Zurich Versicherung vor Informatik-Massenabbau

Schönfärberisches „Right Sizing“ – Tatsächlich zerlegt Versicherer in Heimat Schweiz sein Backoffice – Entlassungen vor Tür.

Zurich-CEO Mario Greco war einer der ersten Bigshots, die den Outsourcing- und Offshoring-Wahn in ihren Backoffices stoppte.

„Zurich holt Jobs und Fähigkeiten, die wir an andere Firmen ausgelagert hatten, wieder in den Konzern“, sagte er letzten Herbst im Blick.

Nichts verkündigt hatte Greco damals zur 2. Stufe seiner Rakete: dass er als Nächstes die Jobs in der Schweiz streichen würde.

Genau das passiert jetzt. Und zwar still und leise, ohne dass der oberste Chef diesmal in Interviews grosse Töne schwingt.

Das Thema eignet sich dafür schlecht. Betroffen vom Abbau in der Schweiz sind nämlich vor allem die Informatiker.

Darunter wie in vielen Grossbetrieben 50jährige und ältere, die seit Jahren oder Jahrzehnten für die gleiche Firma tätig sind.

Ein Sprecher der Zurich bestätigt die Abbaupläne in der IT. Er spricht von Right Sizing und Right Sourcing – was die Nice Version von Grossabbau ist.

„Mit dem Right Sizing und Right Sourcing reagiert Zurich Schweiz gezielt auf veränderte Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden“, sagt der Sprecher des Zurich-Konzerns.

„Im Rahmen dieser Transformation werden sich auch Job-Profile der IT-Mitarbeitenden ändern. Das bedeutet einerseits, dass Mitarbeitende geschult werden, um neue Rollen zu übernehmen. Andererseits fallen Rollen möglicherweise weg.“

Rollen, die wegfallen, heisst auf gut Deutsch: Informatiker landen auf der Strasse. Wie viele, das ist derzeit noch offen.

Laut einer Zurich-Quelle könnte es bereits in den nächsten Wochen zu Kündigungswellen in der IT der Zurich kommen.

„Bisher hat es intern stets geheissen, dass alle Betroffenen eine neue Aufgabe erhalten würden“, sagt die Auskunftsperson. Nun zeige sich, dass dies falsche Versprechungen gewesen wären.

Zuerst alles ins Ausland und an Partner auslagern, dann zurückholen, nur um schliesslich die Jobs gänzlich zu streichen – so der Ablauf im Fall der Zurich Versicherung.

Damit entpuppt sich Greco als Schöngeist, der im Blick-Interview das Hohelied auf Swiss made und Schweizer Qualität gesungen hatte – möglicherweise im Wissen darum, dass die Welt schon bald anders aussehen würde.

„Man muss nicht jeden Management-Trend mitmachen, sagte der Zurich-CEO damals im letzten November noch.

Und fuhr fort: „Ich bin der festen Überzeugung, dass das Auslagern von Arbeitsplätzen überhaupt nichts bringt, wenn es nur darum geht, Lohnunterschiede zwischen Ländern auszunützen. Auslagern bringt nur dann etwas, wenn extern die Kompetenz höher ist als intern.“

Wenig später nahm der neue Vorgesetzte von Greco die Arbeit auf. Michel Liès heisst dieser, er war bei der Swiss Re lange oberster operativer Chef und wurde diesen Frühling VR-Präsident der Zurich.

Im Juni gab Liès ein grosses Interview in der NZZ. Und dort redete er dann Klartext, was den Abbau angeht. Das Sparprogramm würde „diszipliniert““ durchgezogen. Salamitaktik wäre eine Katastrophe.“

Damit übergab Präsident Liès wieder an CEO Greco. Und der zerlegt nun ganze Backoffice-Bereiche, unter anderem die Informatik.

Hintergrund sind die Probleme im Markt. Soeben hat die Zurich in ihrem Heimland Schweiz massiv an Boden verloren.

Sie fällt zurück und verliert an Boden gegen die führenden Axa Winterthur und Mobiliar.

