Geldwäscher, Subprime-Crasher, Vorzeigedame

Lobby Bankiervereinigung beruft Grössen mit Altlasten: Pictet-Collardi, Bär-Hodler, Ex-UBS-Rohner – Lichtblick: Hypi-Wildi.

Die Bankiervereinigung ist die wichtigste Lobby-Organisation der Finanzbranche. Sie braucht die besten Köpfe im VR. Hat sie die?

Die Chance lag auf dem Tisch – und wurde vergeben. 5 neue Vertreter wurden soeben ins Führungsgremium gewählt, 4 davon sind Banker mit dunkler Vergangenheit.

Einziger Lichtblick: Hypi-Lenzburg-Chefin Marianne Wildi.

Die anderen 4: Old School-Bigshots mit Geldwäscherei-Fällen, Nahtod-Erlebnissen und Schwarzgeld-Affären.

Boris Collardi, instinktsicher von der Julius Bär letzten Herbst geflohen, kurz bevor die Venezuela-Bombe explodierte. Der neue Pictet-Partner vertritt die schrumpfende Privatbanken-Vereinigung.

Der Zweite ist Collardi-Nachfolger Bernhard Hodler, der unter seinem Chef alle Risiko-Kunden von Venezuela über Brasilien bis Fifa durchwinkte.

Der Dritte heisst Adrian Nösberger, er leitet Schroders und führt den Auslandbanken-Verband der Schweiz. Nösberger war von 2003 bis 2011 Spitzenmann der Clariden Leu, die soeben bei ihrer Mutter Credit Suisse zur Finma-Abstrafung geführt hat. Die CS-Tochter war ein Latino-Sumpf.

Schliesslich noch Marcel Rohner von der Genfer UBP, der ebenfalls einen Verband leitet. Vor allem aber ist Rohner Mister UBS-Crasher: Unter seinem Kommando hatte die Grossbank vor 10 Jahren ihr Nahtod-Erlebnis.

Subprime-Rohner, Schwarzgeld-Nösberger, Blindflug-Hodler, Tutti-Collardi: Das neue Dreamteam der Schweizerischen Bankiervereinigung, der obersten Standesorganisation des Finanzplatzes, gleicht einem Gruselkabinett.

Wäre da nicht Frau Wildi. Die Bankerin führt ihre Regionalbank seit Jahren mit ruhiger Hand und überschaubarem Salär, daneben vertritt sie die Schweizer Regionalbanken.

Letztes Jahr kassierte Marianne Wildi gut 410’000 Franken. Zwar deutlich mehr als im Vorjahr, als es 380’000 Franken für sie gab. Damals aber erfolgte noch ein PK-Zustupf, so dass Wildi über total eine halbe Million erhielt.

Auch nicht schlecht, ein Bundesrat würde sich die Hände reiben. Doch im Vergleich zur Viererbande Nösberger, Rohner, Collardi und Hodler ein Trinkgeld.

Collardi verdiente jedes Jahr 6 Millionen bei der Julius Bär. Als Pictet-Partner werden es wohl 20 Millionen sein.

Bernie Hodler erhielt unter Collardi eine Million und mehr, als neuer CEO kassierte er letztes Jahr fast 5 Millionen – für 35 Tage als CEO.

Über Rohners bisherige Bezüge muss man nicht gross reden. Bei der UBS verdiente er jahrelang Millionen, erst als er die Bank an den Abgrund geführt hatte, musste er sich mit weniger begnügen. Bei der UBP läuft sein Füllhorn nun wieder über.

Und Nösberger, der sich für Frauenquoten einsetzt, muss bei Schroders auch nicht darben.

4 Altlasten-Guys für die Bankiervereinigung, eine Frau fürs Gruppenföteli: Gab es keine Alternativen?

Die Lobbytruppe unter dem Kommando von Vontobel-Präsident Herbert Scheidt würde neben der Qualität der Gewählten vor allem deren Funktion herausstreichen: Alle fünf vertreten eine Standesorganisation und gehören damit ins Spitzengremium von Swiss Banking.

Für Collardi, Hodler, Nösberger und Rohner geht die Rechnung vor allem persönlich auf. Sie lassen sich in irgendeinen Club an die Spitze wählen, dort fallen sie zunächst nicht gross auf.

