UBS-Mann, McKinsey, PR-Guru: Next Big Debakel

Die Gleichen, die das Halb-Milliarden-Grab Twint verantworten, lancieren Digital-Identität – Nächster Flop garantiert.

Der Aufbruch Helvetiens ins Digital-Zeitalter wird von einem unheiligen Triumvirat gesteuert. Dieses verbratet Hunderte von Millionen – wird selbst aber reich und mächtig.

Es sind: UBS-Digitalchef Andreas Kubli, McKinsey und PR-Guru Victor Schmid. Am Dienstag zünden die drei irrlichternden Digi-Musketiere ihre nächste Rakete.

„Digital Identity“ heisst sie, „Building a joint digital identity solution for Switzerland“ lautet ihr Versprechen.

Kubli, seine Ex-McKinsey-Kollegen und Schmid, eine Art Elder Statesman der Schweizer Kommunikationsbranche, haben ganze Arbeit geleistet.

Alle wichtigen „Player“ sind bei ihrer „Digital Identity“ an Bord: Neben UBS auch die Nummer 2 CS, die ZKB, die Raiffeisen und die ewige Six, dann die Versicherer Mobiliar und Allianz, schliesslich Migros und Coop, die nie fehlen dürfen.

Medienpartnerin ist, wie könnte es anders sein, Ringier. Und aus dem letzten Wagen des langen Digi-ID-Zugs winkt auch noch die Aduno fröhlich aus dem Fenster.

Kubli, seine Mackies und Spindoctor Schmid wiederholen, was sie vor 2 Jahren mit Twint geschafft haben: ein weiteres absehbares Desaster mit Unsummen an Geldern, die zum Fenster hinausgeschmissen werden.

Die Drei sind die Masters von Twint. Dort liegt der Verlust-Zähler inzwischen auf geschätzten 300 Millionen.

Damit ist Twint auf dem besten Weg, zum Allzeit-Flop von Swiss IT zu werden. Entgegen den Jubelbotschaften der Twint-Chefs – „Twint schlägt Apple Pay“ – kommt das Vorzeigeprojekt nämlich nicht auf Touren.

Verzweifelte Aktionen legen beredtes Zeugnis ab. Letzte Woche verteilten junge Frauen vor der Raiffeisen-Filiale am Zürcher Limmatquai 10-Franken-Gutscheine für Twint. Kaum einer wollte sie.

Twint – Nein danke. Nicht geschenkt.

Statt aus dem Debakel die Konsequenzen zu ziehen und als Verantwortliche das Feld zu räumen, dürfen diese mit ihrer elektronischen Identitätskarte ein nächstes Mal profitieren.

Und möglicherweise die Schweiz noch tiefer in die digitale Sackgasse lenken.

Für Kubli, McKinsey und Schmid läuft es wie am Schnürchen. Sauber orchestriert verhalten sich die eingebundenen Instanzen an das Drehbuch der drei Stippenzieher.

Vor zwei Tagen war der Bundesrat an der Reihe. Justizministerin Simonetta Sommaruga stellte die E-ID des Bundes vor.

Für Kubli & Co. war der Auftritt der braven SP-Magistratin Weihnachten und Ostern in einem. Der Gesetzgeber würde nur den Rahmen abstecken, das Business sollten die Privaten übernehmen, verkündete Frau Bundesrätin.

Sprich: die drei Digi-Musketiere. An ihnen und ihrem All-Star-Team soll keiner vorbeikommen. Wer es trotzdem versucht, den wollen sie plattmachen.

Ins Spiel kommt wie bei den französischen Musketieren ein vierter Mann. Er heisst Markus Näf und ist Chef der Firma SwissSign.

Dabei handelt es sich um das geheime U-Boot der „Verschwörer“. Aus SwissSign dürfte rasch jene Firma werden, welche bei der digitalen Identitätskarte für Herr und Frau Schweizer den grossen Reibach plant.

Markus Näf agiert im Einklang mit UBS-Kubli. Bei sich an Bord hat er die grossen Mitspieler des Staats, die SBB und die Post, deren Vertreter prominent im VR von SwissSign sitzen.

Die Absprache sieht laut einem Insider vor, dass SwissSign beim Ausrollen der elektronischen Identitätskarte zum Zuge kommt, während die UBS im Gegenzug bei Twint das Zepter schwingt.

