Zürcher KB verrät alle Mitarbeiter mit US-Bezug

Brief von Vize Christoph Weber – Datenoffenlegung trifft jetzt auch Ex-Banker und Pensionierte – Cover my ass – „Keine Nachteile“.

Die Zürcher Kantonalbank gehört dem Volk. Sie müsste deshalb ihre Mitarbeiter besonders schützen. Das tut sie in ihrem grossen US-Steuerkonflikt aber nicht.

Im Gegenteil, sie liefert die Leute Uncle Sam aus. Das zeigt sie mit aktuellen Briefen an frühere Mitarbeiter, Pensionierte und alle, die irgendwann mal einen Bezug zu US-Kunden gehabt hatten.

„Persönlich/Vertraulich“ steht über dem Titel, dieser lautet: „Datenlieferung an U.S.-Behörden“.

Dann teilen die ZKB-Chefs mit, dass sie „die Namen sämtlicher ehemaliger Mitarbeitenden, die als Kundenberater in Verbindung mit (…) Kundenbeziehungen mit US-Bezug standen“, offenlegen würden.

Unterzeichnet ist der Brief von Christoph Weber, Chef Private Banking der ZKB und Stellvertreter von CEO Martin Scholl. Die beiden kennen sich seit gemeinsamen Lehrlingstagen bei der Staatsbank.

Laut Weber sollen den Pensionierten und Ex-Mitarbeitern keine „Nachteile“ aus der Datenlieferung über den Ozean entstehen.

Doch so richtig daran glauben mag die Bank offenbar selbst nicht. Jedenfalls teilt sie den Betroffenen mit, dass sie für Fragen eine separate Hotline und eine spezielle Mail-Anlaufstelle eingerichtet habe.

Im Brief versuchen Vize Weber und der oberste Rechtschef der Kantonalbank, die grosse Daten-Sendung mit Ziel USA möglichst reibungslos über die Bühne zu bringen.

„Ohne Ihren anderslautenden Bericht bis zum 29. November 2017 gehen wir davon aus, dass Sie keine Einwände gegen die geplante Übermittlung Ihrer Personendaten an die U.S.-Behörden haben“, steht im Schreiben, datiert von Anfang November.

Ob das Kalkül aufgegangen ist, will die ZKB nicht verraten. Wie viele der angeschriebenen Ex-Mitarbeiter die Kröte geschluckt haben respektive wie viele dagegen opponieren, behält die Bank nämlich für sich.

„Der Umfang der Datenlieferung korreliert zur Grösse der Zürcher Kantonalbank“, sagte ein Sprecher auf Anfrage lediglich. „Zu Einzelheiten äussern wir uns aufgrund des laufenden Verfahrens nicht.“

Man könne aber bestätigen, dass die ZKB „im Rahmen des laufenden Verfahrens im U.S. Steuerstreit vom U.S. Departement of Justice aufgefordert wurde, bestimmte Daten über Kundenbeziehungen mit U.S.-Bezug zu liefern, die zwischen 1. August 2008 und 31. Dezember 2014 saldiert“ worden seien.

„Bei den zu liefernden Daten handelt es sich um die gleichen Informationen, die bereits von allen rund 80 Banken in der so genannten Kategorie 2 an die U.S. Behörden geliefert wurden.“

Gemeint sind jene Geldhäuser, die von sich aus vor der US-Bedrohung kapituliert hatten; dies, nachdem die Finanzaufsicht via NZZ mit schweren Konsequenzen für Widerstand gedroht hatte.

Inzwischen ist klar, dass viele Banken gute Chancen gehabt hätten, den USA die Stirn zu bieten. Doch diese Einsicht kommt zu spät. Die Kategorie-2-Banken – das sind die reuigen Sünder – haben längst Busse getan.

Nicht so die ZKB. Sie gehört zur Gruppe 1. Dort befanden sich auch die CS, die Julius Bär, eine Liechtensteiner Bank und israelische Institute. Diese habe sich bereits mit den USA geeinigt.

Noch offen sind die aus Schweizer Sicht besonders brisanten Kantonalbanken. Neben der Zürcher ist das auch die Basler.

Letztere hatte 100 Millionen für ihren US-Prozess zur Seite gelegt. Bei der ZKB sind es geschätzte 200 Millionen.

Die USA lassen die Basler und die Zürcher KB zappeln. Sie lassen monatelang nichts von sich hören. Dann plötzlich stellen die Häscher aus den Vereinigten Staaten neue Forderungen.

