Schweigender Wegseher wird Raiffeisen-Riskchef

Beat Hodel liess sich jahrelang von Vincenz-Gattin vorführen – Nun zum Risikoleiter befördert – Wegsehen als Karriere-Booster.

Als die Vincenz-Krise den Raiffeisen-Konzern mit Wucht erfasste, versuchte die Führung der Nummer 3 des Finanzplatzes, mit Personalien zu punkten.

Man suche einen neuen Risikochef. 5 Wochen später wird just der damals Übergangene neuer oberster Aufpasser.

Gemeint ist Beat Hodel. Ein Interner, den man schon damals hätte wählen können. Doch offenbar war dies Anfang November nicht geplant.

Stattdessen übernahm Hodel die Leitung des neu geschaffenen Departements „Risiko & Compliance“ interimistisch. Die definitive Führung würde „gesucht“, meinte die Raiffeisen.

Nun wird ausgerechnet dieser Hodel Big Boss. Mit ihm „konnte ein ausgewiesener, interner Fachexperte und erfahrener Manager gefunden“ werden, schreibt die Raiffeisen heute morgen.

Vor 5 Wochen war Hodel noch nicht fit genug für den Job, nun ist er ein „ausgewiesener Fachexperte“, bei dem man sich bedankt, dass er sich für die Spitzenaufgabe bereitstellt.

Man habe eben den besten Mann für die Aufgabe finden wollen, heisst es aus der Raiffeisen. Dafür habe man mit externem Support in- und ausserhalb der Bank gesucht.

Die vermeintliche Logik vermag nicht zu überzeugen. Im Gegenteil, sie wirft vor dem Hintergrund der laufenden Finma-Untersuchung Fragen auf.

Hodel war schon bisher „Chief Risk Officer“. Er hätte kritisch vor operativen Risiken und solchen, welche den Ruf der Raiffeisen gefährden können, laut warnen müssen.

Das hat der Schweizer nicht. Vielmehr nickte er die Entscheide seiner Chefs und jener Figuren ab, die den Machthabern besonders nah standen.

Eine besondere Rolle spielte dabei die Gattin von Pierin Vincenz, dem langjährigen Raiffeisen-Chef, der 2015 das Steuer übergab und gegen den ebenfalls eine Untersuchung der Banken-Behörde läuft.

Nadja Ceregato heisst die Frau von Vincenz, und sie sass wie Hodel in der erweiterten Geschäftsleitung der Bank. Nun ist sie für ein Jahr in einer Weiterbildung.

Ceregato hatte die Verantwortung für alles Rechtliche und die ganze Compliance, sprich die saubere Unternehmensführung. Sie gab grünes Licht für Hunderte von Millionen ihres Ehemanns.

Nadja Ceregato überwarf sich mit der Finma. Diese hatte mit einem ihrer gefürchteten Rundschreiben gefordert, dass die Raiffeisen einen Risikochef in der obersten Führung einsetze.

Das wäre Beat Hodel gewesen. Doch der sass eben nicht in der operativen Gruppenleitung, sondern war nur Teil des erweiterten Gremiums.

Ceregato soll laut einer Quelle Sturm gelaufen sein gegen das Rundschreiben der Finanzaufsicht. Sie habe sich vor mehreren Leuten dezidiert dagegen ausgesprochen, meint ein Zeuge.

Hodel hingegen habe sich ruhig verhalten. Wie immer. Kein Wort zu Ceregato, eine Untouchable innerhalb des Raiffeisen-Konzerns.

Hodel, der Schweiger. Unter seiner Risiko-Aufsicht sprossen die Privat-Beteiligungen des obersten Chefs. Kein Mucks kam von ihm. Kein Widerspruch.

Dafür weiss Hodel selbstverständlich einiges. Er hat Kenntnis vieler Geheimnisse der Raiffeisen; er weiss, wo deren wunde Punkte liegen. Und ob in der Vergangenheit etwas schief gelaufen war.

Hodel war auch der Auslöser des grossen Sekretärinnen-Geschachers ganz oben bei der Raiffeisen. Er verliebte sich in seine eigene Vorzimmerdame, heiratete diese. Sie verliess die Bank.

