Heute Six-Grossankündigung

Präsident Romeo Lacher informiert Belegschaft der Börsen- und Zahlungsgruppe über Zukunft – Mit endlich gefundenem CEO.

Romeo Lacher ist ein Präsident ohne Macht. Er muss bei der Six Börsen- und Payment-Gruppe das ausführen, was ihm die beiden Grossen, UBS-Ermotti und CS-Thiam, ins Auftragsbuch diktieren.

Eines aber war Lachers Aufgabe: einen neuen CEO für die Six zu finden. Heute dürfte der frühere Spitzenmann der CS und heutige Börsenpräsident soweit sein.

Jedenfalls hat er die Six-Kaderleute und -Belegschaft zu einer wichtigen Informations-Konferenz eingeladen. In Kürze wird Lacher verraten, worum es geht.

(Kurz nach Aufschaltung dieser Story kam die News, siehe Six-Homepage. Das interne Mail von Romeo Lacher an die Belegschaft finden Sie hier.)

Die Six-Pressestelle hielt sich diese Woche bedeckt. Auf Anfrage, ob es sich um die Präsentation des neuen CEOs handle, blieb sie vage.

Der neue Mann oder die neue Frau wurde von Egon Zehnder gesucht. Der Schweizer Headhunter erhält fast jeden Spitzen-Auftrag, den Swiss Banking zu vergeben hat. (Nun handelt es sich um einen Jos Dijsselhof. Jos Who?)

Der CEO der Six hat eine undankbare Aufgabe vor sich. Er muss das Kartengeschäft, sprich jenen mit am meisten Zukunft, separieren und teilverkaufen. Dafür läuft ein Mandat an die JP Morgan. Man spricht von einem 2-Milliarden-Deal.

Auch den Teil mit den Finanzinformationen, der aufgrund der spezifischen Daten wie Wertschriften-Valorennummern einen hohen Wert hat, könnte der neue Six-Chef abstossen. (Gemäss Medienmitteilung will die Six diesen Teil ausbauen.)

Er würde dann mit einem Rumpfgebilde aus Börse und Abwicklung zurückbleiben. Es wäre ein Back to the Roots der Six: zurück zur Cash-Börse.

Dafür bräuchte es keinen Gruppen-CEO mehr. Ein Börsenchef genügt. Den gibt es bereits. Er hat sich kürzlich selbst aus dem Six-CEO-Rennen genommen; wohl weil er weiss, dass sein Bereich sicher überlebt.

Der neue Gruppen-CEO der grossen Infrastrukturfirma des Schweizer Finanzplatzes könnte somit zum eigentlichen Abwrack-Manager werden.

Twint-Fehlgeburt, Payment-Verkauf ins Ausland, Personal-Offshoring: Die Six mit ihren 4’000 Mitarbeitern steht vor nachhaltigen Erschütterungen.

Das hatten sich die Verantwortlichen anders vorgestellt. Noch-CEO Urs Rüegsegger sah seine Gruppe als hoch gezüchteten Maschinenraum des Finanzplatzes.

Damit ist Rüegsegger gescheitert. Und zwar Big time.

Die Six wird nach 10 Jahren unter seinem Kommando zerlegt. UBS-Chef Sergio Ermotti, der beim Vorhaben den Takt angibt, hat dies bereits angekündigt.

Rüegsegger war in diesem Spiel der Schwergewichte nicht der eigentliche Macher. Ermotti und die CS-Chefs tragen die Hauptverantwortung.

Statt den Plan mit einer Six als neues Backoffice für ihre eigenen Backoffices zu fördern und voranzutreiben, kassierten die beide Grossaktionäre der Six – sie halten zusammen 30 Prozent am Gemeinschaftswerk – Hunderte von Millionen Extra-Dividenden.

Das half, die aufgebaute Bonus-Schmiermaschine ein paar Jahre länger am Laufen zu behalten.

