Pressechef Vontobel: Auch aktiv für Deutsche Bank

Peter Dietlmaier kassiert bei Familienbank Direktorensalär inkl. Bonus – Daneben kümmert er sich um Grossbank.

Peter Dietlmaier ist in der Kommunikationsbranche, was man in Deutschland ein Schlachtross nennt: ein gestandener Profi, dem man nichts mehr vormacht.

Diesen Dietlmaier hat sich die Vontobel vor ein paar Jahren als neuen Chef Communications geschnappt. Der Deutsche kassiert seither im Range eines Direktors ein Topsalär inklusive Bonus.

Dafür würde sich Dietlmaier rund um die Uhr für die Reputation seiner Arbeitgeberin einsetzen, würde man meinen.

Doch Dietlmaier ist nur 3 Tage pro Woche in Zürich. Den Rest seiner Zeit verbringt er in Deutschland – mit anderen Mandaten.

Er betreibt eine eigene Kommunikationsagentur namens CCounselors GmbH & Co. KG. Diese ist für zahlreiche Firmen aktiv.

Auch für Banken. Beispielsweise die Deutsche Bank. Und das an vorderster Front.

Als die schlingernde Nummer 1 des Nachbarlands nicht mehr weiter wusste und einmal mehr ihren CEO auswechseln wollte, weibelte Dietlmaier hinter den Kulissen.

Er sorgte dafür, dass die richtigen Namen kursierten respektive die falschen rasch aus den Schlagzeilen verschwinden würden.

Immer im Auftrag des obersten Manns der Deutschen Bank, dem Präsident des Aufsichtsrats. Gleich agiert Dietlmaier auch bei der Vontobel. Auch dort ist er direkt für Präsident Herbert Scheidt und CEO Zeno Staub zuständig.

Die erste Hälfte der Woche für die Vontobel, die zweite für die Deutsche Bank: Wie lässt sich das vereinbaren? Die beiden Häuser stehen teilweise in direktem Konkurrenzkampf.

So versucht die Deutsche Bank Schweiz mit neuen Private-Banking-Chefs von der Julius Bär und der Genfer UBP, mehr Reiche zu sich zu lotsen. Eine Klientel, um die auch die Zürcher Vontobel buhlt.

Für den doppelten Dietlmaier kein Problem. Seine CCounselors sei vom Aufsichtsrat der Deutschen Bank Anfang April „als Kommunikationsberater mandatiert“ worden.

„Zu anderen Mandaten gibt es keinen Konflikt, da der Aufsichtsrat einer deutschen Gesellschaft ganz spezifische Aufgabe hat und beispielsweise nach deutschen Aktiengesetz keine operative Aufgaben wahrnimmt und auch nicht für die Entwicklung der Strategie zuständig ist.“

Dies sei anders in der Schweiz und damit bei Vontobel. Dort agiere er im Auftrag der operativ Verantwortlichen, in Deutschland hingegen nur für die Aufseher.

„Darüber hinaus sind die Mandatsverhältnisse gegenüber den Klienten transparent“, betont Dietlmaier.

Die Argumentation ist wackelig. Aus zwei Gründen. Erstens ist der Aufsichtsrat gemäss deutschem Recht letztendlich doch auch strategisch verantwortlich.

Der Präsident und seine Kollegen im obersten Gremium erarbeiten zwar nicht die Richtung der Firma; das ist der Job der Geschäftsleitung.

Doch sie müssen mit der Vorgabe ihres obersten Managements einverstanden sein. Der Deutsche-Bank-Präsident kann somit mit einer Mehrheit seines Gremiums das Management faktisch zu einer strategischen Weichenstellung zwingen.

„Keine operative Aufgaben“ für seinen Auftraggeber von der Deutschen Bank als Begründung, dass kein Interessenkonflikt zu seinem Mandat bei Vontobel existiere: Diese Ansicht überzeugt nicht.

Zweitens ist die von Dietlmaier betonte Transparenz zunächst nicht sichtbar. Auf der Homepage seiner CCounselers sind die Mandate vieler Auftraggeber aufgeführt.

