Ernst&Young ermittelt gegen Schweiz-Ableger

London-Zentrale lanciert Untersuchung gegen EY Schweiz – Im Zentrum steht Gutachten für Aduno im Fall Vincenz.

Vor 2 Jahren erklimmt Marcel Stalder den Gipfel: CEO von Ernst&Young Schweiz, Stalder ganz oben.

Nun hat die EY-Zentrale in London eine interne Untersuchung eingeleitet. Sie dreht sich um Vorkommnisse bei der EY Schweiz.

EY-Chef Stalder steht nicht im Fokus, wie ursprünglich hier ausgeführt worden war. Aber als Chef verkörpert er das ganze Unternehmen, und als CEO trägt er die Oberverantwortung.

Stalder erhob nach seiner Wahl den Anspruch auf die Nummer 1-Position im Beratungs- und Revisionsmarkt Schweiz. Inzwischen muss seine EY um ihren zweiten Platz im Alpenstaat bangen.

Stalder liebt den Auftritt auf der grossen Bühne. Adrett, smart, offen – so zeigt er sich bei internen und externen Anlässen.

„Ich mag ihn“, sagt eine Vertraute. Andere zeigen sich kritischer. Stalder suche krampfhaft die Nähe zu den von ihm verehrten Grossen in Wirtschaft und Medien, dort vor allem zu Ringier-Chef Marc Walder.

Stalder, Walder, Glamour.

Auslöser für die Untersuchung war eine Meldung, die auf der Ethik-Hotline der Londoner EY-Zentrale eingegangen war. Die Rolle von EY Schweiz rund um die Karten- und Zahlungsfirma Aduno und deren langjährigen Präsidenten Pierin Vincenz wurde hinterfragt.

Eine Sprecherin von EY Schweiz sagte, sie würde sich melden, falls es etwas zu sagen gebe. Zunächst gab es keine Stellungnahme.

Die interne Untersuchung gegen EY Schweiz ist nicht weit gefasst, wie zunächst vermutet wurde. Sie dreht sich gemäss einer EY-Quelle allein um die Aduno und den Fall Vincenz.

Die Ermittlungen durch London sorgen am Schweizer EY-Sitz neben dem Zürcher Prime Tower für Nervosität. Das kürzlich hier geschilderte, umstrittene Gutachten für die Aduno aus der Feder von EY Schweiz gibt zu reden.

Dieses Gutachten nutzten die soeben aus der U-Haft entlassenen Pierin Vincenz und Beat Stocker, um für ihre damalige Arbeitgeberin Aduno eine kleine Finanzgesellschaft mit dem Namen EuroKaution zu kaufen.

Die EuroKaution war ein Sanierungsfall. Kurz nach der Akquisition Ende 2014 musste ihre neue Besitzerin Aduno mehrere Millionen Frischkapital einschiessen.

Trotzdem zahlte die Aduno für die EuroKaution über 5 Millionen – in bar. Basis für diesen eigenartigen Deal war das EY-Gutachten.

Dieses steht in scharfem Kontrast zu vorgängigen Berechnungen der internen Aduno-Spezialisten. Diese kamen für die EuroKaution auf einen Unternehmenswert von wenigen Hunderttausend Franken.

Bad News für Vincenz und Kollege Stocker. Dessen Fides Beratungsgesellschaft hatte nämlich ein Jahr zuvor eine eigene Schätzung vorgelegt.

Und was für eine. Die schon bald überschuldete EuroKaution habe einen Wert von 10 Millionen.

Was damals nicht offengelegt wurde: Stocker und Vincenz hatten private Interessen an der EuroKaution. Diese steht heute im Fokus der Zürcher Strafermittlungen.

Nachdem die internen Aduno-Finanzleute mit ihrer negativen Schätzung einen Kauf der EuroKaution auf der Basis des Stocker-Gutachtens verunmöglichten, starteten Vincenz-Stocker einen Plan B.

Dafür brauchten sie eine angesehene Schätzerin. Ernst&Young Schweiz war eine solche. Sie stand bereit.

Das überrascht. Normalerweise sind Mini-Übernahmen wie jene von EuroKaution nicht die Liga einer EY. Sie kümmert sich um Deals ab zweistelliger Millionen-Dimension.