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47 Kommentare zu “Zurich Versicherung vor Informatik-Massenabbau

  1. Wie schon einmal erwähnt, funktioniert es im Migros Genossenschafts-Bund (MGB) genauso.
    Der Wasserkopf von IT Architekten, Security Officers, Projektleiter und deren Chefs wurde dermassen aufgebläht, dass nun ein Teil der System Engineers (Hart arbeitende Leute mit grossen Fachkentnissen ) zwangspensioniert wurden oder ganz einfach entlassen wurden.In der Presse wurde von grösszügigen Abfindungen gesprochen.Lachhaft.
    Und das nächste Reorg Projekt ist schon am laufen.Nach der Entlassungswelle hat man dann schon wieder Stelleninserate geschaltet.
    Das nenne ich Fair, Nachhaltig usw.
    Fazit : Die IT Stellen im MGB sind sehr toxisch.

  2. Die CEOs können froh sein, das die ITler noch keine Gewerkschaft gegründet haben. Da würden sich die Aktienkurse der Türkischen Lira angleichen, wenn die IT’ler mal 2, 3 Tage gesammelt krank werden.
    Dann würde ich gerne mal Mäuschen spielen, ob dann die grossen Herren alles mit Excel machen könnten, so wie sie immer behauptet, wenn es darum ging, die IT klein zu reden.

  3. Habe die „Züri“, oder „ZFS“, wie sie damals noch so gross-gekotzt geheissen hat im Jahr 2004 verlassen und es nie bereut. Damals schon wurde die Informatik ausgelagert (CSC) und komplett kastriert. Was haben die eigentlich in den letzten 14 Jahren wieder mit der IT gemacht das sie jetzt wieder abbauen müssen? Da haben sich wirklich die Pfeifen-Manager die Klinke in die Hand gedrückt!

  4. Man hatte damals tatsächlich Jobs zur Zurich Insurance zurückgeholt. Nur nicht nach Zürich. Und die Mitarbeiter die man nicht übernehmen wollte, hat man einfach nicht übernommen. Zwei Fliegen mit einer Klappe, und ohne eine einzige Kündigung. Man hat das so raffiniert verkündet, dass selbst das HR in Zürich meinte, es kommen Stellen nach Zürich zurück. Im Moment ist man grad in Indien unterwegs, Subunternehmen für die Zurich Insurance im Ostblock. Die wiederum für die Zurich Insurance in Zürich arbeiten. Im Moment werden US Amerikanische und Australische Führungskräfte enorm gefördert, weil sie diesen Wahn mitmachen und auch mit Kündigungen aussprechen keine Probleme haben. Die geben sogar zu, dass ihn ihren Augen die Schweiz ein komisches Land und die Schweizer Kult ihnen total fremd ist und lächerlich erscheint. Swissness for what? Ganz im Sinne von McKinsey.

  5. Stimmt ganz! Die Mehrheit der ITler sind aber nicht „senior“ und die Löhne in Zürich und Genf sind die höchsten der Schweiz
    Das heißt, der Lohn ist für die Mehrheit der ITler viel tiefer.
    Wenn man denkt, dass es 7 Jahren Ausbildung nach der obligatorischen Schule braucht, um Ingenieur in der Informatik zu werden, lohnt sich der Aufwand überhaupt nicht mehr. Es gibt viele Branchen, wo man gleich viel verdient mit einer viel leichteren und kürzeren Ausbildung.
    Der Vorteil ist, dass man in dieser Branche die Konkurrenz der Deutschen nicht fürchten muss. In Frankfurt sind die Löhne vergleichbar als in der Schweiz und dies bei tieferen Lebenshaltungskosten.

  6. Ein CEO braucht auch fähige Leute um sich, um die richtige Strategie definieren und die passenden Massnahmen ergreifen zu können. Und da hat Mario Greco schlicht kein gutes Händchen. Es gibt bei Zurich immer noch zu viele Sesselkleber aus den Schiro/Senn-Zeiten, die zwar Toppositionen besetzen, aber seit Jahren keine Innovation bringen. Gleichzeitig hat Mario Greco seine Generali-Kameraden mitgebracht, die definitiv keinen Match sind zum bestehenden Kader. So wird das nichts mit Zurich.

