Säuberungswelle bei GAM

Kritiker bei Assetmanager kaltgestellt – Neugeld nur scheinbar gut – London befiehlt, Zürich kuscht – CEO Friedman: Blender?

Alexander Friedman ist einer der meist verdienenden Banker auf dem Finanzplatz. Für seine kleine Finanzboutique GAM kassierte der Amerikaner schon weit über 20 Millionen in kurzer Zeit.

Heute präsentiert Friedman stolz das Ergebnis seiner GAM für die Zeit von Januar bis September. Tenor: Wir sind zurück. Mehr Neugeld, 23 Prozent höhere Kundenvermögen zum Verwalten.

Was prima vista nach einem grossen Erfolg aussieht, steht auf unsicheren Füssen.

Der grösste Neugeldzuwachs stammt von einem einzigen Kunden, „der eine unterdurchschnittliche Management-Fee-Marge“ aufweise. GAM verdient kaum viel an diesem neuen Geld.

Damit wird klar: Die Finanzfirma kauft sich ihr Wachstum. Chef Friedman will sich und seine GAM als Erfolgsstory in den Köpfen verankern.

Hinter dieser Fassade geht es wild zu und her. Ein Insider berichtet von einer Art Säuberungswelle. Friedman habe querbeet Leute installiert, die wie er vor allem eines wollten: viel Geld für sich.

Umgekehrt würden interne Kritiker kaltgestellt. Ihnen würde gekündigt, oder dann würden sie von selbst gehen.

In der Rechtsabteilung ist eine langjährige Mitarbeiterin von Bord gegangen. Der Chef dort, Dirk Spiegel, sorgte zuletzt mit fehlenden Jus-Studien für Aufsehen.

Im Marketing herrsche ein Kommen und Gehen, sagt die Auskunftsperson. Der Verantwortliche fördere Leute, die gut seien im sich selbst Vermarkten. Jene, welche die Arbeit verrichteten, würden hingegen geschasst.

Hintergrund bildet eine Gewichtsverschiebung. Befohlen wird bei der GAM nicht mehr in Zürich, sondern in London.

Dorthin ist Chef Friedman gezogen. Gegenüber der Crew begründete der Amerikaner den Ortswechsel mit familiären Umständen.

Mit der Verlagerung der Macht weg von Zürich hin zu London haben auch die gestandenen GAM-Leute in der Limmatstadt an Einfluss verloren. Sie sind von Machern zu Befehlsempfängern degradiert worden.

Das Sagen haben Friedmans Statthalter. Eine Crew, die geldgetrieben sei wie der Chef selbst, heisst es.

Dabei muss GAM bei den Entschädigungen über die Bücher gehen. Nach einem Angriff durch den Zürcher Rudolf Bohli, der nun die CS ins Visier genommen hat, lehnten die Aktionäre die Vergütung fürs Management diesen Frühling ab.

Eine Schlappe für Friedman und seine Vorgesetzten im VR der GAM. Man sei intensiv am Thema dran, schreibt GAM heute.

„Der Verwaltungsrat macht bei der umfassenden Prüfung der Vergütungsrichtlinien und -strukturen der Gruppe gute Fortschritte und wird voraussichtlich vor der Veröffentlichung der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2017 entsprechende Informationen veröffentlichen“, steht dazu im Communiqué.

Selbst wenn die GAM bei den Gehältern und Boni ihres Spitzenpersonals korrigiert: Der Mist ist längst geführt. Friedman und seine Freunde haben abkassiert.

Umgekehrt ihre Leistung. Beispielsweise mit der früheren Partnerin Julius Bär. Da hat Friedman das Recht dieses Jahr aufgegeben, Fonds unter dem Namen von Bär zu vertreiben. Er wollte nicht mehr.

Für GAM eine Zäsur. Denn für den Assetmanager war der Vertrag mit der Zürcher Privatbank Gold wert.

GAM hatte nämlich fast alle Vorteile auf der eigenen Seite. Das geht auf die Zeit von 2009 zurück. Damals wurde die GAM, die seit 2005 zur Julius Bär gehört hatte, abgetrennt und an die Börse gebracht.

Um sie zu schmücken, erhielt die GAM das Recht, die Julius Bär-Fonds weiter zu vertreiben. Im Gegenzug zahlte die GAM der Bär Lizenzgebühren.

Vereinbart wurde das alles in „Toro“. So hiess der Vertrag zwischen der Bär und der GAM, ausgehandelt von David Solo, dem Vorgänger von Alexander Friedman auf dem Chefstuhl bei GAM.

Solo gilt als erfahrener Finanzmann. Ihm gelang es, für wenig Lizenzgebühr viel Vertriebsrechte zu erhalten. Solos Verhandlungspartner war Boris Collardi. Der sass damals erst wenige Monate auf dem CEO-Stuhl der Bär-Bank.

Nun ist dieses Geschäft Geschichte. Solo-Nachfolger Friedman und Bär-Chef Collardi gerieten sich wegen „Toro“ in die Haare. Nun will Alexander Friedman ohne den Namen Julius Bär seine Fonds an den Mann bringen.

„Diese Massnahme hat einen positiven Einfluss auf die Erträge von GAM, zumal nun die damit verbundenen Lizenzgebühren wegfallen“, sagte eine GAM-Sprecherin.

Auch für Friedman persönlich dürfte das Ende der langjährigen Kooperation kein Problem bedeuten. Sein Bonus ist kaum in Gefahr.

Kommentare

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  1. Ich habe dieses Jahr erfahren, dass in Zürich auch in Operation Bereich wieder grosse befördert wurde u. a Data Bereich. Dieser Bereich gehört wie bei anderen Banken und Asset Manager im outgesourced. Ich empfiehnde mich als Akitionär (1.5mio) vetnachlässigt, habe dArauf meine Position abgestossen.

  2. Die Massnahmen die jetzt Beschlossen wurden werden GAM im Sommer nächsten Jahres eiskalt erwischen das kann man jetzt schon sagen.
    Sell…

  3. Das ist nichts Neues.

    Zum einen werden die Fäden für GAM schon lange in London gezogen. Schon mit der finalen Integration von Swissglobal fingen alle an mehr und mehr nach angelsächsischer Nase zu tanzen. Mit der systematischen Entmachtung von Key-People in Zürich und der Schliessung der IT und anderen Bereichen ging es weiter. Zum anderen fing die „Säuberung“ bereits damit an.

    Auch ist es nichts Neues, dass Friedman vor allem seinen eigenen Vorteil im Blick hat. Das ist bei den meisten CEOs und anderen hohen Tieren gerade in der Finanzbranche so.

    Solo war übrigens kein bisschen anders. Im Gegenteil, er war sogar noch schlimmer. Seinerzeit ging die Runde, er habe lediglich mit Bär gedealt, um sein eigenes Vermögen aufzustocken. Welches damals offenbar in einen dreistelligen Millionenbereich schoss.

  4. CEO Friedmann Blender, von diesen Typen gibt es reichlich genug, Auch alle Banken belügen die Bürger mit netto Neugeldzufluss, die UBS Schweiz wies in 2015, 17 Mrd Assets Abfluss, in 2016 14 und gemäss NZZ für 2017 geht man von 17 Mrd. aus, der Börseneffekt, Dividenden der Bank und mit den eigenen Fonds wird sehr viel poliert, den obersten 10 bis 15 % dieser Institute geht es lediglich um ihre eigene Tasche, Mitarbeiter fallen immer wieder auf diese Scharlatane rein und kaufen Aktien ihres Arbeitgebers.