Warum die Beraterin trotzdem den Auftrag für Vincenz und seine Aduno ausführte, könnte auch die Straf-Behörden interessieren. Sicher ist, dass es inzwischen die weltweite Ernst&Young interessiert. Der Fall Vincenz ist damit auf der globalen Bühne angekommen.

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30 Kommentare zu “Ernst&Young ermittelt gegen Schweiz-Ableger

  1. Überraschend tut mich der Fall nicht. Big-4s haben ja eine lange Geschichte an Skandalen. Und wirklich Konsequenzen gibt es ja nie!
    Wetten, dass auch der Länderchef im Amt bleiben wird. Man wird natürlich ein paar Juniors feuern („Die sind an Allem Schuld – wir wussten von Nichts!“).
    Und die Party geht weiter.

  2. Gehören umstrittene Gutachten bei EY eigentlich zum Business Modell? Die Fairness Opinion von EY (http://www.takeover.ch/documentprovider/contentelements/nr/2963/lang/0) beim Verkauf von Charles Vögele an OVS (bzw. Sempione Retail) stinkt ja nach Gefälligkeit.

    EY hat etwas gar strikt die DCF und VWAP-60 (volumengewichteter durchschnittlicher Aktienkurs der letzten 60 Tage) Methode angewandt und fand einen Verkaufspreis für CV von 46 Mio. Franken (Entschädigung Publikumsaktionäre) angemessen. Aber in der Studie hat man die stillen Reserven im Umfang von 90 Mio. Franken auf den Liegenschaften, welche an Synthes Wyss verkauft wurden, sowie stille Reserven auf den Landreserven und dem Hauptsitz in Deutschland, schlichtweg vergessen. Hätte man die stillen Reserven, welche vom späteren Käufer sofort realisiert wurden, wenigstens für die Analyse aufgelöst, hätte man festgestellt, dass das Plus von über 100 Mio. Franken an Eigenkapital die Bilanz um Jahre verjüngte. Wäre dies transparent gemacht worden, hätte dies der Brautschau sicher gut getan. Aber das war ja nicht die Absicht. Sicher sind die zukünftigen Erträge massgebend für den Wert einer Firma, aber die Taschen füllen kann man sich auch bei einer soliden Bilanz und solange noch was da ist. Und es geht doch umso einfacher, wenn niemand davon Kenntnis hat.

    Auch der VWAP-60 wird in der Studie als Referenz hinzugezogen, obschon der Aktienkurs von CV 180 Tage lang wie ein waagrechter Strich im Chart liegt und eine Kursmanipulation offensichtlich ist. Wie ist es möglich, dass der Aktienkurs über ein halbes Jahr von April bis September 2016 null Volatilität aufweist und das bevor das Kaufangebot von Sempione Retail im September 2016 publik wurde? Dass die Finma pennt weiss man inzwischen, aber in einer Fairness Opinion sollten stille Reserven, welche doppelt so hoch sind wie der Kaufpreis oder Kursmanipulationen eigentlich berücksichtigt bzw. hinterfragt werden.

    CV und auch die Nachfolgefirma OVS sind mittlerweile Geschichte, aber dass in der Verkaufsphase kräftig zugelangt wurde, erinnert doch irgendwie auch an Vincenz. Und einen guten Draht zu EY hatte das CV Management offenbar auch. Ob sich Gefälligkeitsgutachten für EY lohnen, bezweifle ich. Aber möglicherweise lohnen sie sich ja für deren Partner, aber das ist jetzt reine Spekulation.

    • Das klingt ja sehr spannend. Haben Sie schon Ihre Beobachtungen und die Details schon an Herrn Hässig weiter geleitet?
      So als „Snack für Zwischendurch“ nimmt er ja auch Themen ausserhalb des Finanzplatzes.
      Zum Thema hier: Nicht mal ein jämmerliches Dementi von Stalder und EY? Da hat LH offenbar wieder mal einen Volltreffer gelandet.

    • @Kunibert
      Ja, die Charles Vögele Geschichte ist Wirtschaftskrimi pur. Nur weiss das niemand und spätestens in 3½ Monaten verschwinden die Akten definitiv im Keller. Der Nachlassverwalter täte gut daran, dort nach Gold zu schürfen, anstatt im Heute die Brosamen zu verwalten. Vielleicht sollte man die Katz doch noch aus dem Sack lassen frei nach dem Motto lieber den Vogel in der Hand, als OVS auf dem Dach. Oder wie lautet das Sprichwort schon wieder?