Ausgerechnet jenes der Bank Vontobel fehlt aber; dies, obwohl es für Dietlmaier nach dessen eigener Auskunft mit 3 Arbeitstagen pro Woche mehr als die Hälfte seines Gesamtaufwands ausmacht.

Dietlmaier ist entsprechend bei der Bank Vontobel auch im Handelsregister als Unterschriftsberechtigter eingetragen. Es handelt sich also um weit mehr als um ein Mandat, ist praktisch eine grosses Angestellten-Pensum.

Erst auf einer weiter hinten liegenden Unterseite von CCounselers führt Dietlmaier dann die Vontobel als eines einer Auftraggeberinnen auf.

Ganz Kommunikationsmann, findet Dietlmaier das spitzfindig. Das Vontobel-Mandat sei „nicht versteckt, weil die Namen auf der Seite, auf der ehemalige und aktuelle Klienten in einer Auswahl aufgeführt sind, alphabetisch aufgeführt sind – wie in der Präsentation.

„Und Vontobel beginnt halt mit V.“

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31 Kommentare zu “Pressechef Vontobel: Auch aktiv für Deutsche Bank

  1. Dieltmaier macht das schon richtig. Und wenn er in Staub einen Dummen gefunden hat, der ein solches Treiben zulässt, kann man ihm wohl kaum einen Vorwurf machen. Dreist gewinnt…

    • Eine Ohrfeige für alle «normalen» VT-Mitarbeiter. As simple as that.

      Gibt’s bei der Bank Vontobel denn keine Person, die finanzfachlich fit ist und sich eloquent ausdrücken kann…und diesen Job mit Stallgeruch übernimmt, per 1. Juni 2018 „im Rahmen von strategischen Neupositionierungen“?

      Anyway, Dieltmaier hält sich derweil an den neuen Slogan von Vontobel: «Get up. Own your success.» … «Pimp my account to the sky»

  2. Geile Nummer. Der PR-Büttel im (Teilzeit-) Angestelltenverhältnis kassiert gleich mehrfach. Ist eben alles eine Frage der Effizienz. Da muss die eigene Glaubwürdigkeit halt schon mal hinten anstehen. Wäre schön, wenn sich Zeno Staub auch bei seinen weiblichen Angestellten offen für kreative Arbeitszeitmodelle zeigen würde – oder wenigstens dafür Sorge tragen würde, dass die Kolleginnen nicht von Mitgliedern des Managements begrabscht werden. Das kriegt der innovative Vontobel-CEO leider nicht so nonchalant hin. Eine weitere Lachnummer aus dem Hause Vontobel.

  3. Von einem Deutschen hab ich nichts anderes erwartet, von einer soliden Schweizer Bank indessen schon. Mit der Schweiz geht es bergab – unser Ende naht. Unsere auf edelsten Werten basierende Gesellschaft ist dem Untergang geweiht….

  4. Super schräge Personalkonstellation und extrem unprofessionell – sowohl von Vontobel als auch von besagtem Direktor. So was habe ich echt noch nie gehört von einer halbwegs seriösen Bank.

  5. Eine unhaltbare Situation. Aber irgendwie „logisch“. Ob obigen Bericht bleibt unerwähnt, dass die Frau des Deutsche-Bank-Präsidenten bis 2013 Verwaltungsrätin bei…. Vontobel war. Got it?

  6. Ach, der gute Herr Dietlmaier. Der war doch auch einmal bei der Swiss Re. Bis ihm der damalige CEO Jacques Aigrain mehr Frischluft verordent hat. Immerhin hat Jacques nicht *ganz* alles falsch gemacht …

    Und dem Vontobel Management rate ich in diesem (und nur in diesem) Zusammenhang:
    Why don’t you take a page right out of Jacques‘ book?

  7. Wenn der Mann für den guten Ruf der Vontobel verantwortlich ist, scheint er mir nicht gerade einen sehr guten Job zu machen.

  8. Interessante, um nicht zu sagen kreative, Konstellation. Geht eigentlich gar nicht, dass sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen. Ich vermute, der Vontobel-CEO ist vom Affen gebissen.

