Neue Avaloq-Herren: Weg mit Zentrale und Schweiz

Ausländer beherrschen Software-Gruppe – Entwicklungs-Standort Schweiz einer von vielen – 300 Millionen für Hauptsitz gelöst.

Solange Francisco Fernandez das Zepter schwang, galt eines als sicher: Ein ETH-Ingenieur war mehr wert als ein polnischer oder malaysischer Informatiker.

Nun ist Fernandez nur noch eine Art Grüss-August. Er hat vor Weihnachten das operative Kommando einem Manager namens Jürg Hunziker übergeben.

Hunziker wurde gross in einem US-Tech-Konzern. Er hat mit dem Erbe von Avaloq wenig am Hut. Entsprechend unzimperlich macht er sich ans Werk.

Als Erstes ging das Headquarter über den Tisch. Im November verkaufte die Avaloq Properties, das ist eine Tochter der Avaloq-Gruppe, das Gebäude im Zürcher Vorort Manegg an die Swiss Life.

Laut einem Insider soll die Versicherung rund 300 Millionen Franken bezahlt haben – ein Preis, der bis vor kurzem für Bahnhofstrassen-Verhältnisse galt.

„Swiss Life hat das Areal von der Avaloq Properties AG erworben“, bestätigt eine Sprecherin der Swiss Life. „Wir werden an der Grundsteinlegung, die im Frühling 2018 stattfinden wird, umfassend über dieses Bauprojekt informieren.

Zu den 300 Millionen wollte die Sprecherin nichts sagen. „Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Bei Avaloq heisst es, dass sich für die Gruppe nichts ändere.

„Die Avaloq Group AG mit Ihren Tochtergesellschaften war nie an der Immobilie beteiligt – die ‚Avaloq Properties‘ ist keine ihrer Tochtergesellschaften. Es handelt sich also um Eigentumsverhältnisse Dritter; darüber Auskunft zu geben wäre nicht angemessen.“

Die Aussage erstaunt. Gemäss Teledata, eine Firma, die Handelsregister-Daten verwertet, gehört die Avaloq Properties zu 86 Prozent der Avaloq Group.

Beim Verkauf des Tafelsilbers könnte es sich um den Auftakt einer grossen Operation handeln. Seit die neuen Herren bei der Avaloq das Kommando übernommen haben, geht es vor allem um eines:

Die Bankensoftware-Gruppe zum Glänzen zu bringen.

Für den Börsengang. Dieser wird von den frischen Mehrheits-Eigentümern angestrebt, der angelsächsischen Private Equity-Firma Warburg Pincus; und zwar innert 3 bis 5 Jahren.

Das bedeutet: Rendite, Rendite, Rendite. Nur so können die Pincus-Leute ihren Einsatz für sich und ihre grossen Investoren im Hintergrund vervielfachen.

Wie das geht, zeigen die Machthaber um CEO Hunziker in diesen Wochen. Der neue starke Mann kennt keine Vorliebe für die Heimat.

Avaloq, made in Switzerland – das war einmal. Nun gilt das Credo, dass man Software überall gleich gut entwickeln kann.

Hauptsache günstig.

Ein Insider befürchtet denn auch, dass die nächste Generation von Bankensoftware aus dem Hause Avaloq nicht mehr schwergewichtig in Zürich entwickelt würde, sondern in Osteuropa oder in Fernost.

Mit Folgen für das interne Klima. Die Stimmung sei am Boden, altgediente Avaloq-Leistungsträger würden das Unternehmen verlassen oder hätten ihren baldigen Abgang angekündigt.

Ein Beispiel über die Festtage illustriert die neue Gangart. Für die Umstellung erster Raiffeisen-Banken auf ein neues Avaloq wurden rund 10 Schlüsselpersonen von Avaloq auf Stand-by gesetzt.

Sie mussten in der Nähe bleiben und durften entsprechend nicht in den Weihnachts-Urlaub fahren. „OnCall“ heisst das Prozedere intern bei Avaloq.

Als sich abzeichnete, dass die Raiffeisen-Umstellung mit den ersten paar Banken glücken würde, wurde „OnCall“ für die Avaloq-Schlüsselleute aufgehoben – nun durften sie weg.

Doch da war es für Familien-Ferien längst zu spät. Die Festtage 2017/18 für die betroffenen Avaloq-Mitarbeiter waren für sie gelaufen.

