Kann sich Vontobels Private-Banking-Chef halten?

Georg Schubiger war top bei Danske Bank – Diese von 234-Milliarden-Geldwäscherei erschüttert – Save Schubiger rollt an.

Vor 9 Tagen intervenierte die Vontobel-Pressestelle scharf auf einen Artikel zu ihrem Privatebanking-Chef Georg Schubiger und dem eskalierenden Skandal dessen Ex-Bank Danske.

Jeglicher Vorwurf an Schubiger sei haltlos, meinte Vontobel. Gestern musste nun der Danske-CEO zurücktreten. Er war von 2009 bis 2012 direkt für das Business in Estland, wo die Geldwäscherei für Russen lief, verantwortlich. Diese Funktion hatte bis 2008 Schubiger.

Die Dimension ist riesig. Es geht um insgesamt 234 Milliarden Dollar, die über Danskes Estland-Business geflossen sind und heute wegen möglicher Geldwäscherei umstritten sind.

Alles null Problem für Schubiger, meinte Vontobel vor 9 Tagen. Daran gebe es „keinen Zweifel, weil Georg Schubiger ab Frühjahr 2008 keinerlei Zuständigkeit oder Verantwortung für das Geschäft der Bank im Baltikum“ gehabt habe.

Ist Schubiger damit tatsächlich aus der Schusslinie? Im Gegenteil, die Sache könnte für die ganze Vontobel ungemütlich werden. In Medienberichten heisst es, die US-Justiz könnte den Danske-Fall anpacken.

DOJ gegen Schubigers Vontobel – eine brisante Vorstellung.

Warum dies nicht ausgeschlossen ist, hängt mit Schubigers Rolle in den Nullerjahren zusammen. Der Mann, der im Sommer 2012 von der Danske Bank zur Vontobel gewechselt hatte und dort Chef des ganzen Bereichs Private Banking wurde, hat nämlich eine „Vergangenheit“.

Sie heisst Sampo Bank. Es handelt sich um ein finnisches Geldhaus, das im Baltikum, insbesondere in Lettland, gross mit Russen und anderen Reichen aus Ex-Sowjet-Republiken wurde.

Schubiger war von 2002 bis 2008 für die Sampo Gruppe tätig, wie er in seinem Lebenslauf auflistet; zuvor war er Berater bei der McKinsey, und zwar im Finanzbereich.

Bei der Sampo Bank trug Schubiger zunächst die Verantwortung für das sogenannte Business Development, also die Weiterentwicklung des operativen Bankgeschäfts. In dieser Funktion war er Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung.

Im 2004 gelang Schubiger der wohl entscheidende Karrieresprung. Er wechselte von einer Stabsfunktion an die Front, wurde „Leiter Eastern European Banking“. Verbunden damit war die Mitgliedschaft in obersten operativen Leitung.

Ob Schubiger den oft schwierigen Wechsel aus dem Stabsbereich an die Geschäftsfront aufgrund eigener Vorarbeiten geschafft hatte, ist nicht bekannt. Möglich wäre aber, dass Schubiger höchstpersönlich auf die Idee gekommen ist, dass im Baltikum grosse Geschäfte schlummern.

So oder so trug Schubiger ab 2004 die Verantwortung für alles, was im Baltikum und damit in dem aus heutiger Sicht hoch gefährlichen Estland lief.

Gefährlich deshalb, weil in allen bisherigen Medienberichten und den Berichten der Ermittler stets die Rede davon ist, dass die Russen-Geldwäscherei rund um Danske ab 2007 begann.

Schubiger war im 2007 immer noch der zuständige Mann. Ja, er galt gar als Coming Man für eine damals abgeschlossene Grossfusion von zwei Nordländer-Banken.

Die dänische Danske Bank hatte nämlich Anfang 2007 die finnische Sampo in ihre eigene Struktur integriert. Schubiger musste als ehemaliger Sampo-Manager nicht etwa das Büro räumen, sondern er stieg auf, oder zumindest blieb er weit oben dabei.