  7. Nicht persönlich gedacht, sondern schlicht ein kleiner Tipp, der mir einfachem Gemüt so durch den Kopf gegangen ist.
    Wenn er ihn „persönlich“ kannte, wär vermutlich ein Feierabendbier die bessere Kommunikationsform gewesen. Da argumentiert sich doch manches um einiges leichter.

  8. „Right sizing“ und „Right sourcing“?
    Was ist das bitte für McKinsey- oder EY-Sprech…?!?

    Und dann wundern sich die zuschauenden Politiker, wenn die Leute plötzlich „Right electing“ machen…

  9. .. und mit Kundenorientierung hat das gar nichts zu tun. Zürich sollte mal die Mobiliar analysiert und erkennen was schlecht läuft in der Schweiz. Mit den Powerpoints lassen sich halt keine Kunden gewinnen; Senior Manager machen diese aber glücklich. Wahrheit ist nicht wichtig solange die Zahlen auf dem Papier stimmen. Im schlimmsten Falle entlässt man dann halt ein paar Mitarbeiter.

  10. Greco weiss nicht was seine Leute machen oder er sagt nicht die Wahrheit. Bereits im letzten Herbst wurden Leute entlassen wegen Nearshoring.
    Leider sind die Leistungen der Out-/Nearshoring Partner nicht viel besser geworden und verursachen den Leuten in der Schweiz nach wie vor schlaflose Nächte. Das Klima in der Zürich ist leider so dass niemand etwas wagt nach oben zu kommunizieren. Gefragt sind positive Botschaften was das Management auch gerne macht. Die Leute die das nicht mitmachen werden entsorgt; meine Boss musste auch gehen…. Er kannte Greco persönlich und schrieb ihm einen Brief – Antwort ist natürlich nie gekommen.

  11. Leider sehen Manager nur immer die gleiche und vorallem kurzfristige Lösung. Sparen heisst IT auslagern. Indien, Polen u.s.w.
    Nach 3-5 Jahren wieder alles insourcen und das knowhow wieder von Null aufbauen. Was generiert wird sind vor allem Kosten, Kosten und nochmals Kosten. Kein Mehrwert.
    Leider haben die Managerlis nicht verstanden das die IT die Zukunft ist. Für jede jetzige Beratung oder Backoffice Aufgabe kann in Zukunft ein Programm oder Algor. geschrieben werden. Irgendwann werden wir die Managerlis durch ein Algor. ersetzen.
    Fast jede 2. Schweizer Firma hat ein Security Problem. Dies wird in Zukunft immer mehr der Fall sein und was machen wir… Wir geben unsere Systeme in ausländische Hände und hoffen damit ein bisschen zu sparen. Macht nur so weiter, die Schweiz wird bald von Inder und Polen regiert.
    Wer Zugriff auf Big Data’s hat wird die Welt regieren.

    • Da widerspricht sich jemand selbst. Erst das Gespenst der KI/AI an die Wand malen, die durch Algorithmen (um das Wort mal auszuschreiben) die Mitarbeiter und die persönlichen Kontakte komplett ersetzt. Und dann dem Gespenst ein menschliches Gesicht geben, in dem die Nationalitäten der Inder & Polen genannt werden.
      Hast Du vergessen, dass es bereits heute keine handgeschriebenen und geführten Sparbücher mehr gibt, dass ATM’s Geld ausspucken und kein Schalterangestellter mehr, dass der Grossteil der Rechnungen elektronisch bezahlt werden, usw.
      Haben all diese Veränderungen oder Verlagerungen von Mensch auf Maschine nur negatives mit sich gebracht? Sind heutzutage weniger in der Finanzbranche tätig als vor 20 Tagen?