Die Avaloq entschädigte bisher die Einsatzbereitschaft namens „OnCall“ mit ein paar Hundert Franken pro Betroffenem.

Diesmal soll das anders sein. Das neue Management will ihren Mitarbeitern für deren Stand-by nichts bezahlen.

Eine Quelle spricht von Demotivation der Extraklasse.

Ein Sprecher der Avaloq betont, dass die Firma weiter in den Standort Schweiz investieren würde. Man bekenne sich „klar zu unseren Wurzeln am Standort Schweiz“.

Mit 1’300 Mitarbeitern beschäftige Avaloq in der Schweiz „mehr als jeder andere internationale Player unserer Branche“.

Von Abbau im Heimmarkt könne keine Rede sein. „Wir haben im Jahr 2017 knapp 150 Mitarbeitende in der Schweiz neu angestellt; im Moment haben wir zudem etwa 70 offene Positionen in der Schweiz zu besetzen.“

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31 Kommentare zu “Neue Avaloq-Herren: Weg mit Zentrale und Schweiz

  1. Mal ehrlich – on call – ist eine normale sache, wenn es change management oder andere aufgaben zu zeigen des abschlusses der implementierung von software, migrationen oder finalisierung von projekten geht. dies ist überlicherweise im geholt inkludiert und extra-zalungen dafür zu geben ist nicht markttypisch…gerade nicht zum jahresabschluss.

    das sollte den betroffenen personen in ihrer rolle auch bewusst sein…alles andere wäre eine farce.

    Es gibt in ZH hunderte, die aufgrund solcher themen zum Jahresabschluss nicht in freien konnten…..wer das im laufe seiner „karriere“ nicht erlebt hat und sich bei dem gegebenen gehabt darüber beschwert, der hat den schuss anscheinend noch nicht gehört.

    es bleibt auch jedem frei sich seinen job dementsprechend auszusuchen – dann soll man vor allem aus Bereichen projektmanagement, finance (!! da gilt´s noch öfters), etc raus bleiben……

    Thema 2:
    klar werden zukünftige entwicklungen nicht mehr primär hier betrieben werden, warum auch – in der zwischenzeit ist avaloq ein global agierendes unternehmen und muss sich auch dementsprechend verhalten – softwareentwicklung in der schweiz resp europa anzusiedeln wäre dementsprechend absolut falsch…….das vor allem vor dem hintergrund, dass Fernandez die entwicklung in asien voran treiben möchte. soll er etwa intern diese Dienstleistung aus der Schweiz nach Asien importieren??

    in dem fall wie das unternehmen wohl nicht mehr lange lebensfähig.

    man möchte globale unternehmen in der schweiz angesiedelt haben und betreibt dann in diesen fällen protektionismus…..wie naive ist das denn…..

    seid doch besser stolz, auf das, was hier kreiert wurde…….

    • Ich hatte schon diverse Rollen in der Software-Entwicklung, aber on-call wurde bei mir immer bezahlt. Entweder in Geld, oder Freizeitausgleich. Warum sollten die Entwickler über-ambitionierte Pläne und falsches Projekt- oder Anforderungsmanagement ausbaden müssen? Was hatte die beschriebene Situation mit einem Jahresabschluss zu tun? Es schien ja eher darum zu gehen, Raiffeisen auf biegen und brechen am 01. Januar live zu bekommen…

      Wer sich praktisch kostenlos dazu bereit erklärt im Zweifel, am Samstag Abend zum halben Film aus dem Kino zu schleichen, oder wie wohl hier geschehen, oder Heiligabend um 18:30 von der Familie weg und in die Firma zu gehen oder direkt zum Kunden, der verkauft sich wohl etwas zu billig, oder ist noch jung und naiv genug zu glauben, dass würde sich irgendwann auszahlen. In Rollen die natürlicherweise einen Jahresabschluss vorsehen, vielleicht, in allen anderen: Irgendwo hat die durchökonomisierung auch ihre Grenzen.

