Krankenkasse Concordia: Interne Strafaktion

Vermeintliche Gut-Firma entlässt Handvoll Kader und Mitarbeiter, darunter 58jährigen – Interner Bonus-Beschiss – Lappalie?

Im Krankenkassenwesen gehts drunter und drüber. Einem HIV-Patienten zahlt man wegen offener Rechnungen keine rettenden Medikamente, dann soll die Franchise für alle auf 10’000 Franken hoch.

Nun wird der nächste Akt bekannt. Die Luzerner Concordia, eine führende Krankenkasse der Schweiz, hat in diesen Tagen eine Handvoll Kaderleute und Mitarbeiter vor die Tür gestellt.

Per sofort. Ohne Verwarnung.

Hintergrund ist ein bekannter Trick in der Branche. Die Frontleute im Aussendienst haben wenig Fixlohn, dafür viel Erfolgsentschädigung, bei den Innendienstler ist es genau umgekehrt.

Wenn nun ein Innendienstler einmal einen neuen Kunden an Land zieht, er diesen Erfolg jedoch dem Kollegen im Aussendienst gutschreibt, dann generiert das „Spiel“ einen Bonus.

Entgegen den Richtlinien. Über diese setzen sich die „Verschwörer“ im Innen- und Aussendienst hinweg und teilen sich den Bonus unter sich auf.

Alles bekannt und seit Jahren praktiziert, meint eine Quelle.

Bei der Concordia hat nun ein junger, aufstrebender Chef einen solchen Vorfall vor ein paar Wochen der Zentrale in Luzern gemeldet. Diese schickte sofort die Kavallerie.

Der oberste Personalchef und der zuständige Regionenleiter kreuzten auf ein paar Concordia-Niederlassungen auf und entliessen Chefs und „Täter“ auf Mitarbeiterstufe.

Die Kündigungsfristen werden eingehalten, doch gehen konnten die Betroffenen sofort. Darunter befinden sich Leute, die seit mehr als zwei Jahrzehnten bei der Concordia gearbeitet haben.

Und auch ein Chef, der 58 Jahre alt ist.

„Wir bestätigen, dass wir gestern für 4 Mitarbeitende von 2 Niederlassungen Kündigungen aussprechen mussten“, sagte eine Sprecherin der Krankenkasse am Mittwoch auf Anfrage.

„Dabei handelt es sich nicht um fristlose, sondern um ordentliche Kündigungen. Diese sind notwendig geworden, weil sich die betreffenden Mitarbeitenden über interne Weisungen und Reglemente hinweggesetzt haben.

„Wir verlangen von unseren Mitarbeitenden, dass unsere Verhaltensgrundsätze eingehalten werden.“

Die No-Mercy-Politik der Concordia gibt zu reden.

„Externe Broker können sich noch so um Vorschriften und gutes Benehmen foutieren, während kleine Angestellte nun beim ersten Vergehen rausgeschmissen werden“, sagt eine Quelle.

Dem widerspricht die Concordia. Bei Vorkommnissen würde auch bei den externen Brokern durchgegriffen.

„Diese haben sich an die vertraglich abgemachten Regeln zu halten. Wir intervenieren in jedem Fall sofort, wenn wir Kenntnis von unangemessenem Verhalten erhalten.“

Sicher ist: Es ist fertig lustig in der vermeintlich geschützten Werkstatt namens Krankenkassen.

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30 Kommentare zu “Krankenkasse Concordia: Interne Strafaktion

  1. Rechte Löhne zahlen und keine Boni. Zusatzversicherungen sind nicht nötig, KVG genügt. Nichtpflichtleistungen werden sowieso abgelehnt . Mit einer staatlichen Krankenkasse sind Boni-Zahlungen vom Tisch. Sowenig Versicherungen wie möglich abschliessen und die Prämien sparen. So kommt man am Weitesten.

