Angola-Mitläufer im Visier der Behörden

Fall von Milliardär Bastos de Morais weitet sich aus: Glamour-Anwalt Tom Ladner und Selbstregulierer Neese im Strudel.

Thomas „Tom“ Ladner war der Anwalt für alle Fälle von Jean-Claude Bastos de Morais. Seit Bastos mit seinem Angola-Business in den Fängen der Behörden steckt, ist Ladner still geworden.

Nun muss er gar Schlimmes befürchten. Die Bundesanwaltschaft und die eidgenössischen Steuerbehörden haben gestern Razzien durchgeführt.

Gemäss Tages-Anzeiger ist davon nicht nur Bastos betroffen. Die Ermittler sollen auch ein „Steuerstrafverfahren“ gegen den Zürcher Juristen und Strippenzieher Ladner eröffnet haben. Auch hier gilt die Unschuldsvermutung.

Der Verdacht: Bastos und seine Quantum hatten Zug als Operationsbasis vorgeschoben. Effektiv seien sie in Zürich aktiv gewesen.

Ladner ist seit Jahren für Bastos aktiv. Im Club zum Rennweg bringt er wichtige Leute zusammen, kennt Hinz und Kunz.

Bastos, ein Schweizer mit angolanischen Wurzeln, engagierte bekannte Leute wie Alt-Bundesrätin Ruth Metzler, SBB-Präsidentin Monika Ribar, Ex-Entwicklungshilfe-Chef Walter Fust und Alt-Bundesrats-Sohn Ernst Brugger.

Selbst Ex-UBS-Chef Marcel Rohner stand einst in Diensten von Bastos. Kürzlich durfte Rohner ein Comeback auf der Bühne der ehrenhaften Schweizer Banker feiern. Er wird neuer Präsident der Privatbanken.

Alle honorigen Swiss Manager ignorierten frühe Artikel über umstrittene Deals von Bastos.

Der hatte das Vertrauen des Sohns des langjährigen Diktators von Angola gewonnen und durfte mit seiner Schweizer Quantum-Gruppe den Staatsfonds des Afrika-Landes verwalten.

Dann tauchte er in den „Paradise Papers“ auf, sein Gebilde geriet ins Wanken. Vor ein paar Wochen blockierte die englisch-asiatische Grossbank HSBC 500 Millionen Dollar auf angolanischen Konten.

In den Fokus geriet der Sohn des Ex-Angola-Diktators. Es handelt sich um den früheren Chef des angolanischen Staatsfonds, der Bastos seine Gelder zur Vermögensanlage anvertraut hatte.

Entscheidend für den Einbruch waren schliesslich die Behörden auf Mauritius, wo Bastos Teile seines Imperiums betreibt. Die Ermittler von Mauritius blockierten Gelder des Angola-Staatsfonds in Milliardenhöhe. In Medienberichte wurde Geldwäscherei vermutet.

Mitten in den Fall Bastos gerät nun einer, der für sauberes Finanzgebaren auf dem Platz Schweiz stehen sollte.

Es handelt sich um Martin Neese, ein Anwalt aus Zug, der in Bastos‘ Quantum-Vehikeln sitzt.

Neese ist Präsident des VQF, einer von mehreren Verbänden, die für saubere Compliance im helvetischen Finanzbusiness stehen.

Selbstregulierung lautet das Schlagwort. Die staatliche Finanzmarktaufsicht Finma überlässt einen Teil der Arbeit den Selbstregulierungs-Organisationen.

Die Arbeitsteilung basiert auf dem Glauben, dass die unabhängigen, nicht staatlichen Organisationen wie der VQF selber daran interessiert sind, Verdachtsfällen rigoros auf den Grund zu gehen.

„VQF – Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen“ – so der Eigenauftritt.

Gestern gab Neese seinen sofortigen Rücktritt bei Bastos bekannt.

„Laufende Verfahren kann ich nicht kommentieren“, meinte der VQF-Präsident in einer Mail-Antwort. „Es läuft auch kein Verfahren gegen meine Person, und ich bin mir auch keines Fehlverhaltens bewusst.

„Da aber laufende Verfahren schon an sich geeignet sind, andere meiner Funktionen zu beeinträchtigen, bin ich heute mit sofortiger Wirkung aus sämtlichen Quantum Global Verwaltungsräten zurückgetreten.“

Beim Selbstregulierer will Neese offenbar bleiben. Er sieht sich gestützt, muss man somit annehmen.

Vor vier Wochen wollte Neese noch nichts von einem Rücktritt bei Bastos wissen, obwohl sich die Lage damals bereits massiv verschärft und die Schlinge sich zugezogen hatte.