Bern die ID, Zürich das Geld. What else?

Geht der Plan von Kubli, Spindoctor Schmid und ihren Identitäts-Strippenziehern auf, dann hat der alte Schweizer Filz die Schlacht der Zukunft gewonnen – ohne je aufs Feld ziehen zu müssen.

Wir verteilen die Pfründen und lassen keinen von aussen hinein, so die Order. Nur ein Detail funktioniert nicht: Der Kunde spielt nicht mit.

Er will Apple Pay, nicht Twint; Vielfalt, nicht Monopol.

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22 Kommentare zu “UBS-Mann, McKinsey, PR-Guru: Next Big Debakel

  1. Im Gegensatz zu Twint kann ich mir durchaus vorstellen, dass die digitale ID Zukunft hat. Vieles würde dadurch einfacher, Estland macht es vor …

    • Solche Konsortien funktionnieren doch nicht. Die bald 1 jährige Diskussion zur Formierung von SwissId sind ein wahres Trauerspiel…

  2. Was soll das? Die Erde ist eine Scheibe und Flint ist erfolgreicher als alles andere auf der Welt. Apple Pay funktioniert nicht! Auf fünf Kontinenten – nicht Kantone – selbst mehrmals problemlos, unkompliziert eingesetzt. Das alles ohne mühsamen Code und dergleichen. Aber das alles stimmt ja nicht und ist offensichtlich geträumt. Denn was nicht sein darf, das gibt es einfach nicht. Würden Apple Pay und ähnliche Systeme von den erwähnten Banken unterstützt, wäre Flint schon lange kein Thema mehr. Man nennt dies kollektiver Produkteboykott. Was sagen eigentlich die Wettbewerbshüter und das Kartellamt dazu?

  3. McKinsey und Allianz, wieso überrascht mich das nicht. Zwei der schlimmsten Unternehmungen die es gibt in der Welt. Transatlantische Netzwerke die heimlich die Demokratie unterwandern. Wir brauchten vielleicht die neoliberalen Wahnsinnigen von der SVP um ein Vorzeigestaat der Mont Pelerin Society zu werden. Aber heutzutage erledigt das auch die SP, fast wie in Deutschland unter Schröder. Auch wenn das was die Herren planen ein alter Hut ist und ein noch grösseres Fiasko wird, Allianz und McKinsey gehen immer als Sieger mit prallgefüllten Taschen vom Platz um die Schönheitskönigin zu v…… Zahlen wird der einzelne Angestellte, der Staat und die Gesellschaft.

  4. Reden wir hier vom Schmid von Hirzel, Neef, Rasi? Pardon, Hirzel, Neef, Schmid wollt‘ ich sagen.

    Wenn dieser Schmid in Sachen IT / Digitalisierung ähnlich kompetent wie Jörg „das lösen wir ad hoc“ Neef, dessen zweifelhafte Bekanntschaft ich im WK 1987 in St Croix machen durfte, dann „Guet Nacht am Sächsi“!

    Immerhin, ich würde Jörg Neef als ganz passablen Spin Doctor bezeichnen …

    • Das kann nicht gut kommen. Die verbocken alles. Einfach mal nach Alpiq und Dinosaurier googeln. Lobbyismus aus der Mottenkiste.

    • Hab’s ge-google-t, Bond, old buddy.

      Ab jetzt nenn‘ ich die Konsulenten nur noch Pfuri, Gorps & Kniri.

  5. Hier werden wieder Horden von Europäischen Spezialisten angelockt um sie nach einem Jahr wieder zu entsorgen. Einfach an die feudalen Töpfe der Sozialindustrie auf Kosten der Allgemeinheit übergeben und selber von Steuererleichterungen profitieren.

    Schweizer Firmen mit ihren ausländischen Topshots im Mangement und in leitdenden HR Stellen bedienen sich am Billigstpool von 560 Millionen EU Fachkräften einer chronisch kranken Europäischen Union um ihre von Anfang an zum Scheitern verurteilen Ideen bis zur nächsten Bonusrunde „umzusetzen“.
    Der Preis für diesen Wahnsinn zahlt der Inländer mittels höheren Sozialabgaben, steigenden Steuern, weniger verbleibende Sozialleistungen und tieferen Löhnen und knappem Wohnraum. Überfüllte Wartezimmer in Arztpraxen, steigende KK Prämien, ein ÖV und Strassensystem kurz vor dem Kollaps, Primarschulen wo ein Drittel der Kinder nicht einmal mehr Hochdeutsch versteht sowie ein permanenter Dichtestress im öffentlichen Raum werden uns als Fortschritt, Bereicherung und Wohlstandssteigerung verkauft.
    Dieser Wahnsinn wird tagtäglich auch noch von den einbeamteten Trolls der Mainstremmedien wie die des Staatsmonopols SRF ungefiltert in den Äther hinaus geschriehen.

