Swiss Life kauft jede Hütte

Jagd auf Renditehäuser nimmt absurde Züge an: Versicherer schmeisst Lockvogel-Briefe wahllos in die Briefkästen.

Das Schreiben beginnt mit „Dringend gesucht“. Die Swiss Life, Nummer 1 der Lebensversicherung und Gross-Investorin, spricht damit Immobilien-Eigentümer an.

Und zwar wahllos. Die Briefe des börsenkotierten Unternehmens landen in jedem Briefkasten. Wie Flugblätter einer Polit-Partei oder eines neuen Reinigungs-Dienstes.

Man suche für Kunden „passende Liegenschaften im mittleren bis oberen Preissegment“, schreibt der Swiss-Life-Berater, in dessen Namen der Brief aufgegeben ist.

„Spielen Sie mit dem Gedanken, Ihre Liegenschaft zu verkaufen?“, fragt der Versicherungsmann. „Oder kennen Sie jemanden, der bereits mitten im Prozess ist?“

Verzweifelt gesucht: Immobilie. So der Aufruf der Zürcher Swiss Life in bestem amerikanischen „Wanted“-Stil.

Wer sich meldet, der soll nicht leer ausgehen. „Damit sich die Kontaktaufnahme mit uns für Sie auf jeden Fall lohn, schenken wir Ihnen als Dankeschön eine unverbindliche Schätzung Ihrer Immobilie im Wert von CHF 690.-„, verspricht die Swiss Life.

Lockvogel-Angebot vom Feinsten, direkt von den Nadelstreifen-Verkäufern vom Mythenquai.

Ein Sprecher der Swiss Life findet zunächst nichts Besonderes dabei.

„Solche Briefe versenden die regional tätigen Immobilienberater von Swiss Life Immopulse, unserer Geschäftseinheit für Immobilien-Brokerage, gezielt an Eigentümer von privatem Wohneigentum (Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen)“, hält er in einer Email-Antwort fest.

Und fährt fort: „Wenn der Immobilienberater mit einem Kunden ein Such- resp. Kaufmandat eingeht, hat er – neben vielen anderen Massnahmen – auch die Möglichkeit, sich per Aufruf an Eigentümer im Quartier zu wenden, in dem der Auftraggeber des Suchmandates zu wohnen wünscht.“

Kunden der Swiss Life würden hauptsächlich für Häuser in den Regionen Zürich, Zug und Genf solche Suchmandate erteilen. „In diesen Gebieten sind Käufer marktbedingt bereit, uns für solche Dienstleistungen zu entschädigen.“

Soweit alles professionell. Nur: Warum verteilen die Swiss-Life-Berater die Lockangebote wahllos in alle Briefkästen ihrer Regionen? Das Schreiben der Lebensversicherung ging bei weitem nicht nur an Hausbesitzer, sondern auch an Mieter, Untermieter, Wohngemeinschaften.

Einfach an alle. Querbeet. Es regnete Swiss-Life-Flugblätter.

Erst dann machte sich die Swiss Life Gedanken. Sie bedankte sich für den Hinweis. „Das sollte natürlich nicht sein“, meinte sie nun, und versprach: „Wir gehen dem nach.“

Seither kam nichts mehr.

Der Fall illustriert die Verzweiflung des Versicherers, der nicht mehr weiss, was er mit seinem eigenen Geld und jenem seiner Kunden anstellen möchte.

Die Swiss Life hebt sich derzeit mit besonderen Aktionen im Immobilienberich hervor. An der Bahnhofstrasse hat sie dem Warenhaus Manor den Mietvertrag gekündigt.

Es folgten massive Proteste.

An der Vorzeige-Immobilie „Bellevue“ direkt am berühmten Platz am Zürcher Seebecken schickte die Swiss Life ihren Mietern massive Mieterhöhungen.

Die beiden Beispiele zeigen: Die Swiss Life dreht an der Preisschraube. Gleichzeitig sucht sie wie wild die letzten Renditeobjekte, die noch zu haben sind.

Damit schürt der Versicherer den Minuszins-befeuerten Hype im helvetischen Liegenschaftenmarkt erst recht.

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25 Kommentare zu “Swiss Life kauft jede Hütte

  1. Das Zinsexperiment der Zentralbanken hat eben seine Auswirkungen, speziell Ungesunde.
    Das nimmt ein böses Ende, ziehen wir uns warm an. Wie in der Vergangenheit kann dann das der Normalbürger ausbaden.

  2. Eine Investition in eine Immobilie bedeutet immer, daß man sich längerfristig (auch wegen der Transaktionskosten) an einen Wirtschaftsraum, eine Währung und ein Marktgefüge bindet.

    Dies alles (geringes Wirtschaftswachstum, Überbewertung des schweizer Franken mit Null- und Negativzinsen, Preisblase bei Immobilien) ist heute in der Schweiz kaum mehr glücklich.

