Berchtold-Knall: Big Fight ums Ganze bei der Falcon

Scheidender CEO lässt Ex-CS-Kollegen bei Privatbank schutzlos zurück – Auch Nachfolger ist von Grossbank – Machtkampf ahoi.

Walter „Wädi“ Berchtold schmiss hin. Nicht mit mir, sagte sich der bekannte Zürcher Banker mit langer Karriere bei der Grossbank CS und kurzer bei der Privatbank Falcon.

Deren Araber-Besitzer hatten Berchtolds Arbeitsvertrag ausgehebelt. Der sah vor, dass Berchtold als CEO der Falcon Private Bank sowie seine engsten Mitstreiter am Gewinn beteiligt würden.

Nach einem Jahr Gezerre um die Auslegung der abgemachten Gewinnbeteiligung war für Berchtold klar, dass er das Vertrauen der Araber-Eigentümer verloren hat. Darauf schmiss er den Bettel hin.

Gestern Abend begründete Berchtold per SMS seinen Entscheid. „Habe gekündigt ohne Plan. Zerwürfnis mit dem Shareholder, auf zu neuen Ufer“, jagte Berchtold durchs Netz.

Das Misstrauensvotum der Araber gegen ihren vermeintlichen Superstar Berchtold bedeutete auch das Aus des Präsidenten von Falcon.

Der heisst Christian Wenger, ist Anwalt mit Spezialität Firmendeals. Wenger gehört seit anderthalb Jahrzehnten zum VR der Schweizer Falcon, die den Scheichs vor allem als Family Office diente.

Als Wenger vor wenigen Monaten neuer Präsident wurde, dachte man an einen Neuanfang bei der Falcon. Diese war tief in den Sumpf eines Malaysia-Korruptionsfalls gigantischer Natur geraten.

Nun wirft auch Wenger das Handtuch. Er hatte Walter Berchtold zunächst als Mitglied in den Verwaltungsrat der Falcon gebracht, er hatte danach Berchtold als CEO vorgeschlagen.

Und Wenger war es, der dem Ex-CS-Spitzenbanker versprochen hatte, dass er einen unternehmerischen Vertrag mit Gewinnbeteiligung im Falle des Erfolgs erhalten würde.

Mit dem Njet aus Abu Dhabi aus dem Headquarter der Falcon-Besitzer stand Präsident Wenger mit abgesägten Hosen da. Er hatte Wädi Berchtold sein Wort gegeben, nun lag alles in Scherben da.

Der Falcon-Frühling war in kürzester Zeit vorbei. Wieder die ganze Spitze weg, wie nach dem Malaysia-Skandal und der folgenden Strafe durch die Schweizer Behörden, die fast zum Aus der Bank geführt hatte.

Das Erdbeben von gestern dürfte erst der Beginn einer ganzen Reihe von Erschütterungen sein. Die Falcon Private Bank könnte nämlich schon bald in einen veritablen Machtkampf ganz oben geraten.

Grund ist die Wahl des Nachfolgers von Walter Berchtold, also des neuen CEOs der Privatbank. Der heisst Martin Keller und stammt wie so viele der neuen Spitzenleute der Falcon aus der CS.

Bei der Grossbank war Keller lange im Asset Management. Zuletzt leitete er den Verkauf eines Bereichs innerhalb dieser CS-Sparte.

Dann verschwand Keller plötzlich von der Bildfläche. Laut einem Insider hatte er seinen Platz räumen müssen, weil er mit seiner Verkaufstruppe nicht vom Fleck gekommen war.

Keller hielt sich mit kleineren Mandaten im Gespräch. Bis er dann diesen Frühling als neues Mitglied im Verwaltungsrat der Falcon wieder etwas Grösseres erhielt.

Nun steigt er fulminant auf zum CEO der Falcon. Er wird im Oktober die neue Strategie der Bank präsentieren.

Die vielen Ex-CS-Manager, die in den letzten Monaten zur Falcon geströmt sind in der Hoffnung, mit Walter Berchtold reich und erfolgreich zu werden, müssen sich nun mit Keller arrangieren.

Vor allem einem könnte das grosse Mühe bereiten: Arthur Vayloyan.

Vayloyan gehörte lange Jahre zur obersten Gilde in der globalen Vermögensverwaltung der Credit Suisse. Bei jeder Rochade ganz oben erhielt Vayloyan eine neue Aufgabe. Er schien untouchable.

