Ermotti beschenkt Heimat Ticino mit Zürcher Topjobs

80 Superinformatiker sollen für die Grossbank in Lugano neue IT-Lösungen erarbeiten – Zürich verliert, Ermotti-Kanton gewinnt.

In Zürich kenne ihn kein Schwein, sagte einst ein hoher UBS-Angestellter. In London hingegen gelte Sergio Ermotti als grosse Nummer. Aber richtig zuhause sei er nur an einem Ort: in seinem Heimatkanton.

Dem Tessin.

Heute zeigt sich die Ticino-Verbundenheit des Chefs der grössten Schweizer Bank auf besondere Art. Die NZZ berichtet von einem dritten Backoffice-Zentrum, das die UBS im Inland eröffnet.

Nach Schaffhausen mit knapp 500 und Biel mit rund 600 Mitarbeitern erhält nun auch Lugano eine Schnitte vom riesigen UBS-Verwaltungsapparat – wenn auch mit 80 Jobs nur eine kleine.

Doch was für eine.

In Schaffhausen und Biel siedelt die UBS Fliessband-Aufgaben an. Viel Kleinkram, manuelle Handarbeit bei Abwicklungen, Kontrollaufgaben – alles, was sich im teuren Zürich nicht mehr lohnt.

In Lugano, in dessen Nähe Ermottis Villa steht, seine Frau mit den Kindern lebt und der Spitzenbanker selbst seine Heimbasis hat, schafft die Grossbank keine solchen 0815-Arbeitsplätze.

Sondern Silicon Valley-Stellen. Ein „Lab“, Laboratorium, will die Bank auf die Beine stellen, um mit Cryptos, Blockchain, sonstigem Fintech und generell den IT-Herausforderungen mithalten zu können.

Das UBS-Lab in Lugano: Es soll die UBS in die Informatik-Neuzeit katapultieren.

Das heisst, es handelt sich um jene Jobs, welche jede Stadt und jede Region der Schweiz vor allen anderen bei sich haben will.

Nun hat Ermotti seine Heimat Tessin damit beglückt. Das Nachsehen hat zunächst Zürich. Zwar wird in der Stadt, in der die UBS ihre Konzernzentrale hat, IT-Gigant Google immer grösser.

Aber bei den Cryptos hat Zug Zürich längst abgehängt. Und in den grossen Backoffices der Limmatstadt ist Lichterlöschen angesagt: Ob Zurich, CS, UBS – sie alle bauen massiv ab.

Die Limmatstadt ist also unter jahrzehntelanger Rot-Grün-Regierung auf die Verliererstrasse geraten. Das grosse Geld wird mit Immobilien-Spekulation gemacht. Doch dort kippt gerade der Büromarkt.

Wie happy die Randregionen Schaffhausen und Biel mit den inländischen „Billigjobs“ der UBS werden, bleibt abzuwarten. Die UBS senkt die Löhne bei Neueinstellungen massiv.

Als einzige wirkliche Siegerin bleibt Lugano. Die Stadt von Sergio Ermotti. Die Heimat des CEOs, der seinen Freunden im Südkanton viel Freude bereitet.

Sergio Ermotti liebt sein Lugano. Im UBS-Sitz in der Wirtschaftsmetropole des Tessins hat er ein grosses Büro.

Wenn er mal auf die Pauke hauen will, kann es vorkommen, dass er dies von den Gestaden des Luganersees aus macht.

So wie im letzten Sommer, als er die Six, ein Börsen- und Informatik-Gemeinschaftswerk der Schweizer Banken, zum Saftladen stempelte.

Wenig später wurde der Ausverkauf der Six an die Hand genommen. Dass die UBS und ihre Six-Delegierten die wahren Totengräber des 4000-Mann-Unternehmens sind, gab kaum zu reden.

Ermotti, der Südländer. Er versteht es, alte Freundschaften mit Geschenken wie den Forschungsjobs für Lugano zu pflegen.

Umgekehrt schiesst er aus der Hüfte, wenn es darum geht, für sich das Maximum herauszuholen. Die Abwrack-Aktion bei der Six wird der UBS als Grossaktionärin des Börsenwerks einen dreistelligen Sondergewinn in die Kasse spühlen.

Für Ermotti heisst das: Hello Extra-Bonus.

So geht der Mann in die Geschichte des Finanzplatzes ein als jener UBS-Chef, der nie einen grossen Deal gewagt hat.