„Die jüngsten Ereignisse haben mich völlig überrascht und sind in der Tat unerfreulich!“, zeigte sich Neese damals nichts wissend.

„Leider kenne ich jedoch die Gründe nicht, welche die Behörden von Mauritius zu ihrem Vorgehen bewogen haben.

„Ich hatte in der Fondstruktur auf Mauritius auch nie eine Funktion. Eine Einschätzung der Situation oder gar eine rechtliche Bewertung derselben ist mir daher noch nicht möglich.

„Die zuständigen Personen vor Ort klären zur Zeit die Sach- und Rechtslage. Daraus dürfte sich sicherlich Handlungsbedarf ergeben.“

Das Neeses Aussagen Anfang April. In Mauritius und in London waren damals die Behörden längst aktiv.

Nichts wissen, nichts sehen, nichts hören.

Neese steht für die Einhaltung von Grundsätzen im Finanzbereich. Bastos und seine Quantum sind seit Jahren umstritten, seit den Paradise Papers von letztem Herbst sogar im Visier der Behörden.

Trotzdem wollte Neese bis gestern keine Konsequenzen ziehen.

Nun zieht er ab.

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26 Kommentare zu “Angola-Mitläufer im Visier der Behörden

  1. Da hat die Finma wieder mal einen Schuh voll raus gezogen. Sogar Mauritius ist also schneller und gründlicher in den Ermittlungen. Ein Armutszeugnis sondergleichen.
    Und bei der Raiffeisen schläft die Finma auch den Schlaf des Gerechten. Wäre da nicht mal ein Enforcementbericht fällig gewesen?
    Ob der Bericht auch beleuchtet, warum die Finma genau Frau Ceregato als Compliance-Chefin genehmigt hat? Im Widerspruch so ziemlich zu jeder „Good Governance“-Richtlinie, die es auf der ganzen Welt gibt?
    Könnte das mit der Einflussnahme einer bestimmten Departmentsvorsteherin zu tun haben?

    • FINMA und Raiffeisen schreibt eben nicht ‚Compliance‘ sondern „Komplizin“.

    • Mauritius, eine kleine Insel mit stark pigmentieren Bewohnern, wo doch ALLES etwas gemächlicher geht als auf dem Rest der Welt, UND! so Gott will. Es ging dort mit den 500Mio so blitzartig, weil die 500Mio nun dem *Beschlagnahmer“ gehören. Würde mich nicht mal wundern wenn es Abgreif-Rutils alte Kanzlei war und dann 80% zu 20% geteilt wurde. Den Hammer finde ich aber als Vereinspräsident des VQF dann auch noch im Laden der etwas weiteren Entourage des Angolanischen Diktators mitzumischen scheint auf ultra tiefe moralische und ethische Qualitäten schliessen zu lassen oder allerhöchste pädagogische Fähigkeiten. Eins von beidem.

  2. Zu witzig! Mein Nachbar hat für Quantum Global in Zug die Gelder rumgeschoben, hat dann gekündigt und immer wieder erwähnt , er könne das dort moralisch nicht länger verantworten. Heute ist er zurück in Downunder und schweigt. Dass dieses Business nicht gerade aus Meister Propers Händen stammt, ist wohl nicht schwer zu erraten. Erstaunlich nur dass Tante Metzler und all die Gspänlis so schlechte Riecher haben. Aber eben: When money talks, bullshit walks. Metzler & Co. tanzen weiterhin auf den Beratungsbühnen und sind sich keiner Verantwortung bewusst. Die sollten zuerst mal lernen, wie man sich richtig schämt!

  3. Geldgier ist leider eine Krankheit. Nur so ist es zu Erklären, dass hochrangige bestbezahlte Funktionäre/Funktionärinnen sich nicht vorsorglich über Herrn Bastos berufliche vergangenheit informierten. Ein hochbezahltes, nebenberufliches Mandat ist viel wichtiger und wenn etwas schief geht steckt man den Kopf in den sand.

  4. Aus dem Tagi:

    Die Paradise Papers bringen noch etwas ans Licht: Bastos hat gegenüber der mauritischen Finanzmarktbehörde unvollständige oder gar irreführende Angaben zu seiner Verurteilung von 2011 gemacht. Seinem Antrag zur Gründung der Firmen auf Mauritius legte er ein Schreiben seines Anwalts – und Quantum-Global-Verwaltungsrats – Martin Neese bei. Darin stellte Neese den angeblichen Sachverhalt der Verurteilung dar. Dabei wich er allerdings vom tatsächlichen Inhalt ab. Das zeigt ein Blick in das erstmals zugänglich gemachte Urteil des Strafgerichts Zug.