  9. Ist Vontobel tatsächlich auf diese Teutonen-Koryphäe angewiesen? Finde ich sehr unpassend. Aber seit dem zähnefletschenden Affen in der Werbung erstaunt mich eigentlich nichts mehr bei dieser Bank.

    • Kommunikation ist nicht dasselbe wie Marketing. Und ja, die meisten Schweizer Unternehmen sind auf Deutsche / Österreicher angewiesen, weil die eigenen Leute kein echtes Deutsch können. Leider.

  10. Wie sagt der Vontobel-CEO im FuW-Interview so treffend: „Machen Sie nicht alles, nur weil es nicht verboten ist“.

    Die Doppelmandatierung des besagten Spezialisten ist sicherlich nicht verboten, aber doch sehr fragwürdig. Man muss sich fragen, was bei Vontobel sonst noch alles möglich gemacht wird.

    Eine komische Bank mit seltsamen Regeln…

    • Der CEO von Vontobel ist doch nur ein weiterer wasserpredigender Weinsäufer.

  11. Auf diesem Niveau macht man die eigentliche Arbeit nicht mehr selbst, sondern hat Leute, die das für einem erledigen. Deshalb heisst es ja auch ‚Chef‘. Im Schweizer Milizsystem ist das auch normal, dass man vier Vollzeitjobs, für die es im Ausland je eine Person mit 100% Pensum benötigt, hier mit einer Person im Teilzeitsystem macht – wir sind ja so gut…

    • Das wäre mal spannend darüber mehr Infos zu erhalten. Vermute mal, dass die Firma insb. in der Forschung tätig ist und sich auf Haarprodukte spezialisiert hat – mit Ziel ein neues/stärkeres 3-Wetter-Taft zu entwickeln.

  12. Ich glaube nicht, dass die Vontobel bei der Besetzung einer Pressechefstelle den Herrn Haessig fragen muss, ob der Auserwaehlte ihm genehm ist. Einmal mehr ein fragwuerdiger Artikel ueber die Vontobel, der kein “Fleisch am Knochen” aufweist und nur dem Bashing der Bank dient. Ein weiters Eigentor vom haessigen Mann vom Paradeplatz. Fuer einen Sitzplatz bei Schawinski in dessen Sendung reicht dies nicht!

    • Jeder Angegriffene spricht heute von Bashing. Lieber Bitterli (treffend gewähltes Pseudonym), auch Vincenz schimpft im Knast über das Bashing von IP. Weshalb sprechen Sie von Bashing, droht ebenfalls eine Einschränkung Ihrer persönlichen Freiheit oder werden Sie einfach hierfür von Vontobel gut bezahlt?

    • Doch Bitterli! Nicht um Erlaubnis, sondern ob dies Probleme gibt. Oder wie man dies gut kommuniziert. SO jedenfalls nicht!

  13. Also von den normalen Vontobel-Managern und -Mitarbeitenden weiss meines Wissens niemand von diesem Doppelmandat. Immerhin lebt Dietlmeier nach dem Vontobel-Motto: Defend your idea.

  14. Interessen Konflikt? Mann kann ja mal die FINMA fragen. Aber die hat aber auch bei Vinzent und seiner Frau nie etwas gesagt und dort war der Interessen Konflikt ja um einiges offensichtlicher. Also warum sollte man bei Vontobel etwas dagegen haben? Compliance, die dort nichts zu melden hat, wird ebenso schweigen.

    • Für einmal haben hier auch die Legal-Leute versagt. Sagte ich gerade für einmal?

    • @Ex Banker
      Offenbar sind sie erst jetzt aus dem Winterschlaf erwacht und haben in ihrer Höhle nicht mitbekommen, dass die Bank Vontobel ihren Namen in der Zwischenzeit in Vontobel umgemünzt hat. Dieser Hinweis dient zu ihrer Edukation und ist nicht böse gemeint!

    • Als nächstes wird Vontobel in Zontobel umfirmiert. Grund: So erscheint der Name noch weiter hinten.