Dafür aber seinem geliebten Tessin unter die Arme griff.

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28 Kommentare zu “Ermotti beschenkt Heimat Ticino mit Zürcher Topjobs

  1. Die Lösungen machen doch wirklich Sinn und sind doch schon lange vorgezeichnet. In Zürich braucht es noch die Hauptsitzadresse und etwas Angeber – Repräsentation. Der Rest kann in die übrige Schweiz verlagert werden, da sind sofort nachhaltige 30% Kosteneinsparungen drin. Gutes Beispiel ist eine ABB, deren Herz schon immer im Aargau schlug. Bin überzeugt, dass andere Konzerne dem Beispiel von UBS folgen werden. Nur so kann das für 90% der Jobprofile völlig überhöhte Goldküsten Lohnniveau wieder auf ein vernünftiges Mass gesenkt werden. Der Markt wird es richten.

  2. Gibts in Lugano schon Internet? Wohl noch mit den analogen Modems. Hatte mal mi einer Bankenlösung aus dem Ticino zu tun. Ab Freitag Mittag konntest Du gleich ins Grotto anrufen.

    • Dein Kommentar ist eine absolute Frechheit und Beleidigung für alle Ticinesi. Bitte nächstes Mal den Tessin weiträumig umfahren wenn du in den Süden fährst oder höchstens im McDonald einen Hamburger verzehren!

    • @Samuel
      Schon mal was vom Supercomputer im Tessin gehört ? In diesem Rechenzentrum steht einer der schnellsten Supercomputer der WELT.

    • Lieber Samuel, du machst dich doch nur selber lächerlich mit deiner Aussage.
      Gerade im Tessin, wo es einer der schnellsten Supercomputer der WELT gibt. Angeblich bist du sehr zurück geblieben und gehörst zu denen, die alles was nicht Zürich ist mit „Ausland“ benennen.
      PS: sehr wahrscheinlich ist dir auch nicht bewusst, dass Lugano seit einiger Dekade die dritte Schweizer Finanzmetropole ist… vermutlich, weil du nur durchs Tessin fährst, um den Fox Town zu erreichen… wie traurig! Schöns Tägeli us em Tessin.

  3. Über den Standort Tessin kann man sicher nichts dagegen haben. Ist es aber nicht viel mehr so, das alle neuen Standorte relativ nahe an der Grenze sind und somit Leute aus dem benachbarten Ausland zu Dumping-Löhnen angestellt werden können?
    Im Falle des Tessins ist es ganz sicher so, da geht das Einzugsgebiet bis nach Mailand.
    Habe selbst schon für eine sogenannte Tessiner Firma gearbeitet, die einen Grossteil der Angestellten von Italien rekrutiert hat.
    Also so Selbstlos wie man es meinen könnte, ist dieser Schritt dieses Herrn nicht.

  4. Es erstaunt, dass alles was Sergio Ermotti fürs
    Tessin macht kritisiert wird. 80 neue Stellen im Tessin: was für ein Skandal. Die 80 Arbeitsplätze für hochqualifizierte IT-Fachkräfte werden sich dank der gut ausgebildeten Tessiner Informatik-Studenten und den bisher in die Deutschschweiz ausgewanderten IT-Spezialisten finden lassen. Und wenn dazu noch
    ein paar Deutschschweizer das Tessin wie Sergio schätzen, können sie sich für einen Job bewerben. Oder wollen wir noch mehr AP ins Ausland verlegen. Die Tausenden von externen IT-Angestellten, welche für die CS arbeiten, grüssen und bedanken sich aus Indien! Sergio Ermotti ein CEO der auch an die Schweiz und ans Tessin denkt.

  5. Ermotti kompensiert die rund 100 Stellen, die bei SIX in Bedano abgebaut werden. Ein Teil dieser Mitarbeiter wird zum UBS Lab wechseln, darunter auch Deutschschweizer.

  6. Lugano is like Sankt-Moritz: both are very boring. The trendy people living there are generally AHV +10. I wish these young brilliant men good luck. But, they can can rely on the SBB to leave the southern pampa Friday at 17H00 and to parade on the Bahnhofstrasse at exactly 18H30.
    Kiki

  7. Ok… endlich positive News.
    Ich finde gut, man kann etwas anfangen… und vor allem IT muss gerade nicht auf teuer Plaster sein, oder ?
    Es geht nicht um Zürich oder Tessin, sowieso UBS ist doch nie eine zürcher Bank gewesen, oder? Es geht um die Grossenordnung…und fängen sehr langsam zu spielen.