So wie jetzt mit den Daten von Pensionierungen und Ehemaligen, die irgendwann in grauer Vorzeit mit irgendeinem Amerika-Kunden in Kontakt gekommen sind.

Für die beiden ZKB-Oberchefs Scholl und Weber ist Amerikas Wunsch Befehl. Sie stehen stramm und leiten die Forderungen aus Übersee ungefiltert an ihre einstigen Kollegen weiter.

„Die Bank kooperiert mit den U.S.-Behörden und ist bereit, den Fall jederzeit abzuschliessen“, bestätigt der ZKB-Sprecher ungewollt das Verhalten der Bankleitung.

No limits, wenn es um US-Drohungen geht.

Und das von der grössten Staatsbank des Landes.

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32 Kommentare zu “Zürcher KB verrät alle Mitarbeiter mit US-Bezug

  1. Ich hoffe sehr, dass wenigstens ein paar „ehemalige Mitarbeiter und Pensionierte“ dagegen vorgehen und sich nicht kaufen lassen. Aber andererseits… wenn ich die mir bekannten Bankangestellten vor meinem geistigen Auge paradieren lassen, glaube ich nicht, dass sie mal Rückgrat zeigen.

  2. Loyalität ist am Paradeplatz ein Fremdwort – ohne Inhalt.

    Als weitere Negativkriterien gelten: ehrlich und gewissenhaft.
    Dies sind Killer-Eigenschaften in einer Qualifikation.

    Wer’s noch immer nicht glaubt oder weiss ist ein Dreamer.

  3. Die damalige Bundsrätin Evelin Widmer-Schlumpf hat das Abkommen mit den USA geschlossen nur damit sie Ruhe hat. Frau Widmer-Schlumpf war doch total überfordert und hat zum Schluss zehntausende von Bankmitarbeitern den USA an das Messer geliefert. Dies obwohl diese Mitarbeiter weder CH noch USA Recht verletzt hatten (siehe die beiden USA Prozesse). In keinem anderen Land würde ein Politiker eigene Landsleute zu tausenden an ein anderes Land namentlich anschwärzen. Frau Widmer-Schlumpf hat es getan. Kurz gesagt ist sie eine Verräterin gegenüber tausenden unbescholtenen Bankmitarbeitern. Dies alles nur damit sie ihre Ruhe hatte vor den USA. Ein jämmerliches Verhalten. Heute wandert die Eveline im schönen Bündnerland bei einer lebenslangen Rente vom Steuerzahler von CHF 220’000 p.a.. Ehrlich gesagt mag ich es ihr nicht gönnen. Wehrt Euch mit einem Anwalt und der Name geht nicht in die USA, weil Euch die Schweizer Gerichte schützen werden. Somit muss E. Widmer-Schlumpf vom Schweizer Recht zurückgepiffen werden. Traurig aber die Wahrheit.

    • Lieber Ueli, es ist entweder fachunkundig oder billig oder unfair (oder alles zusammen) von Ihnen, auf die Eveline einzuhauen. Wir leben nämlich in der Schweiz. Sie und alle anderen Stimmbürger hätten die Möglichkeit gehabt, mit den Methoden der direkten Demokratie der Eveline und allen anderen die Hände zu binden. Sie haben es nicht getan und auch sonst niemand. Also, bitte!

    • Georg Ritter: Der nationalrat hat die Lex USA von E. Widmer Schlumpf abgelehnt. Trotzdem beharrt die USA auf den von E. Widmer Schlumpf zugesagten Namen der Angestellten. Uebrigens niemand aber wirklich niemand kann einen Bundesrat eine Bundesrätin abwählen. Leider muss man dazu sagen. Das müsste in unserer direkten Demokratie noch möglich sein und dann wäre es perfekt.

  4. Hat die Coop-Bank – heute Klär(li)-Bank schon 2015 gemacht… alle MA an die Amis verraten… ebend klärend halt 😕

  5. Was ist die Basis für eine rechtsverbindliche Aussage der ZKB, wonach den Mitarbeitenden oder Ex-Mitarbeitenden aus der Datenlieferung keine Nachteile entstehen? Der Tagesanzeiger hat im Frühling 2014 über diese Situation berichtet und darin Dr. Andreas Rüd vom Anwaltsbüro Rüd Winkler Partner in Zürich als Spezialisten erwähnt. Also: Rechtschutzversicherung abschliessen und sofern man mit dem Vorgehen der ZKB nicht einverstanden ist, einen Anwalt konsultieren.