Auf Geheiss der Grossbanken verkaufte Rüegsegger eine Perle nach der anderen: Eurex, Scoach, Indexgeschäft und so weiter. Umgekehrt gelang es nicht, im Zahlungsteil die kritische Grösse zu erreichen.

Nun droht mit neuen Anbietern wie Apple Pay, Paypal und vielen weiteren, rasch wachsenden Firmen harte Konkurrenz in diesem Zukunftsgeschäft.

Mit der handgestrickten, rückwärtsgewandten Swiss made-Eigenentwicklung Twint gegen diese Titanen zu bestehen ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.

Rüegsegger geht damit als Manager in die Geschichte ein, der zwar ein schönes farbiges Logo geschaffen und selbst jedes Jahr eine Million kassiert hat. Sein vermeintliche solides Werk entpuppt sich nun aber als loses Gebilde ohne viel Zukunft.

Der Neue hat den Auftrag, den Fall Six zu Ende zu bringen. Zuletzt könnte sogar die Schweizer Börse verkauft werden.

An die Deutsche Börse, wem sonst?

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13 Kommentare zu “Heute Six-Grossankündigung

  1. Raffiniert. Da hat „Oranje“ das WM-Tickt verpasst und jetzt versuchen sie das mit der zukünftigen Verantwortung für unsere Finanzplatzinfrastruktur zu kompensieren :=)
    Schwierige Zeit für C-Level „Mänäger“ der SIX Group: Da wird dann wohl unter dem Weihnachtsbaum nur noch ein „B“ liegen. Aber Amsterdam empfiehlt sich mit Blick auf die kulturellen Kräuterangebote absolut zur Entspannung :=)

  2. Immer schneller … und schneller … schafft sich die Schweiz selbst ab.

    Ein Niederländer wirds sicherlich richten. Der Weltmeistertitel der Schweiz am meisten ausländische Manager in Prozent zur Gesamtbelegschaft weltweit angelockt zu haben wird mit dieser Persoanlentscheidung weiter ausgebaut.

    Toll. Schulterklopfen!

  3. Gottv..! Ein Weiterer Expat, welcher nur an seine total compensation denkt. Kein Schweizer Unternehmer/Patron, welcher sich in sozialer Verantwortung gegenüber den Menschen in der Schweiz sieht. Arbeitsplätze adieu.

    • Schweizer Unternehmer/Patron? diese Sorte von Führungskräften wurden hier zu lande längst systematisch „ausgebootet“. Das perfide, , globale Netzwerk von Mckinsey ist schon in allen Winkeln der Wirtschaft und Politik. Akzeptiert diese Tatsache und macht das beste daraus. Alles andere ist verlorene Zeit.

  4. Die kleinen Änderungen in der Organisationsstruktur (Link im Link des obigen Artikels, PDF) umfassen doch wesentliche Punkte des SIX-Geschäftes. Es ist zu hoffen, dass in diesem „Betrieb“ weniger Betriebsamkeit herrschen wird, dafür mehr konsequente Arbeit an den Lösungen der anstehenden Probleme. Der neue CEO hat sich tatsächlich andernorts sehr gut bewährt.

  5. Wir wissen zwar nichts aber wir schreiben schon mal darüber und schreien Skandal! IP nimmt immer mehr die Qualität von CNN an – dort werden die News tagtäglich sprichwörtlich fabriziert. Breaking News!

    • Das problem der geschichte ist dass er wohl ziemlich richtig liegt…. Oder oder was hat den ruegsi den wirklich zustande gebracht ausser miese MitarbeiterUmfragen? Sein permanentes gejammere vom schwierigen umfeld? Seine stetigen ankündigungen vom grossen Coup? Oder hand aufs herz wer hat schon mal mit twint bei coop via Bluetooth bezahlt? Das ist einfach ein „bruch“ wie das gesammte six konstrukt. – Einzahnloser dicker Zootiger…