Das traf sich gut. Der neue Informatik-Chef der Raiffeisen, Rolf Olmesdahl, wollte nämlich die für ihn vorgesehene Sekretärin etwas weiter weg von sich haben.

Diese war schliesslich die neue Partnerin von Patrik Gisel, dem Nachfolger Vincenz‘ auf dem CEO-Stuhl.

So passte alles wunderbar zusammen. Gisels Geliebte landete bei Hodel, und Olmesdahl erhielt eine neue Assistentin. „Frau“ Gisel fand derweil Unterschlupf im Finanzdepartement der Raiffeisen.

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28 Kommentare zu “Schweigender Wegseher wird Raiffeisen-Riskchef

  1. Fakt ist ja, dass Gisels Freundin nun die Vorzimmerdame von Hodel ist. Klare Trennung und Corporate Governance gehen anders … aber trotz FINMA Untersuchung ist noch alles wie früher und keiner, gar keiner, hat etwas gelernt oder will etwas lernen. Schade, schade …

  2. bei der raiffeisenbank sitzen menschen dahinter mit all ihren ur-gefühlen wie gier und angst im extrembereich, genau so wie bei jeder anderen bank. das ist normal. aber verwunderlich ist, dass dieser skandal und dieses vorgehen der personalentscheide und strategischen entscheide praktisch einer person der rahmen der raiffeisenbank erlaubt. die raiffeisen gehört zu den systemrelevanten banken in der schweiz. lesen sie derkursstimmt. ich bin mir nicht sicher, ob die raiffeisen in der nächsten finanzkrise stabiler da steht als die cs oder die ubs. die raiffeisen ist sehr agressiv im hypo-geschäft dabei, ein riesies klumpenrisiko.

  3. Als „bureschlaui“ fragen sich Wrigley & Bäschteli wie nahe der Verwaltungsrat eigentlich an dieser Firmengruppe ist und wie ernst die so vielgelobten „Regionalfürsten“ 🙂 genommen werden. Die Raiffeisengruppe hat sich in den letzten 15 Jahren in vielen Bereichen enorm entwickelt. Leider hat die personelle Verstrickung nicht mithalten können. Hier ist man immer noch im dorfalten Hinterwäldertum stehen geblieben. Da muss jetzt ein gewaltiger Ruck durch die Gruppe. Übrigens von Analoq hat man auch schon lange nichts mehr gehört. Der Big Bang sollte doch in drei Wochen stattfinden. Wir sind gespannt.

  4. Na Herr Hässig, mal wieder etwas dürftig recherchiert oder ganz einfach keine verlässlichen Quellen, sonst wäre der Artikel nicht so an den Haaren herbeigezogen und übersäht mit Halbwahrheiten. Nur erstaunlich, wie viel Akzeptanz das Geschwätz bringt und nicht hinterfragt wird, welches die wirklichen Fakten sind und ob eventuell bei den Informationen so einiges dazu gedichtet wurde um den Artikel interessanter zu gestalten. Leider keine hohe Handwerkskunst, die sie da präsentieren.

    • @Missing Link
      Was stimmt den an dem Bericht nicht? Liefern Sie doch bitte Details als hier herumzustänkern! Nicht lafern – liefern!

    • Wow, das liest sich ja beinahe gehässig: rumstänkern. Schön in der Gerüchteküche rühren und andere arbeiten lassen, das scheint wohl die Devise zu sein. Und daraus wird dann ein Artikel wie dieser gebastelt.

    • @missing link
      Wir warten immer noch auf die Fakten über die Sie scheinbar verfügen (ansonsten ist Ihr Kommentar nur lauwarme Luft), aber da kommt wohl nichts. Sind wohl ein RB-Troll.

  5. Und welche Rolle spielen die Eigner der Raiffeisen Schweiz, die Provinzkassen, welche den Hof zu St. Gallen finanzieren (müssen)? Gar keine! Sie, resp. deren Exponenten nehmen ihre Verantwortung seit Jahren nicht wahr. Sie sonnen sich lieber in der Aura des Königs. Leider sind viele davon auch nicht annähernd qualifiziert, um überhaupt zu merken was vorgeht, geschweige denn, etwas dazu zu sagen. Und so läuft das System weiter bis zum grossen Knall.

