Zürcher Polizei jagt Millionen-Pleitier

Razzia bei Finanz-Unterschlager Badilla – Verlust wohl 50 Mio – Schmuck, Lamborghini: Nix bezahlt – Auf Flucht.

Die Zürcher Kantonspolizei schlug Anfang Woche zu. Im noblen Seefeld-Quartier fuhr sie vor dem Haus vor, wo ein Financier namens Bismark Badilla seinen Geschäfts- und Wohnsitz hat.

Die Fahnder hofften, Badilla zu erwischen. Das misslang. Der Mann, der möglicherweise einen Gesamtschaden von gegen 50 Millionen angerichtet hat, war nirgends zu finden.

Die Hausdurchsuchung ist der jüngste Höhepunkt eines Krimis, der sich seit Frühling abspielt und sich in diesen Tagen beschleunigt. Die Polizei jagt Badilla, es dürfte einen Haftbefehl gegen ihn geben.

Selbst twittert der Mann mit dem adligen Namen fleissig. Sein letzter Eintrag stammt von Ende November – da waren die Zürcher Häscher längst auf seiner Fährte.

Eine Sprecherin der Zürcher Justiz bestätigte gestern Abend die Kommandoaktion. „Anfang Woche führten wir eine Hausdurchsuchung bei Herrn Badilla durch.“

Dann muss sie konzedieren: „Ihn selbst haben wir nicht angetroffen.“

Beim Kollaps kamen Dutzende von Investoren zu Schaden, darunter viele israelische Kunden. Auch ein grosser Fonds findet sich unter den Geschädigten.

Es war wohl dieser Investor, der allein einen tiefen zweistelligen Millionenausfall durch Badillas Finanzvehikel Lexinta zu befürchten hat, der die Behörden in Bewegung gebracht hatte.

„Wir ermitteln wegen eines Vermögensdelikts, dies nach einer Strafanzeige durch einen Geschädigten im Fall Lexinta“, sagt dazu die Justiz-Sprecherin.

Badilla selbst liess eine Nachricht auf seiner Combox unbeantwortet. Laut einer Quelle könnte er sich in Paris aufhalten.

Die offenen Ausstände von Badillas Lexinta dürften sich auf 30 Millionen belaufen. Hinzu kommen private Schulden, die von einem Insider auf rund 20 Millionen geschätzt werden.

Die Gläubiger von Badillas Lexinta mit operativem Sitz im Zürcher Seefeld und juristischen Adressen in Zug und in Hong Kong versuchen seit Monaten, an ihr Geld heranzukommen.

Stets spielte Badilla, ein flamboyanter Typ, der nun keine Anrufe mehr entgegennimmt, auf Zeit. So gelang es ihm, Klagen gegen ihn und seine Firma vorerst zu verhindern,

Erst Anfang November, mehrere Monate nach intensiven Gesprächen zwischen Gläubigern und Badilla, war Schluss. Strafanzeige gegen Badilla, darauf Razzien gegen den Financier.

Die Finanzaufsicht in Bern schaute tatenlos zu. Sie ist seit Frühsommer im Bild. None of our business, meinte der Regulator. Badilla und seine Lexinta unterstünden einer SRO.

Selbstregulierung also. Und so konnte Badilla weitere Monate unbehelligt durch die Zürcher Bahnhofstrasse und das Seefeld flanieren und den reichen Luxuskäufer spielen.

Bei einer Zürcher Schmuckboutique türmen sich laut einer Quelle offene Rechnungen von Badilla auf.

Seine Masche war simpel. Zuerst kaufte er eine Uhr und zahlte für diese, danach erwarb er ein viel teureres Stück und leistete nur eine Anzahlung. Oder gar nichts.

Darauf verschwand er. Und ward nie mehr gesehen.

Auch Sportwagen riss sich Badilla auf diese Art gern unter die Nägel. In einer Garage im Seefeld gaben ihm die Verkäufer einen Lamborghini. Und weg war er – ohne den Kaufpreis zu bezahlen.

Ein Leben wie in einem Hollywood-Streifen.

Das erinnert an den jüngst verurteilten Deutschen Felix Vossen. Der war tatsächlich im Filmbusiness – und erleichterte ein paar Dutzend Investoren um über 30 Millionen Euro.

Leichtgläubigkeit gepaart mit der Hoffnung, dass man ein Super-Investment getätigt hat und schnell reich wird – damit verfingen sich die Investoren und Kunden in Bismark Badillas Netz.

Als es längst zu spät war, schalteten die erzürnten Klienten Rechtsanwälte ein. Diese trafen sich mit Badilla und dessen Vertretern, um wenigstens einen Teil des Geldes ihrer Mandaten zurückzuholen.

Badilla, der das viele Geld verbraucht und den Rest wohl versteckt hat, sah sich in einer vorteilhaften Rolle. Er konnte die Höhe der Rückzahlung bestimmen.

Ein Abschlag von 100’000, Ok? So sein Angebot an einen Kunden und dessen Zürcher Anwalt. Der wäre darauf eingegangen.

„Let’s make 200’000 less“, meinte darauf Badilla. Teppichbazar auf Zürichs Finanzplatz.

Nun ist Schluss, Badilla wird gejagt. Nächste Station könnte ein weniger Fun-Platz sein als am Steuer eines Lamborghinis.

Dafür ähnlich eng.

