Luzerner Kantonalbank wegen Madoff vor Richter

Heute Zivil-Prozess in Zürich – Tochter Adler Privatbank: 150 Mio Kunden-Schaden? Auch Strafanzeige gegen LUKB-Banker.

Hat die einstige Adler Privatbank, eine Tochter der bekannten Luzerner Kantonalbank, ihren Kunden hinterrücks Madoff-Feeder Fonds ins Depot gelegt?

Das behaupten mehrere Kläger. Sie stehen heute mit Forderungen gegen die LUKB vor einem Zürcher Richter und machen insgesamt rund 5 Millionen Schadenersatz geltend.

Dabei handelt es sich um eine Zivilklage, bei der es um Geld geht. Seit Juli liegt aber auch eine Strafanzeige auf dem Tisch der Zürcher Wirtschaftsermittler gegen Verantwortliche der Bank. Dort könnte es um Gefängnis gehen.

Hinter der Klage steckt ein Krimi der Extraklasse. Er wirft ein Schlaglicht auf eine vermeintlich solide Schweizer Privatbank, die 2010 vollständig in eine mittelgrosse und bekannte Staatsbank in der Innerschweiz integriert wurde.

Es geht um die Frage, ob ein hoher Berater der LUKB-Tochter Adler Privatbank für viele seiner vornehmlich holländischen Kunden bis zum Knall im 2008 Papiere von Hedge Funds erworben hatte.

Dies ohne entsprechenden Auftrag, mit nachträglich und selbst erstellten Orders, welche möglicherweise gefälscht sind.

Insgesamt spricht der Anwalt der holländischen Kläger von einer Schadenssumme von 150 Millionen Euro, wie ihm eine Quelle aus der Bank gesagt habe.

Die meisten der Geschädigten hätten sich mit der Mutterbank LUKB inzwischen geeinigt. Ein Hinweis darauf sei die Auflösung hoher Rückstellungen im letzten Jahr.

Ein Sprecher der LUKB wollte sich nicht zum Prozess äussern. Man sage nichts „zu laufenden Verfahren“.

Wie gefährlich die heutige Verhandlung für die LUKB sein könnte, darauf deutet der externe Anwalt der Innerschweizer hin.

Es handelt sich um Dieter Hofmann, einer der führenden Partner der grossen Zürcher Wirtschaftskanzlei Walder Wyss.

Hofmann und seine Auftraggeberin LUKB sehen sich schweren Vorwürfen gegenüber. Gemäss Strafanzeige habe der Adler-Banker von 1998 bis 2008 für viele Kunden Klumpenrisiken aufgetürmt mit Hedge Funds, „insbesondere Madoff-Feeder Fonds“.

Der Kollaps von Bernard Madoff gilt als grösster Finanzskandal der Neuzeit. Madoffs Ponzisystem, bei dem enorme Löcher mit Kundengeldern gestopft wurden, flog Ende 2008 auf.

Bei der LUKB gab es im Verlauf von 2008 nervöse Kundenanrufe. Sie führten zu internen Abklärungen. Möglicherweise folgte ein Verfahren der Finma. Die Aufsicht äussert sich nicht dazu.

Die LUKB- respektive Adler-Chefs stiessen auf ein System des hohen Beraters, der seine Holland-Kunden ohne richtige Aufträge mit riskanten Hedgefunds „beglückte“.

Der Banker habe „praktisch blind“ auf Madoff Fonds gesetzt, um die den Kunden versprochenen Ziele zu erreichen, steht in der Strafanzeige. Versprochen waren 8 oder mehr Prozent Jahresrendite „bei begrenztem Risiko“.

Die Fonds wären für normale Privatkunden gar nicht zugelassen gewesen. Der Adler-Berater musste die Kunden als Profi-Anleger im Banken-System erfassen, damit dies möglich wurde.

Im Prozess geht es um die Frage, ob die Kunden wie von der Bank behauptet die Aufträge für die Madoff- und sonstigen Hedgefunds selbst erteilt hätten oder ob der Berater von sich aus die Fonds für die Kunden erworben hätten, ohne die Kunden pflichtgemäss zu informieren.

Gemäss der Strafanzeige fände man „hunderte von Transaktionen, für die keine Kundenorders vorhanden“ seien.

