Julius Bär gerät knöcheltief in Ruag-Sumpf

Moskau-Chef hatte Russen-Fall bei VP Vaduz, Bär nahm ihn mit Handkuss – Chefs im Bild – Bigboss Rémy Bersier wankt.

Rémy Bersier blieb immer unbeschadet. Nun könnte es einen der höchsten Privatebanking-Chefs des Landes und Spitzenmann der Julius Bär kurz vor der Pensionierung doch noch erwischen.

Grund ist W.M., der Moskau-Chef der Bär-Bank. Dieser vermittelte Russlands starkem Mann Putin heisse Ware: Schweizer Waffen aus der Staatsschmiede Ruag.

Die Handelszeitung enthüllt laufend neue Details. Heute zerrt sie W.M.s privates Karibikkonstrukt ans öffentliche Licht.

W.M. hat inzwischen einen der bekanntesten Medienanwälte der Schweiz verpflichtet. Er befindet sich in einem Fight mit seiner Arbeitgeberin Julius Bär, die ihm die ganze Schuld in die Schuhe schieben will.

Man sei am Ermitteln, sagt eine Bär-Sprecherin auf Anfrage. „Der betroffene Mitarbeiter wurde freigestellt für die Dauer unserer Untersuchung.“

Das Problem für die Bär-Bank: Es gibt gar nicht viel zum Untersuchen. Der Fall liegt offen da – und er lässt die grösste Schweizer Privatbank in schlechtem Licht erscheinen.

Bär holte unter ihrem risikofreudigen Ex-Chef Boris Collardi W.M. als Russland-Berater an Bord. W.M. versprach reiche Russen-Kunden: Er lebte seit Jahren in Russland, hat eine Russin als Frau.

Der Wechsel erfolgte 2013. Bis dahin war W.M. bei der Liechtensteiner VP Bank. W.M. und seine Frau waren zuvor in einen Fall namens „Omega“ verstrickt. Es ging laut russischen Blogs um gefährliche Gelder, Oligarchen und mögliche Korruption.

W.M. verliess die VP und fand bei der Zürcher Bär-Bank eine neue Bleibe. Diese musste um W.M.s Vergangenheit bei der VP wissen. Der Omega-Fall war schliesslich längst online.

Auch zeigten simple Internet-Recherchen, dass W.M. eigene Unternehmen betrieb. Er war früh im Telecom-Business in der Schweiz tätig, verschob dann seine Aktivitäten nach St. Petersburg, wo in den 1990er Jahren die Post abging.

W.M.s Firma wurde immer grösser, er hatte russische Cracks als Programmierer angeheuert. Seine Verbindungen in höchste russische Geschäfts- und Polit-Kreise wurden immer zahlreicher und intensiver.

Für Boris Collardi war W.M. damit genau der richtige Mann. Er wollte den Berater mit den heissen Russen-Kontakten bei sich, egal, was dieser an Angriffsflächen und möglicherweise dunkler Vergangenheit aus seiner Fürstentum-Zeit mitbrachte.

W.M. wurde von Bär als Aushängeschild in Moskau stationiert. Chef Rep-Office der Julius Bär, so sein Titel. Seine privaten Firmen blühten weiter.

Vor allem das Geschäft mit Waffen für Putin & Co. wurde zu W.M.s einträglicher Quelle. Der Bär-Banker besuchte laut Handelszeitung die Waffen-Expo in Abu Dhabi – die weltgrösste ihrer Art.

W.M. war also nur noch Hobby-Banker. Hauptsächlich dealte er mit Patronen für Russen. Die Bär-Bank wusste davon. Zumindest hätte sie es wissen können.

Doch lieber schauten die Chefs des Zürcher Finanzinstituts weg. Für Collardi zählte nur immer neues Business, und dafür waren die reichen Russen-Kunden Gold wert.

Sein Russland-Chef Rémy Bersier agierte gleich. Bersier übernahm die Leitung der aufstrebenden Märkte, darunter Middle East und Russland.

Und: Monaco.

Auch dort tummeln sich glamouröse Reiche aus dem kalten Osten. Bersier hatte für die Russen-Führung einen neuen Mann.

Der heisst Ewgeni Smuschkovich, ein junger Private Banker mit Abschuss an der Uni Wien und einem Sommer-Studiengang an der renommierten London School of Economics.

Smuschkovich stiess 2011 als Kundenberater zur Julius Bär in Wien, 2014, also nur 3 Jahre später, übernahm der immer noch junge Manager die Leitung des Russland-Geschäfts am Bär-Hauptsitz in Zürich.

