FDP-Anwalt, Zünfter, Köppelfreund, Krimineller

Jörg Rappold stahl zu Lebzeiten einer Familienfreundin Millionen – Via Lienhardt und CS in eigene Tasche – Zwingli-Züri schweigt.

Als Jörg Rappold am 5. Februar 2015 zur Pistole greift und sich das Leben nimmt, hat der bekannte Wirtschaftsanwalt und Zürcher Freisinnige ausgespielt. Sein Betrugskonstrukt steht vor dem Crash.

Grund ist eine alte Familienfreundin von Rappold. Die hat den Mann, der Weltwoche-Herausgeber Roger Köppel früh förderte und ihm den Weg in die Zunft ebnete, soeben bei der Polizei angezeigt.

Nun droht Rappold, der 2 Wochen zuvor seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, ein Alterssitz hinter Gittern. Auf dem Spiel steht Zuchthaus – mehrere Jahre.

Dem weicht der bis dahin in den höchsten Zürich-Kreisen und von Konrad Hummler, Tito Tettamanti und der NZZ als liberaler „Leuchtturm“ gefeierte Jurist aus. Er geht.

Zurück bleiben geschockte Kinder, ein Berg von Schulden und eine Stadt, die sich gerne mit der Bescheidenheit und Askese ihres historischen Vaters Huldrych Zwingli brüstet.

Und die nun indigniert wegschaut in einem Fall, der aus einem billigen Hollywoodstreifen stammen könnte; mit hilfreichen Bankern, erfundenen Offshore-Investments, gestohlenen Goldbarren.

Und einer 80jährigen Frau, die als einzige das Unrecht laut beim Namen nennt und seit 2015 ihren Millionen hinterher rennen musste, die ihr „Freund“ und Vertrauensanwalt Rappold veruntreut hatte.

Eine Geschichte aus den honorigen Kreisen von Zürich und ihrer Goldküste, die sogar nach dem Suizid des Protagonisten verschwiegen und versteckt werden sollte. Ihr Mann sei an einer „Fischvergiftung“ verstorben, meinte Rappolds Ehefrau auf erste Anfragen.

Wie ruchlos der „Leuchtturm“-FDP-Kantonsrat sich bereicherte und eine Mätresse mit Hunderttausenden von Franken beglückte, geht aus einem Gerichtsdokument hervor.

„Einziehungsbefehl“ der Zürcher Staatsanwaltschaft heisst es, und es verschafft der Klägerin, die ihr Vermögen Rappold anvertraut hatte, posthum ein wenig Gerechtigkeit.

Die Justiz hat in monatelanger Arbeit Geld und Gold auf Konten des verstorbenen Jörg Rappold bei der CS, der Bank Lienhardt und weiteren Banken gefunden. Die Werte landen nun teilweise bei der Klägerin.

Grund: Sie konnte mit ihrem Anwalt glaubhaft machen, dass die blockierten Vermögen direkt aus dem grossen Beute-Raubzug von Rappold gegen sie stammen.

„Rückführung deliktisch erlangter Vermögenswerte“, lautet der Begriff im Strafrecht. Dieses sieht vernünftigerweise keine Bestrafung eines Verstorbenen vor, dafür kann seine Hinterlassenschaft mit dem Strafrecht erfasst werden.

Gemäss den Ermittlungen der Zürcher Justiz hatte Rappold die Familienfreundin – man kannte sich seit Jahrzehnten, ging mit den Ehepartnern und den Kindern zusammen in die Ferien – während Jahren hintergangen.

Von 2008 bis zum Suizid Anfang 2015 schnappte sich Rappold von der Freundin „anvertraute Vermögenswerte im Umfang von mindestens CHF 12 Mio.“, steht im „Einziehungsbefehl“.

Weil Rappold die Millionen zum Teil ins Ausland verschob und dann von dort zurückholte und auf eigene Konten in der Schweiz transferierte, stand auch der Vorwurf der „Geldwäscherei“ zur Debatte.

Rappold nutzte für seinen Raubzug Tarnfirmen in Schaan in Liechtenstein und in Singapur im fernen Osten. Er legte Gelder der Freundin in diesen Firmen an und verzinste sie – doch die Firmen erwirtschafteten nichts.