Gemäss einem Communiqué der Danske Bank von Anfang 2007 wurde Schubiger zum Chef der ganzen Region Baltikum der neu verschmolzenen Bank gekürt.

Der Schweizer sollte das Geschäft mit den reichen Russen, die im Ableger Estland Kunden waren, weiter vorantreiben – und zwar unter dem Markennamen Sampo, die vollständig der Danske gehörte.

Erst im Frühling 2008 kam es zu einem Ende von Schubigers Verantwortung im Baltikum. Damals verliess er die Front und kehrte zurück in eine Stabsfunktion; Schubiger wurde neuer Chef des Business Developments der ganzen Danske Banken-Gruppe.

2010 erklimmte Schubiger gar den Danske-Olymp, wurde Mitglied der Geschäftsleitung der Danske Gruppe, und zwar als neuer Chief Operating Officer.

Ob er in dieser Spitzenfunktion etwas von der Geldwäscherei hörte, ist nicht bekannt. Erst für die Zeit ab 2013 ist verbrieft, dass die Danske-Spitze vom Skandal wusste.

Kurz vorher war Schubiger abgesprungen. Die Vontobel kündigte ihren neuen Chef fürs Private Banking im 2012 unter anderem mit dem Verweis auf dessen Russen-Knowhow an.

(Schubiger) bringt neben einer ausgewiesenen Strategie- und Management-Kompetenz auch direkte Geschäftserfahrung aus Osteuropa und Russland, und damit aus erklärten Fokusmärkten der Vontobel-Gruppe, mit“, hiess es in der Pressemitteilung.

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

31 Kommentare zu “Kann sich Vontobels Private-Banking-Chef halten?

  1. Der Fall ist gigantisch, und die US-Amerikaner, d.h. das DOJ, dürften hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aktiv werden. Der Grund: Die kolportierten 200+ Mrd. dürften zum Grossteil in USD transferiert (bzw. gewaschen) worden sein, zumindest bis 2014. Ab diesem Jahr haben sämtliche USD-Korrespondenzbanken die Schraube heftig angezogen: Es hagelte Anfragen noch und noch bei Schweizer Banken mit Russen- und Kasachen-Affinität. Zweck und Hintergrund von vielen grösseren USD-Transaktion mussten plausibel erklärt werden. Die Amis hatten den Braten gerochen. Konsequenz davon war, dass die „spezialisierten“ baltischen Banken in den EUR wechselten, denn die EUR-Korrespondenzbanken waren viel weniger auf Zack. Und unsere involvierten Banken hier haben in der Regel mitgespielt.

  2. Kann mir jemand den Zusammenhang erklären, verstehe den Artikel nicht so ganz:

    1) Dankse hat ein Geldwäscheproblem in Estland
    2) Schubiger war von 2008-2012 bei Dankse (allerdings nicht für den betroffenen Geschäftsbereich zuständig, laut dem Bild mit Lebenslauf)
    3) Schubiger war von 2002-2008 bei einer finischen Bank mit Banking Zuständigkeit für Estland. Allerdings erwähnt der Artikel nicht ob es bei der finnischen Bank auch zu Geldwäscheproblemen gekommen ist, sondern nur dass es bei Danske vermutlich seit 2007 Ungereimheiten gibt.
    4) Wie hängen Danske und Sampo Bank zusammen?

    => Ist die Aussage von LH dann, das Schubiger ein Problem hat weil Dankse in Estland Geldwäscherei betrieben hat und er bei Sampo für Estland zuständig war? Quasi weil dann alle Banken in Estland Geldwäsche für Russen betrieben haben? Oder weil er bei Danske gearbeitet hat, obwohl in seinen Rollen anscheinend ohne direkten Estland Bezug?

    Danke für die Aufklärung 🙂

    • Man könnte den Artikel auch einfach sauber lesen… Seit Anfangs 2007 gehörte die Sampo zur Danske. Und der werte gnädige Monsieur schubiger bis 2008 fürs Baltikum zuständig. 1+1=?
      Aber vermutlich handelt es bei dir, 3 Fragezeichen eh um einen HSG und Vontobel Troll.

