Nestlé will Starbucks‘ Kaffee-Business kaufen

Offenbar soll Deal kurz bevorstehen – Geht ums Handelsgeschäft mit Kaffee, Bohnen – CEO Mark Schneider: Coup oder Krise?

Am Nestlé-Sitz in Vevey geht um, dass der Schweizer Foodmulti kurz vor einem grossen Deal stehen würde. Nestlé soll das weltweite Handelsgeschäft von Starbucks mit Kaffeeprodukten übernehmen.

Ein Insider sagt, der Deal sei praktisch gelaufen. Die Informationen dazu würden am Sonntag oder Montag erfolgen.

Starbucks wurde zu einem Weltleader mit seinen Cafés. Gestartet in Seattle an der US-Westküste mit einem einzigen Ableger, zählt die Firma heute zu den grössten Gastroketten der Welt – mit unschätzbarem Markenwert.

Weniger bekannt ist, dass Starbucks eigene Produkte wie fertigen Kaffee, Bohnen und vieles mehr vertreibt.

Dieser Teil des Geschäfts – Fachleute sprechen vom Retail-Business von Starbucks – soll nun bei Nestlé landen; zumindest alles, was mit Kaffee zu tun hat.

Für Nestlé-Chef Mark Schneider wäre ein Deal mit Starbucks zunächst eine Erfolgsstory.

Schneider hatte sich zuletzt aus dem US-Schokoladenmarkt zurückgezogen. Das Geschäft landete bei der erfolgreichen italienischen Ferrero-Familie, die mit Nutella gross geworden ist.

Schneider zog damit einen Schlussstrich unter anhaltend unbefriedigende Resultate im amerikanischen Schoko-Business.

Mit der Starbucks-Transaktion würde der neue Nestlé-CEO zumindest in seinem wichtigen Kaffee-Standbein punkten.

Ob das Geschäft über den Tag der Ankündigung hinaus ein Erfolg würde, muss sich weisen. Ein Insider denkt, für Schneider brauche es mehr, um sich langfristig als Erneuerer zu etablieren.

Sowohl Starbucks als auch Nestlé waren in den letzten Jahren stabile Gesellschaften mit einer guten Aktien-Entwicklung. Nun befinden sie sich im Umbruch.

Zehn Mal höher in 15 Jahren: Starbucks-Aktie ist Highflyer.

Von 30 auf über 70 Franken: Nestlé trotzt Stürmen.

Der Starbucks-Titel hat die weitaus fulminantere Performance hinter sich als der Valor der Vevey-Gesellschaft. Seit Anfang der 2000er Jahre hat sich die Aktie des US-Unternehmens verzehnfacht.

Bei Nestlé handelt es sich um eine ältere Firma, die nicht mehr derart stürmisch zulegt. Ihre Aktie hat sich seit Anfang 2000 rund verzweieinhalbfacht.

Nestlé gleiche einem Tanker, sagt ein Gesprächspartner. Diesen könne kein neuer Chef leicht vom Kurs abbringen – mit allen Vor- und Nachteilen.

Für CEO Schneider ist wichtig, rasch ein paar Pflöcke einzuschlagen.

Der Verkauf des Schockoladen-Geschäfts an Ferrero und nun der mögliche Deal mit der bekannten Starbucks zeigt, dass der neue Mann auf der Brücke am Genfersee dies versucht.

Kommentare

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  2. Nicht schlecht! Lukas Hässig wird nun auch schon auf Bloomberg, Reuters usw zitiert.
    Schon enorm, was heute ein Einzelkämpfer erreichen kann! Zeigt, was für Möglichkeiten die Digitalisierung eröffnet!

  3. starbucks ist ein einstiger highflyer vor dem niedergang, da wird ein geschäftsbereich einer firma – die schon leicht über dem peak ist – an einen naivling verkauft. tolles geschäft

  4. «das weltweite Handelsgeschäft von Starbucks mit Kaffeeprodukten übernehmen» Also nur einen Teil von Starbucks (z.B. die Kaffeeplantagen), aber nicht den Shop Teil?