  8. Das wird nicht funktionieren, viel Spass mit den Leuten die morgens am „Valico“ noch im Stau stehen und die an italienischen Feiertagen frei haben wollen. Aerger vorprogrammiert.

  9. Ich finde es durchaus positiv.
    Es ist Zeit das auch andere Kantone wieder aufgebaut werden in Sache IT und allg. Stellenaufbau. Es existiert nicht nur Zürich!
    Tatsache ist… Zürich ist zu teuer!
    Die Preise für Immo’s sind zu hoch.

  10. Bitte nicht übertreiben! 80 Stellen sind gar nichts!

    Diese 80 könnte er auch aus Milano herholen, oder sie müssen nicht in die Deutschschweiz ziehen.

    Und, sorry, aber Links-Grün kann doch nichts dafür, dass abbau- und verlagerungswütige CEOs bei der CS und UBS arbeiten! Polen ist mir nicht weltweit als Mekka des Liberlismus bekannt. Offshoring war eine Idee von McKinsey, wie auch auf IP geschrieben wurde.

  11. Ich freue mich für die gut ausgebildeten Tessiner Informatik-Studenten, welche hoffentlich bei der Besetzung der Stellen auch zum Zuge kommen werden.

  12. Passt zur meldung gestern, dass 400 kg drogen in chiasso festgesetzt wurden die mit bitcoin bezahlt wurden. Schöne neue cryptowelt.

  13. Ein Schuss vor den Bug schadet nie. Vielleicht wachen die hochnäsigen Paradeplatz-Primaten mit ihrer schöngeistigen rot/grünen Stadtregierung auf, wer weiss?

  14. Was ist daran falsch?

    Zürich City ist viel zu teuer und auch eine Auslagerung in den Uetlihof und Oerlikon (CS), Altstetten (UBS) oder vielleicht auch Schlieren oder Schwamendingen macht es nicht besser. Die Pendlerei zwischen den einzelnen Standorten verbraucht immens viel Zeit. Die Kosten in und um die Stadt Zürich werden dadurch aber auch nicht wirklich weniger!

    Zudem sind die Züge und Strassen von und nach Zürich hoffnungslos überfordert. Wenn diese auch nur ein bisschen entlastet werden können, indem nicht mehr jeder zwingend in der Stadt Zürich arbeiten muss, umso besser …

    Da spielt es auch keine Rolle mehr, ob der Standort gleich in’s Tessin (oder Schaffhausen etc.) gelegt wird und die Kosten dann dafür massiv fallen …

    • Genau, die Strassen von und nach Zürich sind öfters verstopft. Aber Gott sei Dank sind ja die Strassen in und um Lugano (und Manno) immer komplett absolut total leer!

      Oder so.

  15. Ob dieser Entscheid etwas mit Herrn Ermotti’s Heimatkanton zu tun hat ist reine Spekulation. Es gibt genug sachliche Gründe ins Südtessin zu gehen. Um das nationale Rechenzentrum Manno hat sich in den letzten beiden Dekaden eine Hightech und Start-up Szene und Kultur gebildet. Das UBS Informatik Labor passt exakt in dieses Ecosystem.
    Es passt auch gut zu der föderalen Tradition der Schweiz auch die Ränder zu stärken.
    Auch nicht richtig ist dass die UBS bei den Neueinstellungen die Löhne drückt; richtig ist, dass es keinen Bankenbonus mehr gibt sondern die Qualität und Qualifikation im Vordergrund steht. Qualifizierte und Hochqualifizierte verdienen bei der UBS immer noch sehr gut, auch Neueingestellte.

  16. Hinzu kommen die versteckten millionen die er Ambri zuschiebt, bravo UBS, laden mit einem haufen powerpoint zombies, der aktienkurs lügt halt nicht, no shareholder value und besser hätte man diesen toxischen haufen vor 10j fallen gelassen.

    Ticino Truppe schaltet und waltet, internal external audit sucht den Lichtschalter

  17. Lieber im Tessin als im Ausland! Es lässt sich dort übrigens auch ganz gut leben. Macht Sinn, sofern die Schnittstellen mit anderen IT-Abteilungen in der UBS gut gemanagt werden. Finde ich insgesamt eine positive Meldung.