      In allen Firmen in denen ich war waren die Gänge zwischen den Jahren immer recht verweist. Da wurde nur Notfalldienst gemacht von denen die keine Familie haben und lieber im Februar in Skiferien fahren. Im Consulting, Projektmanagement, oder in speziellen Rollen, mag das anderes aussehen aber jetzt zu sagen das es total natürlich wäre 24h am Tag für die Firma dazustehen und auch um halb drei nachts nochmal kurz zum Kunden zu fahren wäre ein typisches Rollenbild eines Entwicklers…

      Thema 2:
      Nichts anderes sagt der Artikel… Ich kanns aber keinem hier verdenken, dass er darüber unglücklich ist. Falls Sokrates mal seinen Job durch einen Lay-Off verlieren wird, erklärt er sich wahrscheinlich auch mit seinem Ex-Arbeitgeber solidarisch. Erkennt die Notwendigkeit seines Ausscheidens an und erklärt dem Vorgesetzten noch, dass seine Entlassung die einzig zwingend richtige Entscheidung war.

      Ich frag mich warum die ganzen globalen Tech-Konzerne meist weite Teile ihrer Belegschaft an so teuren Orten wir der westküste Amerikas haben, oder auch grössere Ableger in London oder – auch – Zürich. Gemäss der in der Schweiz vorherrschenden Logik müssten die doch alle Pleite gehen, jedenfalls wenn man dem schweizer Establishment glauben darf. Die meisten Amerikaner mit denen ich so in Kontakt gekommen, sind sehr wohl der Meinung das American Engineering, sich weltweit verkaufen lässt und lediglich Distribution und Sales, bisschen Consulting bzw. Rechenzentren global aufgestellt werden müssen. Die meisten würden laut lachen, wenn man ihnen erzählen würde, dass nur Asiaten asiatische Cloud-Lösungen bereit stellen können, oder Mobiltelefone für Europäer nur von Europäern hergestellt werden kann. Ein „warum auch“ gute Software in den USA entwickeln usw. höre ich immer nur von Europäern. Die Amerikaner sind stolz auf ihre Produkte, und da wäre die erste Frage: Warum sollte jemand anders das besser können. Davon könnte man sich mal ein bisschen was abschauen…

    • Hans

      Mit on call gebe ich ihnen absolut recht….wenn die personen bei der jeweiligen bank und im projektmodus arbeiten.

      Hier geht es aber primaer um mitarbeiter von avaloq (!), deren vornehmliche aufgabe es ist, avaloq zu implementieren und sonst nichts…..dementsprechend sehe ich es in einem gewissen rahmen als selbstverstaendlich fuer diese personen an, dass die on call zeiten haben……

      Des weiteren weiss ich, dass in ruhigeren zeiten hier auch nicht jeden tag 8 std ‚gebolzt‘ werden.

  2. Wenn der Preis von 300 Mio stimmt, dann muss man sagen, hat sich der Immobiliendeal für Avaloq gerechnet. Da der Kaufpreis um die 100 Mio war. Da sieht man wie die Immobilien Blase absurde Zustände in Zürich angenommen hat.

  3. Swiss Life ist nicht irgendjemand, meine ich. Bekannt muss sein, dass die Versicherungsgesellschaften einen eigentlichen Investitionsnotstand haben. Selbst wenn die Immobilie etwas teuer erworben wurde, spricht in 10 Jahren niemand mehr darüber. Dies selbst, wenn eine Konsolidierungsphase im Immobilienbereich eintreten sollte. Bis jetzt wurden alle Konsolidierungsphasen seit 1970 überstanden. Es gab Verlierer und es gab Gewinner. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.

  4. Ich sage es ja: Softwareentwicklung hat keine Zukunft in der Schweiz.

    Jetzt müsst ihr das nur noch den Herumschreiern von „Fachkräftemangel!“ mitteilen! In Wahrheit meinen sie: Mangel an günstigen Fachkräften, um den Porschemangel beim Management zu befriedigen.

    Es findet sich jedes Jahr eine naive Familie, die ihr Kind in der IT ausbilden lässt.

    • Das ist nun eine wirklich sehr dämliche und in jeder Hinsicht falsche Aussage. Software-Entwicklung in der Schweiz boomt massiv. Internationale Konzerne investieren massiv in ihre Schweizer Software Entwicklungs-Töchter. Das Crypto Valley um Zug herum expandiert sehr dynamisch. Eltern, die einem Kind eine IT-Ausbildung ermöglichen, handeln extrem zukunftsorientiert und verantwortungsbewusst. Ihr Kind wird eine tolle Karriere machen können und zum Standort Schweiz beitragen.

