Das katastrophale Aktienjahr 2018

Das erste Halbjahr 2018 kann man recht kurz fassen: Mit allen Assetklassen ausser US-Technologiewerten und Long US-Dollar hat man Geld verloren. Gold? -5% (in USD).

Value Aktien? Ganz schlecht – Warren Buffet weist sogar trotz seines Mega-Technologie-Investments Apple und obwohl er General Electric und IBM im letzten Jahr abgestossen hat, eine klare Unterperformance zum S&P aus.

Commodities? Noch schlechter. Der Preis von Sojabohnen hat ein neues 10-Jahrestief erreicht. US-Treasuries? Auch knapp 4% Verlust.

Europa hat sich mit Ausnahme der Schweiz im Durchschnitt wacker geschlagen, aber fast alle Märkte sind leicht im Minus. Die Emerging Markets? Katastrophal. Brasilien und Mexiko sind in ein richtiges Loch gerutscht, die immer mehr Bedeutung bekommenden A-Shares in China in Dollar gerechnet sind um 15% gefallen.

Und schlussendlich kannte Bitcoin nur eine Richtung: nach Süden – knapp 60% im Minus. In vielen Dollar basierten Rankings der westlichen Länder tritt ein Land an letzter Stelle auf: die Schweiz mit -11% seit Jahresanfang. Differenz Höchst- zu Tiefstkurs: 16%.

War das vorherzusehen? Nun, das Muster, dass die dynamischen Branchen und Firmen stark zulegen und alles andere ausser acht gelassen wird, ist typisch für einen späten Bullenmarkt. Zudem waren und sind praktisch alle sogenannten „Value Aktien“ viel zu teuer (siehe „Müssen Sie eine Nestlé haben?“ vor Jahresfrist, seitdem hat der Titel um 12% korrigiert).

Zudem war an vielen technischen Bewegungen zu sehen, dass die Zeit für Commodities und ganz besonders für Gold (siehe „Die Sache mit dem Gold„) noch nicht reif ist. An dieser Stelle sei auch bemerkt, dass sich Commodities ohnehin wegen ihrer hohen Rollverluste kaum zum Investieren eignen, auch wenn das dem Anleger via ETFs schmackhaft gemacht wird.

Wie weiter? Die wahrscheinlichste Entwicklung ist stets: Der Trend setzt sich fort. Sprich ein weiteres starkes Jahr für Technologie und Biotechnologie, US-Markt fängt sich bald und bleibt im Aufwärtstrend, Absturz China und auch Schweiz (sieht technisch und fundamental schlecht aus).

Die grosse Schwierigkeit beim Investieren am jetzigen Markt ist, dass dieses Jahr viel zu viel „Event-basierte“ Bewegungen („Trump-Tweets“) den Ausschlag gaben und der Markt ausser beim Crash Anfang Februar viel mehr reagierte statt agierte. Insgesamt führte dies zu einer hohen realisierten Volatilität bei relativ tiefer implizierter Volatilität.

Sprich: Der Markt weist hohe Risiken auf, preist diese aber schlecht ein. Dies würde eigentlich dafür sprechen, dass es für einen „Bärenmarkt“ zu früh ist. Und so wäre es nicht so überraschend, wenn in einem medial inszenierten Treffen Trump mit der EU und mit China „Frieden schliesst“ und nochmals die Märkte, allen voran die Emerging Markets, richtig durchstarten.

Gestern hat ein Leser in einem Kommentar geschrieben: Der übliche Anlageberater ist heute weiterhin im wesentlichen ein Produktverkäufer, und der Beratungsprozess mündet meist in ein „kaufen und ewig liegenlassen“.

Als Anleihen bis vor 10 Jahren noch nicht eine tote Anlageklasse waren wie heute, war das auch nicht unberechtigt oder grundsätzlich falsch. Heute sind überbewertete Aktien die einzige potentielle Renditequelle des üblichen „Long“-Anlegers.

Besser könnte man die jetzige Situation kaum zusammenfassen.

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentsdetails, siehe Longterm-Investor.)

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9 Kommentare zu “Das katastrophale Aktienjahr 2018

  1. Lachhaft ! Wer the „New Paradigm“ in den 2000ern erlebt hat, und monumentale Verluste mit GMGI & Co eingefahren hat, kann von Katastrophe sprechen. Was seit anfangs Jahr stattgefunden hat ist im Vergleich dazu – nur ein Säuseln.
    Leider wird nach 10 Jahren quasi alles vergessen, die jungen Wilden kommen nach und lachen darüber. Hab ich damals auch getan, es war ein Blutbad.

  2. Anlagen:Für Goldfreunde ist es ein schönes Zeichen, dass die AHV 700 Mio in Barren gesteckt hat.Die riechen möglicherweise den richtigen Zeitpunkt. Goldrendite in Fr. 4% in 10 Jahren,.Was will man mehr als gut schlafen?Eines ist sicher, wenn der Gründer von Barrick (P.M.) sagt, er wisse nicht ob dieses Jahr die Goldförderung das Maximum erreicht habe, er wisse aber dass die Goldförderung ab jetzt nur noch in eine Richtung gehe, abwärts.Was passiert wenn das Angebot kleiner wird und die Nachfrage gleich bleibt oder steigt?Und Gold kann man nicht wie Cryptos fabrizieren und auch nicht stehlen wie Cryptos (760 Mio$ im ersten Hj.)Wann gehen Cryptos gegen Null, wenn man sie so leicht klauen kann?