Von dort aus führte Smuschkovich seinen Mann in Moskau. Was wusste der Chef von den Waffen-Deals seines Unterstellten?

Für Julius-Bär-Chef und Nachfolger von Collardi, Bernhard Hodler, könnten die Fragen unangenehm werden. Hodler war lange oberster Verantwortlicher für die ganze Compliance, musste also sauberes Geschäften garantieren.

Doch unter Hodlers Compliance-Oberleitung waren die Bären überall dabei, wo Korruption und Schwarzgeld explodierten.

Fifa, Petrobras, PDVSA, USA – die Julius Bär war stets mitten drin. Auch bei Schweizer Krimis wie jenen um Remo Stoffel und Pierin Vincent spielt die Bär-Bank eine entscheidende Rolle.

Passiert ist bis jetzt nicht viel. Die Russen-Patronen könnten nun das Pulverfass namens Bär explodieren lassen.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Denke halt einfach, dass der Abgang von Collardi nicht ganz freiwillig war. Da ist im Hintergrund eine Atombombe. Bitte aktiv dranbleiben. Danke.

    • meine Worte

      Und es ticken wohl mehrere (Atom)Bomben, nicht nur bei Bär ….

  2. Die geneigte Leserschaft sehe sich bitte mal ein bisschen um auf
    http://www.imsc.trade

    Interessant, was W.M. alles so anbietet, oder? Defense Technology vom Feinsten! Konti beim Bärchen? Die Risk- und Compliance-Schnarchos dort hatten natürlich von allem keinen blassen Dunst. Wie auch, mit dieser Gurkentruppe (Gurke kann wahlweise durch Wurst ersetzt werden…)!
    Kisses to Zhenya (Eugène)

    • IMSC provides consulting and services in the field of trade, transportation and financing. We provide security technology and services in strict compliance with all legal permits and governmental licenses. Our customers are Government and Government Agencies.

      Verstehe ich nicht, warum wird so ein Theater gemacht. Es ist ueberall so, dass wichtige Geschaefte laufen ueber Intermediaries und Voraussetzung ist eben Bankdiskretion! Jemand muss die Kontakten zu den hohen Stellen haben. Es ist freie Marktwirtschaft, OK?

    • Freie Marktwirtschaft? Ich würde es eher Tango Corrupti nennen…

  3. Ach wie schön, ich sehe, wir haben volle Vorgabe geleistet und die Compliance erfüllt brav die Vorgaben von oben nach unten keine kritischen Fragen zu stellen und einfach alle Konten zu eröffnen und so zu belassen, allesfalls rein kosmetisch ein paar Fragen zu stellen. Ja, ist gewollt so bei der Bank Bärli, wer sich nicht an unsere Vorgaben hält fliegt aus Compliance raus!

    • Ja genau, warum eigentlich… Dumpfbacken dürfen ja schliesslich auch ungestraft jeden Sch…. von sich geben.

    • Weil die Waffen gefälligst alle für die Friedensleistungen der Saudis in Jemen oder die Befriedung durch die freien Armeen in Syrien zu dienen haben.
      Wo kommen wir da hin, wenn man hier einfach jedermann Waffen liefern würde?
      Die müssen schon bitteschön immer politisch korrekt an die „Freiheitskämpfer“ geliefert werden.
      Aber Vorsicht: Bitte den aktuellen Trend beachten. Schnell werden aus den freiheitsliebenden Mujahedin schnell böse Al-Kaida um dann doch wieder als Transformationsname irgendwo wieder eingesetzt zu werden.

      Wieso nur wird eigentlich in Indonesien oder Südafrika eigentlich nichts gemacht?

      Ach was… Am besten darauf achten, dass man einfach nicht erwischt wird.

  4. W.M. machte auch bei VP Bank ähnlich krumme Sachen. Moeckli und Mauchle von VP Bank kennen Legacy von W.M. Seine Kunden sind z.T. immer noch im Russen-Bankportfolio aktiv.

  5. Ich sehe da den VR in der Pflicht. Er hat die BC Strategie von Anfang an gestützt: Neugeld auf Teufel komm raus, who cares about KYC? Dubiose Deals? Kein Problem, gibt ja Neugeld. AUM steht über allem. Profitabilität? Interessiert doch niemanden, Neugeld muss her. So lief der ganze Merrill Lynch Deal. Kundenberater mit Assets strichen riesige Boni ein. Sind sie heute noch bei der Bank? Mit BC müsste auch Sauter verschwinden.

    • Diejenigen, die sich um die guten KYCs scheren, wreden mundtot gemacht oder raus befördert. So läuft die „Compliancie“ bei der Bärli Bank.