    • @Hanspeter
      Ich glaube Du lebst in die Zukunft.
      Viele Menschen sehen die Informatik wie auch das Internet nach wie vor als Gefahr.
      Es gibt tatsächlich noch viele Menschen die am Monatsende in die Post gehen und die Einzahlungen manuell machen.
      Es gibt tatsächlich noch Menschen die eine Beratung von Seite Bank wünschen und entsprechend am Schalter diese erhalten.
      Entschuldige wenn ich Algorithmus nicht ausgeschrieben habe 😉
      Nach wie vor gibt es Menschen die z.B. mit Twint nichts anfangen können. Ich als Programmierer auch nicht, so nebenbei.

      Hanspeter ob negativ oder positiv ist Ansichtssache. Frag mal die U50 die gekündigt wurden, weil Ihr Job automatisiert wurde.

      Aber auch Du wirst mal U50 sein und auch Du wirst irgendwann mal weg rationalisiert weil deine Arbeit nicht mehr benötigt wird.

      Sorry gel 🙂

  12. Und was ist mit dem Sandchäschtli-Wettbewerb der Hauptsitze am Mythenquai? Da werden Abermillionen verlocht. Schon früher: Es Walterli von der Rück baut sich seinen Centre in Rüschlikon, Boom-and-Bust-Hüppi von der Zürich macht es ihm grad nach und baut sich dasselbe in die alte Bircher-Benner-Klinik. Swiss Re baut sich einen neuen Glaspalast, Ssurik-Versicherung betoniert schnell hinterher. Und der der dicke Kessler aus Paris verpflanzt seine SCOR am General-Guisan-Quai gleich neben den Baur au Lac. Zwar profitiert das lokale Baugewerbe, aber das ganze „Ich-hab-die-grösste-Pyramide“ kommt im Zeitalter der Digitalisierung doch sehr Dinosauriermässig daher.

  13. Ich bereue, dass ich Informatik (an der ETH) studiert habe!

    Vor über 20 Jahren war der grosse Boom. New Exonomy dank Internet, Y2K-Umstellung, etc.

    Als ich abschloss, war alles gecrasht. Empfangen wurden man höchstens vom RAV-Berater.

    Wie ich gelernt habe, ist IT zum Spartopfer Nr. 1 bei den Managern geworden. Informatik scheint ein Luxusgut zu sein. TCO – Total COST of ownership – ist der einzige Masstab.

    Während die schweizer Banken Milliarden scheffelten, waren Firmen wie Amazon neu, und Apple fast pleite. Heute ist Apple 1 Billion $, also 10 hoch 12, wert. Jeff Bezos ist 50% reicher als Bill Gates. Das sind Amerikaner, keine Schweizer. Not made by swiss management.

    Weiterhin wird die Lüge vom Fachkräftemangel verbreitet. Gäbe es einen Fachkräftemangel, so würden würden die Entlöhnung steigen, und nicht sinken. Man müsste ebenfalls nicht einen Hochglanz-CV mit den richtigen Stickwörtern vorweisen müssen. Man würde bei Lücken nicht abgewiesen werden. ICH WAR NICHT IM GEFÄNGNIS! Ich war unfreiwillig arbeitslos, weil ein Manager seinen Bonus haben wollte!

    Der Chef jedes Softwareentwicklers muss keine Ahnung davon haben. Weiterhin bekommt jeder Manager mehr. Die Schweiz ist ein VERWALTERPARADIES!

    Softwareentwickler müssen sich ständig weiterbilden. Dies ist anspruchsvoll.

    Gehen wir mal zur Lohntabelle:
    – Sensior Java Entwickler bei der Credit Suisse: 120‘000 pro Jahr

    Dem stehen entgegen:
    – Stellenvermittler: 110‘000.- pro Jahr
    – Lehrer im Kanton Zürich: 160‘000 pro Jahr
    – IT-Manager bei UBS: 150‘000 + pro Jahr

    120‘000 sind nicht schlecht. Aber man muss einen Haufen Technologien können. Die muss kein Stellenvermittler, kein IT-Manager und kein Lehrer kennen und können. Auch veraltet deren Wissen nicht, und deswegen werden sie nie arbeitslos, oder bekommen keinen Job. Hat sich Französisch verändert? Oder Mathematik? Nein.