  2. Danke für diesen Bericht.
    Da kann man ja nur hoffen, dass der jung aufstrebende Mitarbeiter mit einer entsprechenden Position begleitet wird. Diese Dinge sind nichts Neues und auch in den Oberen Etagen liegt das Eine oder Andere im argen.
    ( Insider)

  3. Da will man ja hoffen, dass sich der vermeintliche Gut Mensch Mitarbeiter bei dem Regionenleiter verdient gemacht hat und es steil bergauf geht an der Karriereleiter. Bei einigen Agenturen hat die Concordia ziemlich Wechsel seit Jahren, ich will da nicht arbeiten….🙂

  4. Bei Concordia haben die Chefs (Regionenleiter) auch profitiert. Das Bonussystem (Quartalsbonus) betrifft auch die Herren im Zwirn. Gehen müssen aber die Kleinen. Die Chefs werden schon auch befördert, jedoch gegen oben ……

  5. Aha – und jetzt? Richtig wäre also, dass man sich um Rechnungen futieren kann und trotzdem weiter Medikamente erhält? Auch richtig wäre, dass man seinem Arbeitgeber ein paar Extrahunderter mittels ein paar Buebetrickli aus der Tasche ziehen kann – selbstverständlich ohne Konsequenzen? Alles klar … bleibt ja eigentlich nur noch die Frage: und wer soll das bezahlen? Hmmm, am besten die Dummen, die ihre Krankenkassenrechnungen bezahlen und diejenigen die sich an die Regeln ihres Arbeitgebers halten. Klar doch, mach auch Sinn!

  6. Genau darum INIE eine Versicherung an der Türe abschliessen. Diese Heinis sind scharf auf ihre Umsätze und verkaufen diejenigen Lösungen, die ihr Portemonaie füllen.

  7. Ihr könnt mir glauben, das ist nur die Spitze des Eisbergs, was in der Bude alles bereits passiert ist und noch kommt ist sagenhaft. Rette sich wer kann.

  8. Die Situation mit dem Krankenwesengeschäft braucht dringenst jetz und nich in ein paar Jahren eine Lösung!
    Nur leider geht es hier um viel Geld das der Bund und Krankwnkasse verdienen. Eine Krankenkasse darf eigentlich kein Gewinn erwirtschaften falls ja dann müsste der generierte Gewinn an Kunden zurückbezahlt werden. Zweiten die regierung schaut nur zu und lachts nur, weshalb weil Sie selbst viel geld daran verdienen. Es ist alles ineinander verknùpft selbst der Oberarzt verdient pro Jahr 2.5millionen CHF ein aussendienstleiter wie bei den Krankenkassen haben mindestens ein Bonus von 25000CHF zu dem hat die Regierunk kein interesse den preisen von Prämien herunter zu korrigieren wesalb weil Sie selbst dann auch weniger Boni hätten! Ihr seht es geht nicht mehr um Gesunden Menschenverstand sondern nur um Geld verdienen und die Kunden mit Familien oder Paare, Singels das Geld zu nehmen damit alle veteligten Ihre super Boni und Gewinne erwirtschften können und weil alle beteiligten immee mehr haben möchten und wir dumme Kunden dies auch bezahlen mùssen wird sich an diesem System Nie etwas ändern. Wir sind nicht mehr bereit für eine familie zahlt 1200Fr pro Monat, Monat für Monat wanzin das ist nicht mehr normal und nicht mehr tragbar! Das ist wirklich aber wirklich eine frechheit! Nieman ausser Die regierung könnte die noch regeln. Es gäbe eine lösung, nähmlich je nach ausgaben pro jahr und dies würde dann die pràmie festlegen l, wieviel man für das nàchste jahr bezahlen mùste.
    Danke an alle und hoffe das es bald änderungen und lösungen umgesetzt werden.

  9. Tja, hat jetzt halt geknallt. Sollte auch bei uns in Allianz mal endlich so sein. Dass Richt linien einhalten!

  10. Dass der verantwortliche Regionalleiter , der den „ Bschiss“ aufgedeckt hat, selber „ Dreck am Stecken“ hat, ist umso bedenklicher. Leider gelten bei der Concordia nicht für alle die gleichen Massstäbe. „ Söi Häfeli, Söi Deckeli“.

  11. Verstaatlicht endlich diese Krankenkassen. Dann können horrende Summen im Gesundheitswesen eingespart werden durch Verzicht auf Paläste, Kosten für primitive Werbung und Abwerbung, Boni, Provisionen etc. Aber bis das auch die Ultraliberalen eingesehen haben….

