Den Finanzplatz III für Unternehmer und globale Entrepreneure aufbauen

Wer die letzten zehn Jahre der Schweizer Banken aktiv miterlebte und gestaltete, erlebte an deren Spitzen den Übergang vom Übermut zur Untergangsstimmung. Getrieben von ausländischen Behörden, die man überschätzte, von internationalen Organisationen in Paris und Brüssel, die man, ebenso wie deutschen Steuerfahnder, zuerst unterschätzte, aktivierten unsere Banken zuerst die stillen Reserven, dann die offenen Reserven und zuletzt Teile des Cashflows, um Milliarden von Franken in der ganzen westlichen Welt zu verteilen. Wer mehr Rückgrat von ihnen verlangte, geriet an den Rand.

Das gleiche Geld hätte der Finanzplatz Schweiz, der unterdessen fast zerfallen ist, gebraucht, um eine Kundenoffensive zu starten und die Umstellung auf die Instrumente der IT-Branche rascher als bisher zu vollziehen. Im Gegenteil: Der Geist der Defensive drückte sich aus im Aufbau riesiger Compliance-Abteilungen, die seither den Cashflow weiter vermindern, und den anspruchsvollen Privatkunden verärgern, weil er laufend damit beschäftigt ist, irgendwelche Bankdokumente auszufüllen.

Langsam lösen sich unsere Banken von diesem Krisenmodus, wobei es keineswegs als gesichert gelten darf, wer dies am Ende in Selbständigkeit überlebt oder in einem „merger of equals“ untergehen wird.

Woher kommt die Erneuerung, die wir als Morgenröte am Horizont erkennen können?

In erster Linie ist dies die Erfahrung, dass der Ruf der Schweizer Banken keineswegs ruiniert ist, sondern zehntausende von Kunden aus aller Welt weiter zu unseren Banken drängen. Was vor zehn Jahren geschehen ist, interessiert diese neue Generation nicht.

Zweitens sind es hervorragend ausgebildete junge Mitarbeiter aus aller Welt, die unseren Finanzplatz internationaler machen, als er es je gewesen ist. Sie treten an, ganz ohne Privilegien, aber mit dem Willen zum Erfolg: „If you make it here, you make it everywhere“.

Drittens werden sie geführt von einer im Wettbewerb gehärteten Generation oberster Führungskräfte, die nicht mehr im Schlafwagen zum Erfolg fahren, sondern sich an der Konkurrenz messen: „Er oder ich. Einer wird gewinnen.“

Erst auf dieser Basis kann die vielgerühmte Innovation greifen, die allerorten gesucht wird. Der technologische Fortschritt ist nur ein, aber ganz wesentlicher Faktor, wie es einst die Ablösung der Segelschiffe durch die Dampfschiffe war. Kapitäne und Mannschaften mussten sich umstellen, waren aber weiter gefragt. Die moderne IT hat den Vorteil, dass sie viel handlicher ist, als frühere Instrumente es waren. Die grosse Täuschung ist es nur, sich von ihr allein den Erfolg zu versprechen.

Es ist auch falsch, sich von modischen Ängsten übertrieben beeindrucken zu lassen. Natürlich spielt die Ökologie immer eine Rolle, aber die Banken zu ökologischen Musterbetrieben zu machen, ist sicher der falsche Weg. Schon die Ökonomie ist eine fragwürdige Wissenschaft; die Ökologie, deren Funktionsweisen wir nur ansatzweise kennen, ist es erst recht.

Unsere Banken werden im 21. Jahrhundert auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn sie sich nicht ablenken lassen. Ihr Geschäft heisst „Mit Geld neues Geld verdienen.“ Wer von ihnen verlangt, die Umwelt zu gestalten, die Gesellschaft zu formen und eine „governance“ zu pflegen, die man nur als Luxusfaktor bezeichnen kann, geht zu weit.

Gerne vergessen wir eines: Die Modethemen einer westeuropäischen Minderheit sind nicht die zentralen Themen des „Restes“ der Welt, der die Mehrzahl neuer Kunden stellen wird.

Wir können nun also, nach zehn Jahren der Wirren, die regulatorischen Massnahmen wieder zurückfahren. Mit etwas Selbstbewusstsein wird dies auch gelingen. Wir sollten auch nicht neue Gesetze verlangen, um unsere Banken zu fördern, sondern möglichst viele Gesetze abschaffen, um Stolpersteine beiseite zu schaffen.