    • Haben eigentlich die Valser ihre Mehrzweckhalle schon, welche der Remo versprochen hat?

    • Stoffel’s Vermögen übersteigt m.W. sogar die 1,7 Mia. Grenze. Leider hat er nicht erwähnt, dass dagegen 2,3 Mia. Schulden stehen.

    • Aber die Ehefrau von Remo Stoffel ist ja eine Schweizerin. Nur weil sie in Russland geheiratet haben wird sie ja wohl noch nicht zur Russin oder?

  6. Lieber Hr. Hässig. Zum Zeitpunkt der Einstellung war nicht Rémy Bersier der Regionen-Verantwortlicher sondern ein Herr Gian Rossi.

    • Gian Rossi gehörte eh zur innersten Italo Clique bei Bär.. Diese ganze Bär Italo-Russen-Clique hat die Bank doch nur als Plattform für ihre privaten Deals benutzt, eine Schande.. Genauso schlimm wie die Raiffeisen Bande..

    • Oder war es nicht Gustav Raitzin? Der war auch mal nebst Latam auch Russland Chef.

    • Rossi ist einfach nur faul und möchte keinen Stress. Aber Raitzin ist mit allen Wasser gewaschen und für die Bank sehr schlecht.

  7. Bär Compliance hat eine neue offensive lanciert. Kunden die über 20 Jahre bei der Bär sind müssen jetzt ihr Curriculum Vitae schicken und aussagen über Hobbies und Primarschule !!

    • … naja, bedenklich ist eigentlich nur dass man nach 20 Jahren keinen CV hat vom Kunden und seine Hobbies nicht kennt… soviel zu KYC

    • Bär ist eigentlich zu spät dran, andere Banken haben diese Übung vor 5 Jahren schon gemacht, die Kunden verärgert, Bär waren die Guten, jetzt müssen sie auch durch, die BC-Largesse ist vorbei!

    • Na ja, so genau nehmen wir es nicht mit den CVs. Diese können Lücken und Löcher nach Belieben haben. Und unsere Mitarbeitenden sind instruiert, dahingehend, zwei Augen zudrücken, wenn kritische Fakts!

    • der weitverbreitete „Russische Sumpfbär“ ist aus dem Winterschlaf zurück.

      Das Tier ist gemäss FINMA streng geschützt. Der WWF will sich nicht dazu äussern.

    • … habe dieses Vertrauen in unsere Bangster schon längstens verloren. Bin auch für die Vollgeldinitiative um dieses Spekulantentum (mit Null-Geld, das nicht mir gehört) etwas einzudämmen!

    • Ich. Ich war dick im Russengeschäft und zwar sauber, unkorrupt und unkäuflich; aber ich wurde wegrationalisiert (heisst „rausgeschmissen“)…..

    • Ich WAR ein seriöser Bänkler im Backoffice. Gottseidank gehe ich mittlerweile dem ehrlichen Geschäft des Hauswartes nach. Als die alten Patriarchen Baer und Vontobel noch das Sagen hatten, konnte man in diese Clique noch einigermassen Vertrauen haben. Scheidt, Bad Hair Zeno, Springbock Collardi, Ospel, Rohner, Thiam, Ermotti und wie sie alle heissen mögen, können eigentlich nichts. Zumindest nicht das, wofür sie dermassen Schamlos abzocken. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als diesen gewissenlosen Mänätschär ihr Spielgeld wegzunehmen: Ja zur Vollgeldinitiative! Ausser für Hypotheken braucht heute kein Mensch mehr ein Bänkler. Die haben ja alles an die Kunden ausgelagert. Vom ZV bis zum Handel.

    • Quelle Wikipedia:
      Ein Oxymoron (Plural Oxymora; griechisch ὀξύμωρος, aus oxys ‚scharf(sinnig)‘ und moros ‚dumm‘) ist eine rhetorische Figur, bei der eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen gebildet wird. Häufig werden Oxymora in Form von Zwillingsformeln geprägt. Einzelne Wörter, Begriffe und selbst ein oder mehrere ganze Sätze können ein Oxymoron bilden. Das Stilmittel wird verwendet, um beispielsweise dramatische Steigerungseffekte zu erreichen oder kaum Auszudrückendes oder gar Unsagbares in ein Gegensatzpaar zu zwingen und dadurch zum Ausdruck zu bringen.
      Der innere Widerspruch eines Oxymorons ist gewollt und dient der pointierten Darstellung eines doppelbödigen, mehrdeutigen oder vielschichtigen Inhalts, indem das Sowohl-als-auch des Sachverhaltes begrifflich widergespiegelt wird. Als Stilfigur ist das Oxymoron daher in der Lyrik und der dichterischen Prosa von Bedeutung, aber auch im politischen Diskurs und in der Werbung anzutreffen. Das Wort Oxymoron selbst ist bereits ein Oxymoron. Einen logischen Widerspruch, der ohne Absicht formuliert wird, nennt man lateinisch Contradictio in adiecto (dt. „Widerspruch in der Beifügung“).