    Anwalt Neese schrieb nämlich, Bastos habe sich nicht selber bereichert. Die Richter hielten im Urteil hingegen explizit fest, Bastos und sein Partner hätten im Zusammenhang mit einer Zahlung von 80 000 Franken «indirekt sich selbst (…) bereichert». Und: Es könne «von einer gewissen Selbstbedienungsmentalität» gesprochen werden.

    Zudem liess Neese den für die Strafzumessung entscheidenden Bestandteil des Urteils, eine hohe bedingte Geldstrafe von 350 Tagessätzen oder knapp 160 000 Franken, unerwähnt und schrieb stattdessen, Bastos sei nur eine Busse von 4500 Franken auferlegt worden. Und auf die konkreten Zahlungen, für die Bastos verurteilt worden war, darunter ein Barbezug von 75 000 Euro, ging Neese gar nicht erst ein. Neese wollte sich auf Anfrage nicht dazu äussern.

    https://interaktiv.tagesanzeiger.ch/2017/paradise-papers/angola-bastos/?openincontroller

    • Danke für den Link !
      Anwalt, Notar, Stv. Staatsanwalt im Kt. Zug und zu gleicher Zeit mit eigener Anwaltspraxis. Anklage und Verteidigung aus einer Hand ?

      Der war Stv Staatsanwalt Kt. Zug und kriegt später vom eigenen Richter, zur recht, vom gleichen Kanton Zug ein richtiges Ding auf die Mütze.

      Was man oben, und vor allem die Argumentationen von Hr. Neese, liest ist übel, übel aber ganz übel. Und er ist NOTAR, Anwalt, war Stv. Staatsanwaltschaft, berät offenbar u.a. Bundesrat und ist Prüfungsexperte für angehende Anwälte und als Zuckerguss: VQF – Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen. Fehlt nur noch der Sitz im NR oder Ständerat.

  5. Es beschleicht einem ein ganz mieses Gefühl.

    Anwalt UND NOTAR und weiss von nichts und führt auf seiner Webseite:
    – Publikation: Fehlerhafte Gesellschaften, SSHW, Zürich 1991
    – Staatsanwalt-Stellvertreter des Kantons Zug (Nebenamt) (1993–2000)
    – Executive M.B.L.-HSG (2015), Beirat Zukunft Finanzplatz des Bundesrates (seit 2013), SRO-SVV Schweizerischer
    – Versicherungsverband (Vorstand seit 2010), Anwaltsprüfungskommission des Kantons Zug (Experte seit 2004)
    – Aufsichtsbehörde über die Rechtsanwälte des Kantons Zug (seit 2017), Economiesuisse Arbeitsgruppe Finanzmarktregulierung (seit 2011)

    Das hat schon was: Ist/war in Aufsichtsbehörde, Staatsanwalt Stellvertreter Kt. Zug, PRÜFUNGSEXPERTE Anwaltsprüfungskommission, BEIRAT BUNDESRAT i.S. Finanzen und verzapft so einen Blödsinn.

    • Liebe Guguseli

      Aufgrund des stringenten CVs werde ich Herrn Neese als Chef-Ethikberater vorschlagen. Vielen Dank für den wertvollen Hinweis.

      Ihr
      Ueli Panama

    • Hä, Stv-Staatsanwalt Kt. Zug im Nebenamt ? Eine eigene Anwaltspraxis und Staatsanwalt und dies zur gleichen Zeit ?!!?? Isch en Witz, oder ?

    • @Gschpusi. Sollte er das Amt des Stv. Staatsanwaltes immer noch heben ist es kein Witz sondern ein Skandal. Vielleicht hat er ja bei vielen VQF – Mitgliedern (oder auch Politikern) lernen können wie die das machen: In Lateinamerika hiesse sowas Botella und ist ein Job den du nie antreten brauchst und 2x im Monat kommt der Zapfen per check.

  6. Tja, Herr Neese: Standesregeln Schweiz. Anwaltsverband:
    1. Allgemeines Verhalten der Rechtsanwälte:
    Art. 1 Sorgfältige und gewissenhafte Berufsausübung
    Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte üben ihren Beruf im Einklang mit der Rechtsordnung sorgfältig und gewissenhaft aus.
    Sie unterlassen alles, was ihre Vertrauenswürdigkeit in Frage stellt.
    2. Art. 2 Mandatsführung
    Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte üben ihren Beruf unabhängig aus und schaffen gegenüber der Klientschaft klare Verhältnisse.
    Sie behandeln das Mandat beförderlich und unterrichten ihre Mandanten über den Fortgang der übertragenen Angelegenheiten. Sie sind für das von ihnen bearbeitete Mandat persönlich verantwortlich, unabhängig davon, ob das Mandat ihnen selber oder einer Kanzleigemeinschaft erteilt worden ist.
    3. Art. 3 Mandatsniederlegung
    Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte legen das Mandat nicht zur Unzeit nieder.

