Banken-IT Finnova: Rosa-Comments im Netz

Kaderleute loben im Auftrag des Managements die eigene Kultur auf Plattform Kununu – 55jährige landen auf Strasse.

Die Finnova zählt hinter Temenos und Avaloq zu den grossen Anbieterinnen von Banken-Informatik. Sie ist die dritte Software-Kraft des Schweizer Finanzplatzes.

Bisher blieb es im Unterschied zu ihren Konkurrenten still um die Finnova. Nun melden sich interne Kritiker.

Die Firmenleitung habe letztes Jahr eine grosse Zahl von Mitarbeitern entlassen, sagt einer. Darunter würden sich auch langjährige Programmierer im Alter von 55 Jahren und mehr finden.

Einigen sei gekündigt worden, obwohl sie krankgeschrieben gewesen seien. Im Personal sei die Stimmung entsprechend unter Null.

Mit Folgen, die eine IT-Firma nicht überraschen sollte. Auf Kununu, einer bekannten Internet-Plattform, auf der Mitarbeiter ihre Arbeitgeber qualifizieren können, begannen sich kritische Kommentare zu häufen.

Als die Kritiken betroffener Mitarbeiter immer lauter und zahlreicher wurden, wurde es den Finnova-Chefs rasch zu viel. Sie gaben Gegensteuer.

Und wie. Die Geschäftsleitung bat das Kader der Finnova, eigene Kommentare auf Kununu zu verfassen. Diese sollten die Finnova in ein günstiges Licht rücken und das negative Image korrigieren.

Man wäre froh, wenn möglichst viele Kaderleute mithelfen würden, meinten die Zuständigen bei der IT-Firma.

Aktion Save Finnova. Der Aufruf hatte offenbar Erfolg. Auf der Kununu-Plattform überboten sich nun plötzlich positive Einschätzungen zur Software-Schmiede als Arbeitgeberin.

Ein Sprecher der Finnova bestreitet den Aufruf ans Kader zur Rosa-Färbung des eigenen Unternehmens nicht, verpackt die Aktion aber in andere Worte.

„Kununu ist ein offener Kanal, in dem sich oft frustrierte Mitarbeitende Luft machen. Es gab in Finnova keinen Aufruf an das Kader positive Botschaften zu verfassen.

„Wir weisen jedoch das Kader, neu eintretende Kolleginnen und Kollegen und auch alle Mitarbeitenden von Zeit zu Zeit darauf hin, dass Kununu ein Kanal ist, auf dem sie ihre Erfahrungen offen und fair teilen können.“

Hintergrund der punktuellen Missstimmung sei der Umbruch bei den Schweizer Banken, meint der Finnova-Sprecher.

Die Finanzinstitute im Land müssten ihre Plattformen erneuern, im Online-Banking stark werden und ihre Systeme für externe Anbieter öffnen.

Gleichzeitig bräuchten die Banken weiterhin ältere Programmierer, die ihre bestehenden Systeme am Laufen halten würden.

„Finnova, wie alle anderen Bankensoftwareanbieter auch, unterstützen ihre Kunden in der rasanten Transformation des Bankgeschäfts“, meint der Sprecher.

„Unser Fokus ist dabei die Weiterentwicklung unserer bestehenden Finnova Banking Software, die Entwicklung neuer, innovativer Produkte und die erleichterte Anbindung von Drittlösungen.“

Der laufende Umbruch sei jedoch kein Abbruch. Man stelle netto weiter Leute ein, betont der Finnova-Mann. „Wir planen dieses Jahr, die Belegschaft um rund 40 Personen zu erhöhen.“

Einige Mitarbeiter hätten naturgemäss Mühe mit den Umstellungen und Anpassungen an die neue Welt mit ihren raschen Veränderungen. Es seien daher „vereinzelt Entlassungen notwendig“.

Dass der Umbau hauptsächlich ältere Programmierer treffe, stimme nicht.