    IT bestimmt unseren Alltag, und noch mehr unsere Zukunft. Die Entlöhnung in der Schweiz und das Jobverlustrisiko in der Schweiz sagt etwas anderes. Auch, dass für das 21. Jahrhundert kein Platz in der Schweiz gibt.

    Während der Staat x00‘000 Franken vom Kindergarten bis zur ETH ausgegeben hat, setzen Manager auf Offshoring nach Indien und Polen. Sie betreiben etwas Abartigeres: Fr. 1200 pro Tag bezahlt die CS pro Inder an Accenture in Zürich! Jahrelang! 2x soviel wie für eine. Internen!

    Offshoring ist für Indien das Business des Jahrhunderts. Gratuliere! Offenbar gewesen, den sie haben es nicht richtig gemacht, und deswegen leidet Indien unter massiver IT-Arbeitslosigkeit. Aber ich gönne jedem mal eine prächtige Phase.

    Ich komme darauf zurück: Ich bereue es, vor mehr als 20 Jahren mich für ein Informatik-Studium entschieden zu haben.

    Meine Professoren predigten gar nach ihrer Rente die Lüge vom Fachkräftemangel. „Es braucht mehr gute Informatiker!“

    Nein, Baby! Es braucht nirgends Genies! Niemand wird wegen seinem IQ eingestellt. Schlimmstenfalls gleich abgelehnt.

    Seit die Inder die Exklusivrechte in Zürich bekommen haben sind auch gleich die Tagesraten für Contractors nach unten gerutscht. In Bern verdienen einige gar 2x soviel in Zürich.

    Die Inder brauchen ebenfalls Leute für die CS in Chur für Fr. 450 nach allen Steuern. In Chur gibt es keine möblierte Wohnung. Hotels sind schweineteuer. Soll ich etwa täglich von Zürich nach Chur pendeln? Ähnliches gilt für Bellinzona.

    Sorry, Manager: Was erlauben Strunz?

    IT lohnt sich, zum Broterwerb, wirklich nicht in der Schweiz!

    • 120K für einen Senior Entwickler dünken mich jetzt arg wenig. Ich als Entwickler verdiene deutlich mehr.

      Trotzdem gebe ich Ihnen grundsätzlich recht. Ich würde auch nie mehr Informatik studieren. Empfehlen würde ich jungen Menschen stattdessen: Anwalt, Lehrer, Revisor, Unternehmensberater, Sozialarbeiter.
      In diesen Berufen ist man vom internationalen Wettbewerb geschützt, der Verdienst ist höher.

    • Die Hitze?! Das mit den Löhnen stimmt aber. Leider werden viele viel zu hoch entlöhnt! War auch mal arbeitslos, habe mit dem Verursacher noch eine Rechnung offen. Zeit vergisst nie!

    • Wie ging der Vers noch mal: „Inder statt Kinder“ oder war’s umgekehrt?

    • Herr Müller, Sie haben anscheinend etwas falsch verstanden. Das Handwerk der Informatk verändert sich genau so wenig oder viel wie in allen anderen Berufen. Das Grundgerüst ist logisches Denken, analytische Fähigkeiten. Das hat man oder nicht. Was sich ändert sind die Hilfsmittel (Tools). Und diese Veränderungen lernt man on the fly.
      Zugegeben, die Komplexität der Syteme hat stark zugenommen. Aber das macht unseren Job nur interessanter.

      Ich arbeite seit fast 40 Jahren in der Informatik, davon 35 in der Schweiz. Mir ist die Arbeit noch nie ausgegangen. Und es fehlen m. E. haufenweise gute Informatiker.

      Mit einem Informatik-Studium sollte man auch keinen Vergleich mit einem Java Programmierer machen (überqualifiziert). Wie wäre es mit Lösungsarchitekt oder Projektleiter? Da haben Sie andere Löhne.

    • Grundsätzlich ein guter Posts. Nur Accenture Inder sind so günstig. die Europär sacken mehr ab.