Dann springen sie aufgrund ihrer Funktion bei den Unter-Verbänden ins Obergremium des Bankenplatzes, zur Bankiervereinigung in Basel – mit allem damit verbundenen Glanz und Gehabe.

So funktionieren Banker-Comebacks in Little Switzerland.

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33 Kommentare zu “Geldwäscher, Subprime-Crasher, Vorzeigedame

  1. Der Rohner ist übrigens auch im Bastos- Sumpf tätig (gewesen?). Was für eine Banker Gilde sich da wieder gefunden hat ist himmelschreiend.

  2. Vermutlich würden diese 4 Herren in anderen Ländern hart angepackt?! Was soll man von der Glaubwürdigkeit einer solchen Vereinigung halten? Wird der Lichtblick Frau Wildi als Alibi missbraucht?

  3. Ist doch super. Alle Geier vereint.

    Bis vielleicht doch mal die Finma ihre Augen aufmacht oder die Amis mit der Faust auf den Tisch hauen. Genug Mist gebaut haben sie alle.

  4. Super, dass auch mal ein Positiv-Beispiel (erfolgreich, angemessener Lohn, engagiert) genannt wird.
    Man glaubt es kaum, solche Beispiele gibt es in der Bankbranche auch.
    Der Kontrast zu den Abgründen aus Inkompetenz, Filz und manchmal schlicht Wirtschaftskriminalität, der normalerweise hier behandelt wird, ist gross.
    Lukas Hässig, faktisch machen Sie den Job, der in weniger korrupten Ländern eine Finma, die Justiz und Medien machen würden.
    Hoffentlich ist die Finma wenigstens so vernünftig, Ihnen monatlich eine grosszügige Spende zukommen zu lassen. Einen 10‘000er pro Monat wäre das Minimum. Allein die Prävention von Hässig wirkt mehr als 20 Finma-Beamte.

    • Licht & Schatten = Genau ! Herr Lukas Hässig & Co. machen einen grossartigen Job !
      Die super recherchierten Berichte lesen sich wie Krimis. Wobei aber auch die jeweiligen Berichte seiner Gast-Kommentatoren (e.g. Prof. Hans Geiger & Marc Meyer & Klaus Stöhlker) und die meisten Kommentare dazu (s. viele hoch karätige Finanz-Profis), ebenso spannend zu lesen sind. Bravo = Weiter so !

  5. Lieber LH, sind Sie sicher, dass es Ihnen gut geht? Aus heiterem Himmel sagen Sie plötzlich etwas Positives über eine Frau, das gibt es doch sonst bei Ihnen gar nicht.

    • Habe heute auch gedacht: Erstaunlich, dass LH mal jemanden aus der Finanzbranche lobt.
      Womit bewiesen ist: Wenn jemand fähig ist, dann muss er/sie keine Angst haben vor LH.

    • Somit ist bewiesen, dass er nicht einfach ein destruktiver Stänkerer ist. Ein Lob am richtigen Platz muss allerdings zuerst verdient werden im ansonsten oftmals trivialen Blabla-banking.

      Ein kurzer Mini Jupe qualifiziert noch nicht und eine „digital piggy bank“ (Digipigi) geht jetzt auch nicht durch als diesen grossen IT-Wurf……….

  6. Mir wird es schwindlig ob den vielen Millionen.
    Ein gestandener Ingenieur, Mechaniker, Informatiker, Bauführer, Lehrer, verdient solche Jahressaläre in einem ganzen Arbeitsleben,
    wenn überhaupt.

  7. Präambel

    a) Im Bestreben, das Ansehen des schweizerischen Finanzplatzes im In- und Ausland zu wahren,
    b) in der Absicht, die bankenrechtlichen Sorgfaltspflichten betreffend Identifizierung des Vertragspartners, Feststellung des Kontrollinhabers und Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten zu konkretisieren,
    c) im Willen, einen wirkungsvollen Beitrag zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung zu leisten

    verpflichtet sich die Bank Julius Bär AG gegenüber der Schweizerischen Bankiervereinigung, als der mit der Wahrung der Interessen und des Ansehens des schweizerischen Finanzplatzes betrauten Dachorganisation, zur Einhaltung dieser Standesregeln.

    Amen

    • Ausgerechnet die zwei Cowboys von der Bär nun im VR der Gralshüterin der VSB. Das ist ja wie wenn man den Schnappsbrenner zum Leiter der Entzugsklinik macht.