  3. Was ich nie verstehen werde:
    Jeder Banken-Executive erklärt sein hohes Salär mit dem Risiko und der Verantwortung. Eine Risikoprämie halt.
    Wenn es dann aber darum geht, Verantwortung zu übernehmen, dann wird aber ein erbärmliches Schauspiel geliefert. Unschuldsbeteuerungen (Schuld hat mit Verantwortung gar nichts zu tun), Unwissenheit (ebenfalls unwesentlich) und manchmal wird sogar Inkompetenz als Argument für einen Verbleib verwendet.
    Das jämmerliche Schauspiel findet dann Tage, Wochen oder gar Monate statt. Am Ende erwischt es sie aber immer.

  4. Mhh, Irgendwie passen die Daten im Lebenslauf nicht mit der Story zusammen. Laut dem Lebenslauf im Bild war er von 2008-2012 bei Danske, im Bericht wird erwähnt das Geldwäsche bei Danske bereits ab 2007 vermutet wurde, als Schubiger noch im Amt war (er ist aber erst 2008 zur Danske gekommen). Musste wahrscheinlich schnell gehen heute morgen…. 😉

    • und die Finnische Bank, wo der Typ vor Danske gearbeitet hat? Wohl nicht alles begriffen beim Lesen…

    • Die Daten im publizierten Lebenslauf von G. Schubiger sind nicht präzis. Bereits Ende Januar 2007 hat die Danske Bank die Übernahme von Sampo abgeschlossen (siehe Link). Damit wäre Schubiger spätestens ab da ein Danske-Angestellter gewesen. Allerdings hat Dankse in Estland weiter als Sampo Pank operiert. Und mit dieser Einheit war ja Schubiger ab 2004 so erfolgreich unterwegs, dass er erst 2008 mental von der Sampo loslassen konnte…

    • Naja, als ich den Artikel heute morgen gelesen habe, war der Absatz zur Fusion zwischen Danske und Sampo so noch nicht im Artikel. Danke LH für das ergänzen, wäre aber net solche Änderungen auch kenntlich zu machen 🙂

    • Nur weil Sie die Relevanz des Beitrages nicht erkennen? Ich denke schon, dass Schubigers mögliche Beteiligung in dieser riesigen Geldwäscherei-Affäre ein paar Fragen rechtfertigt, beispielsweise wie sich sein damaliges Geschäftsverständnis mit der vordergründig makellosen Unternehmenskultur von Vontobel vereinbaren lässt.

  5. Vontobel‘s Russen-Geilheit hat ihre Fortsetzung bekanntlich 2016 gefunden. Damals kaufte die Bank von Notenstein-LaRoche deren Osteuropa Business zu. Mit Hauptziel Russland-Kunden. Aus Sampo wird nun ein veritables Garambo.

  6. Wohl sehr unwahrscheinlich, dass Schubiger in keinster Weise in die nun aufgedeckten, kriminellen Machenschaften seines vormaligen Arbeitgebers involviert war. Aber natürlich gilt für ihn die Unschuldsvermutung – auch wenn das den Reputationsschaden von Vontobel nur unwesentlich schmälert.

  7. Lieber LH,
    Dieser Artikel ist keine Sternstunde für den Recherche-Journalismus, die Aktenlage sehr, sehr dünn… aber ich glaube, das weißt du am besten…

    • Können Sie uns Lesern bitte ausführen, was genau nicht stimmt?
      Ist der Danske CEO nicht zurückgetreten? Ermittelt das DOJ nicht? War Schubiger im beschriebenen Zeiteaum nicht für das Osteuropageschäft zuständig?
      Bin gespannt auf Ihre Antwort!

    • musst halt auch andere Publikationen lesen. Vielleicht erschliessen sich Dir dann ein paar Zusammenhänge.

    • Der Danske CEO war von 2009-2012 Leiter Osteuropa bei Dankse, daher macht der Rücktritt Sinn, da ja Geldwäsche für 2012 nachgewiesen wurde. Schubiger war bei Dankse ja anscheinend nie für das Osteuropa Geschäft zuständig, sondern für Sampo, eine finnische Bank, bevor er zur Danske kam. Für Danske war er im Business Development + COO, also nicht mit direktem Estland Kontakt. Ist ja alles in dem Bild mit dem Lebenslauf ersichtlich, der Artikel ist nur grottig geschrieben und vermischt munter Aufgaben und Zeitangaben zwischen Danske und Sampo.