Auffallend sei, dass die den Kunden verrechneten Gebühren sehr tief gewesen seien. Der Adler-Banker habe vermutlich Retrozessionen von den Madoff-Feeder-Fonds erhalten; vermutlich habe der Adler-Berater „diese Gelder selbst vereinnahmt“.

Das alles könne den Chefs des Beraters nicht verborgen geblieben sein. Dessen „System“ sei wohl „von seinen Vorgesetzten gedeckt“ worden, ja „möglicherweise waren diese daran beteiligt“, hält der Anwalt in seiner Strafanzeige im Namen der ehemaligen Adler-Kunden fest.

Die Bank verweist auf existierende Kunden-Aufträge. Diese tragen oft den Vermerk „Tel. order by client“. Sie wurden im Nachhinein vom Banker ausgestellt. Der Kunden-Anwalt vermutet, dass die Unterschriften gefälscht sein könnten.

In der Strafanzeige steht in einem Satz, weshalb die Version der Bank, wonach die Kunden die Aufträge für die Madoff- und übrigen Fonds selbst erteilt hätten, unglaubwürdig erscheint.

„Es ist völlig ausgeschlossen, dass eine so grosse Anzahl voneinander unabhängige Kunden zu den gleichen Zeiten auf die Idee gekommen sein konnten, die gleichen Papiere zu kaufen und dabei ausgerechnet noch alle bei der gleichen Bank und dann innerhalb der Bank bei Herr X. landeten.“

Kommentare

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  1. Same thing has recently been commited by a former managing director in Berenberger Bank Zurich.

    The banker is fired and reported to the police.

    • Different owners, different strategy: Berenberg has new – private – owners who want to take over a clean ship. LUKB is state owned and there all responsible preferred to cover the mess up in order to save their a… This is why the integration of Adler was sold to the public as a „one brand strategy“, perfect cover-up. More likely they were strong-armed by FINMA. The directors of Adler were immediately thrown out, like most client advisors.

  2. Ich war damals bei der Adler. Die Kunden haben über Jahre die versprochene Performance bekommen. Der Kundenberater war der Grösste. Ich weiss, das will niemand hier hören, aber die Kunden wussten schon was sie da hatten. Nur als alles gut ging, wars kein Problem und als dann alles zusammengebrochen ist, konnte man die Bank verklagen und die Verluste minimieren. Win win Situation für die Kunden. Sicher hat die Bank risiko- und compliancemässig Fehler begannen. Dennoch glaube ich, dass jeder Kunde auch eine Eigenverantwortung hat. Alles immer auf die bösen, bösen Banken abzuschieben, ist m.E. zu einfach.

    • LH schreibt von „einem“ Berater, nicht „alle“. Wurde also die Alder von einem „rogue trader“ versenkt, nach dem Vorbild von Nick Leeson / Barings? Wahrscheinlich wussten in der Bank alle, wer das war … muss ein ziemlihcher Star gewesen sein. Bitter für alle, die sauber waren und dann von der LUKB rausgestuhlt wurden.

  3. Tipp an die Kläger: heimische Finanzmarktaufsicht einschalten, das Offshore Banking mit Besuchen von Kunden, Cash Transporten, Verkauf von nicht UCITS konformen Papieren etc. etc. ist und war illegal. Banken werden gezwungen, so getätigte Geschäfte zu stornieren!

  4. LUKB startet heute (2018 !) die Emission von Strukturierte Produkte.
    Die Emittenten (alle Banken, die Strukis herstellen) verdienen damit zwischen 2 bis 4.% (unsehbar), dazu kommen noch Courtage und jährliche Gebühren. Kunden direkt auf den Primärmarkt ? Altmodisch !
    Sollten Kunden skeptisch sein, gibt es noch eine Alternative: Mandate ! (Mit Funds).

    • eine reine Kopie der Zürcher Kantonalbank welche, seit wenigen Wochen, sich auch total dem Fond-Vertrieb zugewandt hat.

      Die Analysten erhalten noch ein Gnaden-Brot bevor sie frühpensioniert werden.

      Einheits-Brei quer Beet. a) mehr Gewinn*, b) weniger Arbeit und Personal und C) die Roboter stehen bereit.

      *) vor allem versteckter und wiederkehrend!

  5. Madoff ein trauriges Kapitel. Der Hauptverantwortliche für den Fall Madoff ist meines Erachtens die SEC. Und zahlen die irgend etwas an die Investoren? Nein.

    Wäre der Fall in der Schweiz passiert hätten wir dummen Schweizer längst Milliarden in die USA geschickt.