    Dies ist nur das Intro. Nehmen Sie dies und vergleichen Sie dies mit Ihren obigen Aussagen. What’s next ?

  7. Ui, ui, ui der Gisel hat einen Bruder von dem er bis dato nichts wusste. “ Bin überrascht …ist unerfreulich … ich hatte nie eine Funktion . . . Leider kenne ich die Beweggründe nicht“. Ich lach mich krumm.

    Die Kohle und gut dotierte Aufträge über Jahre einheimsen und solchen qualifizierten Quatsch als Jurist vom Stapel lassen. Wenn „man“ nichts weiss wie will man einen Mandanten beraten? SAV- Standesregeln auch schon mal gelesen?

    Liebe VQF – Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen: Hier könnt ihr nachhaltig zeigen ob ihr eure Qualitätssicherung im eigenen Verein ernst nehmt, diese im Griff habt und umsetzen könnt. Resultat ist alternativlos.

    Falls nicht, so senden sie bitte Hr. Hässig, mit Kopie an die FINMA, ihr diesbezügliches Pressecommuniqué. Besten Dank.

    • Klar doch:
      Nichts wissen, nichts sehen, nichts hören.
      Lieber einfach abkassieren.

      Auch die alt Justizministerin! Metzler wusste nichts – wollte aber beraten und Honorare einstreichen!
      Wie die SBB- VRP.
      Und als sie als „Beraterin“ (sic!) ertappt wurde, kam noch schnell ein Sorry – und abgetaucht war sie…

  8. Mit Selbstregulierung hat nur Probleme, wer nicht begriffen hat, was sie in der Schweiz bedeutet: Es ist die Vereinbarung der Wölfe, wie viele Schaf sie zum Nachtessen einladen. Ziel: es müssen genug übrig bleiben, damit die Wölfe auch künftig Schafe zur Party einladen können.
    Das ist die Kurzfassung der „Strategischen Ziele“ der FINMA https://www.finma.ch/de/finma/ziele/strategische-ziele/
    (Einfacher und kurzer Text)

  9. Aus für Schlaumeier-Juristen-Wiesel Ladner. Mal sehen, wie die Claquere und angestellten „Schauspieler“ mit Bedingungslosem Spitzensalär und Rundumversicherung im Club zum Rennweg und bei World Mind darauf reagieren werden. – Der Araber sagt: „Deine Freunde kennst du erst, wenn du mit ihnen eine Reise gemacht hast“ (gemeint: auf dem Kamel durch die Wüste).

  10. Dieser Finanz-Sumpf ist so beeindruckend, dass ihn die FINMA schon vor Jahren als «Morast von nationaler Bedeutung» unter Schutz gestellt hat, der nächstens ins UNESCO-Welterbe aufgenommen wird.
    Der Chef-Parkwächter, Ueli Panama, verwendet einen Tauchanzug als Arbeitskleidung.

  11. Grüëzi. Sie schreiben dort „Ladner …… kennt Hinz und Kunz.“ Frage: wer ist mit „Hinz und Kunz“ gemeint ? Bitte noch die Angaben vervollständigen !!

    • Hinz und Kunz: ist doch klar, zwei Figuren von SRF: Hinz ist der von Giacobbo gespielte Drögeler („häsch mär no än Schtutz?“) und Kunz ist die aufgedrehte und aufgebretzelte Matrone, die Quizshows präsentiert.

  12. Liebe Banker, Anwälte, Treuhänder und sonstige Intermediäre.:Falls ihr es noch nicht gemerkt habt: Es ist vorbei mit dem lokalen Geschäftsmodell der vergangenen Jahrzehnte. Die digitale Transparenz macht keinen Halt vor juristisch geschützten Schlaumeiereien. Irgendwer leakt immer irgendwas.

    • Das sind meist keine Banker, sondern das übliche Geschmeiss aus Anwälten, Treuhändern und sonstigen Zudienern, welche die (stinkenden) Geldhaufen magisch anziehen.

  13. Die VQF-Spitzenleute sind seit eh und je für ihre Selbstherrlichkeit bekannt. Neese ist da keine Ausnahme.