  6. Paypal nicht vergessen…übrigens am Beginn von Alibaba wollte ich Aktien kaufen…“Banker…Alibaba Who??…Alibaba und die 40 Räuber Hahaha“. Soviel Arroganz..Sorry…Twint kommt zu spät!

  7. Digital Identity ist keine neue Sache eigentlich…. es ist interessant, gut und vielleicht in 5 Jahre Realität! Security vor allem bei Banken spiellt eine grosse Rolle.
    Es gibt ein bisschen Euphorie, aber ich sehe kein „Masterplan“… solche sache machen an besten Start up, die Banken Sektor sollte sich besser ausdenken, was eine Bank in 10 Jahre sein sollte und dann extrapolieren, was wollen sie entwickeln.
    Twint kenne ich nicht gut, aber war wahrscheinlich nicht falsch zu versuchen…
    Digital Era heisst: try, try, try…. man weiss nicht im Voraus was draus kommt. Hier spielt die Mentalität eine grosse Rolle. Viel Erfolg.

    • Tatsächlich ist die e-ID keine wirklich neue Sache, da die Technologie schon seit längerer Zeit in der SuisseID/SwissID oder auch der Qualifizierten Elektronischen Signatur (QES) verwendet wird. Alles basiert auf einem Identifikationsprozess, welcher nun mal bei Banken durch die FINMA-Vorschriften perfektioniert wurde. Deshalb ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass Banken aber auch die SBB zum Zuge kommen wollen. Auf der anderen Seite sind es die elektronischen Zertifikate; das Steckenpferd von SwissSign. Ergo, das Venture ist überhaupt nicht verwunderlich. Im Gegenteil, denn nach dem lancieren der QES bei der UBS (im März 2017) ist die e-ID der nächste natürliche Schritt.
      Dass der Bundesrat nun sogar einen Rahmen dafür geschaffen hat, bestehende Gesetze (ZertES) und neue Initiativen zu kombinieren, um die „EINE“ Lösung hervorbringen zu können, spricht für die Eidgenossen und derer Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, um ein gemeinsames Ziel zu verwirklichen. Ein tolles Ökosystem. Vorbildlich.
      Für die Wirtschaft spricht hingegen, dass sie tatsächlich ein zweites TWINT/PAYMIT Desaster vermeiden wollen. Ich kann also nicht nachvollziehen, warum man so unsäglich über Innovationsvorhaben schreiben kann. Es ist Teil einer (Re-)Evolution und warum sollte man nicht versuchen, seinen eigenen Beitrag dazu zu leisten. Es sei denn, man lebt gerne in der Vergangenheit, LH!?

      http://www.netzwoche.ch/news/2017-03-30/ubs-fuehrt-die-digitale-unterschrift-ein

      https://blog.hslu.ch/retailbanking/2017/01/17/online-signieren-einfach-gemacht-die-ubs-lanciert-die-qualifizierte-elektronische-signatur/

  8. Warum verdammt noch mal, liest mal sowas immer nur bei IP? Gibt es bei der übrigen Presse keine kritischen Journalisten mehr? Danke Herr Hässig, bleiben Sie bitte am Ball.

    • Weil die übrige Presse nicht unabhängig ist.
      Man schaue sich nur mal in der Bilanz die „Digital Leader Liste“ an: Fast alle bei Digital Switzerland dabei und Freunde vom Ringier Boss. Oder die irren Lob-Stories aktuell über UBS im Blick.
      Herr Hässig ist der Letzte, der noch richtigen, kritischen Journalismus macht. Hoffen wir, dass es niemandem gelingt, ihn mittels Anwälten zum Schweigen zu bringen. Das wäre glaube ich ganz schlimm für unser Land.

    • warum wohl… Ringier ist mit an Board und alle anderen fuerchten um Ihre Werbeeinnahmen bei allzukritischen Artikel, soviel zur Meinungsvielfalt in der Schweiz.