    • Schon einmal erlebt, dass irgend etwas nach Verstaatlichung besser funktioniert hätte als vorher? Schon einmal mit Staatsbetrieben und deren Bediensteten zu tun gehabt?

  12. Das fundamentale Problem ist die extreme Differenz zwischen Preis und Leistung. Ich meine bei Zusatzversicherungen. Der Preis ist viel zu hoch! Der ganz Dumme ist der Prämienzahler. Die Mitarbeiter müssen für diesen Goldesel maximal angetrieben werden. Es entsteht eine stark ausgeprägte Boni-Kultur. Fast wie durch natürliche Selektion verbleiben dann nur noch die ruchlosesten Schwätzer am Ball. Sie sehen ja die üppigen Gewinne des Unternehmens. Irgendwann geht jede Hemmung verloren und man überschreitet auch die Grenzen der Unternehmensregeln. Mein Fazit: kündigt die Zusatzversicherungen! Es ist mir schleierhaft warum wir sehr hohe KVG Prämien bezahlen müssen, dabei sind Franchisen, Selbstbehalte und Zahnmedizin ausgenommen und dann noch für Zusatzversicherungen extra bezahlen wollen. Mit den Steuern müssen wir alle erst noch kräftig nachhelfen. Hier wurde jener, der kräftig abschöpft, durch die eigenen Mitarbeiter etwas übers Ohr gehauen. Wirkliche Opfer sind aber nur die Kunden. Moralische Appelle und strengere Kontrollen wirken nur kurzfristig oder gar nicht – das leichte Geld ist einfach viel zu verlockend!

    • Warum ich die Zusatzversicherung sicher nie künden werde? Weil ich vom Chefarzt oder Belegarzt meiner Wahl und nicht vom Assistenzarzt behandelt werden möchte und so auch überall rasch und unkompliziert einen Termin bekomme. Wenn es ans Lebendige geht möchte ich von den Besten des Faches behandelt werden oder würden Sie etwa Ihre Assets irgendeinem x-beliebigen Jungspund Banker überlassen, den Sie nicht wählen können und der Ihnen zugewiesen wird? Und so teuer ist das auch wieder nicht, von mir aus jedenfalls jeden Franken wert. Ein Tipp damit es günstiger wird wäre noch, eine höhere Franchise zu wählen.

    • @Privatversicherter:
      Ihnen ist aber schon bekannt, dass es seitens der Versicherer möglich und auch durchaus üblich ist, Sie beim ersten grösseren Fall aus der Zusatzversicherung (z. b. Privatbehandlung) zu schmeissen. Auch nach 40 Jahre lang brav bezahlter Prämie.

      Da spar ich mir diese Prämie lieber (sind ja schnell 200 oder 300 Franken im Monat, in 5 Jahren sind das bereits schnell mal CHF 15’000) und bezahl die Behandlung durch den Chefarzt, die besten Medis und das Einzelzimmer bei Bedarf aus der eigenen Tasche, falls der Bedarf meinerseits überhaupt da ist.

      Und noch was zum Thema Chefarzt: Meinen Sie, ein junger unerfahrener Assistenzarzt macht eine komplexe Herzoperation. Sicher nicht! Dafür wäre das Haftungsrisiko seitens des Leistungsträgers (Spital) viel zu hoch.

      Die KK und auch alle anderen Versicherungen sollen existenziell bedrohnende Ereignisse versichern und nicht den Luxus.

      Versicherungen sind grundsätzlich was für Leute ohne Geld. Umso mehr Geld, umso weniger Versicherungen. Darauf zielt auch die CHF 10’000-Franchisen-Lösung ab. Es ist halt so und das ist schon länger so, wir haben eine 2. Klassen-Medizin.

  13. Ich finde das nur lächerlich. Ich habe bei x-Versicherern gearbeitet im Innen- und Aussendienst. Dies ist übliche Praxis. Ein Innendienstmitarbeiter vermittelt einen privaten Kunden an einen Verkäufer der Gesellschaft. Der Verkäufer generiert dadurch einen „Gratisumsatz“ und gibt die Provision an den Innendienstmitarbeiter ab. Dies ist eine Win-Win-Win Situation: Concordia gewinnt einen neuen Kunden – Der Umsatz wird dem Aussendienster gutgeschrieben – Die Provision geht an einen Vermittler. Dies hat gar nichts – wie von Kommentarschreibern bemerkt – mit Korruption etc. zu tun. Dank dem Innendienster kommt das Geschäft überhaupt zum Versicherer.