  5. Ja, das wäre etwas auch unter philosophischen Gesichtpunkt! Das tönt nach eine erfolgreiche “ love story“ oder mindestens “ flirt“. Eine gute Diversifikation weltweit… ah, Nestlé entäuscht praktisch nie… jetzt sogar mit eine “ Star“…

  6. Konzern – Konglomerat – Architekt:

    mäßig + mäßig = besser!?

    Familie Reimann & Keurig Green Mountain lassen gruessen…

    _______________________________________________

    Was ich damit sagen will:

    Vor 30 Jahren hat man die Aktie der damaligen Daimler-Benz AG gekauft, weil der (Massen-)Wohlstand in der Bundesrepublik Deutschland weiter angestiegen ist und sich aus diesem Grund immer mehr Menschen einen Mercedes gekauft haben.

    –> Aufsteigen ist das schönste Geschäft – klick!

    In eine ähnliche Richtung entwickelten bisher die Konsumgüterhersteller ihre Geschäfte. Nur daß hierzulande der allgemeine Massenwohlstand seit 20 Jahren nicht mehr ansteigt, die teuren Produkte der etablierten Konsumgüterhersteller immer weniger den allgemeinen Geschmack treffen, die internationale Expansion im Rahmen einer wirtschaftlich stark wachsenden Welt vernachlässigt wird, dafür aber kurzfristige Billiggeld – Finanzoptimierung betrieben wird, die längerfristig verheerend enden kann?

    Warum wendet eine Firma wie Nestlé sFr 20,0 Mrd. für den Rückkauf eigener Aktien auf, anstatt den Indern als kaufkräftige Konsumenten der Zukunft (auf Sicht von 20 bis 30 Jahren) bessere Zutaten in ihre Suppennudeln zu mischen und sich so positiv von anderen Herstellern abzuheben? Und warum werden für dieses Geld nicht strategische Beteiligungen an bedeutenden Lebensmittelherstellern in den wirtschaftlich stark wachsenden Regionen der Welt wie in Asien und Indien erworben?

    • Bin kein Freund von Nestlé.
      Aber in Indien scheinen die Probleme eher bei der unfairen indischen Konkurrenz zu lieben.

  7. Das wäre eine weitere Konzentration im weltweiten Kaffeegeschäft. Weil ja bereits Jacobs + Douwe Egberts übernommen worden sind.
    Dies ist nicht nur für den Markt an und für sich schlecht,
    sondern auch für die mittleren und kleinen Kaffeeanbauer.

    Walter Zwald – Meggen

  8. Trockener Chart-Vergleich zweier erfolgreicher Firmen – interessant wäre noch die eingezeichneten Charts der beiden Grossbanken UBS und CS in der gleichen Zeitperiode.

  9. Klingt verlockend wäre aber eine große strategische Dummheit: Nestle wäre der jeder Zeit austauschbare Outsourcer von Starbucks, der nach dessen Pfeife tanzen muss. Ich werde den Eindruck nicht los, Nestle ist ratloser als je zuvor.

  10. Das klingt aber sehr spannend! Klingt noch ein bisschen unkonkret mit der einen Quelle, aber wenn es stimmt wär das eine Sensation!

    • Nein – DAS ist KEINE Sensation … Nestlé gehen total die strategischen Ideen aus … sind nur noch Trittbrettfahrer auf einem globalen Markt.

      Es ist ja fraglich, wie lange die Kunden und Konsumenten diesen überteuerten Starbucks-Blödmann-Hype noch mittmachen und den vorallem billig beschaften Kaffee in den Kuschelsofas für 5-9 CHF an der Self Service Theke im Papbecher trinken.

      Starbucks ist in meiner Beurteilung ein medialer Konsum-Hype ohne grossen Wert und wird in eingen Jahren keine grosse Bedeutung mehr haben …. und ebenso nur noch marginale Wertschöpfung sein.

    • @Hans Berger

      Kein Analyst könnte Starbucks besser beschreiben. Vielen Dank dafür.
      Zusammenfassung mit zusätzlicher Interpretation: Auf dem Kuschelsofa aus dem Pappbecher eine parfümierte, überteuerte Brühe trinken.

      Ein Geschäftsmodell mit klarem Verfalldatum.

  11. Das finde ich eine interessante Meldung hier auf IP! Mal was anderes als die tägliche Portion Tratsch. Weiter so Herr Hässig!