      Auf den ersten Blick finde ich die Idee mit der ID nicht schlecht, auf den zweiten Blick ist es aber so, dass wer immer diese ID hat alles ueber mein Leben weiss, nicht sicher ob ich wirklich das jemandem anvertrauen will, denn wer weiss schon was in 10 Jahren ist…

    • Achtung zynisch!

      Im Zeitalter des neoliberalen Paradigma, der Kriegstreiberei, dem Drohfinger Fake und dem Argument Verschwörung, wird Überleben plötzlich wichtiger als etwa eine x-beliebige Wahrheit. Denn wer möchte schon ein leistungsloses Einkommen, ausser die, die ihr Geld für sich arbeiten lassen?
      Aber lassen wir das jetzt besser. Wer denkt, dass er eine Zwangsgebühr zahlt und nun auch noch informiert wird… Nee lassen wir dies besser auch. Zu Zeiten der DDR mussten die Menschen jeweils zwischen den Zeilen… Nee, doch lieber nicht.
      Ach, informieren wir uns doch einfach selber aktiv im Internet. Wenigstens bis die Swiss-ID eingeführt ist. Danach müssen wir vielleicht am Social-Scoring teilnehmen oder aber per Gesetz einfach aufs Internet verzichten und wieder SRG schauen. Ganz tolle Sache! Copy China paste in Switzerland. Ist doch ganz einfach. Nicht?

    • lb.Caro,
      Du und viele Schweizer haben leider noch immer nicht bemerkt, dass die CH-Presse weder unabhängig und schon gar nicht neutral berichtet. Die gesamte Presse ist stramm auf US-Kurs getrimmt und seit SVP-BR Ogi (SVP!!) uns in die Nato schupfte ist sowieso alles klar. Die unabhängige, neutrale Schweiz ist seit vielen Jahren passé; alles nur Sch(w)ein, leere Hülsen. Schade, schade..

  9. Welches Wunder… meine Kollegen mit Credit Suisse Konten haben erklärt bekommen, sie sollten doch die Bank wechseln wenn sie Twint wollen. Grund ist dass die CS immer noch nicht die Applikationen in allen AppleStores hat – also Leute mit internationalen Apple accounts (alle expat und auch Germanen die es in der Schweiz geben sollte) sind ausgesperrt. Irgendwie witzig :).

  10. Eine Ähnlichkeit zu den Geschehnissen RTC/IBIS und den Teilnehmer-Banken BEKB, AKB, BKB, Migros Bank und BLKB ist unverkennbar – ein Millionen-Grab.

    Die Trennung und somit Auflösung des IBIS-Verbunds waren nicht Sachüberlegungen wie in der Öffentlichkeit geschrieben. Vielmehr lösten in der Gemeinschaft persönliche Befindlichkeiten und gegenseitige Feindseligkeiten das abrupte Ende aus einer langen Gemeinschaft. Spätestens wenn auf Stufe Verwaltungsrat die Bankenvertreter über Text-Bezeichnungen in Eingabemasken stritten, war das Ende absehbar.

    Die Banken BKB, BLKB, AKB und Migros Bank haben schätzungsweise insgesamt 350 Millionen Franken für den Ausstieg und Wechsel aufgewendet.

    Fernandez hat die „verstrittene“ Situation geschickt ausgenutzt und die Banken BKB, BLKB und AKB auf seine Seite gezogen. Schliesslich wollten ja die „neuen“ Avaloq-Banken nicht das gleiche System (Finnova) nutzen wie die „Gemüsebank“ (Migros Bank). Das Live-Style Auftreten von Fernandez hat natürlich den Provinz-Banker mächtig gefallen; leichte Beute für Fernandez.

    Schätzungsweise 350 Millionen Franken, Geld aus den Taschen der Kunden. Die Bankkunden habe die Zeche bezahlt, nämlich den Streit unter den Banken. Bis heute ist kein Mehrwert erkennbar: Kein Erneuerung, Bankprodukte und -leistungen unverändert wie in den 80er Jahren.

    Okay, da gibt es ja Twint. Ein weiteres Millionen-Grab. Und wieder bezahlt der Bankkunde die Zeche. Die Verantwortlichen im Retailbanking fühlen sich fest im Sattel. Noch.