  14. Das alljährliche Gejammer bei den Krankenkassen. Dabei werden jährlich Millionen aus dem Gesundheitswesen in Werbung und Provisionen gesteckt. Hätte man die Einheitskasse wäre das Problem nicht entstanden und man hätte jährlich 500 Millionen im Gesundheitswesen eingespart. Aber der veränderungsängstliche Schweizer wollte das ja nicht. Konsequenterweise sollte man über die Geldschieberei an Vergleichsportale und ähnliche Agenturen (bis zu 350 CHF Provision für das ach so neutrale Vergleichsportal pro Vertrag) auch nicht jammern.

    • Sehr naiv, das zu glauben. Ein Einheits-Bundes-Betrieb war noch nie effizienter und schon gar nie kostengünstiger wie private Anbieter.

      Das Grundproblem liegt
      – im viel zu üppigem Grundleistungskatalog
      – dem stetig wachsenden Missverhältnis zwischen effektiv selber zahlenden Versicherten (Angestellte, die nicht im öffentlichen Sektor „arbeiten“, keine subventionierte Prämienverbilligung erhalten und keine sonstigen Sozialgelder erhalten) und den subventionierten „Versicherten“
      – der verweichlichten Gesellschaft
      – den Ärzten/Spitälern, die völlig verschwenderisch haushalten und handeln – was logisch ist, wenn man sich aus dem Honiggeldtopf schamlos bedienen kann.

      Ein durch und durch krankes sozialistisches System.

  15. Lach! Das war schon vor mindestens 25 Jahren so und nicht nur bei der Concordia. Wahrscheinlich bei allen Versicherungsgesellschaften und Krankenkassen. Es gab damals schon Leute im Aussendienst, die sogar mit den Kunden ihre Provision geteilt haben. Nur, bei Krankenkassen ist das „anstössiger“, weil die KK in der CH obligatorisch ist.

    • Ein Kaufmann kann sich schwer hüten vor Unrecht
      und ein Händler frei bleiben von Sünden.

      Sirach 26, 28

  16. Tausend Peitschenhiebe für solche Systemschmarotzer wären zusätzlich angebracht. Und dann „Schwarze Listen“ führen und Kranken in Notfallsituationen noch Medikamente verweigern und sie verrecken lassen? Meine Fresse! Die Verantwortlichen bei Concordia haben das einzig Richtige getan.

    • Bashing ist ok, wenn die Fakten stimmen. Du musst da über die Bücher. Die Schwarzen Listen haben nämlich die Kantone eingeführt inklusive der unklaren Regeln. Die Versicherer haben bloss den Schwarzen Peter zugesteckt erhalten.

    • Verstehe sowieso nicht, weshalb Prämien nicht bezahlt werden. Diese Versicherten haben ja Anrecht auf Prämienverbilligung und/oder Sozialhilfe.

  17. Die Concordia macht das richtig. Danke!
    Korruptes Verhalten schadet allen anderen korrekten Mitarbeitenden. Wer dies toleriert, zerstört das Team.
    Die Beteiligten wussten, was sie tun und haben die Konsequenzen zu recht zu tragen.

    • Problem ist nur, dass das überall jahrelang gängige Praxis war und ist,
      wie sollten das die nun Gekündigten wissen., dass plötzlich ein junger integrer Chef auftaucht und das beendet. Jetzt müssten ja überall praktisch flächendeckend Kündigungen ausgesprochen werden. Soviele integre Chefs gibt es bei den KK sicher nicht. Quo vadis ?

    • Redly, das korrupte Verhalten ist doch nicht von den Mitarbeitern gemacht. Das korrupte Verhalten beginnt in der Teppich-Etage, wo für einen Abschluss horrende Bonibeteiligungen versprochen werden. Da werden tausenden von Leuten irgendwelche KK-Produkte angedreht, die sie gar nicht brauchen. Am Ende des Tages bezahlen wir die Boni mit den jährlich steigenden Prämien.