    Beispielsweise im Gegensatz zur Lage im Jahr 1999, wer damals seine Börsengewinne international in schweizer Zinshäuser gerettet hat…

  3. Durch diese flächendeckende Suchaktion nach Immobilien, fördert die Swiss Life die Verlockung der Privatbesitzer, zu verkaufen, dies zu Lasten der darin befindlichen Mieterinnen und Mieter inklusive eingemietete kleinere Geschäfte, Werkstätten und Ateliers. Daraus generieren sich nicht nur Unsicherheiten, sondern solche Aktionen drehen auch die Preisspirale nach oben. Nachfrage befeuert bekanntlich den Marktwert, auch wenn keine Garantie besteht, sich lange halten zu können. Swiss Life trägt massiv dazu bei, dass Zürich immer mehr unbezahlbar wird, für Bürger wie Du und ich.

  4. Die Verkäuferin unseres Hauses hatte Swiss Life Immopulse, Baden Dättwil, als Makler engagiert. Welche als Agent alles sehr professionell (Verkaufsprospekte usw.) abwickelte. Es ist richtig, dass wir zusätzlich von der Swiss Life in Zürich die Hypothek erhielten. Wir wurden dort jedoch wie jeder andere Kunde behandelt. Im gleichen Quartier hatte Swiss Life Immopulse auch ein anderes Mandat. Was jedoch an den zu hohen Preisvorstellungen des verkaufswilligen Eigentümers scheiterte. Ein anderer Makler war dann erfolgreicher, da er u. a. die Hauptstrasse mit grossen Plakaten „verschönerte“….

  5. Wann steigt die Swiss Life in den Autooccasions- und Altgoldhandel ein und offeriert diskrete Hausbesuche bei betagten Rentnern?

  6. Swiss Life und Swiss Life Immopulse sind nicht dasselbe.
    Immopulse Leute sind schlicht gesagt einfach Makler, welche Arbeit im ausgetrockneten Markt suchen.

    Dass die Swiss Life selbst scharf auf „Renditeliegenschaften“ in Zentrumslagen ist und dafür gutes Geld bezahlt ist längst bekannt.

  7. Wenn schon Carsten Maschmeyer, ex AWD und Grossaktionär bei Swisslife versucht das Ganze richtigzustellen, dann sollte dies auf ein Unvermögen der zuständigen Marketingabteilung der Swisslife hindeuten. Der Grossaktinär möchte auf jeden Fall den Eindruck vermeiden, dass Swisslife als Preistreiber fungiert.
    Es ist natürlich Fakt, dass Versicherungen und Pensionskassen einen Anlagenotstand haben, da es im Immobilienbereich kaum noch lohnende Verkaufsangebote hat. Der gesamte Immobilienbereich muss sich konsolidieren. Ob es zu einer „Blase“ kommt oder ob die Konsolidierung leiser stattfindet wird sich weisen. Zudem wird es sehr stark von der Geldmarktpolitik der Zentralbanken abhängen.

    • Lieber Realist
      Ihr Name stimmt doch nicht so ganz. Denn als Realist wüsste man, dass Carsten Maschmeyer NIEMALS einen Kommentar unter seinem Namen veröffentlichen würden.
      Aber ich finde es schön, dass es Menschen gibt, die prinzipiell ans Gute glauben.

  8. Zitate: „Spielen Sie mit dem Gedanken, Ihre Liegenschaft zu verkaufen?“ und „schenken wir Ihnen als Dankeschön eine unverbindliche Schätzung Ihrer Immobilie“

    Solche „Gratisschätzungen“ habe ich etwa einmal im Monat im Briefkasten. Meisst unadressiert und von diversen Immobilienmaklern. Also nichts Besonderes.

  9. Die alte Schweizer Rentenanstalt :
    kauft jeden Schund, bis es knallt !
    Das haben wir auch früher erlebt,
    AWD hat sie in den Himmel erhebt.

    Eine krankhafte Beton- Blindheit ;
    aus Versicherten Geldern, Kindheit:
    Mahnungen in den Himmel geblasen!
    „Alles dumm-dreiste, billige Phrasen?“

  10. Interessant, obwohl der deutsche Markt für die SWISSLife und Schweizer Investoren viel lukrativer wäre, denn hier locken zumindest in den süddeutschen „Grossstädten“ München (1,5 Mio.), Frankfurt (0,7 Mio), Stuttgart (0,6 Mio) oder Nürnberg (0,5 Mio) in deren besseren Lagen, viele Immobilen in guter bis sehr guter Ausstattung. Deutschlands Rentner und Pensionäre haben Heute als Hauseigentümer nicht selten das Problem, dass sie mit ihrem Alterseinkommen sparsam haushalten müssen – eine Immobilie wird im Alter nicht selten zur Belastung. Die Verkehrswerte werden zu qm/Preisen zwischen 5.000-15.000 EUR je nach Lage gehandelt, für Schweizer Investoren ein „Schnäppchen“, eben ein Immobilien-Markt mit hohen deutschen Qualitätsansprüchen.

