden Fundament aufzubauen.

  6. Adrian Künzi (CEO) und Basil Heeb (CFO) haben den Laden an die Wand gefahren, beide haben wenig Gespür für Bankenveschäfte, twei Apparatschicks sondergleichen. Kein Wunder.

    • Ein Kommentar, der zum Schmunzeln anregt; zwei Fehler in zwei Worten. Vorschlag: Denken, reflektieren, schreiben und dann durchlesen! Gell, Bruder Klaus!

  7. Die Frage ist wann (Notenstein in Raiffeisen integriert wird), nicht ob!
    Die Antwort liegt im Zeitpunkt, zu dem sich Raiffeisen den Goodwill-Abschreiber leisten kann (also nicht dieses Jahr, und wohl auch nicht nächstes.)

  8. Riesen Drama um und horrende Kosten für etwas, das nun wirklich nicht Rocket Science ist. – Weshalb ist das so? Alles nur Blinde Frösche am Werk, die unkoordiniert herumhüpfen bzw. werkeln?

    • Das kann nur am un-Nützi-gen Akademiker liegen!

      Und allen anderen Akademiker-Schwaflis bei Notenstein, Raiffeisen, Avaloq und in der restlichen Schweiz!