„Wir stellen gerade im oberen Altersbereich zahlreiche Mitarbeitende ein, da nur diese die erforderlichen Skills für unsere bestehende Software-Lösung haben.“

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

19 Kommentare zu “Banken-IT Finnova: Rosa-Comments im Netz

  1. Angefangen hat der Abbau (Entlassungen und freiwillige Abgänge seitens der jüngeren Arbeitnehmer) bei finnova mit der Übernahme der Aktienmehrheit der finnova Bankware AG durch die MSG GROUP aus Deutschland. Diese ist vor allem darauf bedacht, aus Kostengründen, eigene Leute an Bord der finnova zu bringen: An ihren Standorten (vertreten durch msgGillardon) in München und Passau; aber auch in Rumänien. Das bedeutet logischerweise auch, dass immer mehr Arbeitsplätze und Aufgaben aus der Schweiz ausgelagert werden und die MSG GROUP auch mitbestimmend ist, bei der Selektion der Führungskräfte in der Schweiz. Es hat also nicht Alles mit der Umstellung auf das Agile Vorgehen zu tun.

    • Im Gegensatz zu vielen Kommentarschreibern war ich bis vor kurzem dort angestellt. Standort Rumänien gibt es nicht mehr, dafür haben Sie Berlin vergessen. Wohl nicht (mehr) ganz Insider.

      Die Entwickler von msg sehe ich als Partner, nicht als Konkurrent. Sie sind eine wertvolle Stütze, wir arbeiten mit vielen sehr gerne zusammen. Ähnliches Qualitätsdenken, motivierte und engagierte lösungsorientierte Leute.

      >>> Danke für euren Einsatz Jungs und bringt endlich wieder mal ein anständiges Bier zu uns in die Schweiz rüber. <<<

      Die Fehler wurden vor der Übernahme gemacht:
      Zu wenig Investition in die Zukunft, zu viel Ausschüttung an die Aktionäre. Der Bonus an die wirklichen Wasserträger ist erbärmlich, Wertschätzung fehlt.

      Die Unruhe ist dann wegen dem planlosen Umbau der Geschäftsleitung durch die Schatten-GL entstanden. Mittlerweile ist sie wieder stabil, auch wenn das grösste Problem noch immer ungelöst ist.

      Ansonsten ist die Situation einfach:
      Zu wenig Leute mit zu vielen Aufgaben und mindestens 100 Prio-1 Aufgaben mit je einem Götti in der GL.

      Auch der neue GL-Besen kehrt hart in finnova.
      Was vorher jahrelang ignoriert und toleriert wurde wird nun überstürzt sofort entschieden. Hello, goodbye!
      Immerhin, aber meist ohne Einbezug der Konsequenzen.
      Die aus der "Lösung" entstehenden Engpässe versucht man mit Umplatzierungen aus noch funktionierenden Teams zu lösen. Was dann noch grössere Engpässe hinterlässt, die man wiederum – ihr wisst schon…..
      Das leider übliche kurzfristige Denken.

      Es hat viele coole Leute hier die einen guten Job machen.
      Vieles wäre eigentlich gut und sollte in Kununu auch erwähnt werden – das war wohl das naive Anliegen dieses Vorgehens.

  2. Kununu ist eh nicht seriös. Ich verfasste als ex-Angestellter der BLKB eine negative Bewertung. Kununu meldete sich bei mir und wollte eine Kopie meines Arbeitsvertrages mit Lohn, damit sie mit glauben, dass ich dort gearbeitet hatte. Der Arbeitgeber sei überzeugt, dass der Beitrag nicht echt sein könnte. eine Kopie der ID reichte nicht, obwohl man dann im HR-Auszug gesehen hätte, dass ich dort gearbeitet hatte. Sprich, wenn die Firma bezahlt, macht Kununu durchaus den Negativbewertungen die nötige Angst und löscht dann wie bei mir den Beitrag

  3. Meine Empfehlung an die Betroffenen:
    Vernachlässigt euer Netzwerk nicht, tut euch zusammen, Macht euch selbständig und habt Erfolg.