      Ein typisches Oxymoron (eine Formulierung aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden oder sich gegenseitig ausschließenden Begriffen) ist: Banker – seriös…..

  8. Könnte es sein, dass Boris Collardi seit Jahren gar keine „Gewähr für einwandfreie Geschäftsführung“ bietet und dass die FINMA dies seit Jahren nicht realisiert hat?

    Könnte diese Frage auch angewendet werden auf

    – Urs Rohner
    – Pierin Vincenz & Co.
    – Mark Branson
    – weitere?

    • So ziemlich genau so ist es.

      Ich wiederhole mich, aber das einzige wovon BC eine Ahnung hat, ist sich einzuschmeicheln. Und wild einzukaufen und danach jedes Jahr 10% Headcount Reduction durchzudrücken.

      Strategie? Überschätzt. Rücklagen für den US Steuerstreit? Unnötig. Compliance? Com-p-l … Was?

      Dann die bereits genannten Skandale und Skandälchen. Er mittendrin. Vermutlich. Vielleicht. Möglicherweise. Wenn sich das nachweisen liesse, ja, dann wäre klar, dass die Finma jahrelang geträumt hat. Wieder einmal.

    • Branson war doch der Verantwortliche bei der UBS London für den Liborskandal. Hat Millionen von Libor Hypos Besitzer betrogen und wird dafür Scheff der Aufsichtsbehörde….. Und unsere Politiker? Die kriegen nach ihrem kümmerlichen Politikerdasein ein Jöbchen im VR der Raiffeisenbank. Siehe Atom Doris. Und was lernen wir alle daraus? Die sogenannte Elite ist der berühmte Kopf des Fisches, der bekanntermassen zuerst stinkt. Es ist einfach nur noch widerlich was abläuft.

  9. London School of Economics hat dem einen Gaddafi Sohn einen Doktortitel verliehen und dafür verschiedene Spenden kassiert.

    Ein „renommiertes“ Institut hat strikte, akademische Bedingungen die’s zu Erfüllen gilt. An der ETH wäre so etwas undenkbar, dass Papa Geld spendet und der Filius dafür einen PhD erhält.

    • Sind sie in ihrer Aussage sicher, meinen sie wirklich an der ETH gibt es keine Professoren die mal ein Auge zudrücken oder etwas durchwinken?

    • …trotzdem spielt die LSE in einer andern Liga als CH-Universitäten (ETH ausgenommen)

    • Schaut Euch nur den Witz von Marc Hayek an!: Einen Dr. h.c. (nach erfolgter Spende) der „European University of Montreux“. – Give me a fucking break!

    • Wie können diese einen Dr. verleihen? Ok, vielleicht ist er nur geliehen 😉
      Sie bezeichnen sich nur als Business School, nicht als University, mit guten Verbindungen zu Kasachstan …

    • Fast alles ist Kaufbar… nur die Ehre und Integrität nicht….auch wir nicht! Schlimmeres als nicht in die Geschichtbücher zu tauchen, ist es zu tauchen in negativen Sinn…Geld kann nicht die zukunftige Geschichte erzähler kaufen, jawohl finanzieren…

      P.S.: gekaufte PhD und Abschlüsse bei Akademie in der Schweiz gab immer…wie können Sie sonst diese “ Irrationalitäten“ erklären? Integre Menschen bleiben so für immer…

    • @Pierre Miraubad

      …und wie war das mit der Masterarbeit von Frau Nationalrätin Doris Fiala…
      Jede(r) andere Student)in) wäre lebenslänglich von der ETH Zürich gesperrt worden!

    • Na, es gibt gar Schlauberger-Professoren, die Ihre Habil aus einer Publikation aus dem fremdsprachigen Ausland Zeile für Zeile – natürlich ohne Quellenangabe – übersetzen und sie dann hier in Deutsch einreichen und damit noch grossartig durchkommen. Das nennt sich „effizient“. – „Moment mal, das habe ich doch so schon mal anderswo gelesen…?“ – Und sämtliche Prüfsoftware scheitert und kann nichts Verdächtiges feststellen.
      Scheisskerle gibt es überall.