  3. Herr Hässig, da haben Sie aber wieder einen beachtlichen Eber für Ihre Trophäenwand erlegt.
    Ob er wohl nach seinem baldigen „frewilligen Rücktritt“ bei einem seiner „Persönlichen Freunde“ unterkommt?

  4. Das Netzwerk von Stalder in der Medienszene scheint zu halten. Bisher wurde die Story noch nicht aufgegriffen. Obwohl sehr spannend.

    • Hilft halt, wenn man den Journalisten ein Dinner im KKL spendiert: dann darf man sogar eine Rede am Swiss Media Forum halten!
      https://www.swissmediaforum.ch/programm/2017/
      Da hat die korrupte und unfähige Systempresse nun natürlich etwas Beisshemmungen.
      Gottseidank gibt es noch Lukas Hässig, bissig wie ein T-Rex.

    • Dann für die Dummies die Übersetzung:

      – Es wird gegen Marcel Stalder und Ernst & Young ermittelt
      – Die Vorwürfe sind schwer
      – Die Ermittlungen warden offenbar aus dem Ausland geführt, Hässig kennt sogar den Namen des Ermittlers
      – Es scheint ein direkter Link zum Fall Vincenz zu bestehen

      Faktisch ist der Sachverhalt bestätigt worden. Sonst hätte man Hässig sicher zurechtgewiesen oder sich zurückgemeldet.

      Fazit: Scheint, als habe Herr Hässig dieses Jahr auch noch den Chef einer Big-4 erlegt. Und das in einer „Bonus-Story“!

  5. Dieser Artikel ist mittlerweile auch von anderen internationalen Partnern der EY Gruppe gelesen worden und jetzt gibt es „rege Aufregung“. Allgemein war bekannt dass Schweiz unakzeptabele tiefe Ergebnisse ablieferte, aber nicht dass es solche Sachen gibt. The shit has hit the fan.

    • Ihr Wort in Gottes Ohr. Ich befürchte aber, dass alles bleiben wird wie es ist. Leider.

  6. Naja, wenn man sich einige weibliche Partnerbeförderungen dieses Jahr anschaut, dann wundert einen Nichts mehr… traurig für die Frauen bei EY!

    • Nichts gegen überkniehohe Röcklis, Minis und High-Heels. Im Gegenteil . Der Hüftschwung sitzt und gefällt.! Trotzdem sollte es in einer Big4 nicht zum Standardtoolkit einer ambitionierten Mitarbeiterin gehören – welche auf die Partnerwürde aspiriert und nun diese Woche nach einigen Irrungen und Wirrungen den Ritterschlag erhielt. Selbst hohe Kader und langgediente EYler schlucken und staunen. Hä, wie, was? Wie war diese Nomination in FSO möglich?. Heitere Bimbam normal! Misconduct? Gefälligkeiten? Röcklis? Heels? Oder hat der ehemalige Schirmherr gar seine schützende Pranke ausgeworfen und für Rückenwind und supportive Sturmfluten gesorgt? Man weiss es nicht! und staunt weiter und weiter und weiter und weiter. Ein Mysterium. Mal abgesehen vom adretten Dress und Hüftschwung … wie steht es eigentlich um die Performance? Würde diese ggf. eine solche Nomination rechtfertigen? Hat die Auserwählte der Firma durch ihr Tun und Schaffen Millionen in die Kassen gespült? Oder müssen die ohnehin schon genug geschundenen EY Partner nebst den nutzlos-kostspieligen EMEIA-Führungslayern nun auch noch lokale Non-Performance aus ihrem Topf befüttern?! Viele Fragen – keine Antworten!!! London calling. Have a lovely day.

    • Ja, Sales oder sonstige zählbare Erfolge wären mir nicht bekannt. Aber viele Auftritte an teuer gesponserten Events.
      Aber es ist ein schönes Zeichen an die Belegschaft: Verrechenbare Stunden? Nicht nötig. Verkäufe? Nicht nötig. Content? Nicht nötig.
      Es geht nur um das richtige Netzwerk.
      Ob die Story heute etwas mit dieser überraschenden Beförderung zutun hat?
      Die Chiomento-Ära war eben doch nicht so schlecht!
      Bin gespannt, wie es nun weiter geht und was London unternehmen wird.