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18 Kommentare zu “Zürcher Polizei jagt Millionen-Pleitier

  1. Finma: „Badilla und Lexinta unterstehen einer SRO.“

    Da sind wir aber mal beruhigt, wenn bei SROs Leute wie der feine Martin Neese sitzen und überall ganz scharf hinsehen ….

    https://www.bilanz.ch/people/interessenkonflikt-paradise-papers-die-doppelrolle-des-zuger-anwalts-martin-neese

    Und an der Spitze der Finma sitzt Mark Branson und sieht ganz scharf hin, dass sich keine Sonnenkönige aus dem Staub machen ….

    Doppel- bzw. Mehrfachrollen kennen wir ja nicht erst seit dem Finma-VR Bruno Frick.

    • „Have good controls so that you are not exposed to the dishonesty of others.“
      Principles 513, Ray Dalio

      Ganz interessant…aber wichtig ist eine Weisse Weste zu haben…
      Weiter es ist für die Lexinta wichtig zu zeigen, dass sie Mitglied diese welweit Organisation „the Edge community of thinkers and achievers“ ist… D ist sicher nicht drin aber er steht darüber… es gibt noch ein Paar ehrliche Menschen in diesen Welt und die werden noch Steinreich…eine davon bin einfach ich! Amen.

    • Mark Branson sitzt anscheinend tatsächlich nur… dabei schauen ihm VR und Politiker in etwa gleich sitzend zu… und wenn es dann mal knapp wird, schieben sich die involvierten den Schwarzen Peter hin und zurück und hin und zurück… Verantwortung trägt anscheinend dann jeweils die andere Seite… und der bei diesem Schwarzpeterspiel Geschädigte lässt man dann kommentarlos links liegen.

      Wieso es die Finma immer wieder fertig bringt, Hinweise zu verschlafen, notwendige Handlungen zu verschleppen etc. liegt wohl an Fehlbesetzungen von VR und Direktor, aber anscheinend auch fehlenden Ressourcen weil man mehr mit Vertuschen eigener Unfähigkeiten beschäftigt ist als Dritten das Handwerk zu legen. Und so lange von Seiten Politik und Justiz nicht gegen die von Seiten VR und Direktor Branson geschützen ‚BlackBoxes‘ bei der Finma vorgegangen wird, so ‚Black‘, dass nicht einmal die Finanzkontrolle eine vertiefte Revision vornehmen kann bzw. davon abgehalten wird, trägt die Politik angefangen bei EFD-Vorsteher Maurer eine grosse Mitverantwortung, ja sogar Teilschuld. Aber am Ende badet ja dann der Steuerzahler bzw. die Staatskasse die Verfehlungen aus und man geht zum Tagesgeschäft über.

  2. Kein Mitleid mit den naiven Gläubigern. Wer jemandem ein kostbares Gut gibt ohne dass der dafür voll bezahlt hat ist selber Schuld.

  3. Komisch, solche Sachen sind früher irgendwie weniger vorgekommen.
    Und das, obwohl man damals keine FINMA und überbordende Regulierungen hatte, die jegliche Tätigkeit im „Finanzbereich“ mit Vorschriften, Richtlinien und Regeln strangulierte.

    „Operative Hektik ersetzt geistige Windstille!“ scheint das Leitmotto von Bransons Elitetruppe zu sein. Währenddessen lachen sich Badilla und andere Typen ins Fäustchen…

    • Das ist doch so wie mit den Kaffeefahrten. Grosse Versprechungen, was man alles umsonst bekommt, am Schluss werden die Gutgläubigen über den Tisch gezogen und stehen mit abgesägten Hosen da.

  4. Solche Typen gibt es viele in Zürich. Viele stammen aus dem grossen Kanton und hinterlassen hier nichts als Schaden.

    • Ja, natürlich. Die Deutschen sind es. Sie müssen schwer gelitten haben, dass Sie sich so sehr an den Deutschen abarbeiten.

    • Sie trauriger, trauriger Mensch. Hat Ihnen ein Deutscher die Frau weggenommen? Oder den Job? Oder ist Ihnen einfach nur verdammt langweilig?

    • @Zeller: In der Tat, da hat es wirklich vermehrt D-Dummschwätzer hier seit den 2000er Jahren, die nur Schaden anrichten.

    • Yeap aus dem großen Kanton- da haben sie teilweise sogar recht. Aber mal weiter überleget warum gerade die Schweiz Betrüger anzieht? Nun, die strengen Schweizer Gesetze und der Scharfe FINMA Wachhund werden es wohl kaum sein.

    • Leider ist es so! Die Gauner sind keine Schwarz-Afrikaner, keine Muslime und auch keine süd-italienischen oder korsischen Mafiosi.
      Es sind meist Herren mit geöltem und geschmierten Mundwerk aus dem grossen Kanton. Die „deppeten“ Schweizer fallen drauf rein und dies immer wieder.
      Man muss nicht germanophob sein, um die Tatsache zu erkennen und auch zu benennen.
      Vor Teutonen wird gewarnt!

  5. Das ist die heutige Zeiterscheinung und gerade in Zürich schickt es sich einen auf dicke Hose zu machen. Würde man bei den meisten die
    Hosentasche kehren, kämen nur Brosamen raus. Gehen sie mal am Samstag auf die Bahnhofstrasse dann sehen sich das Stelldichein dieser Eitelkeiten. Sie fühlen sich richtig weltmännisch, wenn sie im Jelmoli mit einem Cüpli rumlaufen können.

    Auch die sechs Kummerbuben hatten eine so „reiche“ Tante Sonja (Ines Torelli) aus Zürich. Das war auch früher schon so wenn man in Züri lebte.

  6. Die Wilden fressen einander,
    und die Zahmen betrügen einander.

    Arthur Schopenhauer
    * 22. Februar 1788 † 21. September 1860