Sie hatten nur den Zweck, dass Rappold die Millionen über sie verschieben konnte, um sich selbst ein Leben in Saus und Braus zu gönnen.

Die Banken taten wenig, um Rappolds Konstrukt auf die Schliche zu kommen. Im Frühling 2011 überwies Rappold eine Million von einem HSBC-Konto seiner Singapurer Scheinfirma auf ein Privatkonto bei der Lienhardt Privatbank an der Rämistrasse in Zürich.

„Withdrawal investment Lulu B“, gab Rappold als Grund für den Millionentransfer in seinen eigenen Sack an. Dass ein Lienhardt-Banker nachgefragt hätte, wer Lulu B ist und weshalb Rappold das Geld zustehe, davon ist nichts bekannt.

Eine zweite Tarnfirma im Fürstentum Liechtenstein hatte ein Konto bei der CS. Die Kundenbeziehung ging zurück auf Anfang der 1980er Jahre. 2009 und 2010 änderte Rappold den „wirtschaftlich Berechtigten“. Er setzte sich und seine langjährige Freundin ein.

„Eine Begründung“ dafür finde sich nirgends, halten die Zürcher Ermittler fest. Sprich: Die CS hat offenbar keinerlei Fragen oder Bedenken gehabt, warum nun plötzlich Rappold privat über das Konto verfügen konnte.

Fragen hätten sich aber aufgedrängt. Rappold begann nämlich, hohe Millionensummen über das CS-Konto zu verschieben. Von „mehreren Konti der Geschädigten“ habe Rappold „mehr als CHF 3 Mio. auf das Konto“ bei der CS verschoben.

Im Frühling 2013 überwies Rappold schliesslich gut eine halbe Million vom CS-Konto auf sein Privatkonto bei der Lienhardt-Bank. Bei der CS löschte Rappold darauf das Konto.

Erneut: keine Fragen vom Paradeplatz.

Auch die kleine, feine Zürcher Rahn Bodmer taucht auf im Grossfall Rappold. Bei der Familienbank hatte Rappolds Freundin einst 25 Kilo Gold für über 1 Million Franken gekauft.

Vom Goldschatz ist der Grossteil spurlos verschwunden. Die Polizei fand nur noch 4 Goldbarren in einem Safe bei der Lienhardt-Bank, „der Rest des Goldes blieb unauffindbar“.

Hätten die Zürcher Geldhäuser reagiert und Rappold zur Rede gestellt, dann wäre dieser wohl ins Schwitzen geraten. Denn hinter den vielen Transaktionen und Vermögensverschiebungen stand ein profaner Zweck: Selbstbereicherung.

Rappold habe die „Substanz“ des Vermögens der Familienfreundin für „seinen aufwändigen Lebensunterhalt“ genutzt, steht im amtlichen Dokument.

Dazu gehörte – standesgemäss? – eine geheime Geliebte. Laut deren Aussagen habe sie mit Rappold „während 27 Jahren eine Liebesbeziehung geführt, allerdings immer im Versteckten, sie habe ihn höchst selten auf einer geschäftlichen Reise ins Ausland begleitet, allerdings nur, wenn seine Ehefrau nicht abkömmlich gewesen sei“, steht im Justizdokument.

Dafür habe Rappold sie „beinahe täglich besucht, sie hätten gemeinsam gekocht und gegessen“. Rappold habe sie dazu gedrängt, nur noch Teilzeit zu arbeiten, „er habe mehr Zeit mit ihr verbringen wollen“.

Liebe, Millionen, Zunft, Freisinn, Kanzlei, Medien: Rappold lebte ein Leben wie im Bilderbuch. Bis zum Ende. Er hoffe, er könne seinen 80. Geburtstag noch „heil“ feiern, meinte er, als sich die Schlinge zuzog.

Als Rappold schliesslich aufflog, schauten seine vielen noblen Freunde beschämt weg.