    • Das ist so eine Sache:

      Einkaufszentren sind heute selbst als Neubau kaum voll vermietet.

      Wohn- und Geschäftshäuser in 1 A – Innenstadtlage sind vielfach veraltet und nur teuer zu renovieren oder gleich Abriß und Neubau.

      In der Schweiz sind die Renditen von sog. Renditeliegenschaften derart gering, daß sich – auch angesichts von Währungsschwäche und Zukunftsaussichten – ein Währungstausch in US-Dollar gerade aufdrängt, wo es bei Staatsanleihen gleich hohe und bei Industrieanleihen guter Bonität viel höhere Zinsen gibt (klick).

      Mag sein, daß der Boden in 1 A – Innenstadtlagen schon durch die Teuerung über die Zeit hinweg mehr wert wird (wobei diese Entwicklung m. E. angesichts des technischen Fortschritts nicht unbedingt sicher ist). Der aktuelle, langjährige Preisboom und die dabei erreichte Überbewertung sind eine stille Hypothek für zukünftige „Wertsteigerungen“. Ein Großteil des Kaufpreises einer Immobilie in Innenstadtlage entfällt auf das alte bzw. im weiteren Zeitablauf veraltende Gebäude und dessen technische Ausstattung wie Heizung, Klimaanlage, Lüftung, Aufzug, Rolltreppe, etc.

  11. Irgendwas passt in dem Artikel nicht zusammen: Reden wir jetzt von Swiss Life als Immobilienvermittler (über Immopulse) oder als Käufer für die eigene Rechnung?
    Der Artikel scheint das bunt zu mischen. Bei der Briefaktion (die zugegeben hilflos ist) geht es doch darum, dass die Swiss Life Ihre Dienste als Makler anbietet und gerne im Auftrag von Kunden Hauskäufer/verkäufer vermittelt. Das hat ja nichts ‚mit der Jagd nach Renditeobjekten‘ oder dem ‚Kauf jeder Hütte‘ zu tun. Das Mieten in bestehenden Renditeliegenschaften erhöht werden hat ja auch nix mit irgendeinem Kaufwahn zu tun.
    Insgesamt macht der Artikel so nur begrenzt Sinn, weil ja im Text überhaupt keine Beispiele gegeben werden, wo Swiss Life jetzt gerade alles im Wahn aufkauft (Makler und Mieterhöhungen taugen hier nicht als Beispiel)…….

    • „Der Kunde kann nie einen Verlust machen. Das ist der Traum hoch drei, wenn das Euro-Geld kommt.“

      „Wenn der Kunde fragt, wie der Dreiländerfonds funktioniert, antworten Sie einfach: hervorragend.“

      „Gutswiller & Partner ist eine Privatbank in der Schweiz – die haben in den Fonds bisher 9,5 bis zwölf Prozent erwirtschaftet. (. . .) Das ist wie Lindt & Sprüngli hauchzart, also wirklich vom Feinsten.“

      „Die Stadt Stuttgart hat das Grundstück für die Music-Hall für nen Apfel und ein Ei verkauft. Das kann für den Anleger nur gut sein. Der Deyhle hat wesentlich höhere Angebote für die Music-Hall gehabt und hat sie aber trotzdem dem Walter Fink verkauft.“

    • Herr Schibli,
      Sie gehören anscheinend zu den Figuren, die ständig jammern und Bedenken tragen. Ja, ich gebe Ihnen sogar recht, denn Ihre Enkelchen werden Ihnen auf die Schulter klopfen um eines Tages sagen zu können; „der Opa hatte ja vor 30 Jahren recht, als er immer von einer komischen Blase faselte, jetzt hat er eine neue bekommen.“

    • @ zar:

      Peter Schibli hat recht.

      Im aktuell überfüllten Markt sind die Tiefpunkte von kommenden Krisen – wie auch in der Vergangenheit – die einzigen glücklichen Momente, in denen sich das Investieren lohnt.

      Zudem hat man keinen Ärger und Mehrkosten wie üblicherweise die Bauherrschaft.

      Ich will gar nicht wissen, wieviel Abwertungspotential und stille Verluste heute nicht verbaut werden.

  12. Zu Michaeli und Georgi steigen die Hausbesitzer
    bis ins letzte Stockwerk empor,
    um die Miete zu kassieren.
    Dann kommen sie dem Wunsch der Hausbewohner nach
    und gehen mit der Miete herunter.

    Gottlieb Moritz Saphir
    * 8. Februar 1795 † 5. September 1858

  13. Unerlaubte Werbepost sollte mit Vermerk „Gebühr bezahlt Empfänger“ zurückgeschickt werden. Gerne auch rechtliches Vorgehen, der Tatbestand scheint hier ja offensichtlich erfüllt zu sein