    Für Banken (aber auch anderswo) zählt heute vor allem die Effizienz. Viele dieser „alten Systeme“ sind höchst ineffizient… schafft ihr es als Insider die gesuchte Effizienz zu schaffen seit ihr wieder am Ball und könnt eure Arbeit teuer verkaufen!!! Und ja, es ist mir bewusst dass der beschriebene Weg nicht einfach ist…

  4. Was ich von meinen Kollegen so höre, hat Finnova in Tat und Wahrheit ein ganz anderes Problem:

    1.
    zu viel Kohle, dadurch zu bequem geworden

    2.
    zu starkes Wachstum im Personalkörper, dadurch auch Masse statt Klasse

    3.
    die „agile Transformation“ ist wohl punktuell etwas ein Schuss ins Knie, hinter dem Buzzword „Selbstorganisation der Teams“ versteckt sich die komplette Führung, von der ersten Führungsschicht der Pool Leiter bis zur GL.
    In diesem Thema haben die Esoteriker unter den Agilisten nach wie vor nicht begriffen, dass man auch ein dysfunktionales Team haben kann, das nur aus den bequemen, lethargischen Jungs besteht, die selbst auch keinen Macher mit drive als „Störfaktor“ ins Team aufnehmen. Heute fühlt sich für die Output-Performance der Teams niemand mehr verantwortlich. Schöne neue Welt ?

    Das doofe dabei: Agile Teams ist richtig cool – wenn man so aufsetzt, das primär die Wirkung im Ziel steht – mehr Output, Effektivität, schnellere Zyklen, lernende Organisation, mehr Erfolg, planbare Sprints, Releases und Roadmaps aber trotzdem auf Änderung reagieren können. Aber die Szene ist irgendwie in einen komischen Kontext abgerutscht. Aus einem Schlachtross macht man auch mit Scrum kein Rennpferd.

  5. Also, ich habe am Dienstag den Club /SRF 1 gesehen, wenn man da dem werten Herrn Präsidenten des Arbeitgeberverbandes glaube kann, so sind die Arbeitslosen 50/55 zig quasi Fake! Tatsache ist anderes und nochmals, ich glaube nicht, dass alle ü-50zig unfähig sind, die waren doch in den vergangenen Jahren beim Aufbau von Firmen/Banken auch dabei. Ich bin nach wie vor der Meinung es hat nur mit der PFZ zu tun, Hatte ich doch trotz meines vorgeschrittenen Alters einige Interviews, wurde aber abgelehnt von den ausländischen Chefs “ zu alt“ . Irgendwann wird diese Einstellung uns grässlich auf die Füsse fallen, sozialer Sprengstoff!

    • Ich, IT-Entwickler aus der Finanzbranche mit 55+ und seit zwei Jahren auf der Strasse bin echt und kein Fake…

  6. Kununu ist schon lange als Bewertungs-Plattform gelaufen. Das sind nur Arbeitgeberfakes drin. Wenn Ü40 plötzlich Ü20 die Social Media Welt erklären wollen, kommt dabe nur kompletter peinlicher Bruch raus. Geht mal auf Accenture, permanent nur 1 Bewertungen (schlechteste). Plötzlich nur noch 5er. Um in der Sprache der Ü20 zu sprechen: „Alte, din ernst?“

  7. „Programmierer im Alter von 55 Jahren und mehr “ wie können Chefs nur? Ist denen nicht klar das sie da ganze Familien in den Abgrund stossen. In der IT haben schon 45Jährige schon fast keine Chance auf neue Jobs.
    Was ist aus der soziale Verantwortung von Arbeitgebern geworden?
    Und Politik möchte noch dazu das Pensionsalter erhöhen…?!

    • In Deutschland bekam ein Bekannter Ü50 2 Vorstellungsgespräche, bei 2 Test-Bewerbungen.

      Man kann die PFZ auch in die andere Richtung nutzen.

  8. Für mich ist IP eine der wenigen Ausnahmen, wo ich den Eindruck habe, dass Fake News nicht integraler Bestandteil des Business Modells sind.

    Denn:

    Die wichtigste Funktion in Unternehmen, nach den Finanzen, ist die Kommunikation.

    Sie designt das Bild des Unternehmens, für die Aussenwelt, aber auch für die Mitarbeitenden.

    Dabei sind „Fake News“ leider die Regel, nicht die Ausnahme.

    Denn es geht nicht um Wahrheiten, sondern um optimale Trugbilder.