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35 Kommentare zu “FDP-Anwalt, Zünfter, Köppelfreund, Krimineller

  1. Also wenn Rappold seine Geliebte, eine Röntgenassistentin, offenbar täglich besucht hat (gemäß Ermittlungsakten), dann will seine ganze Familie nichts gemerkt und gewußt haben?

    Über fast 3 Jahrzehnte? (27 Jahre).

    Wenn das alle Kunstschätze waren, die damals gefunden wurden nach dem offenbaren Selbstmord, dann spräche es dafür, daß sie zumindest von den Schulden nichts wußten.

    Was allerdings auffällt, ist die Äußerung beim Verkauf der Kunstgegenstände durch einen Liquidator. Er besaß „viele schlechte Werke von guten Künstlern“.

    Also nur zweit- und drittklassige Kunst?

    Kurz vor seinem Tod war er noch mit Familie auf einem Weltwoche-Anlaß. Auch auf diesem Anlaß gemäß Fotos offenbar der Anwalt Peter Nobel, der das geschädigte amerikanische Ehepaar vertrat, welches er bat, zu-zu-warten, sie sollen Rappold nicht in den Suizid treiben.

    https://cdn.energy.ch/energych-usgang/pictures/641550/64155051.jpg

  2. Wenn auf einem Konto ein Bevollmächtigter die Begünstigung auf sich selbst wechselt und anschliessend über dieses Konto grosse Transaktionen an den neuen Begünstigten (also sich selbst) laufen lässt, ohne dass die Bank dies hinterfragt, dann hat die Bank ihre Aufsichtspflicht verletzt und wird für den entstandenen Schaden den Geschädigten gegenüber haftpflichtig !
    LONGLEG-22

  3. Die Sache stinkt!
    12 Millionen innert 8 Jahren allein bei einer Kundin! So aufwändig kann ein Lebensstil gar nicht sein!
    Hat die Staatsanwaltschaft auch Geschenke an Angehörige, Freunde usw. überprüft und zurückgefordert?

  4. Wie läuft ein ordentliches Sechseläuten ab:
    Sie (die Freisinnler..) treffen sich im Zunfthaus; setzen sie um den grossen Tisch; füllen sie die Lampe, kratzen sich gegenseitig am S…ck und vergeben sich anschliessend die Aufträge..

    • Ihr Drehbuch stimmt punktgenau.

      Im Nachruf schrieb die NZZ gar noch über diesen feinen Betrugskonstrukteur, dass damit «einen der letzten glasklaren Liberalen“ verstorben sei……………..

  5. Wie heisst die ältere, feine Dame? ich möchte Ihr sehr gerne auch mal einen Besuch zu Kaffee und Kuchen abstatten:-)

  6. Man hat sich in der Zürcher Strafjustiz immer ein bisschen gewundert, was wohl der Grund sein könnte, dass der Erz-Freisinnige Anwalt Rappold immer so verbissen gegen die Strafjustiz hetzte.
    Und dann kamen die Berichte, dass der feine Zünfter ein ganz normaler Gauner war. Offenbar war die Hetze seine Art, mit der Angst vor drohender Strafe umzugehen.

  7. Es sterben bekanntlich ja immer nur die Guten. Es gibt aber Ausnahmen. Rappold scheint ein Betrüger, ein Loser und ein Blender zu sein. Ausser seiner Familie und seiner Geliebten wird dieses Bürschlein kaum jemand vermissen!

  8. Das schöne am Geld ist doch, dass es gnadenlos den wirklichen Charakter eines Menschen offenbart. Geht’s um Geld, wird jede Freundschaft und Beziehung minutiös auf den Prüfstand gestellt.

    Materialismus ist wohl die mit grossem Abstand am meisten überschätzte Ideologie in unserer Welt. An Ihr geht alles zu Grunde…

  9. Parabel übers Wegschauen, überzeugend dargelegt. Eine Parallelgeschichte «Treue Hände» findet man beim Elster Verlag, Nachtschatten, Kurzgeschichten von Melchior Werdenberg. 

  10. Parabel übers Wegschauen, überzeugend dargelegt. Eine Parallelgeschichte «Treue Hände» findet man beim Elster Verlag, Nachtschatten, Kurzgeschichten von Melchior Werdenberg. 