      Und natürlich verändert sich Mathematik auch. Und auch ein Lehrer muss sich weiterbilden etc.

      Nicht nur der Software-Entwickler.

      Besser ETH Informatik oder Mathe studiert, als so Geisteswissenschaften. Dort hatte man nie einen Job in der Privatwirtschaft.

    • Herr Müller, ich habe ebenfalls vor über 20 Jahren Informatik an der ETH studiert. Meine Karriere ist aber offenbar ganz anders verlaufen als ihre, denn ich verdiene viel mehr als das was sie als Marktbenchmark angegeben haben (Raum ZH, bin Ende 40).
      Dazu gehört möglicherweise Glück, aber ich habe mich nicht nur darauf verlassen sondern mich ständig und bewusst ausserhalb meiner Komfortzone begeben um meine Fähigkeiten zu erweitern. Gerade aktuell herrscht ein Arbeitnehmermarkt in der IT und ich kann trotz meines schon fortgeschrittenen Alters noch immer meinen Arbeitgeber aussuchen, weil ich stets marktfähig geblieben bin.
      Ein Informatik-Studium oder ein hoher IQ bedeuteten noch lange nicht, dass man überdurchschnittlich verdient. Ich habe damals einfach das studiert was mich am meisten interessiert hat. Als Jurist würde ich heute möglicherweise mehr verdienen, aber auch dafür gibt es keine Garantie.
      Das Leben ist nun mal nicht immer fair, aber man kann versuchen das Beste aus seiner individuellen Situation zu machen.
      Ich weiss nicht ob ich heute nochmal Informatik studieren würde, aber ich glaube die Studienwahl hat einen untergeordneten Einfluss auf Lebensglück und beruflichen Erfolg.
      Ich wünsche ihnen jedenfalls Mut und mehr Glück für die Zukunft.

    • Werter Daniel Müller

      Es ist mittlerweile nur noch eine Illusion, warum Informatiker und SW Entwickler weit über 100’000.- CHF verdienen sollen – deren Arbeit ist oft weniger wert als ein guter Handwerker. Wir sollten mal klar erkennen, das ein SW-Entwickler (ob ETH oder sonstwas oder qualifiziertes Praktikum und Lehre …) auf die gleiche Stufe wie ein qualifizierter Schreiner, Mechaniker, Spengler oder Elektriker gestellt werden sollte. Auch diese Berufsleute bilden sich ständig weiter und beherrschen vielfältiges Wissen und Tätigkeiten. Und oft sitzen die nicht im bequemen Büro bei (gratis) Kaffee und Kuchen ….

      Der Lohn von qualifizierten Berufsleuten in der Schweiz: ca. 75 – 110 k CHF p.a.

      Also … nun mal easy und nicht jeder Informatiker muss Millionär werden oder seine Arbeit ist zu vergolden. Ich selbst war in den Jahren 1995 – 2010 Informatiker und Manager …. Lohn mit gut 140 k – 160 k CHF natürlich super …. aber eigentlich viel zu hoch! Wir haben ganz einfach die verblendeten CIO’s abgezockt! …. und heute geht das nicht mehr.

    • Das heisst heute nicht mehr Outsourcing…..Das Wort ist zu Dreckig geworden. McKinsey und BCG etc verwenden heutzutage „Geo-Shifting“. Good luck to all of you!

    • @M. Wichmann: Nach dem Grundgerüst fragt niemand. Schon nach deutlich mehr, zu immer weniger Entgelt.

      Softwareentwicklung ist noch immer die schwierigste Disziplin in der IT. Architektur und Projektleitung sind Entspannungsübungen.

      Was sind „gute“ Informatiker? Mir hat ein Stellenvermittler gesagt, ich hätte mehr angesammelt als die besten Cracks die er kennt.

    • Sehr geehrter Herr Müller

      Sie verwechseln Sie wirklich ein paar Sachen. Ein Studium an der ETH ist kein IQ Test. Mit Fleiss und Lernen kriegt jeder Durchschnitts IQ Mensch ein Studium hin. Ausserdem ist in der Wirtschaft nicht nur IQ gefragt sondern evtl. auch Sozialkompetenz, Cleverness, Durchsetzungsvermögen etc.