    Und News-geil wie wir sind, nehmen es auf, egal über welche Medien.

  9. Weiteres Indiz für unsoziale Arbeitgeber, die im großen Stil Mitarbeiter einstellen und nach kurzer Zeit wieder entlassen sind andauernde Stelleninserate, obwohl die Branche insgesamt infolge des technischen Fortschritts eher als wirtschaftlich stagnierend bis niedergehend bekannt ist.

    • Es liegt nicht am technischen Fortschritt.

      Zuvorderst steht fehlende Kundenorientierung. Wieso ist ein Apple Store voll, aber keine Bankfiliale?

  10. „Doch einige Mitarbeiter hätten naturgemäss Mühe mit den Umstellungen und Anpassungen an die neue Welt der raschen Veränderungen.“

    Heutzutage liest sich das eher so: „Wir wechseln die Technologie(n). Dafür braucht es Monate bis Jahre der Umschulung. Da unsere bisherigen Mitarbeiter dies nicht über das Wochenende können, wechseln wir sie durch Eingearbeitete aus.“

    • Dem kann ich nur zustimmen, bezahlen möchten viele Firmen im Zusammenhang mit Weiterbildung/Umschulung möglichst nichts, weder in Geld- noch in Zeitform. Aber gleichzeitig immer Jammern das es zuwenig Spezialisten gäbe. Zeigt einfach die Unfähigkeit des Kaders den eigenen Job auszuführen, denn man könnte das Problem ja meist selbst lösen aber das sollen natürlich die anderen. Natürlich gibt es löbliche Ausnahmen, die sind als Arbeitgeber in der Branche auch sehr begehrt.

    • Nicht unbedingt Ihrer Meinung. Erstens ist ein guter Software Entwickler auch deshalb ein solcher, weil er so intrinsisch an Technologie interessiert ist, dass er grundsätzlich mal up-to-date ist.

      Spezialitäten(blockchain,bigdata) können dann auch privat noch erworben werden – low cost Angebote wie Udami oder Coursera können halt auch mal in der Freizeit abgearbeitet werden.

      Der andere Punkt des Arbeitgebers: ein halbwegs vernünftiger Arbeitgeber im IT Umfeld wird seinen Mitarbeitern ein paar Tage Weiterbildung p.a. zur Verfügung stellen – sonst ist man halt beim falschen Arbeitgeber.

      Ganz abgesehen davon, dass es immer seltener nur um hard skills in Technologie geht. Vielmehr hat man es oft mit hard skilled Leuten zu tun , die man aber nicht auf andere Leute (Team) loslassen kann.
      „strong hard skill, weak soft skill“

      So und ausgebildete Software Entwickler die nicht nur technologisch zu 60% fit sind, sondern die fachliche Domäne auch noch kennen wir niemand einfach so austauschen, wenn die auch nur noch halbwegs was tun…….. anstellen und integrieren kostet Geld

  11. Verzweiflung pur bei den Banken-IT Buden. Aber…die Banken kaufen dort weiter ein, weil die CTOs gerne externe Freunde beschäftigen, da die internen meistens, so wurde mir von einem der Implementierer gesagt, der bei einer der grossen Zürcher Privatbank zu tun hatte, NULL Ahnung haben aber trotzdem arrogant und hochbezahlt sind. Die CEOs verstehen es einfach nicht. Das Schlimmste aber: die IT-Sicherheit bleibt bei 90% der Banken auf der Strecke. Es interessiert die CEOs einfach nicht und deshalb können die CTOs ihre Gärtchen auf tiefen qualitativem Niveau weiter pflegen.

    • Solche Firmen gehen irgendwann zu Grunde. Am Anfang werden sie angeknackst. Siehe SBB mit Sopra und Swisscom mit den Ausfällen.

      Diese Veruntreuung ist ein legaler Raubzug. Seit dem die SwissAir-Verantwortlichen vor Gericht freigesprochen wurden geriet alles ausser Kontrolle!

    • vor allem ist es schön, als CIO oder CTO Externe drin zu haben , um bei Bedarf auch schnell einen Schuldigen feuern zu können, ohne jemandem richtig weh tun zu müssen. Kennt nun auch schon jeder, das Pattern.