Bis Ende 2012. Da erwischte es auch ihn. Sein Abgang führte zu vielen Tränen bei zurückbleibenden CS-Leuten. Vayloyan war beliebt und respektiert.

Nach Jahren in der Versenkung gab Vayloyan bei der Falcon Privatbank ein überraschendes Comeback. Sein Ex-Chef Wädi Berchtold hatte ihn überzeugt, nochmals im Banking anzupacken.

Vayloyan wurde zu Berchtolds wichtigstem Mann für den Neuanfang bei der Falcon als ernstzunehmende Vermögensverwalterin. Er wurde Chef aller Produkte und Services.

Vor kurzem machte die Falcon unter Berchtold und Vayloyan von sich reden mit einer Bitcoin-Offensive. Die Falcon schaffte es damit in die grosse angelsächsische Finanzpresse.

Vayloyan gilt nicht nur als erfahren und vorbildlich, sondern auch als äusserst ehrgeizig. „Für mich ist klar: Arthur wollte ganz bestimmt CEO der Falcon werden“, sagt ein Vertrauter von ihm.

Dem bisherigen Falcon-Chef Walter Berchtold habe sich Vayloyan unterordnen können. Die Machtfrage zwischen den beiden Alphas sei einfach zu regeln gewesen.

Wädi glänzte nach aussen, Arthur nach innen.

Nun prallen mit Vayloyan und dem neuen starken Mann Keller zwei Banker aufeinander, bei denen die Hackordnung weniger klar ist. Beide dürften sich dem anderen überlegen fühlen.

Doch einer hat nun das Rennen gemacht: der unbekannte Keller. Wie wird der bekannte Vayloyan darauf reagieren? Und was würde passieren, wenn er ginge? Würden viele CS-Kollegen folgen?

Der Falcon, die soeben noch als wieder gesundet dastand, droht die nächste Zerreissprobe.

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22 Kommentare zu “Berchtold-Knall: Big Fight ums Ganze bei der Falcon

  1. Arthur Vayloyan wäre von Anfang an der richtige CEO gewesen. Erinnern wir uns doch an die legendären Interactive Fieldtrips, die AV zusammen mit den besten Kunden der CS weltweit machte und dadurch die NNA durch die Decke gingen….
    Vayloyan war schon immer allen seinen Kollegen in der Branche eine Nasenlänge voraus……das ist heute mit der Bitcoin -Initiative nicht anders.

  2. „…auf zu neuen Ufern“!!!? Ich schmeiss mich weg! Manometer! Er meinte wohl eher: „Auf zu neuen Gratis-Futtertrögen mit genügend Money for Nothing“. – Na ja, vielleicht reicht es mittlerweile nur noch zu ein paar Gratiseintritten ins Solarium.

  3. Wädi Berchtold?! Gähn! Einer von vielen, die zu glorREICHen Zeiten bei der CS REICHer geworden sind.

    Möglicherweise ohne allzuviel Brains, aber auch ohne allzuviel Skrupel. Wädi, Bahrend, Brady, Thidiane, Urs und wie sie alle heissen: Ich kann’s nicht mehr hören.

    Ja, soll doch der Wädi seine Kohle in ein neues, eigenes Unternehmen investieren. Good luck, buddy – äh, Wädi.

    PS:
    Nein, ich habe nie bei CS gearbeitet. Aber ich war Kunde. Und – noch schlimmer – Aktionär.

    Was die Falcon, gemäss Eigenwerbung eine Private Banking Boutique, angeht: „Boutique“ heisst „Bude“. Und einer solchen vertraue ich mein Geld nicht an.

    Nicht dass die überhaupt mit mir reden wollten: Denn ich heisse nicht Marcel Du Pont und bin auch kein bekennender Milliardär wie er. In der Tat bin ich nicht mal auf dem nächst unteren Level, heisse also weder Warren Buffet, Ingvar Kamprad, Bill Gates noch Larry Ellison. Für eine Boutique wie Falcon und eine Person wie Marcel Du Pont bin ich somit ein Nichts. Und fühle mich pudelwohl dabei!

    Zudem ist die Falcon in Privatbesitz. Wenn also der Falke, dessen Stern und/oder dessen Aktien abstürzen sollten, so geht mir das an einem gewissen Körperteil meilenweit vorbei!