    • Interessant. Melchior Werdenberg ist doch das schriftstellernde Alter Ego eines namensgebenden Partners einer bekannten Kanzlei für Wirtschaftsstrafrecht in Zürich.

  11. Einerseits ist das Nachtreten nach Toten bis zu einem gewissen Punkt pietätlos. Auf der anderen Seite müssen solche Schweinerein auch ans Tageslicht gebracht werden. Früher jubelten sich diese Kreise hoch und machten sich wichtig, sahen sich als die Elite an. Nichts bleibt, nur Kopfschütteln!

  12. Man soll nichts Schlechtes sagen über Verstorbene. Er wollte der Frau nur helfen und ist ohne Absicht durch unglückliche Umstände in diese Sache hineingerutscht !!

  13. Kollege Zuppiger vom SVP war gleichgelagert, und dennoch wurde er vom SVP für der Bundesrat nominiert. Aber es sind nur Einzelfälle.

    • Und diese Partei spielt den CH-Saubermann. Alles nur für den eigenen Sack: mit dem Segen des Wahlvolches, denen man die story anders verkauft und sich nicht getraut, den Guru zu kritisieren.

    • Die SVP ist bekannt für seine Einzelfälle. Ich stimme immer das Gegenteil und Wahllisten gehören ins Altpapier.

  14. Ach das alles wusste man schon seit Jahren. Auch seinen „Besen“ als Freundin kannte man. Aber ab einem gewissen Punkt, kann man als Bekannter von R. nicht mehr zurück, da man sonst als Teil des Betruges angesehen würde. Die Klägerin hätte bereits viel früher Lärm machen müssen, danach wäre Ihr aber der Ausschluss aus der Zürcher „Oberschicht“ gewiss gewesen, weil man dort keine „Nestbeschmutzerin“ wollte. Daher das vorsichtige Herantasten. Sie ist somit gleich 2x Opfer.

  15. Von den Studierten
    behaupten die Rechtsgelehrten,
    allen anderen weit voraus zu sein,
    und niemand ist auf sich
    so eingebildet wie sie.

    In einem Atemzug
    drechseln sie
    wer weiß wie viel
    aus der Luft gegriffene Gesetze zusammen,
    und indem sie Auslegungen auf Auslegungen
    und Erläuterungen auf Erläuterungen häufen,
    erwecken sie den Eindruck,
    daß von allen Wissenschaften die ihrige
    die anstrengendste Tätigkeit erfordert!

    Erasmus von Rotterdam
    * 28. Oktober 1466 † 12. Juli 1536

  16. ist doch schön, wenn der schaden
    innerhalb der „familie“ kompensiert
    wurde.
    was meint eigentlich köppel dazu?

    • Vielleicht ein Fortsetzungs-Roman für die „Weltwoche“ ? Oder „Mein Tatsachenbericht“ für die Juli-Ausgabe?

    • Die Zünfter, pardon Zöifter, die aber nur noch selten aus dem alten Zürich stammen, wie auch R. nicht, hätten noch manches aufzuarbeiten. Z.B. bei den Hexenmorden, die auch Zwingli als Teufelsgläubiger nicht störten.

    • nix; er bewundert leute die mit „fremden mitteln“ unfähigkeit finanzieren und dies ohne ww-klamauk.

    • mich erstaunt es nicht, dass er ein Köppel Freund war und der wird nichts sagen, der kennt nur eine Sprache: Ich bin der Beste im Land.

  17. „Ein Stern der Deinen Namen trägt“.

    Die verdutzten Zürcher Freisinnigen liefen dem Gross-Betrüger hinterher, um in dessen Scheinwerfer-Licht zu brillieren, profitieren und korrumpieren.

    Rappold ist nun verblasst, aber die Stiefelhalter bei den krummen Geschäften geniessen die Freizügigkeit der Unbescholtenen. Pfui Teufel!

    • Genau, predigen vermutlich heute noch Wasser und saufen Champagner kübelweise. Gegen aussen die Werte von Zwingli predigen und selber zocken und protzen. Eine verlogene Möchtegernelite die enttarnt gehört!