  3. Warum sich der deutsche DAX – Index während der letzten 30 Jahre nur rechnerisch verzehnfacht hat:

    https://www.nzz.ch/finanzen/als-ein-journalist-vor-30-jahren-den-deutschen-aktienindex-erfand-ld.1398367

    Vergleiche dazu jahresweise die erzielten Renditen:

    Performanceindex: https://www.boerse.de/historische-kurse/Dax/DE0008469008

    Indexfonds: https://www.boerse.de/historische-kurse/iSHARES-DAX-ETF/DE0005933931

    Kursindex: https://www.boerse.de/historische-kurse/DAX-Kursindex-/DE0008467440

    Mit einer Trendolgestrategie konnte man im Laufe der vergangenen 30 Jahre insbesonders durch ein Vermeiden der großen Baissen von 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009 mehr als eine Verzehnfachung erreichen:

    „Hätte der Anleger im gleichen Zeitraum während der 7 Bärenmärkte immer zum perfekten Zeitpunkt ver- und gekauft, würde sich sein Depotwert heute auf 2.225.832 € belaufen. Ein unglaubliches Plus von 22.158% oder 23,11% jährlich.“

    http://aktien-mit-strategie.de/kriterien-zur-erkennung-von-markttrends/

  4. Ich investiere schon lange in Human Kapital, der noch ziemlich steigen kann…. so do not worry: fast alles, der soviel gestiegen ist, muss irgendwann zuruckgehen… auch unsere Intelligenz im Alter….obwohl das ziemlich ein Trost ist, das bedeutet, dass man schon ein bisschen gehabt hat..😂😁

  5. Reines Wunschdenken, es ist sicherlich nicht zu früh für einen bärenstarken Bärenmarkt insbesondere auch in den USA. Und der Buffet wird sehr „flach“ rauskommen,und niemand mehr wird nach Omaha pilgern.

    • Der Dow Jones – Index ist inzwischen deutlich unter der 200-Tage-Linie:

      https://www.boerse.de/indizes/Dow-Jones/US2605661048

      S&P 500 – Index und Nasdaq – Index noch nicht.

      Andererseits ist angesichts der internationalen Ausgangslage und Jahreszeit in der demnächst keine Besserung zu erwarten:

      „Sell in May and go away“

      Zudem befinden sich alle wichtigen europäischen Börsenindizes unterhalb der 200-Tage-Linie.

      Beispielsweise auch der im letzten Jahr noch so gut gelaufene österreichische ATX – Index:

      https://www.boerse.de/indizes/ATX/AT0000999982

      Daran zeigt sich auch, wie ein privater Investor durch regelmäßige Kontrollarbeit mit einfachen Hilfsmitteln überwiegend richtige (Des-)Investitionsentscheidungen fällen kann.

    • Ahahaha. Lustig, fertig!
      Buffett ist eine Legende und wird kaum flach liegen müssen, deswegen werden weiterhin viele Leute nach OmaHa pilgern…. traumen ist gut, aber muss man erkennen…😂😂

  6. Daß nach Jahren mit in der Menschheitsgeschichte noch nie dagewesenen Markt- und Preisverzerrungen durch die Notenbanken der westlichen Welt die seit 2009 laufende Hausse trotz anämischen Wirtschaftswachstum pausiert sollte nicht wundern.

    Vergleiche auch das Mißverhältnis zwischen den seit 2009 möglichen Gewinnen am Aktienmarkt und der Entwicklung der Realwirtschaft seither.

    In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, daß das Aktienjahr 2016 erst im Monat Dezember nach der Wahl des aktuellen US – Präsidenten jenseits der Weltuntergangszenarien in der Mainstream – Presse ein erfolgreiches wurde. Dies war jeweils ab 07/2016 nach dem Brexit durch den Schnitt der wichtigsten Börsenindizes der westlichen Welt mit der 200-Tage-Linie zu erwarten.

    Die seit 2009 laufenden Hausse läßt sich damit in bisher drei große Schübe zusammenfassen:

    03/2009 – 05/2011: Finanz- und Wirtschaftskrise bis Eurokrise
    10/2011 – 03/2015: Eurokrise bis Rohstoffbaisse
    07/2016 – 01/2018: Brexit bis Zinswende

    Mit Hilfe einfacher Analyseinstrumente (klick) läßt sich feststellen, ob es zukünftig im Rahmen der aktuellen Hausse zu einem weiteren Schub kommt oder – sollte zukünftig eine Baisse auftreten – zu noch besseren Investitionsgelegenheiten in den nächsten Jahren.

    Sollten Sie Vermieter sein, so müssen Sie monatlich nachsehen, ob Ihr Mieter gezahlt hat. Erweitern Sie diese Tätigkeit einfach dergestalt, daß Sie zukünftig auch nach der 200-Tage-Linie der wichtigsten Börsenindizes international sehen. Wenn Sie dafür die Lektüre von Bankanalysen einstellen, haben Sie nicht unerheblich Zeit und zudem einen freien Kopf gewonnen.