      Ausserdem ermittelt der DOJ ja (noch) nicht, dass ist ja nur eine Aussage die LH einwirft.

  8. Ich gehe davon aus, dass Vontobel bereits einen Nachfolger sucht. In 1-2 Wochen wird Schubiger dann aus persönlichen Gründen „zurückgetreten werden“.
    Jedes andere Vorgehen wäre fahrlässig.
    Sich erst als Osteuropaexperte verkaufen und dann behaupten, man habe von nichts gewusst: Unglaubwürdig.

    • Nö, warum auch? Die hübsche Frau HR-Tante wäre sonst traurig, und musste allein wieder ein US-Jöppli suchen (ohne Vitamin B).
      Bei Vontobel sind auch andere schon angeklagt worden, z.Bsp. der Hr. Gmünder, welcher bei ex Bank Sarasin erfolgreich wegzusehen pflegte. Natürlich auch noch so ein HSG-McKinsey Vogel, der eisernen regiert, und die darbenden Untertanen nicht hört, sondern schlaucht, bis sie gehen. Sein Ratschlag für die führenden WB-Söhnlein, in den Top-Positionen: Sind ja alle ersetzbar, wenn’s nicht passt.
      Was? Um 18:00 schon heim gehen? -Ja Du Laterne, hatte auch um 06:00 begonnen, und verdiene mein Geld nicht mit unproduktiven Sitzungen und grossen Sprüchen. Wurde dafür nie angeklagt, trotz 100 täglichen Entscheidungen!!!

    • Ich hoffe einfach dass wir dann endlich einen Nachfolger von Schubi haben werden welcher dann auch für so eine Funktion geschaffen ist und nicht wieder so leere Flasche… denke dass heute die Wasserkopf-Abteilung von Schubi sehr fleissig in diesem Blog geschrieben hat. Die haben ja auch nichts anderes zu tun als ihren Chef zu decken, denn die wird es dann auch mitspühlen…

    • Immer wenn sie von McKinsey kommen ist krummes Geschäften vorprogrammiert, Charakterschwächen halt.

  9. Würde mich ja schwer verwundern, wenn wir in den nächsten Wochen oder Monate nicht zu lesen bekommen, dass die „Geldwasch-Bär“ (Zitat eines anderen IP Kommentators) ebenfalls ein riesen Problem mit Geldwäscherei in Osteuropa hat.

    … nur ein Bauchgefühl …

  10. Obwohl wir hier in der Schweiz die besten Geldwasch-Maschinen pflegen und hegen, erstaunt es doch das wir gar Estisch-Dänische Konkurrenz bekommen und mit 234 Mia. wurde da schon ein zwar zaghafter aber doch bemerkenswerter Anfang aufgedeckt. Man kann schon von einem Schneeflöckchen auf dem grossen Eisberg der Korruption sprechen, das hier sichtbar wir. Es ist nur zu hoffen dass nun von Russland wieder mehr der Weg über die zuverlässigen Schweizer Waschtechnik gewählt wird – denn hier wird s a u b e r gewaschen.

  11. Wenn ihm seine berufliche Vergangenheit nicht das Genick bricht, dann seine Erfolglosigkeit, dass PB von Vontobel organisch zu verbreitern.

  12. bei der geldwäsche ist das zinsdifferenzgeschäft halt schon noch toller als bei einer einfachen hypothek 🙂
    viele bänker wissen einfach amix nicht, wann genug ist.

    • ODER MAN MACHT ES NACH DEM SCHEMA DER CREDIT SUISSE: EMISSION VON WERTPAPIEREN – STECKT KOHLE REIN UND VERSCHIEBT DIE CS-WERTPAPIERE VON DEPOT ZU DEPOT – ET VOILÀ! WIN-WIN-LÖSUNG!