  6. Gebt dem guten Mann doch eine Chance oder um im Geiste von Zampano und Vreni aus St. Gallen zu kommentieren: alles halb so schlimm. Raiffeisen idt die beste Bank der Welt.

  7. Nun das Wegsehen und Verschweigen sind nicht nur in der Schweiz Karrieren-Booster, sondern auch in den USA etc. Bedenklich ist jedoch, dass dies auch für die schweizerische Justiz gilt, die sich sehr, sehr schwer tut, gegen Wirtschaftsmächtige vorzugehen. Ja, es könnte ja sein, dass dann der Staats-/Bundesanwalt keine lukrative Stelle bei einer Versicherung oder einer Bank einmal offeriert bekommt, die ihm das Salär mindestens verdreifacht! Risikochefs sind da keine Ausnahme! Wenn sie keine Wahrheitsverweigerung mehr betreiben, dann verlieren sie die Stelle und finde dann zudem keine Stelle in der Finanzindustrie und noch schlimmer, Staats-/Bundesanwalt können sie auch nicht mehr werden.

  8. Sie lernen NICHTS! Seit Jahren immer das gleiche Gemauschel. Bekanntlicherweise kommt Hochmut vor dem Fall.
    Früher war ich stolz, bei Raiffeisen zu arbeiten…langsam aber sicher änderts sich das. Sehr schade.

    • aber immerhin haben Sie die Chance, den Mann für’s Leben bei Raiffeisen zu finden, gemäss dem Text geht in St. Gallen eher eine Partnervermittlung anstatt eine seriöse Raiffeisenzentrale ab 😉

    • Ja die Welt wird zunehmends schlechter, leider. Unsere sogenannte Elite ist zu nichts mehr zu gebrauchen.

  9. Na was denn sonst?!!: Nur im begleiteten Indoktrinieren/Lernen (Schweizer Schulen und Unis alten Zuschnitts) wird noch gepredigt, dass wer immer im Sinne des Unternehmens handelt Karriere macht. – So ein BS! – Es machen heute diejenigen Karriere, die dem Chef nach dem Mund reden; es machen diejenigen Karriere, die „links blinken und rechts abbiegen“ bzw. „anderen Wasser predigen und selbst Wein saufen“ bzw. diejenigen, die Unternehmensinteressen vorheucheln und knallhart eigene Karriere- und Total-Compensation-Interessen voranstellen. Und kriselt es ein bisschen oder wird es schwierig, dann fordert man von der Mannschaft Loyalität und Opfer und selbst setzt man sich rechtzeitig auf einen anderen gut vorgewärmten, lukrativ dotierten Sessel ab. Who cares? Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?
    – Sorry, alles gesehen in Grossbetrieben. Ist leider so. Wir haben vermehrt nur noch aufgeblasene Quäkse und Schauspieler, aber keine echten „Kerle“ mit „Narben“ mehr an den Unternehmensspitzen. – Keine Zensur nötig, LH!

    • Dramaturgie at best. Wunderbar ausgedrückt, danke vielmals. Thomas hätte als unerschrockener Denker einen Dozentenplatz an der HSG St.Gallen verdient.

      Wo sind denn nur die „echten Kerle mit Narbe“ geblieben?

    • KH3 hat sie alle gesehen. Seminarhengste, Verkauftypen und Fruehstuecksdirektore. Bei den Grossbanken ist es am Schlimmsten weil da faellt es erst spaet auf, bei den kleineren kann man sich nicht verstecken.

    • das sehe ich genau so wie sie. das sehe ich tägllich in der bankenwelt, wo ich seit 30 jahren arbeite. am besten stehst du da mit bonus, wenn du das theater einfach mitspielst und kein quer-denker bist. lesen sie auch derkursstimmt. genauso ist es am finanzmarkt. der liefert gutes anschauungsmaterial. die anleger fühlen sie doch am wohlsten, wenn alle einer meinung sind. ich vergleiche dies immer gerne mit der schafherde und dem alphatier.

  10. Da scheint sich aber rund um den Bündner-Bock Pierin ein tollkühnes Liebesnest entwickelt zu haben…. Offenbar ist denen allen zeitweise (zu) wohl geworden!