      Habe mit 16 entschieden, die Schule abzubrechen und in die IT einzusteigen. Das war Mitte 80er Jahre. Bin nach wie vor in der IT tätig und glücklich und einen sinkenden Verdienst kann ich nicht feststellen.

      Musste mich noch nie bewerben sondern werde beworben. Verdiene trotz nicht Studium und keiner Ausbildung ausser 9 Jahre Pflichtschule massiv mehr als sie. Habe über die Jahre viele Teams mit Doktoren und anderen hochstudierten Leuten geführt. Meist waren sogar die Höchstintelligenten die, welche komplett ungeeignet waren im Job, weil sie mit kompletten Wahnsinnsideen die Projekte verzögert haben und nicht auf Termin die geforderte Arbeit abgeliefert haben, weil sie es ja angeblich aufgrund ihrer Studiums, IQ’s oder Doktortitel besser wissen.

      Ein Hochschulabschluss und hoher IQ ist nicht gleich hoher Verdienst und sicherer Job.

      Ich glaube, Sie sollten, falls Sie können, etwas an Ihrer Einstellung ändern.

    • @Schulabbrecher: Sie haben mich massiv falsch verstanden! Es spielt auch keine Rolle, dass ich (an der ETH) studiert habe, auch wenn dies meinen formalen Berufsabschluss darstellt.

      Ich habe sehr viel geschrieben, was man lesen soll.

    • @Informatiker a.D.

      Niemand wird den Mehraufwand machen, wenn sich Informatik nicht zusätzlich lohnt. Das 21. Jahrhundert wird nicht in der Schweiz auffindbar sein, wie ich schon geschrieben habe.

      Es gibt Leute, die sich für Fantasien an US-Unis ausbilden und verschulden lassen. Es gibt alles. Dies ist kein Argument.

      Ohne Moos keine IT los.

  14. Outssourcing, egal in welcher Branche, ist immer eine Pleiteerklärung des Managements, dass man selbst die Hausaufgaben nicht gemacht hat! Eigentlich nur peinlich für jedes Management, nur werden die Manager von der Börse meist noch gefeiert.

    • @Frage, ja. Bei mir daheim kommt sogar ein Kombi-Gerät zum Einsatz, welches heisse, warme und eben kalte Luft von sich geben kann. Stichwort: Anti-Frizz-Wirkung.

      Vielleicht solltest Du mal Deine Mama bitten, Dir Euren Föhn zu erklären, mit all den vielen Reglern und Tasten und fremden Symbolen.

  15. Die Welt ist im Wandel. Das war schon immer so. Und Wandel ist manchmal schwer zu akzeptieren, weil er immer mit Chancen, aber auch Ungewissheit und entsprechenden Ängsten einhergeht. Das war so, als die Eisenbahn kam. Das war so, als Henry Ford das Fliessband eingeführt hat. Und es wurde im Laufe der Jahrzehnte nicht besser, als Computer, Roboter und AI auf den Vormarsch gingen.

    So gesehen ist es richtig und wichtig, dass sich Jobprofile ändern. Das muss aber nicht zwangsläufig zu Massenentlassungen führen.

    Herr Greco macht es sich damit zu einfach. Die Zürich muss sich sicherlich auf geänderte Kundenwünsche ausrichten. Das muss jedes Unternehmen. Fortwährend.

    Aber mein Anspruch als Kunde sind beispielsweise kurze Antwortzeiten, flexible Produkte, möglichst viele Informationen und online und idealerweise auch die Möglichkeit, die Produkte online zu konfigurieren und direkt zu ordern. Inkl. Live Chat mit einem Mitarbeitern, falls ich das möchte und das alles am besten auch von unterwegs.

    Neben vielen anderen Bedingungen erreicht man das nur, mit einer grundsoliden Informatik und entsprechenden Köpfen dahinter, die diese pflegen und die entsprechenden Produkte entwickeln und warten. Aber man spart eben lieber beim Fussvolk als an der repräsentativen Unternehmensspitze.

