Ermottis Plan hat geklappt: Six versenkt

Börsengruppe verscherbelt Zahlungsteil – Innovationstopf ein Witz – UBS und CS garnieren Extra-Dividenden.

Sergio Ermotti musste nur einmal kurz auf den Tisch hauen. Schon tanzte die ganze Six-Führung nach seiner Pfeife.

Geschehen im Juni. Im Blick-Interview stempelte der UBS-CEO die Börsengruppe zum Saftladen. Letzten Freitag folgte das Finale. Die Six wird zerlegt.

Ermottis Geschoss verdeckt die wahren Absichten. Dem UBS-Chef ging es nicht wie behauptet um die Leistungskraft des Gemeinschaftswerks, an dem er zusammen mit der CS 30 Prozent hält.

Sondern um sein eigenes Portemonnaie. Respektive jenes seiner Bank. Sie können sich nun die Hände reiben ob der zukünftigen Extra-Ausschüttung.

Wenn die Six ihren Zahlungsteil abstösst, dürfte den Six-Aktionären eine Milliardensumme zufliessen.

Umgekehrt verliert die Six ihre Zukunft. Ihr bleiben die Börse, die dann irgendwann auch noch nach Deutschland verscherbelt werden könnte. Und Twint.

Die Tragödie um Six wird in meisterhafter Manier vernebelt und schöngeredet. Six-Präsident Romeo Lacher blickte in der gestrigen Sonntags-NZZ selbstbewusst in die Linse. Von Zweifel keine Rede.

Dabei ist Lachers Leistung und jene seines Verwaltungsrats der Six ein Trauerspiel. Die Six wird zu einer simplen Börsen- und Abwicklungsplattform zusammengestaucht.

Die Verantwortung tragen die obersten Chefs der beiden Six-Grossaktionäre UBS und CS, nicht Lacher. Doch der Ex-CS-Spitzenmann machte gute Miene zum bösen Spiel und bot seinen Auftraggebern nie die Stirn.

Effektiv versagt haben vor allem die UBS und damit Sergio Ermotti, ihr oberster Chef. Die Nummer 1 des Finanzplatzes war nicht fähig, die Six zur Transaktionsbank zu machen.

Das war das Ziel, darauf hatten sich die Verantwortlichen einst geeinigt. Und laut einem Insider wäre die Credit Suisse als zweite zentrale Grösse im Fight um die Six-Zunkunft bereit dazu gewesen.

Nicht aber die UBS. Ihre Informatik ist zwar deutlich moderner als jene der CS. Doch offenbar stimmt etwas mit der sogenannten Architektur nicht.

Jedenfalls hätte es bei der UBS riesige Anstrengungen gebraucht, um die Daten in Zukunft über die Six-Computer statt über die eigenen Systeme laufen zu lassen.

Man spricht in diesem Zusammenhang von Schnittstellen. Hunderte davon hätten zwischen der UBS und der Six gebaut werden müssen, sagt der Gesprächspartner.

Bei der CS hingegen hätten ganz wenige genügt. Ihr IT-Architekt, der heute bei der Raiffeisen an deren Grossprojekt arbeitet, habe gute Arbeit geleistet.

Wenn das stimmt, dann lag das Problem bei der UBS. Sie war nicht in der Lage, die Six zum Backoffice des gesamten Finanzplatzes zu machen.

Stattdessen macht nun jede Bank weiter wie bisher. Die UBS mit ihrem eigenen System, die CS mit dem ihrigen.

Weil sich aber die Kosten so nicht wegrationalisieren lassen, verlagern die beiden Finanzmultis mehr und mehr ihrer Informatik und ihres Backoffices ins Billigausland oder an die Schweizer Grenze.

Die Verlierer sind die Mitarbeiter. UBS-Ermotti sprach vor kurzem von bis zu 30’000 abzubauenden Stellen. Bei der CS ist das Bild ähnlich.

Der Abbau wäre auch mit einem zentralen Backoffice namens Six gekommen. Doch immerhin wäre dann die Infrastruktur in der Schweiz geblieben. Gotthard-Banking wäre möglich gewesen.

So aber verliert das Land alles: die vielen Jobs bei den beiden wichtigsten Arbeitgebern, die Infrastruktur bei der Six, die Datenhoheit durch Offshoring und Outsourcing.

Ein Trauerspiel. Doch Ermotti, der hier entscheidend Regie führte, wird nicht hinterfragt.

Vielmehr winkt ein nächster Super-Bonus.

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14 Kommentare zu “Ermottis Plan hat geklappt: Six versenkt

  1. Es ist faszinierend, dass hier von einem Schnittstellenproblem gesprochen wird. Vielleicht sollte man zuerst die marode IT Infrastruktur von SIX betrachten, bevor man über „Innovative“ Projekte spricht.