Die Schweiz, ein Mutterland des modernen Humanismus und ein Vaterland der ökologischen Bewegung, muss auch in der Bewältigung dieser Aufgaben Augenmass halten. Ich bin sicher, dass uns dies gelingen wird.

Dann werden wir nach einem Finanzplatz I im 19. Jahrhundert für Fürsten, Könige und Grosskaufleute und einem Finanzplatz II für Kriegsflüchtlinge im 20. Jahrhundert jetzt einen Finanzplatz III für Unternehmer und globale Entrepreneure aufbauen. Es gibt auch gar keine Alternative dazu.

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7 Kommentare zu “Den Finanzplatz III für Unternehmer und globale Entrepreneure aufbauen

  1. Ein merkwürdiger Artikel, welcher über Pauschalaussagen den alten Status Quo proklamiert, um damit die Moderne einzuläuten. Die vorgetragenen Argumente haben weder einen Kontextbezug (zeitlich und/oder sachlogisch), noch sind sich in sich selbst kohärent. Beispiele:

    Erstens: Bei der Entwicklung der Eigenkapitalquoten gibt es nur auf aggregiertem Niveau ein kohärentes Bild, während sich die einzelnen Banktypen unterschiedlich entwickelt haben. Diese aggregierte Entwicklung entspricht dem langfristigen Trend der letzten 50-100 Jahre, und ist damit keinesfalls nur das Resultat des aktuellen Zeitgeistes. Das ist eine selektive Aussage auf Basis einer verkürzten Zeitreihenbetrachtung.

    Zweitens: Es ist nicht wirklich nachzuvollziehen, wie Sie zur Aussage kommen: „… der Finanzplatz Schweiz, der unterdessen fast zerfallen ist, …“ Woran messen Sie das faktisch?

    Drittens: Die Aussage über die hervorragend ausgebildeten, jungen und internationalen Mitarbeiter ist auch interessant. Obschon Diversität einen dynamisierenden Effekt mit sich bringen kann, machen Sie hinsichtlich des effektiven Vorliegens eines solchen Zusammenhangs aber keine begründete Aussage. Inwiefern kam es denn zu nennenswerten Veränderungen der Geschäftsstrategien, welche man auf besagte Veränderung des Belegschaftsmixes zurückführen kann; d.h. inwiefern sind neue Resourcen akquiriert worden, welche resultierend zu einem Wettbewerbsvorteil geführt hätten? Und bei wem? Meines Erachtens ist die primäre Zielsetzung eher die Reduktion der Personalkosten. Im Übrigen: Im vorherrschenden „war for talent“ haben Banken heute tendentiell grosse Herausforderungen, für Top-Talente überhaupt noch interessant zu sein. Es gibt schlichtweg spannendere Themen; siehe meine Schlussfolgerung…

    Viertens: Sie sprechen den obersten Führungskräften pauschal die Eigenschaft zu, im „Wettbewerb gehärtet“ geworden zu sein und sich „an der Konkurrenz zu messen“, anstatt „im Schlafwagen zum Erfolg zu fahren“. Das deckt sich nur sehr bedingt mit meiner Erfahrung. Ich sehe da nachwievor eher eine Generation von obersten Führungskräften, welche die vorherrschenden Marktgegebenheiten nicht mehr wirklich versteht und es entsprechend an der Entwicklung und Umsetzung schlagkräftiger Strategien regelmässig vermissen lässt. Wie viele wirklich überzeugende Differenzierungsstrategien haben Sie auf Basis Ihrer Analyse denn identifizieren können? In meinen C-Level Diskussion höre ich da sehr viel häufiger den Terminus „smart follower“…

    Fünftens: Wie kommen Sie zur Aussage, wonach „die moderne IT den Vorteil hat, dass sie viel handlicher ist, als frühere Instrumente es waren“. Haben Sie einen Hintergrund in IT-Architektur, Systementwicklung und -wartung? Welche Banken sind Ihrer Meinung denn bei einer „modernen IT“ angelangt? Und was kostet eine konsequente Modernisierung / Neuausrichtung der IT-Infrastruktur? Wie lange dauert deren Amortisation? Und welchen ROI kann eine Bank in der Folge erwarten? Lediglich mit Ihrer Aussage „die grosse Täuschung ist es nur, sich von ihr allein den Erfolg zu versprechen“ gebe ich Ihnen Recht. Allerdings validieren Sie meinen obigen Punkt hinsichtlich der häufig mangelhaften Strategiefähigkeit der Management-Teams, während Sie damit Ihr eigenes Argument widerlegen.