  16. Leider wir die gesamte Finanzbranche von solchen Stellenstreichungen betroffen werden. Die Digitalisierung und Industrialisierung der Prozesse wird grossen Einfluss auf die künftigen Arbeitsplätze in der Schweiz haben. Die Hoffnung auf neue, andere Job’s auf der Digitalisierung bleibt und muss von der Schweiz aktiv angestrebt werden

  17. Meine Meinung ist, wer als „Informatiker“ seit Jahrzehnten bei der gleichen Firma arbeitet ist a) nicht wirklich Informatiker sondern arbeitet einfach mit Computern und b) ist den Anforderungen der IT Welt nicht gewachsen, weil er zu wenig flexibel ist. Nur träge Leute arbeiten seit Jahrzehnten bei der gleichen Grossfirma.

    • Einverstanden. Aber warum ist das? Weil es in diesen Firmen unmöglich ist, sich zeitgemäßes IT Wissen anzueignen und dieses sinnvoll umzusetzen.

    • Wenn Sie sich bewerben, dann werden als Erstes Job Hopper aussortiert. Bei der Helvetia werden alle aussortiert, die irgendwo weniger als 3 Jahre verbracht haben.

      Für den Jobmarkt sind diese „trägen“ Leute der Wunschkandidat. Die Schweiz ist für die anderen das falsche Land zum Leben.

      Es interessiert auch niemanden, dass Apple und Amazon gigantische IT-Unternehmen sind. Hier werden Langzeitler bevorzugt. Amen.

    • @ zatoichi

      Sie haben insofern Recht, dass „Informatiker“ kein geschützter Titel ist: Jede und jeder kann sich völlig legal „Informatiker“ nennen. Und insbesondere in Grossfirmen gibt es tatsächlich Gestalten, die Word und ein wenig Excel beherrschen und schon das Gefühl haben, (auch) Informatiker zu sein …

      Aber: Anhand einer langjährigen Karriere beim gleichen Arbeitgeber kann nicht – nicht immer – geschlossen werden, dass diese Person träge, wenig flexibel und den Anforderungen der IT Welt nicht gewachsen sei.

      Uebrigens: Auch der Umkehrschluss nicht gilt nicht …

    • Stimmt alles, Müller & Mazetta. IT ist aber schon länger global und wer flexibel und mobil ist, der kann auch eine Stelle in London, Sydney oder Vancouver finden (oder andere, weniger bekannten Orten) auch mit 50. Aber wer sich eben gewohnt ist rumzuhocken und immer nur gemacht hat, was ihm gesagt wurde, der schafft halt den Sprung nicht.

    • Die Arbeitswelt ist im Wandel, das stimmt. Vor allem bei den Angelsachsen ist das Job-Hopping beliebt und erwünscht. Sie kommen, verursachen Chaos mit Folien und grossen Worten und verschwinden nach 2 Jahren wieder. Da bleibt nichts von Nachhaltigkeit; dies bräuchte die Wirtschaft dringend!

    • Als nunmehr ein Berufsleben lang tätiger in diversen großen und kleineren IT-Einheiten unterwegs gewesener Informatiker mit Hochschulabschluss (auch mehrere Jahre bei der CS in Zürich) kann ich Ihnen („zatoichi“) nur antworten: selten so einen arroganten, anmaßenden wie auch selbstgefälligen Stuss in zwei Sätzen gelesen.

    • So ein Mist! Meistens sind des die langjährigen MA’s die die Prozesse und System kennen und den Laden am laufen halten. Da können noch so viele Reorganisationen und Mergers laufen, Ende Quartal müssen die operationalen Zahlen auf den Tisch, sonst ist der Aktionär böse und straft an der nächsten GV ab. Nicht vergessen, der Bonus ist auch davon abhängig! Es ist wohl auch klar wer sicherstellt, dass irgendwelche Zahlen überhaupt da sind. Es sind nicht die frischgebacken Möchtegernhacker sondern die Datengrubenarbeiter.