    • @DoJ – Robin Hood: Eine Rechtschutzversicherung bringt jetzt nichts mehr, das hätte man vor dem Ereignis hätte tun sollen.

      Weber ist ein Blender der weder fachlich noch führeungsmässig viele Qualitäten hat. Er ist etwa die gleiche Nummer wie der PB Notenstein Mann, genannt der Sakko-Blender. Einschleimer und Jasager und zum Nutzen des eigenen Geldbeutels. Darum sind ihnen logischerweise die Mitarbeiter ziemlich egal. Hauptsache ihr Bonus ist gesichert!

  6. Hat ein gemeldeter \ eine gemeldete KuBe Erfahrungen gemacht mit Reisen in die USA? Würde mich wundern was am Zoll geschieht…

  7. Aber Leute, was regt ihr euch auf?
    Dank Eveline kann heute jeder Bank-CEO sicherstellen, dass er selber nie auch nur ins Fragezimmer der US-customs geholt, geschweige denn verhaftet würde. Es reicht, ganz legal alle Namen der MA’s in die USA weiterzureichen.
    Wählt weiter Politiker, die aufgrund ihrer naiven Angst vor grauen/schwarzen Listen jeden Bückling machen, bevor dieser überhaupt verlangt, geschweige denn nötig war!
    Dass es nichts bringt, sehen wir ja: trotz der Kohäsions-Milliarde, die Strahle-Doris dem Junkie, ääääh, Juncker versprach, landet die CH auf der grauen Liste.
    Und die Medien berichten über Meghan Markle…

    • T. D. Gerster: In der Tat, damals unter der Finanzministerin E. Widmer Schlumpf und dem Finma-Boss Raaflaub hatte man die Flinte gegenüber den US-Behördendrohungen zu mutlos ins Korn geworfen. Diese Widmer Schlumpf-Politik des geringsten Widerstrandes (für Bern) kostete uns bisher Milliarden und ausserdem demütigende vorauseilende Schuldbekenntnisse vieler unserer Banken, so empfohlen von der Finma mit dem Segen des Finanzdepartements. Das war eine totale Kapitulationspolitik !

  8. ….jaja und das ZKB-Mänätschement hat wieder einmal von nichts etwas wissen wollen. Weshalb wird die Rolle von Baldauf im US-Gezänke nicht von der Presse beleuchtet? Als der die UBS verliess und zur ZKB stiess wurde im entsprechenden WM-Desk der UBS ein Apéro geschmissen zur Freude dass ein Riesen-Risiko die Bank verlassen hatte.

  9. Laut den beiden Bankenkapitänen habe ich echt Mitleid mit den ZKB-Mitarbeitern.
    Leute wie die Beiden gehören gefeuert, zur Rechenschaft gezogen und das gesamte Gehalt samt Boni zurückgefordert. Dazu eine Datenschutzklage und zivilrechtliche Klagen und an den Pranger gestellt.

    • Ja genau so sollte man das machen, das sind Landesverräter ersten grades und Männer ohne Eier .

      Lg pebo

  10. Hey Luki, geh doch an die ZKB-Medienkonferenz von heute. Gäbe sicherlich noch ein paar Fragen… An dieser wird UBS Advice äähh pardon die neue ZKB-Anlagewelt präsentiert. Mit fast 5 Jahren Verspätung hat es die ZKB doch noch geschafft, einen „UBS Advice“-Klon aufzusetzen. Lustig oder eher bedenklich, dass Weber so tut als hätte er die Welt neu erfunden. Bin gespannt wie die Parameter angepasst werden, um die miese Performance des CIO aufzupolieren 😉

  11. Ja, eben Wirbellose, nicht nur im vorauseilenden Gehorsam, auch noch im gebückten!
    Zeigt Rückgrat, wehrt Euch, schliesst Euch zusammen. Bildet einen Pool. Eure Position ist nicht schlecht. – Denkt daran, wie die MA der beiden Grossbanken einfach abgeschossen wurden! Nicht durch EWS, sondern durch die Teppichetage, welche ihre Haut und ihren Bonus retten wollte (was dann auch super gelungen ist). Denkt an die weisse Weste und das Eingeständnis, kriminell gehandelt zu haben. Davon sind die ZKB und deren Manager weit entfernt. Ich glaube fest, dass die ZKB im Gegensatz zu den Grossbanken noch Bodenhaftung hat.