    Sechtens: Was wollen Sie zum Ausdruck bringen, wenn Sie behaupten, „die Banken zu ökologischen Musterbetrieben zu machen, ist sicher der falsche Weg.“ Was bedeutet der Terminus „ökologischer Musterbetrieb“? Und aus welcher Evidenz leiten Sie ab, dass sich die Banken – wenn überhaupt – übertrieben mit diesem Thema beschäftigen? In welcher Grössenordnung? Und welche?

    Siebtens: „Schon die Ökonomie ist eine fragwürdige Wissenschaft; die Ökologie, deren Funktionsweisen wir nur ansatzweise kennen, ist es erst recht.“ Fragwürdig sind nicht die Wissenschaften als solche, sondern vielleicht die angewandten Theorien / Modelle und die ihnen zugrundeliegenden Hypothesen. Und fragwürdig ist Ihre Aussage, die Sie offenbar in Ermangelung an Kenntnis tätigen, was mich mit Hinblick auf Ihren Bildungshintergrund einigermassen erstaunt…

    Achtens: Ihre Aussage „Ihr Geschäft heisst ‚Mit Geld neues Geld verdienen‘ “ greift etwas kurz. Sie gehen davon aus, dass es keine Disintermediation der Banken gibt / geben wird. Die Evidenz spricht dagegen…

    Neutens: „Gerne vergessen wir eines: … nicht die zentralen Themen des Restes der Welt, der die Mehrzahl neuer Kunden stellen wird.“ Wer hat das vergessen? Diejenigen, welche in Silos denkende und lokal agierende Banken herausfordern, ganz bestimmt nicht… Die Vulnerabilität der Banken ist ja gerade die mangelhafte Fähigkeit / Bereitschaft, für die Kunden einen effektiven Mehrwert zu generieren. Hüben, wie drüben.

    Zehntens: „Wir sollten auch nicht neue Gesetze verlangen, um unsere Banken zu fördern, sondern möglichst viele Gesetze abschaffen, um Stolpersteine beiseite zu schaffen.“ In Kombination mit Ihrem vorgelagerten Satz hinsichtlich „Umwelt, Gesellschaft und Governance“ legen Sie offen, worum es Ihnen wirklich geht: Weiter so, wie gehabt. Ist bequem, weil Sie sich veränderten Rahmenbedingungen nicht anpassen müssen. Und persönlich einträglicher ist es auch. Na dann: „Good luck“…

    Schlussfolgerung: „Dann werden wir … jetzt einen Finanzplatz III für Unternehmer und globale Entrepreneure aufbauen. Es gibt auch gar keine Alternative dazu.“ Stimmt, werden wir. Die Frage ist nur: Welche Rolle spielt darin noch das antiquierte Bankenmodell. Denken Sie daran was Bill Gates in den 90ern gesagt hat: „we need banking, but we don’t need banks anymore“. Es gibt keine Alternative zu einem modernen Finanzsystem. Aber es wird definitiv Alternativen zu traditionellen Finanzdienstleistern geben. Und wir werden täglich mehr. Als Entrepreneur brauch ich Euch bald nicht mal mehr für die Zahlungsabwicklung…

  2. Sehr geehrter Herr Hugenschmidt
    Wollen Sie denn noch immer nicht erkennen wie krank unser gesamtes Geld- und Finanzsystem überhaupt ist, dass Sie meinen, wir könnten, nachdem die Wellen der Finanzkrise, der Steuerfahnder, etc. nach oberflächlicher Beobachtung hin etwas abgeflacht sind, im selben Stil weitermachen wis bis anhin? Dass Compliance-Richtlinien von den Göttern in Schlips implementiert werden, die anhand der Compliance-Richtlinien eigentlich selbst vom weiteren Geschäften ausgeschlossen werden müssten? Und die ganze Ökologie ist Ihnen ebenfalls egal? Wer, wenn nicht die Finanzinstitutionen selbst, hat die Macht, ECHTEN Umweltschutz überhaupt durchzusetzen? Haben Sie noch nicht erkannt, dass wir mit unserem Finanzsystem die gesamte Volkswirtschaft zerstören und dabei unseren gesamten Planeten bald abgewrackt haben?

