Falcon Bank vollzieht ungewollt den Brexit

Zürcher Privatbank steht vor Rückzug aus dem Markt England – Dieser erfolgt nicht wegen der Politik, sondern mangels Erfolg.

Martin Keller hatte ein angenehmes Banker-Leben. Solange er bei der Credit Suisse im Sold stand, genoss er Schutz dank der schieren Grösse seiner Arbeitgeberin.

Seit einem Jahr ist alles anders. Keller steckt in einem Sturm fest. Über Nacht war der CS-Manager Chef der Falcon Privatbank geworden. Zuvor sass er bereits im VR der Zürcher Bank in Händen arabischer Scheichs.

Der Moment war schwierig. Die Falcon stand nach Skandalen und Abgängen geschwächt da. Unter Keller sollte sie endlich zurück in ruhiges Fahrwasser finden.

Schaffte sie das? Nicht, wenn man den nächsten Schlag zum Massstab nimmt. Die Falcon will sich nämlich aus dem England-Markt zurückziehen.

Zuvor hat sie dort bereits ihren wichtigsten Kundenberater verloren. Und ohne diesen sieht Keller für seine Falcon London offenbar keine Zukunft. Dort hat die Falcon derzeit rund 1 Milliarde Franken an Kundenvermögen und beschäftigt knapp 30 Leute.

Nun will der Falcon-CEO die UK-Einheit verkaufen, ist zu vernehmen. Um nicht weiter Verluste zu erleiden.

Wortreich gegen Misere: Martin Keller, Chef Falcon (Quelle: Bankinnovation-me.com)

Stop loss heisst das in der Banker-Sprache. Der Falcon-Ableger in England brachte ausser Spesen nicht viel. Mit einem Verkauf will Chef Keller wenigstens noch ein paar Pfund lösen.

Diese sollen dann in Zürich und im Mittleren Osten investiert werden. Eine Achse zwischen dem führenden Finanzplatz der Schweiz in Zürich und jenem im arabischen Raum in Dubai – das ist es, was Keller als zukünftige Existenzberechtigung für seine Falcon vorschwebt.

Die Bank wird immer kleiner. Nach zahlreichen Abgängen nähert sich der Personalbestand 200 Angestellten. Die Kundenassets sind nicht viel grösser als bei einem potenten externen Vermögensverwalter, nämlich ohne London noch rund 9 Milliarden Franken.

Reculer pour mieux sauter, sagt sich Keller. Also gesundschrumpfen, um von einer neuen Basis wieder wachsen zu können.

Dafür würden über die nächsten Jahre erfahrene Kundenberater gesucht, heisst es aus dem Umfeld der Falcon. Rund zwei Dutzend neue Leute sollen es bis zuletzt sein.

Neben der Zürich-Middle East-Achse hofft Keller auf Zug. Dort war seine Falcon Bank vor Jahresfrist hoch im Kurs – als erste Privatbank mit Crypto-Beratung für Profi-Anleger.

Was wurde daraus? Die Initiative laufe weiter, sagen Falcon-Leute. Doch effektiv ist rund um Cryptos und Bitcoins nicht mehr von der Falcon die Rede, sondern von anderen Banken.

Kürzlich kündigten ehemalige UBS-Leute eine eigene Crypto-Bank mit Finma-Lizenz an. Sie haben 100 Millionen für ihr Vorhaben eingesammelt und bekannte Köpfe an die Spitze gesetzt.

Das Goldfieber ist weiter gestiegen. Die NZZ berichtet von einer Finma-Lizenz für einen Crypto-Fonds. Auch hier haben andere das Rennen gemacht als die Falcon.

Neue Ära, ohne Pionier Falcon? NZZ, 10. Oktober 2018

Hat diese ihren Pionierstatus bereits eingebüsst und ihren Vorsprung, den sie unter der alten Führung herausgeholt hatte, schon wieder verspielt?

Falcon-Gesprächspartner wollen davon nichts wissen. Man habe sehr in den letzten Monaten weiter sehr viel dazu gelernt, bleibe am Ball, wisse, was man wolle – so die Aussagen.

Was daraus wird, muss sich noch zeigen. Einer, der die Crypto-Idee innerhalb der Falcon vorantrieb, hat jedenfalls beim grossen Knall vor Jahresfrist die Seiten gewechselt.

Arthur Vayloyan heisst der Mann, wie Falcon-CEO Martin Keller machte auch er seinen Karriereweg einst bei der CS. Bei der Falcon führte Vayloyan dann das Crypto-Assetmanagement ein.

Kurz nach seinem Abgang bei der Falcon wurde Vayloyan Präsident der Nummer 1 unter den Bitcoin-Firmen in Zug.

Seither ist es zwar auch ruhig geworden um den Ex-Falcon-Shootingstar, so ruhig wie um die Falcon insgesamt, zumindest was deren Crypto-Initiative angeht.

Doch das Thema Crypto und Banking hat weiter an Schwung gewonnen. Und die Falcon unter ihrem Chef Martin Keller haben dabei keine führende Rolle gespielt.

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8 Kommentare zu “Falcon Bank vollzieht ungewollt den Brexit

  1. Falcon hat schlicht und ergreifend keine tragfähige Geschäftsbasis und man muss sich fragen, woher die genannte Vermögensbasis von CHF 9 Milliarden stammt. Wer um Himmels Willen vertraut einem Bankinstitut unter CEO Keller, der vom Private Banking wenig Ahnung hat, sein Vermögen an?

  2. Interessant ist ja die Story mit London … hat diese nicht ein gewisser Erich Pfister eingefädelt? Hat nie Früchte getragen, von Anfang an ein Desaster. Nun ja, er wurde bei Falcon in die Wüste geschickt um nun bei der Bank Oddo Bhf als CEO anzuheuern. Wie lange dauert es dort bis die Leute merken, dass ausser grossen Worten nichts folgen wird?

  3. Falcon Bank hat ins besonders in der Schweiz mit der fortdauernden Bankenkonsolidierung keine Überlebenschance, nich nur das Falcon im Malaysia Skandal verstrickt ist, den 3 obersten bei Falcon Schweiz geht es wie bei vielen Banken lediglich darum Zeit zu gewinnen und noch so lange abzuschöpfen wie es noch geht.

  4. Der Laden ist klinisch tot. Die halbwegs brauchbaren Mitarbeitenden schon längst geflüchtet. Keller mit seinen Durchhalteparolen total unglaubwürdig. Kündigt in der Presse gross an und liefert dann nicht – peinlich und unprofessionell.

  5. CEO Martin Keller war doch Vizepräsident und Sportchef bei GC – als es um die Einstellung von Thoma ging. Er hat ja auch Salatic rausgeiwrfrn, der Skibb einen faulen Sack nannte, und auch dem A. nicht abgeneigt.

    War Keller nicht auch Owner? Der GC rettete und Mio. investierte?

  6. Und die neuen Mitarbeiter…? Gestrandete, Ausgesteuerte, Job Hoppers, … man nimmt momentan alles und ist nicht so wählerisch. Weil welcher „Star“ Private Banker gibt einen sicheren Hafen auf und geht zu Falcon?

    • Manche wollen endlich mal auch Chefe werden, es ist nicht genug Priave Banker zu sein, Star hin oder her, es ist manchmal schön auch „Head of“, Executive Director or Senior Strategic Director General zu sein. Bei Falcon können noch solche Positiönli geschaffen werden: ein Hydra mit vielen Heads aber ohne Body.