    • Diese Herren diktieren dann dem einzigartigen Finanzgenie Ueli Maurer die Gesetze. Und alimentieren die Parteien, die in ihrem Sinne abstimmen. Wissen tun wir dies ja alle nicht, aber es muss ja irgend einen Grund geben, wieso sich die bürgerlichen Parteien schwer tun, ihre Parteispenden offenzulegen. Ganz wichtig hier in der Schweiz: die „IV-Rentner-Schmarozer“ dürfen bald besser überwacht werden, als jeder Terrorist. Aber dafür haben wir ja das Bankgeheimnis für die Steuerschmarozer in Beton gegossen. Komische Welt. Steuerschmarozer sind Edle, die Elite. Ein IV Schmarozer hingegen Abschaum. Ich habe stets gedacht, Schmarozer sei Schmarozer. Bin abgeschweift, aber es passt halt alles zueinander. Ich bleibe dabei: die Schweiz ist eines der korruptesten Länder der Welt, bedeckt mit dem Mäntelchen „direkte Demokratie“. Die Bankiervereinigung ist nur einer der vielen „Lobbisten“. Da wären noch die Chemiker, die Bauern, die Bauwirtschaft etc usw. Nur der Bürger, der hat keine. Danke Frau Niggli für Ihren Kommentar. So stehts geschrieben im Anhang. Naja, Papier ist geduldig. Da kann Baer und Konsorten draufschreiben was sie wollen. Einfach nur noch widerlich, was da abgeht. Politisch, Wirtschaftlich, Gesellschaftlich. Zu denken gibt mir auch, dass obwohl wir noch Wählen können, 60 % lieber zu Hause bleiben und schweigen. Und genau diese Schicht trifft die oben erwähnte Säuhäfeli-Säudeckeli Politik am Meisten. So, jetzt geht’s mir besser. Ein schönes Wochenende

  8. Noch ein Unterschied: Die Aktienperformance der Hypo Lenzburg ist stabil und die Dividende ansprechend.
    Während das Wirken von Thiam, Rohner und Co. zu grauenhaften Kapitalverlusten bei den Investoren geführt hat.
    Dafür kann der Thiam dann in der unkritischen NZZ die Welt erklären…

    • und in die Schweiz zügeln. Wo bleibt da der Aufschrei der $VP? Ein Imigrant, schwarze Hautfarbe und garantiert Pauschalbesteuert. Warum schreit da keiner, dieser rechten Hetzer?

  9. Vier Schmeiss-Fliegen und eine Biene……..

    Der Zentral-Rat fährt auf einer Schiene :
    Mit Ewig-Gestrigen “ Bajassen“ an Bord,
    Ueber Qualifikationen steht kein Wort!

    Vergangenheit zählt nicht beim Banker ;
    er wirft bei jeder Gelegenheit den Anker!
    Dann erscheint ein heller Heiligen-Schein,
    sie predigen Wasser und trinken Wein !

    Deshalb ist alles nur ein abgekarrtes Spiel,
    mehr Ruhm, mehr Geld, als einziges Ziel.
    Verschwinden später in den Endlos-Schleifen,
    in Erinnerung bleiben dann nur die Pfeifen.

    ORF

  10. Die Schweizer Bankenwelt ist genau gleich vers… und verlogen wie unsere Behörden, Politiker, Mainstream-Journalisten (!) etc.

  11. Ja die Biographie dieser Marianne Wildi zeigt schon einmal wunderbar, was unsere eidgenössischen Grossbanken in all den Jahren verpasst haben. Überall in diesen eitlen, selbstgefälligen Bonus-Boys – Klubs, wird eindeutig die Zukunft verpasst. Der Flaschenhals hoch oben noch grösser, weil dieser oftmals zugepflastert ist mit einer teuren Ansammlung an Frühstücksdirektoren, die monatlich mit stillem Sitzen ihr monatliches Schweigegeld abholen…………

    Frau CEO Marianne Wildi arbeitet seit nunmehr 34 Jahren bei dieser Hypi, wo sie als Programmiererin begann. Mit einer geballten Ladung an Weitsicht, Mut und Visionen hat sie die Bank weiterentwickelt Mit ihrer Affinität für Technologie und Experimentierfreudigkeit ist sie wohl als einzige unter all diesen CEO-boys bestens qualifiziert, zukunftstaugliche Lösungen anzubieten. Im Gegensatz zu diesen in der Branche, hat sie einen umfassenden, GELEBTEN Rucksack mit IT-Wissen. Könnte man dies etwa von Patrik Gisel, Raiffeisen, sagen?