  4. Die Bank hat noch nie Geld verdient im klassischen Private Banking. Das frühere Fonds-Retail-Geschäft (nun in der bankzweiplus) hat während Jahren die wesentlichsten Teile der Erträge generiert. Ich habe so das Gefühl, dass in zwei, drei Jahren die Bank in die CS aufgeht…? Wie sollen die heutigen Kundenbetreuer die Kunden halten? Die klassische Spirale nach unten beginnt – bis die heutigen Eigentümer endlich begreifen, dass mit diesem Investment kein Geld zu verdienen ist.

  5. Aha, der Herr wollte Unternehmer sein.
    Frage: wo war das Downside? Mit wie vielen Millionen wäre der Wädi denn ins Risiko gegangen?
    Ohne Downside auch kein Upside.

  6. Man kennt ja nie die ganze Geschichte.
    Aber das hört sich wieder mal nach
    CS GL und VR Mentalität an.
    Abkassieren und das Risiko den Aktionären überwälzen.

  7. Hoffentlich verlieren diese Aktionäre das ganze Geld:-) Wissen nicht wie blöd sie sich benehmen sollen nur weil sie zufällig Öl unter ihrem A…….. gefunden haben..

  8. Diese Schicht von sog. Bankern der Neuzeit können sich lediglich mit Rhetorik verkaufen, dazu zählen Typen wie Varnhold, der CHF Mio 4 bei Baer verdiente. Berchtold hievte sich bei der CS in die Abt. für Ultra High Net Worth Kunden, seine „Regenerationszeit“ belief sich auf max. 2 Jahre. Alle diese Showstars werden von den weiterhin naiven Kunden noch subventioniert, denn dank den Derivative- bzw. Alternativeprodukten, die den Banken 2 % bis 3 % Erträge generieren, kann diese Schicht von Blendern der Bankindustrie mit Einkommen von einigen 100-tausend und mehr quersubventioniert werden. Würden Kunden sich nur auf Direktanlagen festlegen, dann müsste die gesammte Blendertruppe sich schon seit geraumer Zeit beim Raff anmelden.

  9. Warte auf den Kommentar von MdP zu diesem Warmduscher und Nichtmitglied im Stratos-Mile-Club (würde mich sonst wundern…), der meinte, so locker nebenbei mit wenig Einsatz und v.a. mit NULL Einsatz von eigenen Mitteln sich am Gewinn bedienen zu können. – Er hat nicht begriffen wie das bei den Arabern geht: Gewinnbeteiligung ja, aber dann auch Risikobeteiligung!

    • Weshalb immer unter der Gürtellinie? Man kann ja durchaus eine Meinung vertreten, dies sollte aber meines Erachtens mit Anstand und Respekt geschehen. Würde man auch so schreiben wenn man sich nicht hinter einem Pseudonym verstecken würde? Eher nicht, oder? Es könnte für die eigene Karriere eventuell nachteilig sein. Man sieht sich ja bekanntlich mindestens zweimal im Leben.

    • @ Morf: Brauche keine (abhängige) Karriere. Trage aber auch mein eigenes Geschäftsrisiko. Sie verstehen?

  10. Wädi, ein guter, ein FCZ Fan forever, hat solch einen Kindergarten nicht nötig. Richtig gemacht! Arthur hat ja so extrem viel Kohle, warum tut er sich das an?

  11. Vorschlag an Berchtold, zu zeigen ober Biss hat oder nur Schauspieler ist: Er nehme 20-30 Millionen EIGENES Geld in die Hand, gründe mit einem innovativen, guten Konzept und ein paar guten, handverlesenen Leuten über die nächsten 12-24 Monate eine neue Bank und lege dann los und zeige, ober er wirklich das Zeug und v.a. den Biss und die mentale Stamina zum erfolgreichen Unternehmer hat oder bloss zum angestellten Darsteller-Boniabgreiffer.

    • Guter Ansatz. Gleichschritt wo Mike Bär schon eine neue Bank aufbaut.
      Berchtold könnte ja ein Revitalisierungs-Programm auflegen zB. mit Neue Clariden-Leu. Wer das damals kaputt gemacht hat ist längst vergessen. Da wäre schnell wieder Charme und Finanzkompetenz drin.
      (NB: Die damaligen Key People müsste man nicht mehr reaktiveren.)

    • Es ist halt einfacher, ein Auto zu fahren, als eins zu bauen! Beide, Wädi und Mike, haben sich einfach in ein warmes Bett gelegt, wenn auch jeder in ein anderes!