  3. Mitte der 90er Jahre gab es Anleihen, die in DEM teilweise bis zu 15% Zinsen zahlten und mit denen man zusätzlich noch Kursgewinne erzielen konnte:

    https://www.focus.de/finanzen/news/geldmarkt-brasilien-zahlt-zwoelf-prozent_aid_157915.html

    Das weiß ich heute noch so genau, weil ich u. a. solche als Student in einem meiner Depots hatte.

    Jeder, der Geld hatte, konnte sich quasi kaum dagegen wehren, noch reicher zu werden.

    Man vergleiche all dies nur mit heute!

    Hätte ich mir damals vorstellen können, daß die westliche Welt derart rasch in die Japanisierung schreitet wie geschehen, hätte ich auch nicht studiert.

    Eben auch, wie rasch seither alle stille Reserven aufgebraucht wurden.

    Das aktuelle Handeln der Politik läßt auch nicht die Hoffnung aufkommen, daß dies zukünftig bedeutend anders würde.

    Politisch korrekt ist, wenn man dumm, lieb und arm ist!

  4. Ihre Aussage: „Was vor zehn Jahren geschehen ist, interessiert diese neue Generation nicht.“

    Tja, ich kann nur zitieren: „Einstein defined insanity as doing the same thing over and over and expecting different results!“

    und noch:

    „Success is going to require talented experts, a beginner’s mind, and a long-term orientation.“ Jeff Bezos

    Mit den Rest kann ich gut weiterleben…. aber never forget!

    • Ein Fachmann ist ein Mann,
      der einige der größten Fehler kennt,
      die man in dem betreffenden Fach machen kann,
      und sie deshalb zu vermeiden versteht.

      Werner Heisenberg
      * 5. Dezember 1901 † 1. Februar 1976

  5. Schweizer Banken und Vermögensverwalter haben eine verhängnisvolle Heimatmarktneigung bzw. „home bias“ bezüglich schweizer Aktien und Währung:

    https://www.nzz.ch/finanzen/schweizer-banken-sind-trotz-ruppigen-maerkten-optimistisch-ld.1376188

    Der Umstand, daß man zu ca. 3/4 im schweizer Franken investiert ist zeigt auch, daß offensichtlich niemand die 200-Tage-Linie von Währungspaaren – hier zum Euro – kontrolliert:

    https://www.boerse.de/devisen/EUR-CHF/EU0009654078

    Natürlich paßt es nicht in die Vorstellungswelt vieler Schweizer, daß der Euro gegenüber dem schweizer Franken nun bedeutend stärker wird, obwohl dies jedem klar sein muß, der sich gedanklich etwas intensiver mit den zukünftigen wirtschaftlichen Folgen des Aufkaufens von Fremdwährungen zur Währungskurspflege durch die SNB befaßt.

    Exzellenz in Anlagegelegenheiten zeichnet sich auch dadurch aus, das im Grunde Undenkbare für möglich zu halten sowie laufende Kontrolle.

    Immerhin konnte ein schweizer Anleger durch einen Währungstausch seit Mitte 2017 ca. 10% gewinnen, was in Zeiten von Null- und Negativzinsen nicht wenig ist.

  6. Was ist jenseits des Bankkundengeheimnis der Vorteil einer schweizer Bank im aktuellen regulatorischen und Nullzinsumfeld für einen (Neu-)Kunden?

    Besondere prognostische Fähigkeiten existieren zudem nicht, eingedenk der SMI 20.000 – Prognose für das Jahr 2020 vom aus dem großen Kanton importierten Burkhard Varnholt:

    https://www.bilanz.ch/people/burkhard-varnholt-fehlerhaftes-orakel-416433

    Negativzinsen nun seit Jahren, der schweizer Franken seit einem Jahr schwach, der Immobilienmarkt eine große Blase und der SMI mit fast allen Werten seit diesem Jahr im Rückwärtsgang:

    https://www.boerse.de/trendvergleich/SMI-Aktien/CH0009980894

    Das ist keine glückliche Grundlage, um für die Bank margenstarke und den Kunden ertrag- und erfolgreiche Geschäfte zu tätigen.