    Kann Frau Wildi nur empfehlen allen Schalmeienklängen von anderen Banken zu entsagen und diese Hypothekarbank Lenzburg sanft und stetig weiterzuentwickeln.

    • Alles richtig gesagt.

      Hoffentlich kann diese umtriebige Frau ihren Enthusiasmus im Crypto – und Blockchain – Bereich etwas zügeln.

      Noch gibts zu viele Banditen in diesem Bereich.

    • Marianne Wild als Lichtblick zu bezeichnen … – ihre Selbstdarstellung ist schon fast ecklig – wäre nicht überrascht, wenn da noch eine dicke Überraschung (FINMA) platzt…

  12. Grüezi Hr Hässig. Im Lead-Teil benutzen Sie den Ausdruck „Hypi-Wildi.“ Ich kann keine Erklärung oder Definition für diesen Term finden. Bitte präzisieren Sie ihn für die Leser, damit sich eine lebendige Diskussion entwickeln kann !!

    • Frau Wildi arbeitet bei der Hypothekarbank Lenzburg und ist eine Top-Bankfrau. Leider ist sie eine aussterbende Spezies, denn sonst tummeln sich nur noch egomanische Nichtsnutze in den oberen Etagen der Finanzindustrie.

    • Aha, danke. Ich dachte, es hätte etwas mit wilden Hippies zu tun (wie im Lied „Kiosk“ von Polo Hofer: „do chunnt so ne wilde Hippie mit gflickte Hosebei“). Vielleicht wäre es besser, Hr. Hässig würde normale Terminologie benutzen anstatt versuchen, pseudo-originell zu wirken, oder ?

    • Professor Dr. ckdt
      War das sooooooo unverständlich … sogar ich als St. Galler habe verstanden was mit diesem Ausdruck gemeint war! 😉

    • @ Thomas Burckhardt
      Nein – Lukas Hässig soll bei seiner Terminologie bleiben! Ich glaube, Sie sind der einzige, der „Hypi-Wildi“ nicht verstanden hat. Vermutlich sind sie in der Hippie Zeit stecken geblieben.

    • Sehr geehrter Herr Burckhardt
      Als ehemaliger „Hypianer“ doch noch eine kleine Ergänzung zu den „Vorrednern“: Die Bezeichnung „Hypi“ steht tatsächlich für die Hypothekarbank Lenzburg (Abkürzung HBL) und wird in der Region Lenzburg als liebevoll gemeinter, stehender Begriff für die Regionalbank mit dem Slogan „Vertrauen verbindet“ oder „Die Bank vis-à-vis“ in der Bevölkerung verwendet. Der Begriff ist also keineswegs despektierlich zu deuten.
      Und ja, bei der „Hypi“ handelt es sich seit 150 Jahren um eine grundsolide, nach „alten Bankieregeln“ handelnde Regionalbank, die auch bereits von den Vorgängern von Marianne Wildi (Dr. Renggli bzw. Dr. Stampfli) sicher und unbeeindruckt von „Eintagsfliegen und Hypes“ durch alle Turbulenzen geführt wurde. Die 150jährige Geschichte der Bank gab ihrer gepflegten Geschäftskultur jedenfalls bis heute recht und möge es unter Marianne Wildi und ihren Nachfolgern noch viele Jahre so weitergehen. Ich wünsche Marianne Wildi jedenfalls in ihrer zusätzlichen Aufgabe alles Gute.

    • Wie wäre es, wenn Sie sich darum bemühen täten, LH zu verstehen? Offenbar sind Sie einer der wenigen, die damit Mühe haben.

  13. Keine Krähe hackt der andern ein Auge aus, und sei sie noch so verdorben. Diese Industrie ist „rotten to the core“, und trotzdem passiert gar nichts.
    Wann wacht die Schweiz auf?

  14. Es setzt sich auch hier weiter fort…….Geklüngel und Filz……..und auch hier erneut eine Chance verpasst!

    …….same country, same industry, same behaviour!

    • Die SBV hat sich für die “ no change“ entschieden….wennn aber das Welt sich ständig verändert!
      Tja, wo bleiben die innovative, treibende kräfte? Ausweg Silicon oder andere Valley? Who knows…😁😁😁