    • „Softwareentwicklung hat keine Zukunft in der Schweiz“ ist mir zu pauschal:

      Die Entwicklung grösserer Anwendungs-Software-Pakete für Banken und Versicherungen (à la Avaloq) dürfte in der Schweiz in der Tat rückläufig sein.
      Die Einbindung (Schnittstellen, Datenintegration) solcher Pakete in den Betrieb dürfte jedoch zumindest teilweise hier bleiben.

      Und auch die Entwicklung „generischer“ Anwendungen (Suche à la Google, Verschlüsselung, etc) in der Schweiz könnte sehr wohl überleben …

    • @Stumpel Riltzchen:

      Also eine Crypto-Firma aus der Schweiz fand ihr Ende, weil niemand mehr ihre speziellen Lösungen wollte. Genauer: nicht den Preis im Vergleich zum Massenmarkt zahlen wollte.

      Wir können schon über 50 Schattierungen von tot reden, falls es Ihnen zu pauschal ist.

    • Genau. Das ist bekannt. Gerade im Retail kaufen die Alles, aber auch im Office. Wo doch die Mieten im Retail und Office in Zürich bereits massiv am fallen sind – das wird ein schöner Bewertungsverlust geben…

    • Die Swiss Life kauft wirklich jede Hütte, stimmt und zerstört damit urbane Zentren. Manor Zürich, wichtiger Teil der Bahnhofstrasse. SL will neu exorbitante Mieten die Manor nicht bezahlen kann, das heisst raus, bessere Shops werden nicht kommen, dafür mehr Büros die der Allgemeinheit nicht dienen.

    • Die Frage ist ja nicht mal so sehr, was will Hunziker: Die Frage ist, was wollen die Eigentümer. Die heimatverbundenheit zur Schweiz ist bei einer amerikanischen Private Equity Unternehmung nicht so hoch…

    • The building belonged to Francisco Fernández, as I was told by his sister Isabel.
      Amazing that this guy with so many millions supports his mother with 600 Sfr. monthly to help her to pay the rent.

  5. *** Man bekenne sich „klar zu unseren Wurzeln am Standort Schweiz“ ***

    Wie so oft bei „Sprechern“ (auf gut Schwyzerdütsch „Laveris“) von Unternehmen:

    Invertiert man die Aussagen, dann liegt man näher bei der Wahrheit.

  6. Was Hässig unterschlägt: Sowohl Zürich als auch Bioggio werden erweitert. Sieht nicht nach weniger Schweiz aus.

  7. avaloq ist ein aushängeschild der digitalen industrie in der schweiz- und natürlich beschäftigt die firma auch ausländer und leute im ausland. nur nicht in osteuropa. hat fernandez den scheck an lh gekürzt oder was soll der artikel?

    • Und wie schauts mit subunternehmer, bzw. Drittfirmen aus, die im Auftrag von Avaloq entwicklen? Heutzutage stellt man doch nur noch selbst ein, wenn man es muss..

  8. unglaubwürdiger beitrag. avaloc ist doch in der schweiz immer noch sehr viel grösser als tenemos oder tcs oder andere. der neue ceo ist auch ein schweizer, oder? nur heisse luft.

    • Vielleicht ist aber Temenos die Richtung in die es geht? Die Frage ist ja nicht was war bisher, sondern wo geht die Post-Fernandez Avaloq hin…

    • unwahrscheinlich. temeos hat in der westschweiz 30 oder 40 leute sitzen. die grosse masse ist in indien. bei avalok ist es andersrum: gross in der schweiz, plus ein paar kleine standorte im ausland. selbst wenn sie noch ein paar nasen in manila hinzufügen, avaloc ist kein klassischer offshorer.

    • Ein besonders glaubwürdiger Beitrag von jemandem, der Avaloq nicht einmal richtig schreiben kann !

      Wieso hat Fernandez seinen Laden eigentlich verkauft, obwohl er seit Jahren von einem Börsengang redet ? Ich habe ihn übrigens nur ein bis zwei Mal pro Monat im Büro gesehen…

    • Zum Glück ist da die Berner Kantonalbank auf dem IBIS sitzen geblieben. Erfolgreiches Mikado!