  7. Schade, dass die Story heute wegen dem Fall Vincenz etwas untergeht. Lukas Hässig – der Mann mit dem Netzwerk bis in die E&Y Zentrale in London.
    Bei E&Y dürfte sich ein rascher Wechsel in der CH-Führung abzeichnen.

  8. Man kann es drehen wie man will. Alles ist Alibi und komplett verlogen. Gegen aussen ein Geflecht von undurchsichtiger und völlig übertriebener Regulierung. Im Hintergrund Business as usual mit eigener Bereicherung als Motivation. So ist es bei diesem EY-Mann und so war es bei PV.

    • Das „Geflecht von undurchsichtiger und völlig übertriebener Regulierung“ führt dazu, dass man auf anständige und ehrliche Weise keine Aussicht auf Erfolg hat. Wenn man sich vor Augen führt, wer dieses Geflecht webt, kann man getrost davon ausgehen, dass das so beabsichtigt ist.

    • Herr Fehr, Sie haben recht; bringen wir es auf den Punkt: Im Prüfungsbusiness sind es die big4 zusammen mit ExpertSUISSE. Unterstützt von einer naiven Revisionsaufsichtsbehörde, die mit dem ganzen Misst den anständigen und ehrlichen Teil der Branche „kastriert“.

    • @Hansi
      Das gewisse Exponenten bei EY es nicht so genau nehmen mit der Unabhängigkeit und deren Interpretation war schon früher bekannt…Da wurden munter Beratungen im x-fachen des Revisionshonorars durchgeführt, während diejenigen welche die Regeln strenger auslegten leer ausgingen. Dafür konnten wir in den Spiegel sehen und nachts schlafen…
      Aber wenn sie jemals einer Prüfung der RAB unterzogen worden wären wüssten Sie, dass dies nicht ein Zuckerschlecken ist. In der Regel sind dort ehemalige Wirtschaftsprüfer tätig welche es nicht zum Partner/Director geschafft haben und daher sehr genau hinsehen…
      Wie überall gibt es Ausbildungsunterschiede, Know How welches besser sein könnte, Zeit- und Feedruck. Alles hat Auswirkungen auf die Prüftiefe und Qualität der Revision.
      Meine Berufethos hätte es nie zugelassen, eine Unterschrift unter ein Dokument zu setzen welches nicht passt.

      Nur sollten Sie anlässlich ihrer nächsten Stammtischrunde vielleicht mal Lernen für was eine Revision zuständig ist und was nicht Teil der Aufgabe ist…
      Aber immer wieder schön das Ganze undifferenzierte Bashing

    • Der Kaiser trägt auch im Revisionsbereich schon lange keine Kleider mehr. Die ganzen Regulierungen und Vorgaben führen nur dazu, dass die kleineren Treuhandgesellschaften für den KMU-Bereich aus dem Markt gedrängt werden, während im grösseren Segment die Prüfung zum zeitintensiven Checklisten-Einheitsbrei wird. Die Prüfer streichen zwar ständig ihre kritischen und vernetzte Denkweise und die analytischen Fähigkeiten heraus, nur können sie diese durch die dumpfmachende Compliance- und Regulierungswut gar nicht mehr wirklich einsetzen. Cover your ass & tick the box ist die Devise. Da wäre es besser man würde sich eingestehen, dass der Kaiser eben nackt ist.

  9. Die noch grösseren Gangster neben den Banker Bossen sind die Soldaten und Narzissten der Beratungsbranche.

    Der Welt ginge es besser ohne Mc Kinsey et. al.

    • Mit Ausnahme der Branding- und Design-Firmen, die helfen, starke Marken und Firmen langfristig und nachhaltig aufzubauen. – Dummerweise werden die heute am schlechtesten bezahlt…. Den Dampfplauderis von McK, BCG usw. schenkt man zuviel Rampenlicht!

    • So ist es. L.H. sollte dringend die Blutspuren z.B. von Mck ans Licht zerren, denn die sind bei jedem Desaster die master minds im Hintergrund. Swissair, Bührle, CS wahrscheinlich auch die Post und Swisscom, Versicherungen uva mehr. Es wartet viel Arbeit und so mancher Skandal.