  2. Mit einer allfälligen Fusion der Commerzbank mit der UBS ist die Doppelspur Schweiz und Deutschland (Euro-Zone) nicht mehr von der gleichen Notwendigkeit. Das Back-Office des Schweizer Finanzplatzes kann man mit demjenigen von Deutschland zusammenlegen. Was sich unterscheidet sind nur noch Schweizerfranken-Wertschriften, dafür genügt die Six. Es kann schon sein, dass Ermotti deswegen derart über die Schweiz schimpft, weil er weiß, dass mit einer Fusion der Commerzbank und der UBS mit dem folgerichtigen Ausverkauf der Six-Tätigkeiten und dem Schweizer Back-Office nach Frankfurt er derart einsparen kann und es entschuldigt mit den hohen Schweizer Löhnen, gleichzeitig wird die fusionierte Bank der EZB unterstellt und braucht weniger Eigenkapital. Warum sich die Kantonalbank und die Privatbanken sich dies gefallen lassen, ist eine andere Frage. Die CS muss noch einige Millionen Franken in die Koffer von McKinsey schaufeln, bevor ihr etwas in den Sinn kommt.

    • Ich gebe der Schweiz maximal fünf Jahre, spätestens dann dürfte Deutschland den Schweizer Finanzmarkt erobert haben und den Rest gleich mit. Es wird nur noch eine unbedeutende Provinzlandschaft zurückbleiben. Den Schweizern sei Dank!

  3. Vor ca 10 Jahren oder mehr wurde unter der Führung der beiden Grossbanken die zukünftige Strategie der damals noch eigenständigen Gemeinschaftswerke Sega, SIC, SWX, X-Clear, Telekurs geschrieben.
    Diese sah eine Zusammenlegung unter einheitlicher Führung vor mit nachträglicher Abspaltung und Verselbständigung des Zahlungsverkehrs (Fusion mit vordefinierter Sollbruchstelle).
    Um dies zu erreichen haben die beiden Grossbanken ihren Anteil an der zukünftigen SIX freiwillig reduziert.
    Die Strategie wurde nie richtig umgesetzt; bis heute. Nun kommt es doch noch.

    Die wirklichen Profiteure des zu erwartenden Geldsegens sind Minibanken, welche historisch noch eine Mitgliedschaft halten. Sie werden vermutlich einen Anteil an dem Veräusserungsgewinn erhalten, welcher in keinem Verhältnis zu ihrem bescheidenen Beitrag (Abwicklungsvolumen) steht.

    Dieser Spezialdividende dürfte in vielen Fällen die Verluste dieser Banken kaschieren und somit eine Strukturbereinigung verzögern.

  4. Ist überhaupt kein Drama, sondern längst überfällig. Gibt es irgendwo auf der Welt irgendeine Erfolgsgeschichte einer als Verein aufgestellten Firma ausser der FIFA?
    Dass die Börse nicht irgendwann sondern möglichst schnell in kompetente Hände gelangt (nach Deutschland oder US-Firma), wäre für den Finanzplatz Schweiz sehr wichtig. Recht schnell würden dann die Gebühren nach unten, Transparenz und Liquidität nach oben gehen.

    • Die SWX, als Verein, war mit der Beteiligung an der Eurex sehr erfolgreich und schlank aufgestellt, bis zum „Zusammenschluss“ mit der administrationsbude Telekurs.

  5. Jetzt hat ein CEO mal gesagt, DASS die Koffer für zu packen sind. Aber endlich möchte ich wissen WANN. Nicht die nur nächste Welle, sondern ultimativ.

    Es müssen urgendwann nicht nur 10‘000e Leute den Job wechseln, sondern auch den hysterischen Kanton Zürich verlassen. Von Horgen bis Winterthur wird gespart!

    Es sind etliche Immobilien zu veräussern.

    Arbeitgeber verhalten sich wie Prinzessinnen. Die Arbeitnehmer wie Tagelöhner.

    Bei den IT-Freelancern sieht die Schweiz schon aus wie ein Einschlagskrater. Zürich ist in der Mitte, die Leute arbeiten am Rand. Der Sparwut und Exklusivrechten sei Dank.

  6. Die Sichtweise betreffend Zusammenspiel von Ermotti und SIX und den Absichten kann man haben – muss man aber nicht. Am Schluss ist es einfach eine Meinung. Die kann richtig sein oder auch nicht.

  7. Grossartig von Strategie labern aber keinen blassen Schimmer davon haben (nicht zuletzt auch deshalb, weil die CEOs etc. heute keine vertiefte militärisch-taktische Ausbildung mehr haben…) und höchstens ein paar Kürslein von anderen Labereren (Professoren, die nur in ihrem Biotop gross geworden sind) besucht haben. – So sieht es aus. Das wird von Ermottis Nachfolgern bzw. eher von der ganzen Bank irgendwann in näherer Zukunft teuer bezahlt werden müssen.

    • Bitte kommen sie nicht mit dem Militär! Besonders nicht mit einer Milizkarriere in der CH-Armee, falls Sie das gemeint haben!

      Mit Sun Zis „Kunst des Krieges“ geht, weil das VBS in Bern noch etwas davon lernen kann. Wobei das VBS als hirnlos bezüglich Strategie gilt. Die können nichts erklären!

      Wenn schon Strategie, dann:
      – Wie zerstörte Apple Nokia? Wo war Nokia schwach?
      – Wie vermeidet man Welttourneen des Outsourcings?

      Das ist Strategie!