    Kommt dazu, dass dieser Fall in der Schweiz absolut stümperhaft behandel wird. Was tun die Banken, die Finma. Letztere nichts.
    Die Banken
    Fairfield: kann man nicht wertlos ausbuchen (CS/UBS/BJB/LGT) und übertragen auch nicht? Warum sagt niemand. Auch Investoren die nie verkauft haben können nichts tun
    Hermes: kann man bei UBS/BJB nicht wertlos ausbuchen. Bei LGT kann man. Übertrag von einert Bank zur anderen bei gleichen BO möglich. Und dann wertlos ausbuchen….

    Clawback nach 10 Jahren??? Und die Formularpendenzen werden sich anhäufen. Administraver Aufwand?

    Ich habe bei UBS ein Beziehung mit nur noch Fairfield und Kontostand 0. Das wir wohl so bleiben. Konto ist nicht versteuert. Was wir ans Ausland gemeldet. Unterschreiben werde ich bei UBS kein einziges Formular… und meine Taxnummer haben sie auch nicht…
    Die Banken haben 100te solcher und ähnlich Fälle!! etc etc

  6. Ja, da werden die Adlerbank / LUKB nicht die einzigen Banken (in Luzern) gewesen sein. Bank Reichmuth & Co. mit ihrem „Matterhornfonds“ lässt grüssen. Zu üppig waren die (versteckten) Provisionen … und sehr üppig war auch der Schaden zum Schluss. Es ist verwunderlich, dass sich nicht mehr geprellte Anleger gewehrt haben!

    • Interessant ist, wie die LUKB (die dem Kanton bzw. den Luzernern Rechenschaft schuldig ist) den ganzen Niedergang der Adler Bank unter den Teppich gekehrt hat und als „One Brand“ Strategie verkauft hat. Gleichzeitig wurde die ganze Führung in Zürich rausgeworfen, etwas ruppig für eine Änderung der Strategie … Mich wundern die Kosten der „Übung Adler“ … hat man deshalb den Kobler geschasst? Die offizielle Geschichte mit der Freundin scheint nicht so stichhaltig.

  7. Adler – Privatbank. Ein wunderschöner, ja edler Ansatz um im eleganten Private Banking flügelschlagkräftig voranzukommen.
    Der Weißkopfseeadler der Amis, Der Adler beim Nachbarn im Norden, ja sogar Doppeladler-Gelder (Fussballer verdienen nicht schlecht) für verdiente Prospects und U/HNWI-Clients aus allen Herrenländer. Ein Adler verleiht dem RM „Flügel“.
    Wo ein Adler im Signet – ein Depot bei der Adler PB nie verkehrt …
    Heute: missed opportunities.

  8. Es fängt ja bereits hier an: Wäre so etwas möglich, würde jeder AAA-Schuldner unendlich viel Kredit zum (tiefen/unter 8 % liegenden) AAA-Satz aufnehmen und in mindestens 8 % rentierenden (Madoff)Zertifikaten anlegen. Gemäss Portfoliotheorie würde diese Rendite-«Diskrepanz» innert Kürze verschwinden («weg-arbitragiert»).

    Aber offenbar hat nicht nur die LUKB noch nie etwas von MPT («Modern Portfolio Theory») und deren Erkenntnissen gehört. Gibt es was mit fragwürdigen/kriminellen Konzepten zu verdienen, schau(t)en auch andere Banken und die FINMA bei dieser Tatsache weg, z.B.
    – UBS mit ihren „rentablen“ bzw. hellsichtigen HF-Tradern
    – Bank Vontobel, wo Superanleger Uli Hoeness während 5 Jahren eine Rendite von über 60 % PRO JAHR mit tausenden angeblicher Swaps „erzielte“, ohne dass Vontobel die Hoeness-„Strategie“ für den Eigenhandel kopierte …..
    – andere

  9. Das Fremdgehen der Staatsbanken (SG, GR, LU, BS, TI uA.) wurde für alle Institute zum Fiasko und eine Pleite reihte sich an die Nächste. Nun ‚grasen‘ diese Häuser wieder in den Lokal-Regionen wo sie ihre ‚Zürcher Abenteuer’ mit unterschiedlichem Erfolg hinter sich bringen. Hier wurde der Adler wurde zum Pleitegeier: Der Grössenwahn fordert seine Opfer.