  12. Dies ist für die ZKB ein noch grösserer Skandal als der Sulzer Fall vor einigen Jahren. Selbst als die anderen Institute das US Business heruntergefahren haben, fanden wohl noch einige Unterschlupf bei der ZKB…wohl sogarnoch von oben forciert(?). Ein wahrer Skandal wenn sich Weber/Scholl – sollte denn die Busse mal ausgesprochen werden – noch halten können!

  13. Das soll man als (ex) Bankmitarbeiter nie akzeptieren. Die BNP in Genf zB hat seine Mitarbeiter auch so verraten, auch die mit nur 1 zufaellig geerbtem Kunden oder einem umgezogenen Kunden. Wahnsinn. Legal BNP musste aber in vielen Faellen zurueckkrebsen.

  14. Die Kleinen werden von der sog. Staatsbank gemolken. Oben geben die Unfähigen das Geld aus. Wo ist die Politik? Wie lange wird da noch zugeschaut?

  15. Als EX CS MA war ich vor einigen Jahren von der Datenlieferung (ungerechtfertigterweise, hatte nie Kundenkontakt!) an die USA betroffen. Ich wurde aber nicht so nett vorinformiert sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Unglaublich dass die CHer Banken alles mit sich machen lassen!!!

  16. Nach den USA könte China auch auf diese Idee kommen. Die EU wartet sie will auch bedient werden.

    Da können ZKB & Co genauso gut eine Web-Seite ihre ganze Datenbank hochladen!

    Irgendwann werden Auslandsreisen für (ehemalige) Kundenberater unmöglich. Da die USA selbst US-Bürger zwischen 15 Minuten und 2 Stunden an den Flughäfen aufhalten, könnte dies bei einem Kundenberater noch länger gehen. Oder zum Einreiseverbot führen.

    Kundenberater wird so zu einem toxischen Job: wenn man ihn hat kein Problem. Aber nachher trägt man ewig die Konsequenzen.

  17. Ein Tipp an alle Betroffenen: Kontaktaufnahme mit der ZKB, zivilrechtliche Schritte androhen und die Bank knickt ein. So geschehen in einigen mir bekannten Fällen.

  18. Gegen die Datenlieferung muss man sich bei der EStV wehren, die sollen die Namen schwärzen. Kann jeder selber beantragen.

    • Stimmt doch nicht! Klage beim Friedensrichter erheben. Oder was hat denn die ESTV damit zu tun? Die kommt erst nachher zum Zug, wenn die Daten raus sind fliegt dann nämlich dem verratenen Mitarbeiter ein Amtshilfeersuchen um die Ohren!

  19. Laut Weber sollen den Pensionierten und Ex-Mitarbeitern keine „Nachteile“ aus der Datenlieferung über den Ozean entstehen.
    ZKB peinlich!
    An den Pranger gehören nicht die MA, sondern die Chefs bis und mit CEO’s. Sie haben die Bank geführt nicht die MA. Scholl und Weber sind feige Würste, liefern die MA aus und werden dann bestimmt vom VR mit einem satten Bonus belohnt!

    • Weber und Scholl können gar nichts dafür, dass sie an der Spitze der ZKB sind – sie wurden vom System nach oben gespült (und niemand stellte sich dagegen): Ohne wirklichen Leistungsausweis, ohne Führungskompetenzen…, nur durch Sitzleder und Seilschaften. Ich wundere mich deshalb nicht, was nun abgeht…

  20. Unbedingt dagegen wehren! Wofür hat man denn eine Rechtsschutzversicherung?! Und jede Kommunikation der ZKB sofort auf InsideParadeplatz setzen!

    • leider reicht hier keine rechtsschutzversicherung…. dies geht darüber hinaus. um eine schwärzung zu erwirken muss man einen anwalt nehmen und klage gegen die bank einreichen.
      viele kleinere kantonalbanken waren völlig inkompetent in dieser angelegenheit. diese haben sogar in der heissen phase noch aus unwissenheit und ohne kontrolle über das risiko in ihren büchern am schluss viele mitarbeiter ans messer geliefert, die auch überhaupt keinen kontakt zu solchen klienten hatten.
      wie überall in den firmen, verstehen gewissen leute in den führungsetagen den begriff „verantwortung“ übernehmen inhaltlich anders als reflektierte menschen.